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Titelbild zum Beitrag: Zum kleinen Preis auf hoher See
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Zum kleinen Preis auf hoher See

Offensive Preispolitik bei Kreuzfahrten

Eine Kreuzfahrt ist purer Luxus, den sich heute auch Menschen mit kleinem Geldbeutel leisten können. Ein griechischer Reeder bietet seit 2004 billige Kreuzfahrten an. Mit diesem Angebot spricht er nun Rucksacktouristen und jungen Familien an. Unsere Zwickauer Expertin beschreibt die Idee und das Geschäftsmodell dahinter.

Von Diplom-Kauffrau Monique Dorsch, Hochschule Zwickau

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Während Schifffahrten zum reinen Vergnügen früher der Ruf des Luxoriösen anhaftete, sind Kreuzfahrten durch die Ostsee, ins Nordmeer, ins Mittelmeer, zu den Kanaren oder in die Karibik mittlerweile für ein breiteres Publikum erschwinglich geworden. Die Branche stellt mit einer jährlichen Wachstumsrate von 10 Prozent den am schnellsten wachsenden Sektor der Tourismusindustrie dar.

In den letzten zehn Jahren hat sich die Nachfrage sogar verdoppelt.[i] Dies rührt zum einen daher, dass zusätzlich zum traditionellen Oberklasse-Markt nun auch der Mittelklasse-Markt angesprochen wird. Durchschnittsalter und -einkommen der Kreuzfahrtpassagiere haben sich fortwährend verringert. Kreuzfahrtschiffe selbst werden heute als Urlaubsort vermarktet: Verkauft wird folglich der Platz an Bord des Schiffes vordergründig als Urlaubsziel und nicht den Hafen, den das Schiff anläuft.[ii] Die steigenden Passagierzahlen werden durch den Einsatz immer größerer Schiffe bewältigt, sie zeichnen sich im Vergleich zu den Vorgängermodellen durch flachere Rümpfe und höhere Aufbauten aus. Das Angebot lässt Parallelen zu Themenparks oder gar schwimmenden Inseln deutlich werden.

Die Größe des Schiffs hat auch Auswirkungen auf die Routenwahl, denn für stürmische Meeresregionen sind die Ozeanriesen eher ungeeignet.[iii] Zudem ist bei großen Schiffen ein naher Flughafen am Start- und Zielhafen unumgänglich.[iv]

Zahlreiche Fusionen und Pleiten

Ein Großteil der Branche wird von wenigen großen Reedereien kontrolliert. Im Zuge der Globalisierung kam es zu einer verstärkten Internationalisierung der Gesellschaften sowie zu zahlreichen Fusionen - aber auch Bankrotten. Selbst einflussreiche Hotel- und Unterhaltungsunternehmen verstärken ihre Präsenz im Kreuzfahrtsektor.[v] Bereits Ende der 1990er Jahre stieg beispielsweise der Disney-Konzern mit Disney Cruise Line[vi] in den Kreuzfahrttourismus ein. Die Disney Magic, das damals drittgrößte Schiff dieser Art auf der Welt, kam ab Sommer 1998 zum Einsatz. Das Schwesterschiff Disney Wonder fuhr ab Sommer 1999. Beide Schiffe bieten je rund 2.500 Passagieren Platz.[vii] Eine der Destinationen ist Castaway Cay, eine Insel auf den Bahamas, die Disney gehört.

Ab 2005 bot mit easyCruise der erste Billiganbieter Kreuzfahrten an. Die Unterschiede zu einer klassischen Kreuzfahrt konnten allerdings nicht größer sein: Es wurden nicht ständig wechselnde Routen, sondern ein stets gleich bleibender Rundkurs angeboten. Auf diesem konnten die Passagiere täglich zu- und aussteigen. Der Preis beinhaltete dabei nur die Fahrt und die Kabine. Auf die bei klassischen oder Clubkreuzfahrten üblichen Shows oder Sport- und Wellness-Angebote verzichtete man zunächst. Anders als bei traditionellen Kreuzfahrten blieb das Schiff am Nachmittag und Abend im Hafen und ermöglichte so den Passagieren, die Destination zu erkunden. Die Weiterfahrt erfolgte jeweils in der Nacht oder am frühen Morgen. Zu- und Aussteigen war in jedem Hafen möglich, vorausgesetzt, man blieb mindestens zwei und nicht länger als 14 Nächte.[viii]

Alternative zu Städtereise und Strand

Stelios Haji-Ioannou, Gründer von easyCruise, beschrieb das Konzept wie folgt:

„The easyCruise concept is changing the perception of cruising. The flexible and affordable cruise itineraries are opening up cruises to consumers who previously would never have thought about a cruise as a credible holiday option. Our goal is to make cruising the holiday option for consumers looking for an alternative to a beach holiday or city break with the widest range of destinations, from exotic islands and exclusive resorts to trendy cities and historic towns. It is a revolution in the cruise market and we are confident from the launch of easyCruiseOne, which is sailing the French and Italian Riviera before heading to the Caribbean and now easyCruiseTwo, in Holland and Belgium, that this is a viable holiday option and one that is set to change cruising as we know it."[ix]

Das erste Schiff der in Athen ansässigen Reederei, die easyCruiseOne, war als Hochseeschiff konzipiert und im Mittelmeerraum unterwegs. Es wurden 108 Kabinen in drei Kategorien angeboten: Doppelkabinen, Viererkabinen und Suiten.

Die zum Einsatz kommenden Standardkabinen waren nur etwa 8 Quadratmeter groß und boten kaum Komfort. Durch ihre einfache Ausstattung waren sie leicht zu reinigen. Aufgrund ihrer geringen Größe sowie dem Verzicht auf Räumlichkeiten für Unterhaltung und Sport sowie eine geringere Besatzungsstärke war eine hohe Kabinendichte an Bord möglich.[x] Während die anfängliche Ausstattung auf eine Kostenminimierung ausgerichtet war und an Bord demzufolge weder Wellness- noch Fitnessbereiche zu finden waren, rüstete man in der Zwischenzeit nach.[xi]

Basis und Zusatzleistungen unterscheiden

Im Sommer 2005 und 2006 fuhr die easyCruiseOne entlang der französischen und italienischen Mittelmeerküste. Diese Route stand 2007 nicht mehr auf dem Programm. Stattdessen konnten die potentielle Passagiere zwischen den Routen Griechische Inseln (drei-, vier-, sieben-, zehn- oder vierzehntägige Reise) und Klassisches Griechenland (siebentägige Reise) wählen.[xii]

Ziel von easyCruise war es, den Einstiegspreis so niedrig wie möglich zu halten und damit die Kaufentscheidung zu erleichtern. Man setzte auf die Zielgruppe der 20- bis 40-jährigen, die unabhängig reisen möchten und Neuem gegenüber aufgeschlossen sind. Rucksacktouristen und junge Familien standen damit auch im Fokus.[xiii]

Im Konzept von easyCruise wurde klar zwischen Basis- und Zusatzleistungen unterschieden. Über Passage, Kabinen- und Badbenutzung hinausgehende Leistungen wurden zwar angeboten, waren jedoch extra zu bezahlen. Dazu gehörten auch Mahlzeiten und Getränke an Bord, ebenso das Wechseln der Bettwäsche oder Handtücher und die Reinigung des Bades.[xiv]

Mittlerweile ist man aber von dieser konsequenten Niedrigpreisausrichtung abgewichen: „Since the launch of easyCruise, our concept has undergone a continual process of evolution and today, we have a more exciting product than ever before."[xv]

Seit 2008 ist die easyCruise Life im Einsatz, das nach Angaben der Reederei modernste und komfortabelste Schiff von easyCruise. Hier finden 574 Passagiere Platz in 233 Kabinen - die von der großräumigen Suite mit rund 40 Quadratmetern bis hin zu preiswerten kleinen Unterkünften reichen. Darüber hinaus bietet das Schiff einen Spa- und Wellness-Bereich, eine Chill-out-Zone, eine Pool-Bar und ein Lounge-Restaurant. Zudem können Exkursionen gebucht werden.[xvi]

Franchising auf dem Meer

Aufgrund des großen Erfolges in den vergangenen Jahren wurden die Touren entlang der griechischen und türkischen Küste auch 2009 wieder angeboten. Potenzielle Passagiere konnten dabei zwischen vier, sieben oder 14 Übernachtungen an Bord wählen. Weil easyCruise kleinere Schiffe als die üblichen Kreuzfahrtschiffe einsetzt, können auch Häfen angefahren werden, die ein Kreuzfahrttourist sonst nicht erreicht.[xvii]

Bis 2011 sind insgesamt acht Schiffe unter der Marke easyCruise geplant, ermöglicht werden soll dies durch ein Franchising-Konzept.[xviii]

Der Preismechanismus orientiert sich nach wie vor an jenem der Billigflieger. Mit steigender Nachfrage steigt auch der Preis. Je kurzfristiger gebucht wird, umso teurer sind die noch verfügbaren Kabinen. Damit sollen potenzielle Kunden angeregt werden, möglichst früh zu buchen. Mittlerweile gibt es aber auch Last-Minute-Angebote.[xix] Gebucht werden sollen die Angebote vor allem im Internet und per Telefon. Inzwischen ist dies auch über akkreditierte Reisebüros möglich.

Kurzum: Der Kreuzfahrtsektor boomt und stellt einen interessanten, äußerst dynamischen Markt dar, von dem man in Zukunft noch viel hören wird. Das Beispiel easyCruise zeigt, dass sich mit kreativen Ideen immer wieder neue Potenziale erschließen lassen.

 

Autorin

Diplom-Kauffrau Monique Dorsch lehrt an der Westsächsischen Hochschule Zwickau, Fakultät Wirtschaftswissenschaften.

 

 

 


 

 

[i] vgl. Sattler, Karl-Otto: Urlaub am faszinierenden Element, in: Das Parlament 25/2006, http://www.
bundestag.de, 13.06.2007; Schulz, Axel: Verkehrsträger im Tourismus, München 2009, 139

[ii] vgl. Krohn, Olaf: Nur das Meer braucht keiner mehr, in: Die Zeit 24/2001, in: http://www.zeit.de, 17.04.2007

[iii] vgl. Graeme Robertsen: Der Kreuzfahrttourismus, in: Stiftung für die Meere und Ozeane, http://www.lighthouse-foundation.org, 10.06.2008

[iv] vgl. Krohn, Olaf: Nur das Meer braucht keiner mehr, in: Die Zeit 24/2001, in: http://www.zeit.de, 17.04.2007

[v] vgl. Graeme Robertsen: Der Kreuzfahrttourismus, in: Stiftung für die Meere und Ozeane, http://www.lighthouse-foundation.org, 10.06.2008

[vi] siehe dazu auch Disney Cruise Line, http://disneycruise.disney.go.com, 10.06.2008

[vii] vgl. Eisner, Michael D.: Von der Micky Maus zum Weltkonzern, München 2000, 541f

[viii] vgl. easyCruise: easyCruise celebrates success of first year (14.03.2006), http://www.easycruise.com, 17.04.2007

[ix] easyCruise: easyCruise announces new franchise agreement, one week after launch of easyCruiseTwo (21.08.2006), http://www.easycruise.com, 17.04.2007

[x] vgl. Vogel, Michael: easyCruise: Die Erweiterung der maritimen Farbpalette, in: An Bord - Das Magazin für Schiffsreisen und Seewesen, Juli 2005, http://www.imt.hs-bremerhaven.de, 2

[xi] vgl. easyCruise: Now it's easier to relax on easyCruise with new spa facility (16.02.2007), http://www.easycruise.com, 17.04.2007

[xii] vgl. easyCruise: Sommersaison 2006, www.easycruise.com, 17.04.2007; easyCruise: Itineraries, http://www.easycruise.com, 23.07.2007

[xiii] vgl. easyCruise: easyCruise celebrates success of first year (14.03.2006), http://www.easy-
cruise.com, 17.04.2007

[xiv] vgl. easyCruise: Optinal Service, http://www.easycruise.com, 17.04.2007

[xv] Stelios Haji-Ioannou, zit. in: easyCruise: Live the easy life - Greek Islands & Turkey 2009 (Katalog), 18

[xvi] vgl. easyCruise: Live the easy life - Greek Islands & Turkey 2009 (Katalog), 13ff und 21

[xvii] vgl. ebd., 7; easyCruise: Cruises, http://www.easycruise.com, 10.02.2009

[xviii] vgl. easyCruise: easyCruise announces new franchise agreement, one week after launch of easyCruiseTwo (21.08.2006), http://www.easycruise.com, 17.04.2007

[xix] vgl. easyCruise: easyCruiseTwo beginns 2007 season sailing through Holland & Belgium and offers fantastic March and April late booking deals, http://www.easycruise.com (09.03.2007), 17.04.2007

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