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Titelbild zum Beitrag: Aufschwung ade!
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Aufschwung ade!

Kein nachhaltiger Konjunkturaufschwung in Deutschland

Der Aufschwung ist da. Aber wie lange bleibt er? Die privaten Haushalte verbuchen reale Einkommensverluste. Wichtige Wachstumsimpulse durch die private Binnennachfrage bleiben folglich aus. Lediglich die deutschen Exporte wirken positiv auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Die Folge ist eine gespaltene Konjunktur. Dem nicht genug: Seit längerer Zeit ist eine Einkommensumverteilung von unten nach oben zu beobachten.

Welche Auswirkungen haben diese Phänomene auf unser Land? Ein Gelsenkirchener Professor beantwortet diese Frage und geht dabei auch auf die Gefahr einer Rezession im Jahr 2009 ein.

Professor Dr. rer. pol. Heinz-J. Bontrup, Fachhochschule Gelsenkirchen

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Zu Beginn die wichtigsten Fakten: Von 2001 bis 2005 lag die jahresdurchschnittliche reale Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts bei nur knapp 0,6 Prozent. Die Stundenproduktivität legte dagegen um gut 1,3 Prozent zu. Das Ergebnis dieser Produktions-Produktivitätslücke war ein zusätzlicher Anstieg der Arbeitslosenzahlen auf den jahresdurchschnittlichen Höchststand seit der Wiedervereinigung von 4.861.000 Menschen im Jahr 2005. Die Wachstumsrate in 2006 mit 2,9 Prozent ließ dann die Arbeitslosenzahlen auf 4.487.000 zurückgehen. Der Aufschwung wurde aus einer Kombination von Exportnachfrage und deutlich höheren privaten Investitionen getragen. Das größte und damit wichtigste Aggregat in der gesamtwirtschaftlichen Nachfragefunktion, der private Verbrauch, stieg 2006 dagegen nur geringfügig, was wegen des erneuten Rückgangs der realen Nettolöhne und -gehälter um 1,4 Prozent nicht verwundern konnte. Es blieb weitgehend bei einer gespaltenen Konjunktur mit einer insgesamt zu geringen Binnennachfrage.

Gebremster Aufschwung 2007

2007 wurde der Aufschwung in Deutschland durch weltwirtschaftliche Einflüsse (Dollarverfall, Ölpreissteigerungen, spekulative Immobilienkrise in den USA), aber auch durch finanzpolitische Maßnahmen der Bundesregierung (Mehrwertsteuererhöhung, staatliche Sparmaßnahmen) eingebremst. Erstaunlich war dabei, dass die „Bremsspuren" nicht größer ausfielen. Von der „Lohnfront" kam keine Hilfe. Zwar stiegen die Nettolöhne, die reale Lohnentwicklung fiel 2007 auf Grund der allgemeinen Preissteigerungen aber dennoch negativ aus. Die seit Jahren gegebene Umverteilung von unten nach oben ging weiter. Dies nicht nur bei den marktbezogenen Primäreinkommen, sondern auch nach staatlicher Umverteilung. Die Nettolohnquote lag im ersten Halbjahr 2007 nur noch bei 38,8 Prozent. Lohnsteuer und Sozialversicherungsabgaben lassen den abhängig Beschäftigten immer weniger von ihren Markteinkommen zum Leben. Einkommensarmut macht sich breit.

 


 

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Niedriglöhne und Leiharbeit

Unternehmensgewinne und Vermögenseinkommen stiegen dagegen weit überproportional an und wurden von staatlichen Belastungen (Steuern und Abgaben) weiter befreit. Die privaten Konsumausgaben, bei einer nach wie vor hohen gesamtwirtschaftlichen Sparquote von über 10 Prozent, fielen 2007 als Wachstumsträger vollständig aus. Der Staat wirkte mit seinen Steuereinnahmen und Staatsausgaben ebenfalls restriktiv auf den Konjunkturverlauf. Weil aber die privaten Investitionen und die Exporte weiter kräftig stiegen, konnte insgesamt 2007 ein reales Wachstum von 2,5 Prozent realisiert werden. Da wie schon 2006 die Produktivitätsrate unterhalb der Wachstumsrate blieb, ging die Arbeitslosigkeit noch einmal auf eine jahresdurchschnittliche Zahl von 3.780.000 zurück. Beim Rückgang der aber weiter bestehenden Massenarbeitslosigkeit ist zu bedenken, dass es sich hier vielfach nur um einen Aufbau an Teilzeit-Beschäftigung, prekären Beschäftigungsverhältnissen im Niedriglohnsektor und bei der Leiharbeit handelt. Die sozialversicherungspflichtige Vollzeit-Beschäftigung stieg von 2005 nach 2007 nur geringfügig. Ihr Niveau liegt immer noch unter dem des Jahres 2000.

2008 bricht Wachstum ein

Im Jahr 2008 ist der nur kurzzeitig aufgetretene Konjunkturaufschwung in 2006 und 2007 bereits zu Ende. Die reale Wachstumsrate wird auf weit unter 2 Prozent einbrechen. Dies liegt daran, dass in Deutschland weiter von unten nach oben umverteilt wird. Bei einem leichten Anstieg der realen Nettolöhne, die aber unterhalb des verteilungsneutralen Spielraums bleiben, wird der private Konsum auch weiter keine Impulse setzen. Hinzu kommen 2008 stagnierende private Investitionen und eine nicht veränderte restriktive Finanzpolitik. Die Binnenkonjunktur bricht somit ein. Wachstumseffekte gehen nur noch von der Exportnachfrage trotz Eintrübung der Weltwirtschaft und hohem Eurokurs aus. Die Konjunktur bleibt damit gespalten. Bei einer Inflationsrate von um die 2 Prozent ist somit nur noch mit einem realen Wirtschaftswachstum von etwa 1,5 Prozent zu rechnen. Das Wachstum wird in etwa in Höhe der Produktivitätsrate liegen, so dass die Effekte hinsichtlich der Arbeitsmärkte neutral sein werden.

Rezessionsgefahr 2009

Der Abbau der Arbeitslosigkeit gerät damit ins Stocken. Weiter liegt Massenarbeitslosigkeit vor, die dann in der nächsten Rezession, durchaus denkbar im Jahr 2009, womöglich wieder den alten Spitzenwert aus 2005 erreicht. Insgesamt wird sich (überzyklisch) die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland merklich vergrößern. Dies jedenfalls so lange, wie weiter eine einseitige neoliberale Wirtschaftspolitik betrieben wird.

 

Autor

Prof. Dr. Heinz Bontrup ist Professor an der FH Gelsenkirchen, Abteilung Recklinghausen, Fachbereich Wirtschaftsrecht. Sein Lehrgebiet ist Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Personalwirtschaft und Organisation.

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