Studium & Karriere
Der Bachelor und der Master sind da. Viele Studierende sind allerdings immer noch verunsichert und fragen sich, wie die Personalverantwortlichen zu diesen beiden neuen Abschlüssen stehen? economag. hat sich in der Commerzbank umgehört. Dort können sich Bachelor-Absolventen mit einem entsprechenden Leistungsprofil im Bewerbungsverfahren durchaus gegen Master-Absolventen durchsetzen. Auch die Karrierechancen sehen für die Express-Akademiker durchaus rosig aus. Schließlich stellt ein akademischer Grad nur die Eintrittskarte in das Unternehmen dar. Die individuellen Aufstiegschancen ergeben sich dort für jeden aus der eigenen Leistung.
Die Fragen stellte Rainer Berger
>> Frau Weisbender, die deutschen Hochschulen haben inzwischen weitestgehend auf Bachelor- und Master-Abschlüsse umgestellt. Begrüßen Sie diese Entwicklung?
Ja, diese Entwicklung begrüßen wir sehr. Denn wir erhoffen uns davon, dass dadurch das Studium an Praxisnähe gewinnt und gleichzeitig sich die Studiendauer verkürzt.
>> Wie sollte diese Praxisnähe genau aussehen, was erwarten Sie konkret von einem Bachelor- oder Master-Absolventen?
In welcher Form genau die Praxiserfahrungen gesammelt werden ist sekundär. Wichtiger ist, dass sie vorhanden sind. Darüber hinaus begrüßen wir es auch, wenn Studierende bereits im Rahmen ihrer Hochschulausbildung mit Unternehmen in Kontakt gekommen sind, denn hier lernen sie Arbeitsabläufe und alltägliche Problemstellungen kennen.
>> Wie ordnen Sie einen Bachelor- im Vergleich zu einem Master-Abschluss ein?
In einem Master-Studium vertieft der Studierende Kenntnisse, die er während des Bachelor-Studiums erworben hat. Ein Master-Absolvent verfügt folglich über ein sehr fundiertes und tiefes Wissen. Ein Bachelor ist hingegen ein generalistisch ausgelegter Abschluss ohne ausgeprägte Spezialisierung und Vertiefung. Welchen der beiden Studiengänge man wählt, sollte davon abhängig gemacht werden, wie sich der Studierende selbst auf dem Arbeitsmarkt zukünftig positionieren möchte und welche Ziele er verfolgt.
Bachelor versus Master
Durch Bachelor und Master sollen die deutschen Abschlüsse im internationalen Vergleich transparenter und besser vergleichbar werden. Ein klassisches Bachelor-Studium ist breit und generalistisch angelegt. Eine fachliche Spezialisierung und Vertiefung des Wissens erfolgt im Rahmen eines wahlweise darauf folgenden Master-Studiums. Zwischen einem Bachelor und Master-Studium legen die Studierenden gegebenenfalls einen Zwischenstopp in der Praxis ein. Beides sind berufsqualifizierende Hochschulabschlüsse. Viele deutsche Hochschulen haben bei der Umstellung ihrer Studienordnungen und Studienpläne auf die beiden neuen Abschlüsse noch alle Hände voll zu tun. Mit dieser Umstellung geht sowohl auf Seiten der Studierenden als auch auf Seiten der Unternehmen, besonders bei kleineren und mittleren Unternehmen, noch Verunsicherung über die Wertigkeit der Abschlüsse einher. Dies gilt insbesondere für den Bachelor-Abschluss.
>> Gibt es auch für Bachelor-Absolventen Jobs in Ihrer Bank?
Es gibt keine Stellen, die wir explizit für Bachelor-Absolventen ausgeschrieben haben. De facto stellen wir aber Bachelor-Absolventen ein - genauso wie Absolventen mit einem Master-, Magister- oder Diplom-Abschluss.
>> Was heißt das konkret? Kann sich ein Bachelorabsolvent auf eine von Ihnen ausgeschriebene Trainee-Stelle mit Erfolgsaussichten bewerben?
Ja, selbstverständlich.
>> Wie gestaltet sich dann das Einstiegsgehalt und wie sehen die Karrierechancen für einen Bachelor-Absolventen in der Commerzbank aus?
Das Einstiegsgehalt liegt bei uns ca. zwischen 40 und 50 Tausend Euro. Die weiteren Aufstiegschancen sind nicht von der Art des Abschlusses abhängig, sondern von der individuellen Leistung, vom Engagement und von der jeweiligen Tätigkeit eines Mitarbeiters.
Anzeige
Dieses Lehrbuch vermittelt einen systematischen Überblick über die grundlegenden Funktionen der auf Finanzmärkten agierenden Anbieter sowie die von ihnen angebotenen Finanzdienstleistungen.
>> Wann lohnt es Ihrer Meinung nach auf den Bachelor-Abschluss einen Master zu satteln?
Diese Frage kann ich nicht allgemeingültig beantworten. Das ist eine Frage, die jeder Studierende für sich selbst beantworten muss. Dabei muss er seine Ziele und seine Persönlichkeit berücksichtigen. Dem einen reicht ein genereller Zugang zum Thema, ein anderer möchte wissenschaftliche Themen mehr vertiefen.
>> Wie wichtig ist es, zwischen dem Bachelor- und Master-Studium Praxisluft zu schnuppern?
Das ist immer zu empfehlen. Praxiserfahrung ist das A&O. Wie lange eine solche Pause in der Praxis sein sollte, ist schwer zu sagen. Praxisbezug kann ein Studierender beispielsweise auch dann erhalten, wenn er direkt nach dem Bachelor-Studium ein Master-Studium in Kooperation mit einem Unternehmen beginnt und damit während des Studiums Berufserfahrung sammelt.
>> Bietet die Commerzbank Master-Programme an?
Wir kooperieren mit der Frankfurt School of Finance and Management, die sehr gute bankspezifische Master-Programme anbietet. Ein wesentlicher Vorteil hier ist, dass Praxis und Studium während des Masters verbunden werden.
>> Sehen Sie einen Nachteil darin, wenn der Studierende das Bachelor- und Master-Studium an der gleichen Hochschule absolviert?
Nein, darin sehe ich kein Problem. Natürlich ist es gut, wenn Studierende während ihres Studiums mehrere Studienorte, vielleicht sogar im In- und Ausland kennen lernen. Das ist aber aus unserer Sicht keine zwingende Bedingung.
>> Die Art des akademischen Abschlusses ist also weniger relevant, als gedacht. Aber auf welche Kriterien achten Sie bei einer Bewerbung sehr genau?
Natürlich schauen wir auf die Noten und die Studiendauer. Daneben sind uns Pratika, Sprachkenntnisse und Auslandserfahrung sehr wichtig. Unsere Mitarbeiter arbeiten in Teams und haben zudem Kundenkontakt. Kommunikations- und Teamfähigkeit ist uns daher außerordentlich wichtig.
>> Und noch eine letzte Frage: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung bei Bachelor- und Master-Abschlüssen?
Bei vielen Personalverantwortlichen gibt es meines Erachtens noch fehlende Kenntnisse und fehlende Erfahrungswerte zu den Bachelor- und Master-Abschlüssen. Das wird sich allerdings in den kommenden Jahren ändern, da dann verstärkt Nachwuchskräfte mit Bachelor- und Master-Abschlüssen auf dem Arbeitsmarkt sein werden. Der deutsche Arbeitsmarkt wird sich spätestens dann in Bezug auf die Chancen der Bachelor- und Master-Absolventen dem angelsächsischen annähern. Dort sind Bachelor-Absolventen durchaus gefragt.
>> Frau Weisbender, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.
Kirsten Weisbender leitet den Bereich Hochschulmarketing der Commerzbank AG. Sie verantwortet mit Ihrem Team die Rekrutierungsaktivitäten und Nachwuchsprogramme des Konzerns.