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Titelbild zum Beitrag: Gratwanderung zwischen Alpen und Iglu
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Gratwanderung zwischen Alpen und Iglu

Incentives: Formen und Nutzen

Wie motiviere ich eine Führungskraft? Durch Incentives. Denkbare Formen sind Geld- und Sachprämien. Deren tatsächliche Anreizwirkung ist allerdings ungewiss. Deutlich geeigneter scheinen Incentives in Form von Statussymbolen oder Events. Letztere können vom gemeinsamen Bau eines Iglus, über Bungee Jumping bis hin zu einer Alpenüberquerung mit Schlittenhunden sein. Gerald Pilz beschreibt die verschiedenen Möglichkeiten der Incentivierung und erklärt auch, warum sich ein Büro ohne Fenster negativ auf die Karriere auswirken kann.

Von Dr. Dr. Gerald Pilz, Berufsakademie Stuttgart

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Incentives gehören zu den personalpolitisch wichtigen Instrumenten, die in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Sie sind Anreize in Form von Geld- oder Sachprämien, die dazu dienen, Mitarbeiter stärker zu motivieren oder für Leistungen zu belohnen. Zur Zielgruppe solcher Incentives gehören aber auch Kunden und Lieferanten. Insofern sind Incentives im Grenzbereich zwischen Personalwirtschaft und Marketing angesiedelt.

Geldprämien: Belohnungseffekt geht verloren

Geldprämien erfreuen sich zwar bei der Belegschaft großer Beliebtheit, haben aber den Nachteil, dass sie nicht als Anerkennung einer besonderen Leistung aufgefasst werden, sondern als herkömmlicher Gehaltsbestandteil. Oftmals erfolgt die Auszahlung der Prämie zeitlich verzögert, so dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der erfolgreichen Leistung und der Prämie nicht immer hergestellt werden kann. Der Belohnungseffekt geht dadurch weitgehend verloren; daher sehen die Mitarbeiter die Zahlung eher als eine zusätzliche Ausschüttung oder einen Bonus an. Kerngedanke des Incentive ist es jedoch, zu neuen Höchstleistungen anzuspornen, wie die lateinische Wurzel „incendere", was übersetzt „entzünden" oder „entfachen" bedeutet, nahe legt.

Statussymbole: Weit mehr als Nebensächlichkeiten

Weitaus interessanter sind für viele Statussymbole, die auch in subtilen Abstufungen gewährt werden können. Der eingangsnahe Firmenparkplatz, das teure Handy oder Smartphone, der gehobene Dienstwagen, die Visitenkarte mit Goldumrandung und das Büro in exklusiver Lage signalisieren dem Außenstehenden die soziale Position einer Führungskraft. Wer sich in falsche Bescheidenheit hüllt oder Statussymbole als Nebensächlichkeit abtut, verkennt deren herausragende Bedeutung im Unternehmensalltag. Eine hoffnungsvolle Karriere kann bereits beendet sein, wenn sich jemand mit einem kleinerem Eckbüro zufrieden gibt. Es gibt gleichsam eine Topographie des beruflichen Erfolgs: Nur zu rechten Zeit und am richtigen Ort findet der berufliche Aufstieg statt. Wer große Karriereambitionen hegt, sollte diesem Thema besondere Aufmerksamkeit widmen. Wer irrtümlich Zugeständnisse macht oder es versäumt, Stärke zu demonstrieren, wird von den Konkurrenten als „Schwächling" abgetan und hat bereits die Eröffnungspartie und damit fast das ganze Spiel verloren. In den USA werden Führungskräfte, die zu wenig Eifer oder Durchsetzungsvermögen an den Tag legen, in fensterlose Büros einquartiert. Es mag verwundern, aber wer es als Aspirant einer viel versprechenden Führungslaufbahn hinnimmt, ein zweitklassiges Büro oder einen Parkplatz in Deck C zugewiesen zu bekommen, wird schnell ins Abseits gedrängt. Das Machtgerangel findet längst nicht nur auf den Büroetagen, sondern bereits in der Tiefgarage statt.

Insbesondere Neulinge sollten strikt darauf achten, dass sie die angemessenen Insignien der Macht erhalten. Diese variieren je nach Branche; in der Automobilindustrie werden dem richtigen Parkplatz und dem respektablen Dienstwagen größere Bedeutung als in einem Softwareunternehmen beigemessen. Führungskräfte sollten eine Sensibilität für die jeweils ausschlaggebenden und prestigeträchtigen Statussymbole entwickeln. Wer hier Abstriche macht und sich mit einem kleineren Schreibtisch zufrieden gibt oder sich eine Sekretärin mit dem Kollegen teilt, befindet sich bereits in einer prekären Sackgasse, die ins personalstrategische Aus mündet. Die in der offiziellen Unternehmensphilosophie und in Hochglanzbroschüren proklamierten Grundsätze „No titles, no ranks", die manchen Unternehmen einen egalitären Anstrich geben sollen, verschleiern eher die tatsächliche Bedeutung von Statussymbolen.

Das Spektrum der vielfältigen Honorierungen reicht von der Größe des Büros, den einzelnen Befugnissen bis hin zu Positionsbezeichnungen. Doch auch hier sollte man ergründen, welche Statussymbole die tatsächliche Machtfülle widerspiegeln und welche nur als Ablenkungsmanöver fungieren. So wird in Nordamerika der Titel „Vice President" geradezu inflationär vergeben, um dem Stelleninhaber Bedeutsamkeit zu suggerieren. Doch Vizepräsident kann sowohl der stellvertretende Vorstandsvorsitzende eines Weltkonzerns als auch die Aushilfskraft in einer Tankstelle sein. Ehrgeizige Führungskräfte sollten daher alle strategisch wichtigen Statussymbole in ihrem Unternehmen kennen und darauf pochen, diese auch zu bekommen.  

Sachprämien: Wirkung ungewiss

Sachprämien spielen als Incentives eine gewisse Rolle und finden vor allem im Bereich des Marketing Anwendung. Treue Kunden, mit Sachgeschenken zu belohnen, ist weit verbreitet. Bei der Belegschaft stoßen Sachprämien meist auf ein geteiltes Echo; der Regenschirm mit dem Firmenlogo als Weihnachtsgeschenk ist ebenso unbeliebt wie Kalender, Briefbeschwerer oder Füllfederhalter. Auch wertvollere und individuellere Präsente wie Geschenkkörbe, Bücher, Armbanduhren und edle Weine entsprechen oft nicht dem Geschmack des Beschenkten und erzeugen eher eine gewisse Verlegenheit. Sachprämien eignen sich, wenn überhaupt, nur für Außendienstmitarbeiter, deren Leistung man individuell anerkennen möchte. Ob eine Sachprämie sich wirklich als Motivator eignet, bleibt ungewiss.

Incentive Events: Motivation durch Bungee Jumping

Unter Incentive Events versteht man Veranstaltungen, die vor allem den Zweck haben, den Teamgeist und den Zusammenhalt in einer Abteilung zu fördern und die Leistungsbereitschaft zu erhöhen. Zu diesen Incentive Events gehören neben Incentive Reisen auch alle Veranstaltungen, die in der Personalentwicklung unter dem Schlüsselbegriff „Outdoor-Training" zusammengefasst werden.

Manche Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter auf hochalpine Klettertouren; andere verordnen ihnen ein Meditationswochenende in einem Kloster. Einige schwören auf Bungee Jumping oder das Rafting in reißenden Gebirgsflüssen; andere bevorzugen nächtliches Camping im Wald.

Man muss hierbei unterscheiden zwischen Incentive Events, die eher eine Belohnung für eine überdurchschnittliche Leistung darstellen, und solche, die der eigentlichen Personalentwicklung dienen. Die Verdienste von Mitarbeitern werden durch besondere Reisen gewürdigt, wobei häufig die Vergabe an das Erreichen bestimmter Umsatzziele geknüpft wird. Solche Incentive Reisen zeichnen sich durch ihrem Fun-Charakter aus. Tauziehen, eine Alpenüberquerung mit Schlittenhunden und ein Barfußpfad gehören bisweilen ebenso zum Programm wie Kartfahren auf einer Rennstrecke, ein Weißwurst-Seminar, eine GPS-Schatzsuche oder ein Samurai-Tag.

Incentive Events, die stärker dem Outdoor-Training verpflichtet sind, betonen bestimmte, im Personalentwicklungsplan definierte Ziele. Beim Bau eines Blockhauses sollen Organisationsstärke und praktisches Talent unter Beweis gestellt werden. Im Iglu-Camp werden Ausdauer, Teamgeist und Beharrlichkeit bei frostigen Temperaturen erprobt.

Fazit

Längst haben größere Unternehmen die Chance für eine zielgerichtete Personalentwicklung entdeckt und machen sich Incentives zunutze. Diese können als Anreizsystem ein zweckdienliches Projekt sein, um die Team- und Kommunikationsfähigkeit sowie die Motivationsstärke zu verbessern. Wichtig ist indes, dass vorab die einzelnen personalpolitischen Ziele genau definiert und in die Praxis umgesetzt werden. Incentives sollten nicht wahllos nach dem Gießkannenprinzip ausgeschüttet werden, sondern sich an eine Zielgruppe richten und gewisse Anforderungen beinhalten. Erst wenn Incentives in eine abgestimmte Personalentwicklung integriert sind, können sie ihre Wirksamkeit entfalten und entscheidend zum langfristigen Unternehmenserfolg beitragen.

Autor

Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Berufsakademie Stuttgart, Autor zahlreicher Bücher über Wirtschaftsthemen und Unternehmensberater.

 

Literatur

Knigge, Moritz; Cornelsen, Claudia (2006): Zeichen der Macht. Die geheime Sprache der Statussymbole. Berlin: Econ.

Müller, Wolfgang (2006): Outdoor Training für Fach- und Führungskräfte. 2., unver. Aufl. Saarbrücken: VDM Verlag.

Pilz, Gerald (2008): Vergütung von Führungskräften und Vermögensaufbau. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag.

Schad, Nico; Michl, Werner (Hrsg.) (2004): Outdoor Training. Personal- und Organisationsentwicklung zwischen Flipchart und Bergseil. 2. Aufl. München: Reinhardt.

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