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Immer im Training

Lernaktive Methoden in der Aus- und Weiterbildung von Beratern

Ein Berater muss sich ständig auf neue Problemsituationen einstellen. Die Fähigkeit, schnell zu analysieren und zielgerichtete Handlungsempfehlungen zu geben, müssen Berater allerdings erlernen. Klassische Vorlesungen und Seminare stoßen dabei an ihre Grenzen. Doch welche Methoden eignen sich dafür? Eine Heidelberger Expertin geht auf diese Frage ein und stellt verschiedene Methoden dar, die innerhalb der Aus- und Weiterbildung von Beratern Erfolg versprechen. Dabei lässt sie auch die besondere Rolle des Trainers nicht außer Acht. 

Von Professor Dr. Christel Niedereichholz, Heidelberg

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Ein Berater muss immer auf dem neuesten Wissenstand sein. Aber wie bildet er sich eigentlich aus und weiter? Zu den klassischen, rezeptiven Lehrmethoden der reinen Wissensvermittlung zählen Vorlesungen und Seminarveranstaltungen, die ihren Schwerpunkt auf die wissenschaftliche Theorie legen. Sie sind bei Studien- und Trainingsangeboten für Berater allerdings nicht mehr ausreichend. Die Pflichtenhefte der Akkreditierungsinstitutionen und die Anforderungen der Teilnehmer aus der Praxis verlangen neue und differenzierte Formen des Wissenstransfers.

 


 

Was ist eine Akkreditierung?

Der wichtigste Akt einer Qualitätssicherung ist die Akkreditierung eines Studiengangs, seines Curriculums und seiner Kooperationen zum Beispiel durch die FIBAA, die Akkreditierungsagentur für MBA, Bachelor- und Masterstudiengänge in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die FIBAA (Foundation for International Business Administration Accreditation) akkreditiert, unter anderem im Auftrag des deutschen Akkreditierungsrates, auf der Basis festgelegter Qualitätsstandards neue Studiengänge. Der Akkreditierungsrat selbst wurde als Prüfinstanz von der Kultusministerkonferenz und der Hochschulrektorenkonferenz im Jahre 1999 eingesetzt.

 


 

Der Leitfaden neuer lernaktiver Trainingskonzepte ist das Vermitteln von Fähigkeiten zur Analyse von Prozessen, Problemen und logischen Zusammenhängen sowie zur Lösung kritischer Situationen und Engpässe.

Die lernaktiven, oder teilnehmerzentrierten Methoden haben, jede für sich betrachtet, indes einen Nachteil - sie stellen die Realität stark vereinfacht dar und bilden sie statisch ab. Für Entscheidungssituationen in den hochdynamischen Umfeldern des Consulting sind sie deswegen nur bedingt geeignet.

 


 

Wie lernen Berater?

Innerhalb der Berateraus- und -weiterbildung spielen besonders Fallstudien, Simulationen, Planspiele, Rollenspiele, White Papers oder Studien sowie Gastvorträge und so genannte Round Table Gespräche eine wichtige Rolle. Auch das Internet stellt für den Berater eine wichtige Informationsquelle dar.

 


 

Dieser Nachteil ist jedoch nicht unüberwindbar. Er lässt sich durch eine Kombination mehrerer didaktischer Methoden bewältigen; diese werden im Folgenden genauer beleuchtet: 

Fallstudien: Lernen an konkreten Praxisbeispielen

Fallstudien im Rahmen eines Trainingskonzepts für Berater beziehen sich konsequenterweise stets auf reale Beispiele konkreter Beratungssituationen. Als Lehrmaterial dienen, gekürzt und komprimiert, die Dokumentationen und die Abschlussberichte erfolgreich durchgeführter Beratungsprojekte.

Die Teilnehmer erhalten die Aufgabe

  • sich der Konfrontation mit der Problemsituation des Beratungsauftrags zu stellen,
  • die Problemsituation mit den in einer vorherigen Veranstaltung vermittelten Techniken und Methoden zu analysieren,
  • sich unter Nutzung des Internets umfassende Informationen zur Lösung der analysierten Problemsituation zu beschaffen und diese auszuwerten,
  • unterschiedliche Lösungsansätze zu erarbeiten,
  • die beste Lösung unter Einsatz der Nutzwert- und der Risikoanalyse auszuwählen,
  • diese Lösung im Plenum zu präsentieren und zu diskutieren und
  • abschließend die eigene Lösung mit der Musterlösung zu vergleichen und die Abweichungen zu diskutieren.

Beim Einsatz von Fallstudien geht es um das didaktische Ziel, die Teilnehmenden  mit Handlungskompetenz für künftige Beratungssituationen auszustatten.

 


 

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An ihre Grenzen stößt die Lehrmethode genau dann, wenn zur Erarbeitung sinnvoller Lösungsalternativen Wissen und Erfahrung notwendig sind, die bei den Teilnehmern noch nicht vorausgesetzt werden können. Hier muss der Trainer unterstützend eingreifen und das fehlende Wissen transferieren. Ein Problem tritt auf, wenn der Stand des Wissens in einer Gruppe sehr unterschiedlich ist und die Teilnehmer noch nicht im gegenseitigen Wissenstransfer geübt sind. 

Simulationen: Agieren und reagieren

Simulationen können auf unterschiedliche Weise eingesetzt werden: Als Simulationsspiel oder auch als mathematisches Simulationsverfahren.

Der Unterschied zur Fallstudie: Die Fallstudie wird meist aus einer tatsächlich existierenden Situation im Klientenunternehmen entwickelt. Ein Simulationsspiel oder eine Simulationsrechnung arbeitet hingegen mit der Realität nachempfundenen Daten und Informationen. Seit langem bekannt sind die so genannten Übungsfirmen, in denen verschiedene Parteien durch Simulation vorgegebene Situationen durchspielen und auf Aktionen der Gegenpartei reagieren.

Ein mathematisches Simulationsmodell bildet eine Ist-Situation mit einer entsprechenden Sprache, wie „Vensim", „Powersim" oder den anderen Nachfolgern von „Dynamo" und „GPSS" ab. Ein bekanntes Beispiel aus der Beratungspraxis stellt der Materialfluss dar, in welchem im Simulationsmodell die Maschinenreihenfolge verändert wird, um als Optimierungsergebnis die Veränderungen der mittleren Auftragsdurchlaufzeit und der Materialflusskosten zu ermitteln. Die Teilnehmer diskutieren dabei am Modell, ob das Simulationsergebnis in der Praxis umsetzbar ist und welche Problemlösungsqualität es aufweist. 

Planspiele: Interaktiv mit operativen und strategischem Fokus

Unternehmensplanspielen kommt in der Ausbildung von Beratern eine wichtige Rolle zu. Darin geht es vor allem um die Vermittlung von kreativer Entscheidungskompetenz unter Beachtung der funktionalen Abhängigkeiten in einem Unternehmen sowie zu seinen Umfeldern. Dies wird schon bei den historischen Vorläufern, den so genannten Sandkastenspielen der Militärs, deutlich.

Bei einem Unternehmensplanspiel werden zwei oder mehrere Spielergruppen und eine Spielleitung gebildet. Die Spieler fällen aktiv unter Beachtung der Spielregeln und vorgegebenen Daten, Entscheidungen zur Erreichung eines vereinbarten Zieles.

Unternehmensplanspiele kann man nach den unterschiedlichsten Aspekten kategorisieren. Für die Berateraus- und -weiterbildung ist vor allem die Unterscheidung nach dem Bezugsrahmen wichtig. Hierbei differenziert man zwischen Gesamtunternehmensspielen, bei dem die Spieler die Rolle(n) der Unternehmensleitung übernehmen, oder Teilbereichsspielen, bei dem es um eine  Problemstellung in einem der funktionalen Bereiche des Unternehmens, wie zum Beispiel Beschaffung, Produktion oder Marketing, geht. Die interaktiven Spiele können einen operativen und/oder strategischen Fokus haben. Es geht insbesondere darum, dass die Teilnehmer die Interdependenzen zwischen den Hierarchieebenen und den Teilbereichen eines Unternehmens erkennen und für die Reaktionen der Umfelder im internationalen Kontext sensibilisiert werden.

 


Wissenstransfer: Herausforderung bei heterogenen Gruppen

 

Die Teilnehmergruppen von Weiterbildungsangeboten zum Themenkomplex Consulting sind meist sehr heterogen. Das bezieht sich sowohl auf ihren fachlichen Hintergrund als auch auf den Reifegrad ihres Wissens und ihrer Erfahrung.

Die fachlichen Grundkompetenzen der Teilnehmer reichen von Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre über Ingenieurwissenschaften, Verwaltungswissenschaften, Medizin, Psychologie, Soziologie, Theologie bis zu Physik, Mathematik, Informatik und Pädagogik. Auch Forstwirte, Meeresbiologen und Theaterwissenschaftler haben in der Vergangenheit an Weiterbildungsveranstaltungen des Consulting teilgenommen, oder den MBA- Abschluss „International Management Consulting" erworben. Diese unterschiedlichen fachlichen Grundausbildungen der Teilnehmer sind keine Einzelerscheinungen bei Weiterbildungsangeboten. Sie spiegeln vielmehr exakt das breite Spektrum der Berater in der Praxis wider.

Der Wissenstransfer innerhalb heterogen zusammengesetzter Gruppen, wie sie häufig in der Weiterbildung entstehen, verlangt vom Trainer viel Fingerspitzengefühl. Erste Voraussetzung ist, dass jeder Teilnehmer gleich zu Beginn der Zusammenarbeit Gelegenheit erhält, seine speziellen Fähigkeiten und Erfahrungen vor der Gruppe darzustellen. Die Praktiker benötigen häufig etwas Unterstützung durch den Trainer, um ihre eigene Qualifikation gleichrangig mit denen der Hochschulabsolventen zu sehen und in Worte zu fassen. Der Trainer sollte die individuellen Wissens- und Erfahrungsprofile dokumentieren und dann bei jeweils passenden Gelegenheiten die einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auffordern, zu dem Thema eigene Ausführungen aus ihrem speziellen Fachgebiet zu machen und damit ihr Wissen auf die anderen Teilnehmer zu transferieren.

 


 

Rollenspiele: Durch Perspektivwechsel Lösungen finden

Beim Rollenspiel geht es vor allem darum, Interaktionen, aber auch Konflikte zwischen Einzelpersonen und Gruppen spielerisch darzustellen und daraus Handlungsalternativen abzuleiten. Kernfunktionen sind dabei die Rollenübernahme, das Spiel und der darauf folgende Rollentausch mit einer Wiederholung des Spiels. 

Im Rollenspiel sollen die Spieler durch Übernahme einer Rolle in einer fiktiven oder durch die Beratungstätigkeit vorgegebenen Situation Fähigkeiten, Erkenntnisse und Einsichten zur Lösung des Problems oder der Konfliktsituation gewinnen.

In der Ausbildung von Beratern wird das Rollenspiel vor allem eingesetzt, um die  Teilnehmer in typischen kritischen Situationen vor Beginn der Beratung und in laufenden Beratungsprojekten zu trainieren.

Vor Beginn des Projektes eignet sich insbesondere die Akquisitionsphase sehr gut für Rollenspiele. Das Akquisitionsgespräch mit dem Kunden kann mit verteilten Rollen - eine Gruppe spielt die Klientenseite, die andere die Berater - mit hervorragenden didaktischen Erfolgen trainiert werden. Beiden Gruppen wird zunächst der aktuelle Problemfall eines Unternehmens vorgegeben, in den sich beide Gruppen einarbeiten. Das Rollenspiel wird aufgezeichnet und dann von allen gemeinsam beobachtet und evaluiert. Danach wird das gleiche Spiel mit vertauschten Rollen wiederholt. 

In der Projektdurchführungsphase eignet sich der klassische Interessenkonflikt zwischen Beratern und Personalvertretern in besonderer Weise für diese Spiele. Indem eine Gruppe der Teilnehmer die Rolle der Betriebsratsmitglieder übernimmt und eine andere die der Berater, kann anhand vorgegebener Situationen, wie zum Beispiel

  • notwendiger Personalabbau,
  • geplantes Outsourcing,
  • Standortverlagerung,
  • Kostensenkungsprogramme,
  • Änderung der Arbeitsabläufe durch Reengineering und
  • Einführung von Kurzarbeit

das Argumentieren und Gegenargumentieren trainiert werden.

White Papers und Studien: leicht verfügbares Wissen aus dem Web

White Papers von internationalen Beratungsunternehmen haben in den meisten Fällen einen Informationsgehalt, der durchaus wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Fast alle größeren internationalen Beratungsfirmen bieten auf ihrer Homepage einen Link zu eigenen White Papers. Schneller ist der Zugriff über Google mit der Eingabe des Fachgebietes und des Stichwortes „White Paper" (beispielsweise CRM...., SCM.....). Hier kann man häufig zu einem Fachthema die White Papers von mehreren Anbietern herunterladen und man gewinnt damit auch  vergleichende Darstellungen und Benchmarks.


Was ist ein White Paper?

White Papers sind ursprünglich für die Öffentlichkeitsarbeit konzipierte Kommunikationsinstrumente, die auf zwei bis zwölf Seiten das Leistungsspektrum sowie die Vor- und Nachteile einer neuen Technologie oder eines neuen Anwendungsgebietes darstellen. Beim Einsatz in der Lehre muss man darauf achten, dass nicht Papers eingesetzt werden, bei denen die  Marketingaspekte bis hin zur Schönfärberei zu stark im Vordergrund stehen. Dies ist häufig bei den Publikationen von Softwareherstellern der Fall.


Eine ebenso wichtige Rolle als Weiterbildungsmaterial spielen die Studien, die von Beratungsunternehmen durchgeführt und meist zur kostenlosen Nutzung über deren Homepage bereitgestellt werden. Den Teilnehmern wird empfohlen, auch diese aktuellen Quellen ständig zu nutzen.

Der Trainer hat die Aufgabe, die White Papers und Studien auszuwählen, auf Qualität und Themenbezug hin zu überprüfen und den Studierenden dann die entsprechenden Webadressen mitzuteilen. Diese arbeiten die Papers zunächst im Selbststudium durch, um in der Lehrveranstaltung gemeinsam mit dem Trainer den relevanten Stoff zu erarbeiten.

Internet: Quelle für Klienten- und Wetterbwerberinformationen

Im realen Leben von Beratern spielt das Internet eine immens wichtige Rolle. Es wird genutzt, um aktuelle Informationen über potentielle Klienten und Wettbewerber zu gewinnen, Ausschreibungen und call for papers wichtiger Veranstaltungen aufzuspüren und ganz allgemein das Beratungswissen ständig zu erweitern.

Deshalb muss dieses Medium bei der Ausbildung von Beratern immer dann eingesetzt werden, wenn auch professionell arbeitende Berater das Internet nutzen würden. Dies führt in weiten Teilen des Trainingskonzeptes zu web-gestützten Lehrmodulen.

Gastvorträge und Round Table Gespräche: Wissen aus erster Hand

Bei einer Vielzahl von Trainingsmodulen ist es sinnvoll, zur didaktischen Vertiefung und Abrundung des Inhalts einen ausgewiesenen Experten des Themenbereiches einzuladen.

Bei Referenten aus der mittleren Managementebene besteht manchmal das Problem, dass ihnen von ihrer Unternehmensleitung nur eine stark eingeschränkte Berichtsfreiheit zugestanden wird. Insbesondere erhalten sie keine Erlaubnis, schriftliches Material zur Verfügung zu stellen. Dies ist besonders bei den Unternehmen der Fall, die ohnehin in ihrer Öffentlichkeitsarbeit sehr zurückhaltend sind. Um dennoch auch Input aus diesen Unternehmen zu erhalten, wird zu einem Round Table Gespräch eingeladen, bei dem keine Unterlagen aus dem Unternehmen verteilt werden. Die Teilnehmer bereiten sich dann eigenständig mit allen, über das Internet verfügbaren Informationen auf das Gespräch vor.

Exkursionen: Problemlösungen vor Ort erleben

Exkursionen machen nur Sinn, wenn sie in einem unmittelbaren Zusammenhang mit den Trainingsinhalten stehen.

Höchste Priorität haben in diesem Zusammenhang Exkursionen zu Unternehmen, die eine oder mehrere erfolgreiche interne Beratungseinheiten (IBE) besitzen. Die Exkursion wird dann von einer Führungskraft der IBE geleitet, die beispielsweise eine besonders gelungene Restrukturierung eines Geschäftsbereichs direkt vor Ort präsentiert. Die Teilnehmenden haben dabei den Vorteil, die Problemlösung nicht nur als Fallstudie, sondern im laufenden Betrieb zu erleben und direkt mit den Betroffenen sprechen zu können

An zweiter Stelle kommen Unternehmen, die als (hidden) Champions ihrer Branche bekannt sind. Hier liegt der thematische Schwerpunkt darin, dass der Unternehmer oder Manager die Erfolgsfaktoren und ihre Weiterentwicklung aus seiner Sicht schildert. Der Trainer und die Teilnehmer haben dann die Aufgabe, daraus Erkenntnisse für das Beratungsgeschäft abzuleiten.

Von besonderem Interesse ist es auch, zu denjenigen Unternehmen in Kontakt zu treten, die öffentlich verkünden, nie einen Berater gebraucht zu haben und dies auch in Zukunft so halten zu wollen (zum Beispiel die Uhrenmanufaktur Carl Bucherer).

 

Autorin

Professor Dr. Christel Niedereichholz CMC ist Gründerin sowie wissenschaftliche Leiterin der HAfU Heidelberger Akademie für Unternehmensberatung GmbH (www.hafu.net).

 

Weiterführende Literatur

Keim, H. (Hrsg.): Planspiel, Rollenspiel, Fallstudie; Zur Praxis und Theorie lernaktiver Methoden, Köln 1992

Niedereichholz, Ch., Niedereichholz, J.: Consulting Wissen - Modulares Trainingskonzept für Berater mit Fallstudienhinweisen, München 2008.

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