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Titelbild zum Beitrag: Ohne Spielregeln geht es nicht
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Ohne Spielregeln geht es nicht

Ökonomie-Nobelpreis geht an drei US-Wissenschaftler

Jedes Jahr im Herbst stehen sie fest - die neuen Wirtschaftsnobelpreisträger. Auch dieses Jahr geht der Preis, der genau genommen Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel heißt, in die Vereinigten Staaten und zwar gleich an drei Ökonomen. Sie haben sich um die Mechanismus-Design-Theorie verdient gemacht, ein Spezialbereich der Spieltheorie. Der Preis stellt für die drei Ökonomen in der wissenschaftlichen Welt einen Adelsschlag dar.

Von Rainer Berger und Julia Multerer

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Am 15. Oktober 2007 war es endlich soweit: die Gewinner des diesjährigen Wirtschaftsnobelpreises wurden in Stockholm bekannt gegeben. Der Preis ist mit 10 Millionen Schwedischer Kronen (rund 1,1 Millionen Euro) dotiert. Die Summe teilen sich in diesem Jahr gleich drei US-Amerikaner: Leonid Hurwicz, Eric Maskin und Roger Myerson.

Das Trio erhielt die Ehrung für seine Forschung beim Entwurf ökonomischer

Mechanismen. Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften begründete ihre Entscheidung mit den Worten, die drei Forscher hätten die Grundlagen der „Mechanismus-Design-Theorie" geschaffen, die heute eine zentrale Rolle in vielen Bereichen der Wirtschaft und Teilen der Politikwissenschaft spiele.

In der Mechanismus-Design-Theorie nimmt die Spieltheorie eine wichtige Rolle. Das Thema Spieltheorie scheint damit ein Dauerbrenner bei den Wirtschaftsnobelpreisen zu sein. Bereits acht Forscher erhielten in der Vergangenheit die begehrten Lorbeeren aus Schweden für ihre Arbeiten, die spieltheoretische Überlegungen berücksichtigten. Darunter Herbert Simon (1978), John F. Nash, Reinhard Selten und John Harsanyi (alle 1994), William Vickrey (1996), Daniel Kahnemann (2002), Robert Aumann und Thomas Schelling (beide 2005). Die drei diesjährigen Preisträger sind in diese Riege aufzunehmen. Damit erfährt die Spieltheorie, die sowohl konkurrierendes und kooperatives Verhalten beim klassischen Pokerspiel als auch bei Verhandlungen in Wirtschaft und Politik zu erklären versucht, eine hohe Würdigung.

 

Aber um was geht es in der Mechanismus-Design-Theorie genau?

Ein Markt ist in der Realität niemals perfekt. Das ist allerdings notwendig, wenn dort wie mit Geisterhand ein Gleichgewicht zwischen Anbietern und Nachfragern und damit eine effiziente Allokation der Ressourcen herbeigeführt werden soll. In der Realität liegen unter anderem externe Effekte beziehungsweise Marktversagen oder aber asymmetrische Informationen zwischen den Akteuren vor. Letzteres bedeutet: Eine Partei weiß mehr als die andere.

Die Mechanismus-Design-Theorie geht auf die Situationen ein, in denen das Handeln von Akteuren zu nicht optimalen Resultaten führt. Sie stellt sich die Frage, wie Regeln konkret aussehen müssen, um unter beispielsweise asymmetrischen Informationen ein effizientes oder ein anderes gesellschaftlich wünschenswertes Ergebnis zu erzielen. Anders gefragt: Wie müssen Anreize gestaltet beziehungsweise Spielregeln formuliert werden, um unter den Bedingungen einer asymmetrischen Informationsverteilung ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Es geht dabei folglich um die Gestaltung optimaler Allokationsmechanismen.

Die Forschungsarbeiten der drei Laureaten haben nach Meinung der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften „unser Verständnis der Eigenschaften von optimalen Allokationsmechanismen weit verbessert". Genau diese Mechanismen sind jedoch auf realen und nicht perfekten Märkten unumgänglich, wenn gesellschaftlich optimale Ergebnisse erzielt werden sollen. Diesen Gedanken greift auch Leonid Hurwicz in einem Interview mit Zeit Online auf sehr kritische Weise auf: „Freie Märkte mögen frei sein, aber sie sind nicht unbedingt das Beste. Ich glaube, dass viele Leute darüber nie besonders tief nachdenken. Die reden sich ein, man solle nach einem perfekten Markt streben, und gehen damit den wirklichen Problemen aus dem Weg". Zum Einsatz kann die Theorie in vielen Bereichen kommen.

Der in Moskau geborene und 1940 in die USA emigrierte Leonid Hurwicz stellte sich hingegen diesem Problem und entwickelte die Mechanismus-Design-Theorie. Seine beiden 56-jährigen Kollegen Eric Maskin (University of Chicago)und Roger Myerson (Princeton University) entwickelten die Theorie später maßgeblich weiter. Beide sind Harvardabsolventen der Mathematik.

Die Chronologie der Wirtschaftsnobelpreise

1969:

Ragnar Frisch (Norwegen) und Jan Tinbergen (Niederlande)

„Für Entwicklung und Anwendung dynamischer Modelle zur Analyse von Wirtschaftsprozessen"

 

1970:

Paul Samuelson (USA)

„Für wissenschaftliche Arbeiten, durch welche er eine statische und dynamische wirtschaftliche Theorie entwickelte und aktiv zur Hebung des Niveaus der Analyse in der Wirtschaftswissenschaft beitrug"

 

1971:

Simon Kuznets (USA)

„Für seine erfahrungsmäßig gefundenen Erklärungen von wirtschaftlichem Wachstum, welche zu neuen und vertieften Einsichten in die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen und Entwicklungsprozesse führten"

 

1972:

Kenneth Arrow (USA) und John Hicks (Großbritannien)

„Für ihre bahnbrechenden Arbeiten zur allgemeinen Theorie des ökonomischen Gleichgewichts und zur Wohlfahrtstheorie"

 

1973:

Wassily Leontief (USA)

„Für die Ausarbeitung der Input-Output-Methode sowie für ihre Anwendung bei wichtigen wirtschaftlichen Problemen"

 

1974:

Gunnar Myrdal (Schweden) und Friedrich von Hayeck (Österreich)

„Für ihre bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie und ihre tiefgründigen Analysen der wechselseitigen Abhängigkeit von wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Verhältnissen"

 

1975:

Leonid Kantorowitch (Sowjetunion) und Tjalling Koopmans (USA)

„Für ihren Beitrag zur Theorie der optimalen Ressourcen-Verwendung"

 

1976:

Milton Friedman (USA)

„Für seinen Beitrag zur Verbrauchsanalyse, zur Geldgeschichte und -theorie sowie seine Klarlegung der Komplexität der Stabilisierungspolitik"

 

1977:

Bertil Ohlin (Schweden) und James Edward Meade (Großbritannien)

„Für ihre bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Theorie des internationalen Handels und der internationalen Kapitalbewegung"

 

1978:

Herbert Simon (USA)

„Für seine bahnbrechende Erforschung der Entscheidungsprozesse in Wirtschaftsorganisationen"

 

1979:

Theodore Schultz (USA) und Sir Arthur Lewis (Großbritannien)

„Für ihre bahnbrechenden Arbeiten in der Erforschung der wirtschaftlichen Entwicklung, unter besonderer Berücksichtigung der Probleme der Entwicklungsländer"

 

1980:

Lawrence Klein (USA)

„Für die Konstruktion ökonomischer Konjunkturmodelle und deren Verwendung bei Analysen der Wirtschaftspolitik"

 

1981:

James Tobin (USA)

„Für seine Analyse der Finanzmärkte und deren Auswirkungen auf Ausgabenbeschlüsse und damit auf Beschäftigung, Produktion und Preisentwicklung"

 

1982:

George Stigler (USA)

„Für seine bahnbrechenden Studien der Funktionsweise und der Strukturen von Märkten sowie der Ursachen und Wirkungen von Regelungen der öffentlichen Hand"

 

1983:

Gerard Debreu (USA)

„Für die Einführung neuer analytischer Methoden in die volkswirtschaftliche Theorie und für eine rigorose Neuformulierung der Theorie des allgemeinen Gleichgewichts der Märkte"

 

1984:

Richard Stone (Großbritannien)

„Für seine bahnbrechenden Leistungen bei der Entwicklung von volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungssystemen, wodurch er die Grundlage empirischer Wirtschaftsanalyse radikal verbessert hat"

 

1985:

Franco Modigliani (USA)

„Für seine bahnbrechende Analyse über das Sparverhalten der Finanzmärkte"

 

1986:

James McGill Buchanan (USA)

„Für die Entwicklung der kontrakttheoretischen und konstitutionellen Grundlagen der ökonomischen und politischen Beschlussfassung"

 

1987:

Robert Solow (USA)

„Für seine Arbeiten über wirtschaftliche Wachstumstheorien"

 

1988:

Maurice Allais (Frankreich)

„Für seine bahnbrechenden Beiträge zur Theorie der Märkte und der effizienten Nutzung von Ressourcen"

 

1989:

Trygve Haavelmo (Norwegen)

Für seine Formulierung der wahrscheinlichkeitstheoretischen Grundlagen der Ökonometrie"

 

1990:

Harry Markowitz (USA), Merton Miller (USA) und William Sharpe (USA)

„Für seine Entwicklung der Theorie der Portfolio-Auswahl"
„Für seine grundlegenden wissenschaftlichen Beiträge zur Theorie der Unternehmensfinanzen"
„Für seine grundlegenden Beiträge zur wissenschaftlichen Theorie der Preisbildung für Finanzfragen"

 

1991:

Ronald Coase (USA)

„Für seine Entdeckung und Klärung der Bedeutung der sogenannten Transaktionskosten und der Verfügungsrechte für die institutionelle Struktur und das Funktionieren der Wirtschaft"

 

1992:

Gary Becker (USA)

„Für seine Ausdehnung der mikroökonomischen Theorie auf einen weiten Bereich menschlichen Verhaltens und menschlicher Zusammenarbeit"

 

1993:

Robert Fogel (USA) und Douglass North (USA)

„Für ihre Erneuerung der wirtschaftsgeschichtlichen Forschung durch Anwendung ökonomischer Theorie und quantitativer Methoden, um wirtschaftlichen und institutionellen Wandel zu erklären"

 

1994:

Reinhard Selten (Deutschland), John F. Nash (USA) und John C. Harsanyi (USA/Ungarn)

„Für ihre grundlegende Analyse des Gleichgewichts in nicht-kooperativer Spieltheorie"

 

1995:

Robert Lucas (USA)

„Für seine Formulierung der Theorie rationaler Erwartungen über das Verhalten der verschiedenen Teilnehmer am wirtschaftlichen Geschehen"

 

1996:

James Mirrlees (Großbritannien) und William Vickrey (Kanada)

„Für ihre grundlegenden Beiträge zur ökonomischen Theorie von Anreizen bei unterschiedlichen Graden von Information der Marktteilnehmer"

 

1997:

Robert Merton (USA) und Myron Scholes (USA)

„Für ihre Ausarbeitung einer mathematischen Formel zur Bestimmung von Optionswerten an der Börse"

 

1998:

Amartya Sen (Indien)

„Für seine grundlegenden theoretischen Beiträge zur Wohlfahrtsökonomie, u. a. in Entwicklungsländern"

 

1999:

Robert A. Mundell (Kanada)

„Für seine Analyse der Geld- und Fiskalpolitik in verschiedenen Wechselkurssystemen und für seine Analyse optimaler Währungsgebiete"

 

2000:

James J. Heckman (USA) und Daniel L. McFadden (USA)

„Für die Entwicklung von Theorien und Methoden zur Analyse selektiver Stichproben"
„Für die Entwicklung von Theorien und Methoden zur Analyse diskreter Wahlentscheidungen"

 

2001:

George A. Akerlof (USA), Michael Spence (USA) und Joseph E. Stiglitz (USA)

„Für ihre Analyse von Märkten mit asymmetrischer Information"

 

2002:

Daniel Kahneman (USA/Israel) und Vernon L. Smith (USA)

„Für das Einführen von Einsichten der psychologischen Forschung in die Wirtschaftswissenschaft, besonders bezüglich Beurteilungen und Entscheidungen bei Unsicherheit"

„Für den Einsatz von Laborexperimenten als Werkzeug in der empirischen ökonomischen Analyse, insbesondere in Studien unterschiedlicher Marktmechanismen"

 

2003:

Robert F. Engle (USA) und Clive W. J. Granger (Großbritannien)

„Für Methoden zur Analyse ökonomischer Zeitreihen mit zeitlich variabler Volatilität"

„Für Methoden zur Analyse ökonomischer Zeitreihen mit gemeinsam veränderlichen Trends"

 

2004:

Finn E. Kydland (Norwegen) und Edward C. Prescott (USA)

„Für ihre Beiträge zur dynamischen Makroökonomik: Die Zeitkonsistenz von Wirtschaftspolitik und die treibende Kraft von Konjunkturzyklen"

 

2005:

Robert Aumann (USA) und Thomas Schelling (USA)

„Für ihre grundlegenden Beiträge zur Spieltheorie und zum besseren Verständnis von Konflikt und Kooperation"

 

2006:

Edmund S. Phelps (USA)

„Für seine Analyse intertemporaler Zielkonflikte in makroökonomischer Politik"

 

2007:

Leonid Hurwicz (USA), Eric Maskin (USA) und Roger Myerson (USA)

„Für die Entwicklung der Grundlagen des ökonomischen Designs"

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