Studium & Karriere
Der Wettbewerb um attraktive Arbeitsplätze wird für Hochschulabsolventen immer härter. Deshalb ist es für Studierende wichtig, schon während des Studiums praktische Erfahrungen zu sammeln und außeruniversitäres Engagement zu zeigen. Gelegenheit hierzu bieten etwa Praktika oder die Tätigkeit als Werksstudent. Eine viel versprechende Chance, sich weiterzuentwickeln, ist jedoch auch die Mitarbeit in einer studentischen Unternehmensberatung wie dem Junior Business Team e.V. in Stuttgart.
Von Aljosha Geerlings, Junior Business Team Hohenheim
Das Junior Business Team wurde 1997 durch Studierende der Universität Hohenheim gegründet. Die Mitglieder des Vereins führen Beratungsprojekte jeglicher Art für verschiedenste Unternehmen durch, ganz wie man es von den bekannten Unternehmensberatungen wie z. B. McKinsey oder Roland Berger gewohnt ist. Zu den Kunden der Hohenheimer Berater gehören unter anderen Daimler, Debitel und Microsoft.
Das Junior Business Team zählt mehr als 60 aktive Mitglieder aus unterschiedlichen Studienrichtungen wie den Wirtschafts-, Sozial- und Kommunikationswissenschaften, der Lebensmitteltechnologie oder Umweltschutztechnik. Geführt wird der Verein durch ein achtköpfiges Team, das aus drei Vorständen (Internes, Firmenkontakte und Finanzen & Recht) und fünf Ressortleitern (Mitglieder, IT, PR & Marketing, Netzwerke und Qualitätsmanagement) besteht.
Wie genau funktioniert nun eine studentische Unternehmensberatung und was unterscheidet sie von herkömmlichen Consulting-Unternehmen?
Grundsätzlich möchte die Beratung Studierenden die Chance eröffnen, eine Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen. So können sich die Mitglieder durch die Arbeit in der Praxis, durch Workshops, Wissensmanagement und die Projektarbeit weiterbilden und ihre Soft Skills verbessern. Unternehmen wiederum dürfen von den Nachwuchsberatern eine ebenso professionelle wie kostengünstige Beratung erwarten.
Im Gegensatz zu den Hard Skills, die sich aus der Fachkompetenz eines Menschen ergeben, sind so genannten Soft Skills Eigenschaften und Fähigkeiten eines Menschen, die sich auf das Ausüben einer Tätigkeit beziehen. Darunter fallen soziale Kompetenz, beispielsweise im Umgang mit Kollegen und Geschäftspartnern. Aber auch die Fähigkeit ein Problem schnell zu erfassen und zu lösen kann ein Soft Skill darstellen.
Um in der freien Wirtschaft als Berater interessant zu sein, wird im Junior Business Team großer Wert auf die Qualität der Mitglieder gelegt. Unter allen Interessenten für eine Mitgliedschaft im Team wird eine Vorauswahl getroffen. Anschließend müssen Anwärter Pflichtschulungen erfolgreich absolvieren und bei einem internen Vereinsprojekt, das ein „echtes" Projekt simuliert, ihr Können unter Beweis stellen. Von den erfolgreichen Neumitgliedern wird erwartet, regelmäßig an Workshops zur Fortbildung teilzunehmen und in externen Projekten Praxiserfahrung zu sammeln.
Durch eine umfangreiche Wissensdatenbank, die seit der Vereinsgründung gepflegt wird, kann sich ein Team im Vorfeld eines Projektes das notwendige Know-how aneignen. Ergänzend erhält es hierbei Unterstützung durch Kuratoren und Alumni. Dem Kuratorium des Vereins gehören hauptsächlich Professoren der Universität Hohenheim sowie auch wichtige Persönlichkeiten aus der Wirtschaft an.
Während der Projektarbeit überwacht ein erfahrenes Vereinsmitglied als Qualitätsmanager die zielgerichtete Umsetzung des Projekts und trägt die Verantwortung, dass alle Qualitätsrichtlinien des Bundesverbands Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen e.V. (BDSU) eingehalten werden. Der BDSU gilt deutschlandweit als Qualitätsgarant für die studentischen Berater. Durch strenge Richtlinien und Vorschriften wird sichergestellt, dass Mitglieder des Dachverbandes ihren Kunden gleichbleibend hohe Qualität liefern.
Ein Indiz dafür, wie wichtig der Dachverband für das Junior Business Team ist, besteht darin, dass der Verein im Mai dieses Jahres einen Kongress für den BDSU organisierte. Zu den Zielen der viertägigen Veranstaltung, an der mehr als 400 studentische Berater aus 28 studentischen Unternehmensberatungen in ganz Deutschland teilnahmen, gehörte es, den Netzwerkgedanken des Dachverbandes voranzutreiben, untereinander und in die Wirtschaft Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und sich in Firmenworkshops weiterzubilden.
Der Schwerpunkt des Vereins liegt jedoch eindeutig auf der Beratung von Unternehmen. Über 90 Projekte wurden in den vergangenen zehn Jahren schon erfolgreich gemanagt. An dieser Stelle ist es leider nicht möglich, über so genannte „externe Projekte" zu berichten. Dies hängt mit der Verschwiegenheitspflicht der Berater gegenüber den Kunden zusammen. Die Studenten stemmen Projekte jeglicher Art. Schwerpunkte hat sich der Verein in den Bereichen Benchmarking, Marketing und Vertrieb, Personal und Recruiting, Strategische Planungen und Marktuntersuchungen gesetzt.
Interessante Einblicke in das Vereinsleben geben aber auch vereinsinterne Projekte. Eines dieser Projekte hatte zum Ziel, den Verein international auszurichten und neue Netzwerke zu knüpfen. Bei der Wahl eines ausländischen Partners entschied sich das Junior Business Team für Conquest Consulting, eine studentische Unternehmensberatung aus Warschau. Conquest Consulting arbeitet seit 1989 mit Studenten der Handelshochschule Warschau zusammen und bietet vor allem für international ausgerichtete Kunden eine professionelle Beratung. Für das Junior Business Team ist das Angebot, Markteintrittsstrategien für ausländische Märkte zu generieren, ein neues Feld, auf dem sich der Verein fachliche Impulse vom Austausch mit dem polnischen Partner verspricht. Zudem soll der Kontakt zu einem aufstrebenden Markt hergestellt werden.
Die jährlich stattfindende „Hohenheim Consulting Week" (HCW) sowie die Verleihung der „Auszeichnung für sozialen Unternehmensgeist" (AfsU) gehören ebenfalls zu den vereinsinternen Aktivitäten.
Die HCW besteht schon seit acht Jahren und ist eine Recruitingveranstaltung, die examensnahen Studenten die Möglichkeit bietet, ihr Wunschunternehmen unverbindlich und im „kleinen Kreis" kennen zu lernen. Teilnehmen können Studenten aus ganz Deutschland. In Workshops wird ihnen Theorie- und Praxiswissen vermittelt, das sie in eigens dafür konzipierten Fallstudien umsetzen sollen.
Für die nächste Auflage der HCW im Januar 2008 wurden bislang McKinsey & Company, The Boston Consulting Group, Capgemini, Roland Berger Strategy Consultants, Bain & Company, Horváth & Partners sowie Accenture zur Veranstaltung von Workshops gewonnen.
Die AfsU läuft unter dem Motto „Gesellschaftliche und soziale Verantwortung fördern" und findet im Oktober 2007 zum zweiten Mal statt. Hinter der Prämierung steckt die Idee, Unternehmen, Organisationen, Vereine und Privatpersonen, die sich einem gemeinnützigen Projekt verschrieben haben, auszuzeichnen und ihr Handeln damit der Öffentlichkeit zu präsentieren. Sozialer Unternehmergeist soll so einerseits gefördert und andererseits stärker im Bewusstsein der Menschen verankert werden. Bewerber sind Non-Profit-Teilnehmer wie Vereine und Privatpersonen sowie Profit-Teilnehmer, also Unternehmen oder Organisationen. Sie werden anhand zahlreicher Bewertungskriterien von einer namhaften Jury geprüft. Da das Junior Business Team auch selbst soziale und gesellschaftliche Verantwortung zeigen möchte, spenden die studentischen Berater den drei Höchstplatzierten insgesamt 280 Arbeitsstunden und unterstützen so die Prämierten bei der Durchführung ihrer Projekte.
Abschließend ist festzustellen, dass das Junior Business Team aus sehr engagierten Studierenden besteht, die durch ihre Motivation dem Ruf, eine „professionelle Alternative zu konventionellen Beratungen" zu sein, gerecht werden. Außeruniversitäres Engagement während des Studiums ist sehr gefragt, was die Karrieren der Alumni, die Mitglieder des Vereins waren, nur bestätigen können.
Zum Junior Business Team Hohenheim
Über den Autor:
Aljosha Geerlings studiert an der Universität Hohenheim in Stuttgart Wirtschaftswissenschaften und ist im Junior Business Team e.V. Ressortleiter PR & Marketing und somit im erweiterten Vorstand ehrenamtlich tätig.