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Nicht Fassbares rechenbar machen

Neue Controlling-Forschungsschwerpunkte

Economag. sprach mit dem Göttinger Professor Dr. Klaus Möller über seine Forschungsschwerpunkte. Auf der Agenda des Controllers stehen derzeit vor allem drei Themen ganz oben: Performance Measurement sowie Kooperations- und Innovationscontrolling. Was verbirgt sich hinter diesen Schlagworten? Herr Möller gab Antworten und verriet dabei auch, wie spannend Controlling heutzutage sein kann.

Rainer Berger im Gespräch mit Professor Dr. Klaus Möller, Universität Göttingen

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Deutsche Hochschullehrer stehen nicht nur im Hörsaal - sie forschen auch. Der Göttinger Professor Dr. Klaus Möller forscht im Bereich Controlling, einer vergleichsweise jungen betriebswirtschaftlichen Disziplin. Das Controlling ist in Unternehmen für gewöhnlich in einer Stabsabteilung angesiedelt. Das heißt, es ist direkt der Geschäftsführung unterstellt. Das macht auch Sinn. Schließlich gibt das Controlling dem Management aufgearbeitete Daten an die Hand, mit deren Hilfe die Manager ihre Entscheidungen effizient treffen können.

Keine leichte Aufgabe, schließlich müssen die Rohdaten hierfür aus verschiedenen Quellen herangezogen und genau analysiert werden. Dies setzt fundierte Kenntnisse des Controllers voraus - sowohl unternehmensintern als auch -extern. Der Controller muss folglich nicht nur das eigene Unternehmen genau kennen, sondern auch die Unternehmensumwelt im Blick haben.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Wissenschaft im Bereich Controlling stark ausdifferenziert. So gibt es beispielsweise ein funktionsbezogenes Controlling, das das Marketing, die Forschung & Entwicklung, die Beschaffung, die Logistik, die Produktion, die Finanzen und das Personal berücksichtigt. Dem nicht genug: Auch Kooperationen und Innovationen nimmt das Controlling unter die Lupe. Der Göttinger Professor Dr. Klaus Möller beschäftigt sich in seinen Forschungsarbeiten mit dem Performance Measurement und dem angesprochenen Kooperations- und Innovationscontrolling.

 

 

Jeder Shareholder tickt anders

Beim Performance Measurement steht die Leistungsmessung und -steuerung als Kernaufgabe des Controllings im Mittelpunkt. Besonders wichtig ist dabei die Mehrdimensionalität des Leistungsverständnisses. „Dabei gilt es zu beachten, dass jeder Stakeholder, also jede Anspruchsgruppe des Unternehmens, Leistung anders definiert", so Möller. „Für den Anteilseigner, den so genannten Shareholder, steht der finanzielle Erfolg seines Investments im Mittelpunkt, für den Kunden die optimale Befriedigung seiner Bedürfnisse. Umweltverbände achten beispielsweise auf die Nachhaltigkeit oder Umweltverträglichkeit von Produkten und Produktion", gibt Möller zu bedenken.

Das Controlling muss diese vielfältigen Aspekte bei der Unternehmenssteuerung berücksichtigen und damit nicht nur finanzielle, sondern auch intangible Elemente mit einbeziehen: Kundenwert, Beziehungskapital, Mitarbeitermotivation und vieles andere mehr.

So beschäftigt sich der Wissenschaftler in einem Forschungsprojekt bei einem großen Automobilhersteller zum Beispiel auch mit den finanziellen Wirkungen, die betriebliche Gesundheitsförderung auf den Unternehmenserfolg hat. Oder einfach ausgedrückt: „Was trägt eine Rückenschulung der Mitarbeiter zum Gewinn bei? Klar ist, dass zufriedene und gesunde Mitarbeiter weniger krank sind und eine höhere Produktivität aufweisen", erklärt Möller.

Nicht Fassbares rechenbar machen

In einem anderen Projekt beschäftigt sich der Göttinger Professor mit der Einführung von RFID (Radiofrequenzidentifikation) und den Überlegungen, ob sich dessen Nutzung wirtschaftlich lohnt. „Die Frage ist dabei stets, wie kann ich das rechnen? Dem Controlling kommt zunehmend die Aufgabe zu, das im ersten Eindruck nicht Fassbare rechenbar zu machen", verdeutlicht er.

Ein Kennzeichen der modernen Wirtschaft ist es, dass die Leistungserstellung immer verteilter erfolgt. Der Grund: Unternehmen konzentrieren sich zunehmend auf ihre Kernkompetenzen. „Damit steigt der Bedarf für unternehmensübergreifende Koordination - es entsteht ein Kooperations- oder Netzwerkcontrolling", erläutert Möller. Im Bereich des Kooperationscontrollings hat der Professor bereits zahlreiche empirische Studien durchgeführt und mit anspruchsvollen statistischen Verfahren, zum Beispiel Strukturgleichungsmodellen, ausgewertet. So hat er sich bei einer groß angelegten Umfrage in der Automobilzulieferindustrie mit der Frage beschäftigt, welche Strategien in einer von Abhängigkeiten geprägten Industrie, das heißt wenige starke Hersteller und viele Zulieferer, Erfolg versprechend sind.

In einer anderen Studie im Bereich Customer Relationship Management, kurz CRM, ging er auf die Frage ein, ob eine bessere Informationslage zu Kundenmerkmalen tatsächlich die Unternehmensprofitabilität steigert. „Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten steht im Bereich des Kooperationscontrolling häufig ein strategischer Aspekt: Wie kann man sich vor Ausnutzung schützen? Wie muss eine Kooperation ausgestaltet sein, um erfolgreich zu sein? Und für den Controller nicht unwichtig: Welche Steuerungsinstanzen und welche Regeln sind sinnvoll?", bemerkt Möller.

Zielgerichtet Forschen

Der dritte wichtige Forschungsschwerpunkt des Göttinger Professors ist das Innovationscontrolling. „Durch mein Wirtschaftsingenieursstudium habe ich mich mit den Grundlagen von Produktion und Maschinenbau vertraut gemacht", erzählt Möller. Seit seiner Assistentenzeit arbeitet er mit dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und anderen Verbänden wie beispielsweise der Forschungsvereinigung Antriebstechnik e.V. (FVA) in Forschungsprojekten intensiv zusammen.

Dabei geht es um die Übertragung und Anpassung von Controllingmethoden in die jeweilige Branche und um neue Fragestellungen: „In der Vorstandssitzung präsentiert der Produktionsleiter die Steigerung von Produktion und Qualität, der Vertriebschef gibt stolz die neuen Vertragsabschlüsse bekannt, der Personalleiter berichtet über Neueinstellungen - der F&E-Leiter kann dagegen nur sagen, dass seine Abteilung gut geforscht hat", bringt es Möller auf den Punkt. Dieses natürlich stark vereinfachte Szenario zeigt das Problem: „Innovation ist wichtig, aber nur wenig transparent. Natürlich sollen die Ingenieure Freiheiten zur kreativen Entwicklung von Ideen haben, aber das Ganze muss auch zielgerichtet unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gesteuert werden.", mahnt Möller. Mit der Messung der Innovationsleistung schließt sich auch der Kreis zum Performance Measurement.

Neben diesen sachgüterorientierten Themen befasst sich der Betriebswirt auch noch mit Dienstleistungen. Unter dem Stichwort „Service Engineering" beschäftigt er sich mit der systematischen Entwicklung, Bepreisung und Vermarktung von produktbegleitenden Dienstleistungen, zum Beispiel Ferndiagnosen von Maschinen, neuen Erlösmodellen und Komplexitätseffekten.

Internationale Netzwerke

Der Professor forscht folglich immer an Schnittstellen zu anderen Wissensgebieten. Kooperation mit Experten anderer Disziplinen, mit Forschungsinstitutionen oder Praxispartnern sind keine Seltenheit. Neben seiner Tätigkeit für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ist er seit einigen Jahren zudem Gutachter für die Bundesnetzagentur (BNetzA). „Im Rahmen dieser Tätigkeit habe ich ein Branchenprozessmodell für die Telekommunikationsindustrie entwickelt, das inzwischen Einsatz bei Regulierungsentscheidungen findet", erzählt Möller.

Die Vernetzung setzt sich auch international fort. Der Professor ist regelmäßiger Vortragender auf internationalen Tagungen und pflegt einen intensiven Austausch mit anderen Universitäten. „Derzeit läuft zum Beispiel ein Forschungsprojekt mit der Universität Bologna, in dem das Supply Chain Performance Measurement der deutschen und italienischen Motorradindustrie, besonders von Ducati und BMW, analysiert wird", berichtet Möller. Auch in der Lehre setzt sich dies fort: aktuell in einem Projektseminar „Controlling in the Aviation Industry", das unter anderem in Kooperation mit der Lufthansa erfolgt.

Die Arbeiten des Wissenschaftlers wurden bereits mehrfach ausgezeichnet: Neben dem Preis für wissenschaftliche Arbeiten der Stiftung Industrieforschung für seine Dissertation erhielt er Best Paper Awards von der Performance Measurement Association, dem Journal of Productivity and Performance Management, dem KIZOK - Centre for Management and Innovation sowie der Society of Automotive Engineers.

Neben all diesen Tätigkeiten bleibt dem Wissenschaftler auch noch Zeit für Sport: Er klettert und fährt Rad.

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