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In English, please!

Neue Anforderungen: Seminar- und Abschlussarbeiten in Englisch verfassen

Bachelor und Master haben an deutschen Hochschulen Einzug gehalten. Aber nicht nur das Label des akademischen Abschlusses hat sich verändert. Studierende müssen künftig im Studium bereits frühzeitig ihre Internationalität unter Beweis stellen. So gilt es vielerorts wissenschaftliche Arbeiten auf Englisch zu verfassen. Ein Novum, aber durchaus kein Grund zur Panik. Der folgende Beitrag gibt nützliche Tipps, um diese Aufgabe mit Bravur zu meistern.

Von Dr. Alfred Brink, Westfälische Wilhelms-Universität, Münster

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Mit der Einrichtung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge ist es mittlerweile an vielen deut­schen Hochschulen möglich - an einigen sogar Pflicht - die Abschlussarbeit eines wirtschaftswissen­schaft­lichen Studienganges in englischer Sprache abzufassen. Da viele, vor allem international täti­ge Unternehmen von ihren Bewerbern hervorragende Englischkenntnisse erwarten, wollen zuneh­mend mehr Studierende ihre exzellenten Fremdsprachfähigkeiten nicht zuletzt durch eine in Eng­lisch verfasste wissenschaftliche Arbeit dokumentieren, um so bei Bewerbungen einen Konkur­renzvorteil gegen­über anderen Kandidaten zu erzielen. Fraglich ist in diesem Zusammenhang, wel­che Besonderheiten die Studierenden zu berücksichtigen haben, wenn sie eine englischsprachige Abschlussarbeit abliefern wollen.

Harvard-Stil: Hierzulande nicht immer gerne gesehen

Einige Studierende sind der Auffassung, sie könnten sich bei ihren Abschlussarbeiten an englischen oder nordamerikanischen Bachelor und Master Theses orientieren. Dem ist jedoch entgegen zu hal­ten, dass Prüfer an deutschen Hochschulen die Einhaltung einer kontinentaleuropäischen Vorge­hensweise erwarten, die vor allem durch einen genauen und umfassenden Zitierstil gekennzeichnet ist. Darüber hinaus wird im deutschen Sprachraum meist eine Zitierform „unter dem Strich" am unteren Seitenrand gewählt, bei der nach der Fußnotennummer und der einleitenden Floskel „Vgl." der Name des Verfassers, der Anfangsbuch­stabe seines Vornamens, ein Kurztitel der Quelle mit Jahresangabe der Veröffentlichung sowie die genaue Seitenangabe der zitierten Lite­raturstelle anzu­führen ist. In angelsächsischen wissen­schaftlichen Untersuchungen wird dagegen äußerst knapp im Fließ­text „in runden Klammern" zitiert. Dort ist lediglich der Name des Verfas­sers, das Jahr der Ver­öffentlichung und die Seiten­angabe der zitierten Passage anzugeben. Nur rela­tiv wenige Prüfer an deutschen Hochschulen las­sen die oftmals als Harvard-Stil bezeichnete zweite Variante im Falle einer in Englisch abgefassten Arbeit zu, im Allgemeinen wird auch bei diesen Arbeiten eine Zitierweise unter dem Strich mit genauer Angabe der aus der Literatur entnommenen oder der ihr angelehnten Passage erwartet.

 

Deutsch denken, Englisch schreiben

Eine grundlegende Frage, die jeder Kandidat im Vorfeld seiner Arbeit zu klären hat, bezieht sich auf die Erstellung der Urfassung des Manuskriptes, die entweder sofort in englischer oder zunächst noch in deutscher Sprache formuliert wird, so dass anschließend eine Übersetzung vorzunehmen ist. Erstere Variante ist zwar weniger zeitaufwendig, allerdings sollte diese Vorgehensweise nur von Studieren­den mit hervorragenden Englischkenntnissen gewählt werden. Für alle anderen besteht die Gefahr, dass die im Vergleich zur Muttersprache wesentlich geringere Schreib­geschwindigkeit dazu führt, dass ein Schreibfluss gar nicht erst entsteht. Treten Formulierungs­probleme auf, werden sie von vielen Kandidaten dadurch beseitigt, dass sie schwierige Sachverhalte einfach fort­lassen oder so vereinfachen, dass ihre sprachlichen Kompetenzen zur Darstellung aus­reichen. Beides kann zur Abwertung der Arbeit führen, so dass nahezu allen Nichtmuttersprachlern empfohlen sei, ihr Manus­kript zunächst in Deutsch zu verfassen, um nicht beinahe unbemerkt derartige Vereinfachungen und Auslassungen vorzunehmen.

Appendix & Co.

Der Ausführungsteil einer wissenschaftlichen Arbeit beginnt im Allgemeinen mit einer „Introduc­tion" (Einleitung), die u.a. einen Abschnitt „Limitations of the Research" (Abgrenzung der Prob­lem­stellung) sowie einen Abschnitt „Purpose and Organization of the Research" (Ziel der Arbeit und Aufbau der Untersuchung) enthält. Der eigentliche Hauptteil der Untersuchung besteht aus „Parts" (Teilen), „Chapter" (Kapiteln), „Sections" (Abschnitten) und „Subsections" (Unter­abschnitten), die jeweils eine eigene Überschrift erhalten. Der Ausführungsteil endet mit einer „Conclusion" (Schluss) oder mit „Concluding Remarks" (Schlussbemerkungen).

Im Ausführungsteil können „figures" (Abbildungen), „tables" (Tabellen) oder „diagrams" (Dia­gramme) untergebracht werden, um die dargebotenen Inhalte unterstützend zu visualisieren. Jedes dieser Elemente erhält eine eigene fortlaufende Nummer sowie jeweils einen spezifischen Titel. Wird das jewei­lige Element originalgetreu aus der Literatur entnommen, ist die exakte Quellen­angabe mit dem Aus­druck „Source:" einzuleiten; wird der Inhalt eines aus der Literatur entnomme­nen Elements für Zwecke der eigenen Untersuchung abgeändert, muss der Verfasser dieses mit der einleitenden Bemerkung „Adapted from:" zum Ausdruck bringen und dahinter die Quellenangabe anfügen. Tre­ten in den aus der Literatur übernommenen bzw. selbst erstellten Elementen „Abbre­viations" (Abkürzungen) oder „Symbols" (Symbole) auf, sind sie unmittelbar dort als „Key" (Legende) anzugeben.

Dem Ausführungsteil einer wissenschaftlichen Untersuchung kann sich ein „Appendix" (Anhang) anschließen, um dort Inhalte unterzubringen, die für das Verständnis der Ausführungen zwar nicht zwingend notwendig, für viele Leser aber von zusätzlichem Interesse sind. In Betracht kommen etwa Inhalte wie „Mathematical Proof of a Formula", „Internal Company Documents", „Records of Interviews" und viele andere mehr.

Ein Muss: Fremdsprachenlexika

Jede wissenschaftliche Untersuchung beginnt und endet mit Verzeichnissen: Nach dem Deckblatt der Arbeit wird zunächst ein „Table of Contents" (Inhaltsverzeichnis) ausgedruckt, in dem alle Elemente der Untersuchung mit zugehöriger Seitenzahl, bei welcher das jeweilige Element beginnt, aufgeführt sind. Im Einzelnen müssen - sofern in der Arbeit vorhanden - folgende Bestandteile angegeben werden: „List of Figures" (Abbildungsverzeichnis), „List of Tables" (Tabellenverzeich­nis), „List of Diagrams" (Darstellungsverzeichnis),  „List of Abbreviations" (Abkürzungsverzeich­nis), „List of Symbols" (Symbolverzeichnis) sowie „List of Appendices" (Anhangverzeichnis).

Jede wirtschaftswissenschaftliche Abhandlung schließt mit einer „List of Cited Literature", d.h. einem Verzeichnis der zitierten Literatur. Sofern verschiedene Fassungen von Gesetzen, Amtliche Ver­ordnungen oder Richtlinien zitiert werden, muss an das Literaturverzeichnis eine „List of Acts, Ad­ministrative Orders and Administrative Regulation" (Verzeichnis der Gesetze, Verord­nun­­gen und Richtlinie) angefügt werden. Wird auf Gerichtsurteile, Beschlüsse und Gutachten von Gerich­­ten zurückgegriffen, ist zum Ende der Arbeit noch eine „List of Jurisdiction" (Recht­spre­chungs­ver­zeichnis) anzulegen.

Wichtige Hilfsmittel für Studierende, die eine wissenschaftliche Arbeit auf Englisch abfassen möchten, sind allgemeine Fremdsprachlexika und Fremdsprach­wörterbücher, wie sie dem Leser noch aus der Schulzeit bekannt sein dürften. Darüber hinaus gibt es aber auch eine Viel­zahl fachspezifi­scher wirtschaftswissenschaftlicher Wörterbücher von allen großen wirt­schafts­wissen­schaftlichen Fachverlagen; das Angebot reicht von allgemeinen Wirt­schaftslexika bis hin zu sehr speziellen Wörter­büchern, die sich auf einen sehr engen Wissens­bereich beziehen, wie etwa Wörterbücher zur Interna­tionale Rechnungslegung nach IFRS oder gar nur zu Produktionsplanungs- und -steue­rungssystemen.

 

Über den Autor:

Dr. Alfred Brink ist Dozent, Studien­berater für Betriebswirtschaftslehre und Leiter der Fachbereichsbibliothek Wirtschaftswissen­schaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

 

Weiterführende Literatur:

Brink, Alfred (2007). Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten. Ein prozessorientierter Leitfaden zur Er­stellung von Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten in acht Lerneinheiten. 3. Auflage. Oldenbourg Verlag. München und Wien.

Brink, Alfred (2007). Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten in Englisch. E-Booklet zum oben genannten Lehrbuch zur Erstellung von Bachelor, Master und Diploma Theses in englischer Sprache. Oldenbourg Verlag. München und Wien.

 

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