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Eine SMS vom Onkel Doc

Im Fokus: Telemedizin

Haben Sie schon einmal eine E-Mail von Ihrem Arzt bekommen, in der Sie ermahnt werden, auf die Linie zu achten? Oder wurden Sie schon einmal via SMS an die Einnahme von Medikamenten erinnert? Was wie Zukunftsmusik klingt, ist heute bereits möglich. Unser Experte aus Frankfurt skizziert Einsatzmöglichkeiten der Telemedizin.

Von Professor Dr. Dr. Joachim Häcker, Deutsches Institut für Corporate Finance

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Unter Telemedizin werden medizinische Behandlungen verstanden, bei denen zwischen den Akteuren kein unmittelbarer Kontakt besteht und zur Überwindung der räumlichen Distanz technische Hilfsmittel eingesetzt werden.

Innerhalb der unterschiedlichen medizinischen Disziplinen erfolgt eine Aufteilung der Telemedizin nach Anwendungsbereichen. Diese fallen in zwei Hauptgruppen: Zum einen grenzt man solche Anwendungen ab, die in der Beziehung zwischen Ärzten oder anderen Leistungsanbietern, im sogenannten Doc2Doc-Bereich zum Einsatz kommen, wie beispielsweise die Telekonsultation, Teleausbildung oder die Telechirurgie. Zum anderen definiert man den Doc2Patient-Bereich als jene Applikationen, welche sich auf die Kommunikation zwischen Arzt und Patient beziehen. Hier finden Telediagnostik, Teletherapie, Telemonitoring und Telecare Anwendung.

Ein interessantes Teilgebiet der Telemedizin ist somit das Telemonitoring, bei dem der Gesundheitszustand eines Patienten über Distanz mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien überwacht wird.

Wie läuft Telemonitoring ab?

Der beispielhafte Ablauf des Telemonitoring-Prozesses wird in folgender Abbildung dargestellt.

 

Beim Telemonitoring werden Patienten (1) mit Geräten zur kontinuierlichen Überwachung von Vitalparametern wie Puls und Blutdruck oder anderen physiologischen Messdaten wie Gewicht oder Blutzucker ausgestattet. Diese Geräte sind in der Lage, die Daten entweder synchron oder mit Verzögerung von einem Sensor an eine Überwachungseinheit (2) zu senden, wo sie entweder gesammelt oder sofort ausgewertet werden. Diese Übertragung wird Telemetrie genannt. Von dort werden die Daten an einen Betreuer übertragen. Das kann der Haus- oder Facharzt (3) oder auch ein telemedizinisches Zentrum (4) sein. Häufig kommt außerdem ein Kommunikationsgerät zum Einsatz, zum Beispiel ein speziell ausgestattetes Mobiltelefon oder ein Personal Digital Assistant (PDA). Auf diesem Gerät empfängt der Patient etwaige Rückmeldungen des Arztes wie beispielsweise Erinnerungen an die Medikamenteneinnahme, durchzuführende Messungen oder Informationen über die Auswertung der Messergebnisse. Bei alarmierenden Messergebnissen kann vom medizinischen Betreuer ein Notruf ausgelöst und zum Beispiel ein Notarztwagen angefordert werden (5).

Warum Telemedizin?

Für den Einsatz der Telemedizin sprechen im Allgemeinen drei Argumente:

  • die steigende Prävalenz chronischer Erkrankungen,
  • die zunehmende Alterung der Bevölkerung und
  • die daraus resultierende Kostensteigerung im Gesundheitswesen.

Telemedizin bietet eine Lösung für diese drei Problemstellungen.

Was bedeutet die Wirtschaftskrise für die gesamte Telemedizin-Branche?

Die negativen Folgen sind für die Telemedizin-Branche relativ gering. Natürlich müssen die Unternehmen Kosten sparen, aber Gesundheit gehört zu den Basic Needs. Das bedeutet, man kann nicht auf sie verzichten, ebensowenig wie auf Essen oder Strom. Gesund will jeder Mensch sein. Daher droht hier kein großes Einbruchpotenzial. Im Gegenteil, hier wird es sogar einen potentiellen Wachstumsmarkt geben. Denn aufgrund der Wirtschaftskrise könnte es zu einem Wertewandel kommen. Die Menschen sehen nicht mehr nur im Geld ihr Heil, sondern besinnen sich auf andere Werte. Hier spielt die Gesundheit eine wichtige Rolle. Da erschließt sich ein nicht zu unterschätzender Selbstzahlermarkt. Außerdem werden immer mehr Krankenkassen aufgeschlossen gegenüber Telemedizinanwendungen werden, weil sie damit Kosten reduzieren können. Voraussetzung aber ist, dass die Telemedizinunternehmen Finanzmittel haben und den Leistungserbringern ein für sie interessantes Geschäftsmodell vorschlagen können.

Wie könnte so ein Geschäftsmodell der nahen Zukunft aussehen?

Ein mögliches Szenario: Ein Unternehmen bietet Telemonitoring für Herzpatienten an und schlägt der Krankenkasse des Patienten vor, zunächst in Vorkasse zu gehen, indem es alles, was an Ausrüstung nötig ist, zur Verfügung stellt und den Patienten in ein Telemonitoringprogramm aufnimmt. Stellt sich heraus, dass durch die Telemedizin kein Geld eingespart werden kann, hat das Unternehmen Geld verloren, die Kasse verliert aber nichts. Wird jedoch durch das Programm zum Beispiel ein Drittel der Kosten reduziert, müsste man sich einigen, dass das Telemedizinunternehmen beispielsweise die Hälfte des eingesparten Geldes erhält. Dadurch entsteht eine klassische Win-Win-Situation. Ein solches Geschäftsmodell nennt man Business-to-Business. Denkbar sind aber auch Business-to-Client-Geschäftsmodelle. In diesem Fall würde das Telemedizinunternehmen eine Vereinbarung direkt mit dem Patienten treffen, der dann die Kosten für bestimmte Dienste trägt. Damit wären wir dann bei dem Wachstumsmarkt der Selbstzahler.

Gibt es in Deutschland einen Markt für Telemedizin?

Telemedizin in Deutschland ist eine junge Branche, in der hauptsächlich kleine und mittlere Unternehmen aktiv sind. Aufgrund steigender Prävalenz chronischer Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus, Erkrankungen des Herz-Keislauf-Systems und Asthma bei gleichzeitig wachsendem Kosten- und Wettbewerbsdruck im Gesundheitswesen werden dem Telemonitoring große Wachstumschancen eingeräumt. Man kann in Deutschland von einem langfristigen Marktpotenzial für Telemonitoring-Leistungen von rund 1,5 Milliarden Euro ausgehen.

 

Autor

Dr. Dr. Joachim Häcker ist Professor an der Hochschule Heilbronn und an der University of Louisville sowie Direktor des Deutschen Instituts für Corporate Finance.

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