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Korea ist ein faszinierendes Land mit einer spannenden und alten Geschichte. Darüber hinaus ist Südkorea ein bedeutender Wirtschaftsstandort, der Jahr für Jahr viele deutsche Geschäftsleute und Expatriats anzieht. Was bei der Kommunikation mit koreanischen Geschäftspartnern zu beachten ist, erklärt unsere Expertin für interkulturelle Trainings.
Von Mee-Jin Kim, Erding
In Korea ändert sich die Kommunikationsart mit dem Vertrautheitsgrad der Geschäftsbeziehung drastisch. Ist das Verhalten anfänglich noch extrem vorsichtig und zurückhaltend, kann es mit der Zeit extrem offen und herzlich werden. Jedes Geschäftsgespräch birgt die Chance einer neuen Freundschaft, auch wenn das Treffen in erster Linie durch das Interesse am Geschäft zustande gekommen ist.
Koreaner gehen davon aus, dass eine geschlossene Freundschaft auch nach dem gemeinsamen Geschäft bestehen bleiben wird. Deshalb liegt ihnen viel daran, ihre Geschäftpartner kennen zu lernen. Sie sehen die Person nicht nur geschäftlich, sondern auch privat und versuchen daher viel Zeit gemeinsam zu verbringen und möglichst viel über den anderen zu erfahren, weil dies die Sicherheit in der Kommunikation erhöht. Eine freundschaftliche Beziehung ermöglicht es, begangene Fehler oder Probleme im Geschäft eher anzusprechen, zu verzeihen und zu lösen. Die Toleranzgrenze steigt. Es werden automatisch mehr inoffizielle Gespräche geführt, in denen Informationen ausgetauscht werden, die auch das Geschäft betreffen.
Für eine erfolgreiche Kommunikation mit Koreanern sollten folgende Hinweise beachtet werden:
Koreaner praktizieren sehr häufig ein aktives Zuhören. Es ist zwar zeitaufwändig, aber wenn Missverständnisse oder Fehlinterpretationen vermieden werden können, hilft dies Zeit einzusparen und schont die Nerven aller Beteiligten. Für Koreaner können häufige schriftliche oder telefonische Kontakte ein persönliches Treffen nicht ersetzen. Es reicht nicht, nur sachliche Informationen auszutauschen.
Die Kommunikation innerhalb eines koreanischen Unternehmens unterliegt strengen Regeln. Es ist nicht erlaubt, über mehrere Ebenen hinweg zu kommunizieren. Berichte, Vorschläge, Beschwerden werden immer an den direkten Vorgesetzen gerichtet. Dieser gibt sie nach Sichtung wiederum weiter an seinen direkten Vorgesetzten usw. Ebenso verhält es sich mit Anweisungen, Kritik und Lob. Auch diese werden vertikal von oben nach unten über die verschiedenen Hierarchiestufen weitergegeben. Wie man sich vorstellen kann, ist dieses Vorgehen sehr zeitaufwändig. Vorteilhaft ist, dass alle Ebenen informiert sind und ihre Zustimmung hierzu gegeben haben.
Dies wird auch immer schriftlich und durch Stempel oder Unterschrift des jeweils Verantwortlichen dokumentiert. Entscheidungsprozesse sind insofern standardisiert, dass feststeht, wie viele und welche Ebenen jeweils zustimmen müssen. Erst, wenn die Zustimmung aller vorliegt, kann der Auszuführende handeln. Dabei hat er keinen großen Einfluss auf die Entscheidungsträger der jeweiligen Hierarchieebenen.
Meistens wird zwischen Koreanern und Deutschen auf Englisch kommuniziert. Für beide Seiten ist dies eine Fremdsprache. Jedoch ist die Ähnlichkeit zur deutschen Sprache wesentlich größer als zum Koreanischen. Folglich ist das Erlernen der englischen Sprache für die meisten Koreaner eine große Herausforderung. Viele deutsche Geschäftspartner führen die vorhandenen Kommunikationsprobleme auf mangelnde Englischkenntnisse der Koreaner zurück. Jedoch urteilt man vorschnell, wenn man damit die Schuld an möglichen Kommunikationsproblemen alleine den Koreanern anlastet.
Unzweifelhaft ist, dass mangelnde Sprachkompetenzen durchaus zu Verständigungsproblemen führen können. Warum dieses Phänomen bei Koreanern verstärkt auffällig ist, zeigt ihre Ausbildung. Die meisten Koreaner sind im Schriftlichen wesentlich besser als im Mündlichen. Die große Anzahl der Schüler in koreanischen Schulen lässt nach wie vor eine auf Konversation ausgerichtete Sprachausbildung nicht zu. Der Schwerpunkt wird auf das Schriftliche, insbesondere auf Grammatik und Satzbau gelegt.
Inzwischen hat man in Korea, nicht zuletzt durch die Asienkrise und der darauf folgenden Internationalisierung erkannt, dass Sprachkenntnisse eine Schlüsselqualifikationen der Zukunft darstellen. Dementsprechend werden Kinder bereits im Vorschulalter mit englischen Liedern und Geschichten berieselt. Inzwischen unterrichten native speaker als Lehrkräfte bereits ab der Mittelschule Englisch. Sobald die Eltern über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, werden ihre Kinder schon frühzeitig ins Ausland geschickt, um dort an Sprachkursen teilzunehmen. Nicht wenige Mütter ziehen mit ihren Kindern ins Ausland, damit die Ausbildung dort erfolgen kann, während der Vater in Korea das Geld verdient. Inzwischen gibt es zahlreiche internationale Schulen in Korea, an denen der Unterricht auf Englisch und Koreanisch stattfindet. Diese Schulen sind sehr begehrt und es gibt lange Wartelisten, trotz des hohen Schulgeldes. Der Anteil an Koreanern mit sehr guten Englischkenntnissen wird in Zukunft stetig ansteigen.
Wenn Sie mit Koreanern Englisch sprechen, sollten Sie, abhängig von ihren eigenen Sprachkenntnissen, bewusst langsam sprechen und einfache Sätze bilden.
Mee-Jin Kim führt interkulturelle Trainings für deutsche und koreanische Firmen durch. Sie ist Mitglied der Society for Intercultural Education, Training and Research (SIRTAR).