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China wächst! Kein Wunder, dass auch deutsche Unternehmen frühzeitig im Reich der Mitte Fuß fassen möchten. Auch die Münchener Centrosolar Group AG ist diesen Schritt gegangen. Sie hat sich für ein deutsch-taiwanesisches Joint-Venture in China entschieden. Economag traf den Vorstand Dr. Axel Müller-Groeling, der die Strategie und die operative Führungen der Beteiligungsgesellschaften des Solarunternehmens verantwortet, und sprach mit ihm über sein Engagement in China.
Von Rainer Berger
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Die Centrosolar Group AG, Hersteller und Anbieter von Solaranlagen, hat sich gemeinsam mit einem taiwanesischen Unternehmen für ein Joint Venture in China entschieden. Für die Münchener eine gute Gelegenheit, um in China Fuß zu fassen. Bereits heute sind viele ernstzunehmende Modulhersteller der Solarbranche in China beheimatet. Einige der chinesischen Player gehören mittlerweile sogar zu den größten weltweit. Unter diesem Blickwinkel ist die 10-prozentige Beteiligung der Centrosolar Group AG an einem Joint Venture mit rund 300 Mitarbeitern überschaubar, dennoch ist sie wichtig für das deutsche Unternehmen: „Wir sehen diesen Schritt als Eintrittskarte in einen sehr spannenden Markt an", betonte Müller-Groeling.
Zurzeit ist China für europäische Unternehmen ein interessanter Produktionsort. Die Fertigungskosten sind aufgrund der geringen Lohnkosten niedrig. Folglich ist die Produktion dort auch weniger kapitalintensiv als beispielsweise in Deutschland. Die niedrigen Fertigungskosten waren allerdings keineswegs allein ausschlaggebend für den Schritt des Münchner Solarunternehmens. „Auch wenn China als Absatzort für Solaranlagen im Vergleich zu Europa oder den USA noch eher unbedeutend ist, erwarten wir mittel- bis langfristig ein hohes Absatzpotenzial", prognostizierte Müller-Groeling. Ein Absatzpotenzial für Solaranlagen leitet sich beispielsweise auch aus der Größe Chinas ab. „China ist ein sehr großes Land, das im Übrigen - ähnlich wie die USA - wegen seiner Größe nur schwer mit einem engen Stromnetz zur Versorgung aller Verbraucher auszustatten ist", erläuterte Müller-Groeling. Um dieses Land in allen Winkeln mit Energie zu versorgen, bieten sich deswegen besonders dezentrale Energiequellen an. „Das können zum Beispiel einfache Dieselmotoren oder eben Solaranlagen sein" fügte Müller-Groeling hinzu.

Das Unternehmen, in welches die Münchner investierten, liegt an der Ostküste Chinas unweit der Insel Taiwan. Das Unternehmen wurde von Taiwanesen auf dem chinesischen Festland gegründet. Diese sind auch heute noch an diesem Joint Venture beteiligt und sitzen dort im Management. „Ein großer Vorteil, denn die taiwanesischen Kollegen sind hochqualifiziert und kennen Land und Leute", lobte Müller-Groeling. Allerdings war die Entscheidung für dieses Investment keine bewusste Entscheidung für diesen bestimmten Standort und deswegen auch nicht direkt von bestimmten Standortfaktoren beeinflusst. „Es war vielmehr eine gute Gelegenheit in dieses bestehende und gut aufgestellte Unternehmen zu investieren. Diese Gelegenheit haben wir einfach ergriffen", erzählte Müller-Groeling.

Grundsätzlich hätte das Münchener Solarunternehmen auch die Möglichkeit gehabt, in China ein neues Unternehmen aufzubauen und damit eine Direktinvestition in Form einer Tochtergesellschaft zu tätigen. Müller-Groeling wendete allerdings ein: „Unser Unternehmen wächst seit jeher durch Akquisitionen, also durch Zukäufe von Unternehmen im In- und Ausland". Genau diese Strategie ermöglichte den Münchnern in den letzten Jahren ein beeindruckendes Wachstum, denn bei zugekauften Unternehmen kann auf bestehendes Know-how der Mitarbeiter und auf bestehende Kunden- und Zulieferernetzwerke zurückgegriffen werden. „Das sind Vorteile, die besonders in China Gold wert sind", bestätigte Müller-Groeling. Der Aufbau einer eigenen Tochtergesellschaft wäre für das deutsche Solarunternehmen folglich deutlich schwieriger gewesen, denn besonders die Kontakte zu Kunden und Zulieferern hätten neu geknüpft werden müssen.
Für 2008 ist der Börsengang des Joint Ventures geplant. Denkbare Börsenplätze sind zum Beispiel Singapur oder Hongkong. In erster Linie erhofft sich Müller-Groeling eine verstärkte Internationalisierung. Sie steht für ihn sogar im Vordergrund. „Wir wollen keine lokale Erscheinung sein und uns geographisch keinesfalls beschränken", bestätigte Müller-Groeling. Das voraussichtlich durch den Börsengang in das Unternehmen fließende Kapital sieht er folglich als positiven Nebeneffekt an, es ist allerdings nicht der Grund für den geplanten Schritt an die Börse.
Aktuell hält Centrosolar 10 Prozent an dem Joint Venture, mit einer Option auf weitere 10 Prozent. Nach dem Börsengang möchte das Münchener Unternehmen zwischen 10 und 20 Prozent der Anteile halten. Die restlichen rund 80 Prozent sollten dann im Idealfall von verschiedenen internationalen Investoren gehalten werden.

„Die chinesische Konkurrenz ist nicht zu unterschätzen", stellte Müller-Groeling fest. Sowohl auf dem chinesischen als auch auf dem internationalen Markt sind die Chinesen bereits sehr präsent. Es gibt durchaus große chinesische Player. Dem Photon-Photovoltaik-Aktien-Index PPVX gehören diverse chinesische Unternehmen an, zu den größeren zählen Yingli Green Energy und Suntech Power. Diese beiden Unternehmen sind vor allem in den letzten Jahren sehr stark gewachsen. In China gibt es folglich eine sehr gut entwickelte solartechnologische Industrie. Die chinesischen Anbieter setzen allerdings bis dato noch das Gros ihrer Produkte im Ausland ab.
Einige chinesische Unternehmen kopieren Technologien und Produkte aus dem Westen. Grundsätzlich schützen Patente vor dieser Problematik. Der Patentschutz greift in China allerdings nicht immer. „Uns ist klar, dass wir in China nur dann erfolgreich sein werden, wenn wir eine sehr hohe Innovationsgeschwindigkeit mitbringen und uns nicht auf verdienten Lorbeeren ausruhen", konstatierte Müller-Groeling. Deswegen ist der Vorstand auch nicht beunruhigt. Seiner Einschätzung nach wird dieses Kopierrisiko zudem durch die vielfältigen Chancen, die das Reich der Mitte bietet, mehr als überkompensiert.

Besonders beeindruckte den Münchner Vorstand die Geschwindigkeit und die daraus resultierende rasante wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre. Er lobte vor allem die hohe Begeisterungsfähigkeit der Chinesen und deren Offenheit für Neues. Er gab aber auch das Folgende zu bedenken: „Allerdings handelt eine chinesische Belegschaft nicht zwangsläufig eigeninitiativ. Sie ist also auf Impulse von außen bzw. aus dem Management angewiesen". Das ist seiner Meinung nach anders als beispielsweise in Deutschland. Dort verfügt die breite Masse über eine fundierte Schulbildung, die Innovation ermöglicht und letztendlich auch den kritischen Geist eines Menschen fordert.
Wissenswertes zum Interviewpartner: Dr. Axel Müller-Groeling (43) ist habilitierter Physiker und in der Centrosolar Group AG als Vorstand für Strategie und die operative Führung der Beteiligungsgesellschaften verantwortlich. Er verfügt über Erfahrung in der Energiebranche und der Finanzindustrie mit Fokus auf Strategie, Risikomanagement und Integration von Unternehmenszukäufen. Vor seiner Tätigkeit bei der Centrosolar AG war er Associate Principal bei McKinsey.