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Neues Investitionsobjekt: Hochschule

Warum der Kauf einer privaten Hochschule lohnt

Auf den ersten Blick mag man es kaum glauben, aber der private Hochschulmarkt ist nun auch in den Fokus von Investoren geraten. Sie sehen in der Bildungsbranche interessante Wachstumschancen. Auch die 1998 gegründete private Internationale Fachhochschule in Bad Honnef hat 2007 die Besitzer gewechselt. Gekauft wurde sie von einem Geschäftsmann und einer Münchner Private-Equity-Gesellschaft. Economag traf den Käufer Dr. Florian Schütz, der nicht nur Gesellschafter, sondern auch Präsident der privaten Hochschule ist, und sprach mit ihm über sein Engagement.

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Die Fragen stellte Rainer Berger

Herr Dr. Schütz, Sie haben gemeinsam mit einer Private-Equity-Gesellschaft eine private Hochschule gekauft. Was hat Sie dazu bewogen?

Der private Hochschulmarkt ist spannend. Insbesondere der deutsche Markt ist extrem in Bewegung. Ein Indiz hierfür ist die zunehmende Akademisierung in Deutschland. Ein Trend, den staatliche Hochschulen mittel- bis langfristig allein nicht mehr tragen können. Insofern ist es letztendlich nur eine logische Konsequenz, dass auch Private auf dem Bildungsmarkt akademische Ausbildung anbieten. Dass dies gut funktionieren kann, zeigt der Blick in englischsprachige Länder. Dort befindet sich der private Bildungsmarkt in einem deutlich reiferen Stadium.

Die Internationale Fachhochschule in Bad Honnef hat eine klare betriebswirtschaftliche Ausrichtung und nimmt sich unter anderem besonders dem Thema Tourismus an. Wären Sie auch in die Hochschule eingestiegen, wenn die Hochschule auf Maschinenbau spezialisiert gewesen wäre?

Ja, das hätte ich grundsätzlich auch getan. Allerdings stellt sich die Frage, ob eine private Hochschule im Bereich Maschinenbau in den letzten Jahren ein solches Wachstum in Bezug auf die Studierendenzahlen hätte realisieren können - wahrscheinlich eher nicht. Der Maschinenbau ist in Deutschland traditionell tief in staatlichen Hochschulen verwurzelt. In Bad Honnef bieten wir Studiengänge zum Thema Servicemanagement an, zu denen unter anderem auch Tourismus bzw. Hospitality zählt. Die Industrien in diesem Bereich sind vor allem in den letzten Jahrzehnten stark angewachsen. Davon hat die Hochschule profitiert. Das hängt natürlich damit zusammen, dass dieses Thema in der Vergangenheit akademisch kaum erschlossen war. Nehmen sie nur das Fach Hospitality. Das wurde früher nahezu nur an Hotelfachschulen gelehrt. Akademischen Nachwuchs gab es kaum. Das Hotelfach war folglich eher eine Bauchentscheidungsbranche, die sich derzeit stark akademisch weiterentwickelt.

Allerdings denkt man bei einem rentablen Investment dennoch nicht zwangsläufig an eine private Hochschule. Lässt sich in dieser Branche wirklich Geld verdienen?

Ja, durchaus. Auf der einen Seite finanziert sich die Hochschule über Studiengebühren. Auf der anderen Seite bieten wir Leistungen rund um das Wohnen sowie das Essen und Trinken, neudeutsch Food & Beverage genannt, an. Letzteres passt natürlich sehr gut zu unserem touristischen Schwerpunkt an der Fachhochschule. Es gibt beispielsweise auf dem Campus ein eigenes Restaurant, eine Bar und last but not least eine große Mensa sowie mehrere Studentenwohnheime, die rund 200 Studierenden Platz bieten. Durch diese Leistungen erwirtschaften wir 20 Prozent des Umsatzes. Die restlichen 80 Prozent decken wir über Studiengebühren (90 Prozent) und Sponsorengelder (10 Prozent) ab.

Gerade in Bezug auf die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft sehe ich an der Hochschule noch Nachholbedarf. Zum Beispiel bei Stipendien. Die gibt es zwar bereits, allerdings sehe ich hier noch großes Potenzial für die Zukunft. Gerade aktuell konnten wir die Ließem-Stiftung gewinnen, die ab nächstem Jahr in einem rollierenden Verfahren fünf Vollstipendien an unserer Fachhochschule vergeben wird.

Werden private Hochschulen auch mit Staatsgeldern gefördert?

Hier ist derzeit eine interessante Entwicklung zu verzeichnen. Die Bundesregierung hat den Hochschulpakt 2020 verabschiedet. In diesem Zusammenhang hat das Land Nordrhein-Westfalen entschieden, auch den Ausbau von Studienplätzen an Hochschulen zu fördern. An diesem Förderprogramm sollen auch die privaten Hochschulen partizipieren können. Schließlich ist in den kommenden Jahren mit einer weiteren Akademisierung zu rechnen. Daneben rollt der so genannte G8- und G9-Faktor auf uns zu. D. h. in Kürze werden die Hochschulen zwei Jahrgänge von Gymnasiasten aufnehmen müssen. Die Abiturienten, die nach 12 und die, die nach 13 Jahren ihr Abitur gemacht haben. Ein hohes Aufkommen an Erstsemestern, das staatliche Hochschulen allein wohl nicht stemmen können.

Wo sehen Sie die Vorteile einer privaten gegenüber einer staatlichen Hochschule?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Schließlich sind je nach Fach die Anforderungen an eine Hochschule sehr unterschiedlich. Es gibt definitiv Studienfächer, in denen staatliche Hochschulen notwendig sind und vermutlich auch bessere Leistungen erzielen als Private. Ich denke dabei vor allem an Fächer wie Medizin und Medizintechnik oder etwa Physik und Mathematik. Hier sind wir meiner Meinung nach fehl am Platz. Denn nur forschungsintensive Hochschulen können in diesen Bereiche Elitestatus erreichen. Diese staatlichen Hochschulen können dann auch mit Fördergeldern aus der Industrie rechnen.

Private sehe ich vor allem im betriebswirtschaftlichen Fachhochschulumfeld. Gerade dort steht die Forschung nicht so stark im Fokus - ganz im Gegensatz zu der engen Verzahnung mit der Industrie. In diesem Bereich ist im Kern auch die Internationale Fachhochschule Bad Honnef zu Hause. Gerade diese enge Verzahnung macht das Studium an unserer Hochschule interessant und bietet den Studierenden signifikante Vorteile, die staatliche Hochschulen in dieser Form nicht bieten können.

Welche Vorteile sind das konkret?

Den größten Vorteil gegenüber den staatlichen Hochschulen sehe ich in unserer sehr guten Betreuungsrelation. Die durchschnittliche Kursgröße liegt bei etwa 30 Personen. Aber auch unsere Campus-Infrastruktur kann sich sehen lassen: Wir bieten eine gute WLAN-Verbindung auf dem gesamten Campus an. Daneben stellen uns auch Partner aus der Industrie ihre Produkte zu Studienzwecken zur Verfügung. Im Bereich der Hotellerie arbeiten wir zum Beispiel mit Micros Fidelio, dem führenden Anbieter von Buchungssystemen, zusammen. Im Bereich Gastronomie können wir auf eine Großküche zurückgreifen, die uns WMF ausstattete. Im Idealfall lernen die Studierenden schon während des Studiums den Umgang mit den Systemen bzw. Produkten, die sie später auch im Arbeitsalltag einsetzen.

Ist es für Sie leichter, solche Kooperationen mit der Industrie zu knüpfen als für eine staatliche Hochschule?

Ich denke schon, dass wir es hier deutlich leichter haben. Wir schenken der Industrie unser Gehör und greifen Anregungen mit dem Ziel auf, sowohl für den potenziellen Absolventen als auch für die potenziellen Arbeitgeber eine vorteilhafte Situation zu schaffen. Auch hier gerne ein Beispiel: Wir haben mit der Lufthansa ein bis dato einzigartiges Programm mit dem Namen „st.i.p" (study and intensive practice) entwickelt. Die Fluggesellschaft wählt im Rahmen des allgemeinen Studiengangs „Luftverkehrsmanagement" aus den von der Hochschule aufgenommenen Studierenden über ein Assessment Center zehn Personen pro Jahr selbst aus. Die Zehn, die im Übrigen ihre Studiengebühren selbst entrichten, erhalten zu Beginn des Studiums bereits einen Vertrag bei der Fluggesellschaft. Die Folge: Sie absolvieren ihre gesamte Praxiszeit bei der Lufthansa. Eine ideale Brücke zwischen Studium und Praxis, wie ich finde. Diese Vorgehensweise wollen wir mittel- bis langfristig auch in anderen Studiengängen ausweiten.

Erinnert diese Vorgehensweise nicht an das duale Ausbildungssystem der Berufsakademien?

Nur bedingt. Es handelt sich letztendlich auch weiterhin um ein wissenschaftliches Studium an einer Fachhochschule und um kein duales Ausbildungssystem. Lediglich die Praxissemester werden in diesem Fall bei der Lufthansa absolviert - das sind rund 39 Wochen während des gesamten Studiums. In dieser Zeit werden die Studierenden bereits eng in den Arbeitsalltag eingebunden, erhalten zusätzliche Trainings und Schulungen -  und dies eben nicht als Praktikant, sondern als Lufthansa-Mitarbeiter.

Gibt es eigentlich Gremien, in denen Sie als Präsident der Fachhochschule mit Vertreten aus der Praxis an einem Tisch sitzen?

Die gibt es. Unsere Hochschule verfügt über einen Fachbereit, der mit hochkarätigen Praktikern besetzt ist. Sie lassen uns zum einen an ihrem großen Erfahrungsschatz teilhaben und geben uns zum anderen die Möglichkeit, auf ihr Netzwerk zuzugreifen. Beides ist sehr wertvoll für uns. Auch die Curriculum, also die Studieninhalte, stimmen wir mit diesem Fachbeirat ab. Allerdings ist mir in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen, dass wir in Bad Honnef ein wissenschaftliches Studium anbieten, d. h. die wissenschaftliche Ausbildung hat stets Vorrang vor dem Praxisbezug. Dennoch ist es uns wichtig, diese Ausbildung eng mit der Praxis zu verzahnen.

Neben Ihnen ist auch Auctus, ein Münchner Private-Equity-Haus, in die Hochschule eingestiegen? Wie eng arbeiten Sie mit dem Private-Equity-Manager zusammen?

Unsere Zusammenarbeit gestaltet sich sehr unkompliziert. Auctus und ich entsenden gemeinsam mit einer neutralen Person, die von uns beiden ausgewählt wurde, Experten in einen Gesellschafterbeirat. In diesem Beirat stimmen wir gemeinsam die strategische Stoßrichtung der Hochschule ab. Das gesamte operative Geschäft liegt allerdings in meinen Händen. Hierauf nimmt Auctus keinen Einfluss.

Das Private-Equity-Engagement lässt vermuten, dass Sie im Vorfeld klare Renditeziele vereinbart haben, ist dem so?

Es gibt keine Zahl, die auf dem Papier steht. Wir möchten diese Hochschule gemeinsam in ihrem Wachstum vorantreiben. Wenn wir dies schaffen, dann ergibt sich auch eine anständige Rendite. In einem Businessplan haben wir gemeinsam festgelegt, wo die Reise hingehen soll. Darin ist zum Beispiel auch festgelegt, dass wir keinesfalls ins Uferlose wachsen. Die Hochschule hat derzeit 1.300 Studierende. Die Infrastruktur ist auf 1.500 bis 1.600 Studierende ausgelegt. Mehr sollen es dann aber auch nicht werden.

Sie denken also durchaus mittel- bis langfristig. Ist das auch der Fokus der Private-Equity-Gesellschaft, diese haben doch meist nach wenigen Jahren bereits eine klare Exit-Strategie?

Das ist in diesem Fall bei Auctus nicht so. Auctus hat einen so genannten Endlosfonds aufgelegt - dieser Fonds hat keine Laufzeit und ist klar auf den kleineren Mittelstand ausgerichtet. Auf diese Zielgruppe ist dieses Private-Equity-Haus spezialisiert. Über diesen Fonds wurde auch dieses Projekt finanziert. Das war für mich das entscheidende Argument, gemeinsam mit Auctus bei diesem Deal zu investieren. In der Regel haben Private-Equity-Fonds eine Laufzeit von 7 Jahren plus/minus x. Nach zwei bis drei Jahren denken die Investoren dann meist laut über den Exit nach. In diesem Fall liegen die Dinge aber anders.

Sie führen die Hochschule also als mittelständisches Unternehmen. Nach welchen Kennzahlen richten Sie sich bei der Führung des Unternehmens Hochschule aus, gibt es vielleicht sogar eine hochschulspezifische Kennziffer?

Als erstes schaue ich auch bei einer Hochschule natürlich auf Ergebniskennzahlen. Dies ist und bleibt sicher über alle Branchen hinweg der wichtigste Bereich. Eine besondere hochschulspezifische Kennzahl ist die bereits angesprochene Betreuungsrelation und die damit verbundenen Lehrkosten pro Studierenden. Im Food-&-Beverage-Bereich gilt es auch, wie bei einem produzierenden Unternehmen, auf Kennzahlen wie zum Beispiel den Wareneinsatz zu achten.

Mit Ausnahme der wenigen hochschulspezifischen Ausnahmen ziehen wir folglich ein Kennzahleninstrumentarium heran wie ein mittelständisches Unternehmen.

Bilanzieren Sie auch wie ein mittelständisches Unternehmen?

Ja, das tun wir. Die Hochschule firmiert in der Geschäftsform einer GmbH. Wir bilanzieren und schließen nach dem Handelsgesetzbuch ab. Vergleichbar einem normalen Unternehmen. Der Unterschied ist lediglich, dass wir die Dienstleistung „Bildung" anbieten und das Wissenschaftsministerium diese Leistung kontrolliert.

Glauben Sie, dass Ihr Modell in Deutschland Schule machen kann?

Das Modell hat bereits Schule gemacht. In Deutschland gibt es einige private Hochschulen, die sehr erfolgreich wirtschaften. Mittel- bis langfristig wird sich der private Bildungsmarkt in Deutschland sicher weiter etablieren. Die Vereinigten Staaten sind hier deutlich weiter. Unternehmen, die Bildung anbieten, sind dort sogar an der Börse notiert. Einer der großen privaten Bildungsanbieter ist unter anderem die Laureate Education Inc. Sie bietet rund um den Erdball Bildung an und zählt rund 240.000 Studierende zu ihren Kunden. Dieses Unternehmen hatte neben uns im Übrigen auch für die Internationale Fachhochschule in Bad Honnef geboten, allerdings den Zuschlag nicht erhalten. Diese Dimension zeigt, dass der private Bildungsmarkt in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt.

Allerdings darf nicht aus den Augen verloren werden, dass auch die Eigentümer von privaten Hochschulen frühzeitig an ihre Nachfolge denken sollten. Besonders in bezug auf die Nachfolgeproblematik rechne ich in den kommenden Jahren verstärkt mit dem Engagement von Private-Equity-Gesellschaften und so genannten institutionellen Investoren.

Herr Dr. Schütz, ich danke Ihnen für das interessante Gespräch.

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