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Titelbild zum Beitrag: Der starke Euro
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Der starke Euro

Entwicklung und Hintergründe der europäischen Gemeinschaftswährung

1999 war er da: der Euro. Zunächst als reines Buchgeld, drei Jahre später auch als Bargeld. Das Vertrauen in die europäische Gemeinschaftswährung war zu Beginn sehr gering. Dies manifestierte sich in einer wahren Talfahrt des Kurses. Die Wende kam 2001. Seither erlebt der Eurokurs einen Höhenflug nach dem anderen. Was steht eigentlich hinter dem Euro und wie funktioniert der europäische Währungsraum? Economag.de gibt Antworten.

Von Rainer Berger

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Wer hätte das gedacht: Der Eurokurs steigt kontinuierlich. Die derzeit starke europäische Währung zählt mittlerweile neben dem US-Dollar zu den wichtigsten Währungen weltweit. Vielerorts wird bereits diskutiert, wann der Euro für mehr als 1,50 US-Dollar auf den Devisenmarkt gehandelt wird. Ob der Euro nachhaltig stark ist oder ob das aktuelle Kursfeuerwerk lediglich die Folge von Eurokäufen findiger Spekulanten weltweit ist, lässt sich schwer abschließend beurteilen. Sicher ist, dass die schwachen US-Konjunkturdaten der letzten Monate und eine zurückhaltende US-Notenbank den Eurokurs beflügelt haben. Dies war allerdings nicht immer so.

Schwacher Start in den ersten Jahren

Am 4. Januar 1999 war es soweit, mit einem Eröffnungskurs von 1,1789 US-Dollar wurde der Euro erstmals als Devise gehandelt. Damals wurde die europäische Gemeinschaftswährung von vielen Experten mit großer Skepsis beäugt. Die Kritiker behielten in den ersten beiden Jahren nach der Einführung auch durchaus Recht, denn der Eurokurs sank kontinuierlich. Der Grund dafür lag vor allem in den - in Bezug auf ihr Wirtschaftswachstum - schwächelnden großen europäischen Volkswirtschaften und damit auch an der schwachen Wirtschaftspolitik der Europäischen Union.


Der Euro als gesetzliches Zahlungsmittel

Am 1. Januar 2002 wurde das Euro-Bargeld in zwölf der damals 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union eingeführt. In den letzten Jahren traten Slowenien (2007) sowie Zypern und Malta (2008) dem Euroraum bei - auch dort geht heute beim Einkaufen der Euro über den Ladentisch. Damit gehören folgende 15 Staaten dem Euroraum an: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowenien, Spanien und Zypern. Die Liste dieser Länder wird sich in den kommenden Jahren erweitern. Bereits heute streben insbesondere osteuropäische EU-Staaten den Beitritt zur Währungsunion an.


Erst seit Mitte 2003 ist die Talsohle durchritten. Am 23. Mai 2003 stieg der Euro erstmals über seinen Eröffnungskurs und setze zu seinem Höhenflug an. Das lag nicht nur an der lahmenden US-Wirtschaft. Die Investoren gewannen vielmehr wieder Vertrauen in die an Fahrt gewinnende europäische Wirtschaft, sie vertrauten auch der Geldpolitik der europäischen Zentralbank.


Wer steht eigentlich hinter der Europäischen Zentralbank?

Das so genannte Eurosystem besteht aus der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Zentralbanken der Länder, die den Euro eingeführt haben. Solange es EU-Mitgliedstaaten gibt, die nicht dem Euro-Währungsgebiet angehören, werden das Eurosystem und das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) nebeneinander bestehen. Das ESZB umfasst die EZB und die nationalen Zentralbanken aller EU-Mitgliedstaaten (Artikel 107, Absatz 1 des EG-Vertrags), unabhängig davon, ob sie den Euro eingeführt haben oder nicht.


Der strenge Blick der Währungshüter

Aber nach welchen Maßgaben arbeitet die Europäische Zentralbank? Die Aufgaben der europäischen Währungshüter regeln vor allem der Maastrichter Vertrag (1992) sowie verschiedene Protokolle. Der Hauptjob der EZB-Banker liegt demnach darin, durch Geldpolitik die Preisniveaustabilität in der Eurozone zu gewährleisten. Gemessen wird diese Stabilität am harmonisierten Verbraucherpreisindex, kurz HVPI. Dieser darf (und sollte) maximal um 2 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr, ansteigen.


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Die EZB achtet aber nicht nur auf stabile Preise, ihr ist auch an einem hohen Beschäftigungsniveau oder anders ausgedrückt an einer niedrigen Arbeitslosenquote in Europa gelegen. Last but not least verfolgen die EZB-Banker auch das Ziel, ein dauerhaftes Wachstum in der EU zu sichern - das oberste und wichtigste Ziel, die Preise stabil zu halten, wird dabei allerdings nie aus den Augen verloren. Die beiden wichtigsten Referenzgrößen für die Arbeit der Europäischen Zentralbank sind folglich die Inflationsentwicklung sowie die Entwicklung der Euro-Geldmenge. Beide Größen werden ständig genau beobachtet, prognostiziert und analysiert.


Der Euro, eine Gefahr für Exportweltmeister Deutschland?

Besonders USA-Urlauber versetzt der aktuell hohe Eurokurs in Verzückung. Aufgrund des Eurovorteils können sie Waren, die in US-Dollar angeboten werden, deutlich günstiger als in Europa erwerben. Genau das umgekehrte Bild zeichnet sich allerdings für die deutschen Exporteure. Ihre Produkte werden durch den hohen Eurokurs auf dem US-Markt deutlich verteuert.


Klare Vorgaben für Euro-Interessenten

Schwache Volkswirtschaften im Währungsraum würden die Arbeit der Währungshüter massiv erschweren. Stabilität kann nur dann sowohl im europäischen Wirtschafts- als auch Währungsgebiet nachhaltig gesichert werden, wenn die beitretenden Länder, die den Euro einführen (die so genannte dritte Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion), auch bestimmten makroökonomischen Mindeststandards gerecht werden. Diese Standards werden Konvergenz-Kriterien genannt. Sie beziehen sich auf

  • die Preisentwicklung,
  • die finanzpolitische Entwicklung,
  • die Wechselkursentwicklung sowie
  • die Entwicklung der langfristigen Zinsen. 

Was bedeutet das im Detail: Die Preise in diesen Ländern müssen nachhaltig stabil sein, das heißt die durchschnittliche Inflationsrate darf um nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über der Inflationsrate der drei preisstabilsten Mitgliedstaaten liegen. Die öffentliche Haushaltslage darf zudem keine übermäßigen Defizite aufweisen. Konkreter: Es ist lediglich ein Haushaltsdefizit von maximal 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erlaubt und die Staatsverschuldung muss unter 60 Prozent des BIP liegen. Die Wechselkurse müssen mindestens zwei Jahre stabil sein, Schwankungen sind lediglich im Rahmen der normalen Bandbreiten erlaubt. Der langfristige Zinssatz darf maximal zwei Prozentpunkte über jenem der drei preisstabilsten Länder liegen.

Die Konvergenz-Kriterien legen damit die rechtlichen und gleichzeitig auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Teilnahme an der Wirtschafts- und Währungsunion fest. Auch wenn diese Vorgaben sehr restriktiv klingen, stellen sie den Garant für eine stabile Währung in einem Wirtschaftsraum dar. Schließlich könnte eine beitretende Volkswirtschaft, die nicht die genannten Standards erfüllt, die Arbeit der Europäischen Zentralbank erheblich erschweren, die Währungsunion in Schieflage bringen und damit in der Folge negativ auf den Eurokurs wirken.

Trotz der anfänglichen Talfahrt kann der Euro unter dem aktuellen Blickwinkel als Erfolgsgeschichte angesehen werden. Ob und wie sich die europäische Währung in den nächsten Jahren entwickelt bleibt abzuwarten.

 

Weiterführende Links

www.ecb.de

www.eu.de

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