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Titelbild zum Beitrag: Hilfe zur Selbsthilfe
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Hilfe zur Selbsthilfe

Grameen Bank: Entwicklungshilfe in Form von Mikrokrediten

Kaum zu glauben, aber in Entwicklungs- und Schwellenländern helfen bereits sehr kleine Geldbeträge, um die Existenz einer ganzen Familie nachhaltig zu sichern. Muhammad Yunus hat in Bangladesch aus dieser Tatsache ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickelt: die Grameen Bank. Die Organisation, die mittlerweile neben der eigentlichen Bank viele weitere Non-Profit-Unternehmen umfasst, vergibt bereits seit mehr als drei Jahrzehnten erfolgreich Mikrokredite - vor allem an Frauen. Im Jahr 2006 wurde die Grameen Organisation und ihr Gründer Muhammad Yunus mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Ein Jenaer Professor wirft einen Blick hinter die Kulissen dieser Bank und zeigt ihre Funktionsweise und ihr Selbstverständnis auf.

Von Professor Dr. Wolfgang Eibner, Fachhochschule Jena
und Dipl.-Wirt.-Ing. Michael Anding, München

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Warum sind eigentlich viele Entwicklungsländer dauerhaft rückständig? Eine der zentralen Ursachen liegt darin begründet, dass die übergroße Mehrheit der Bevölkerung in diesen Ländern nicht aktiv in den Wirtschaftskreislauf als produktive Anbieter und Nachfrager von Wirtschaftsleistungen einbezogen ist. Der Kreislauf von produzieren (und damit auch Geld verdienen) und konsumieren kommt für die breite Masse der Bevölkerung nicht in Gang. Eine Möglichkeit diesen Kreislauf in Gang zu setzen, besteht darin, die landlose Landbevölkerung ebenso wie die Slumbewohner in den Städten über Kleinstkredite im Rahmen einer umfassenden Selbständigenförderung zu unterstützen. Ein sehr gelungenes Beispiel für eine solche armutsorientierte Entwicklungsfinanzierung ist die Arbeit der Grameen Bank in Bangladesch.


Die Bank für mittellose Existenzgründer

Gegründet wurde die Bank von Professor Muhammad Yunus, der 2006 den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz für die Armen erhielt. Seine Bank vergibt so genannte „Mikrokredite" zur unternehmerischen Selbsthilfe an Mittellose und ermöglicht ihnen dadurch eine Existenzgründung und -sicherung (vgl. YUNUS/ JOLIS, 2003). Die Bank refinanziert sich primär über öffentliche Gelder und Entwicklungshilfe. Nur über eine solch gezielte „Anschubfinanzierung" Mittelloser ist in der Dritten Welt Selbständigkeit und eine Stärkung der viel zu geringen volkswirtschaftlichen Kaufkraft breiter Schichten zu erreichen.


27 US-Dollar helfen 42 armen Familien

Die Idee eine „Bank für die Armen" zu etablieren, stammt von Muhammad Yunus, damals Leiter eines ländlichen Wirtschaftsprogramms an der Universität von Tschittagong, im äußersten Süden von Bangladesch. Nach einer Hungersnot im Jahre 1974 unternahm Yunus eine Exkursion in ein nahe gelegenes Dorf. Er kam mit einer Liste von 42 armen Familien wieder, die nur wegen ein paar Cents in leibeigenschaftsähnlicher Armut festsaßen.


Wer ist eigentlich Muhammad Yunus?

Muhammad Yunus wurde am 28. Juni 1940 in Chittagong in Bangladesch geboren. Er studierte in den 1960er Jahren an der US-amerikanischen Vanderbilt University Volkswirtschaftslehre. Anfang der 1970er Jahre erhielt er eine Professur in seiner Geburtsstadt in Bangladesch. Yunus kann als Begründer des Mikrofinanz-Gedankens angesehen werden. Im Jahr 2006 wurde er dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.


Yunus wird mit dem Satz zitiert: „Als ich die Gesamtsumme ausgerechnet hatte, die sie benötigten, bekam ich den größten Schock meines Lebens. Alles in allem waren es 27 US-Dollar! Ich fühlte mich beschämt, Teil einer Gesellschaft zu sein, die nicht einmal 27 US-Dollar für 42 hart arbeitende, qualifizierte menschliche Wesen bereitstellen konnte." (Vgl. [www D. Murphy 11/2004].) So lieh er den 42 Familien die benötigten 27 US-Dollar, um ihnen aus ihrer Notsituation zu helfen.

Kreditvolumen zwischen 30 und 50 US-Dollar

Weil Arme über keine Sicherheiten verfügen, sind sie bei konventionellen Banken nicht kreditwürdig. Deshalb lieh Yunus für sich selbst Geld von einer Bank, um es anschließend an die Landbevölkerung weiter zu verleihen. Im Jahr 1976 eröffnete er schließlich seine eigene Bank: die Grameen Bank. Grundlegendes Ziel war und ist es, der Landbevölkerung Bangladeschs mit Kleinstkrediten zu helfen - ohne nach Sicherheiten zu verlangen. Das Volumen eines Kredits liegt üblicherweise zwischen 30 und 50 US-Dollar.

Wegen einer höheren Rückzahlungsmoral und um die Rolle der Frau in der Gesellschaft zu verbessern, werden Kredite hauptsächlich an Frauen vergeben. Für eine Kreditaufnahme müssen sich die Frauen zu einer Gruppe von fünf zusammenschließen, um die Rückzahlung sicherer zu gestalten. Jedes Mitglied einer solchen Gruppe kann einen Kredit bekommen. Zu Beginn allerdings erhalten nur zwei Frauen eine finanzielle Unterstützung. Bei fristgemäßer Rückzahlung können dann auch die anderen drei einen Kredit beantragen.


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Faire Kreditbedingungen

Bei außergewöhnlichen Vorkommnissen, zum Beispiel wenn der Ehemann mit dem Geld verschwindet, die eine Rückzahlung verhindern, kann ein neuer Kredit beantragt werden. Der erste Kredit wird dann in einen langfristigen Kredit umgewandelt, der frei von Zinsen ist und bei dem der Kreditnehmer selbst entscheiden kann, wann er den Kredit zurückzahlt.

Die Rückzahlung erfolgt mittels wöchentlicher Ratenzahlungen. Das Darlehen kommt entweder von Nichtprofit-Organisationen oder von Institutionen im Besitz der Kreditnehmer der Grameen Bank. Wenn das nicht ausreicht, versucht die Grameen Bank Geld von einer gewinnorientierten Organisation für einen möglichst niedrigen Zinssatz zu leihen.

Es gibt keine schriftlich fixierten Regelungen zwischen der Bank und ihren Kreditnehmern; alles wird in gegenseitigem Vertrauen mündlich vereinbart. Wenn ein Kunde nicht in der Lage ist, seinen Kredit rechtzeitig zurückzuzahlen, kann er seine Tilgungen aussetzen. Und: Unabhängig von der Zinshöhe darf die Zinssumme den Betrag des Darlehens nicht überschreiten.

Genossenschaftliches Prinzip: Besitzer der Bank sind Kreditnehmer

Das System der Bank basiert auf gegenseitigem Vertrauen, Kreativität, Mitbestimmung und Offenheit. Die Besitzer der Bank sind die Kreditnehmer selbst. Sie besitzen 90 Prozent und die Regierung ist mit 10 Prozent beteiligt. Die Leitung der Bank wird jährlich aus den Mitgliedern der Bank gewählt, sie entscheidet auch über die Kreditvergabe.

Im Gegensatz zu konventionellen Banken sind die Filialen der Grameen Bank in den ärmeren Gegenden vor Ort. Die Angestellten gehen von Tür zu Tür, um den Armen Kredite anzubieten. Hierbei gibt es ein Auswahlverfahren, das die Kreditvergabe festlegt. In Katastrophenfällen wie beispielsweise einer Überflutung, schließen die Zweigstellen in den betroffenen Gebieten und die Bankangestellten gehen in die Dörfer und helfen den Betroffenen, indem sie finanzielle Unterstützung geben. Die gesamten hierfür nötigen Mittel garantiert die Bank.


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Grameen Bank stärkt Rolle der Frau

Die Grameen Bank verleiht Geld, ohne Ratschläge oder Hinweise zu geben. Auf diese Weise soll die Landbevölkerung Kreativität entwickeln. In den Jahren nach 1976 wuchs die Zahl der Mitglieder der Grameen Bank enorm. Ein positiver Nebeneffekt: Frauen werden von ihren Ehemännern und der Gesellschaft in immer höherem Maße respektiert, da sie bevorzugt Kredite von der Grameen Bank erhalten. Mehr Menschen engagieren sich in Bangladeschs Politik; Mitglieder der Grameen Bank lassen sich für Wahlen aufstellen. Die Geburtenrate ist rückläufig und mehr Kinder besuchen die Schule. Daraus resultiert eine niedrigere Analphabetenquote, die von 90 Prozent auf 70 Prozent gefallen ist.


Eine Bank und 16 Prinzipien

Es gibt 16 grundlegende Prinzipien von denen erwartet wird, dass sie von allen Mitgliedern der Grameen Bank mit dem Ziel verinnerlicht werden, der in Bangladesch zu helfen (analog [www Grameen Bank 01/2008b]):

  1. Wir folgen den vier Grundsätzen der Grameen Bank - Disziplin, Einheit, Mut und harte Arbeit - auf allen Wegen unseres Lebens und vervollkommnen diese.
  2. Wir bringen unseren Familien Reichtum.
  3. Wir wohnen nicht in abbruchreifen Häusern. Wir reparieren unsere Häuser und arbeiten, um uns so früh wie möglich ein neues Haus zu bauen können.
  4. Wir bauen das ganze Jahr Gemüse an. Wir essen reichlich davon und verkaufen den Überschuss.
  5. Während der Pflanzsaison anbauen wir so viele Setzlinge wie möglich.
  6. Wir praktizieren Familienplanung, um unsere Familien klein zu halten. Wir minimieren unsere Ausgaben. Wir kümmern uns um unsere Gesundheit.
  7. Wir bilden unsere Kinder und stellen sicher, dass diese Geld verdienen können, um ihre Ausbildung bezahlen zu können.
  8. Wir halten unsere Kinder und die Umgebung sauber.
  9. Wir bauen und verwenden Latrinen.
  10. Wir trinken Wasser aus der Wasserleitung. Wenn dies nicht verfügbar ist, kochen wir das Wasser ab oder benutzen Alaun.
  11. Wir nehmen kein Brautgeschenk zur Hochzeit unseres Sohnes, noch geben wir eine Mitgift zur Hochzeit unserer Tochter. Wir halten unsere Zentren frei von der Tradition der Brautgeschenke. Wir erlauben keine Kinderehen.
  12. Wir fügen niemandem Unrecht zu, noch erlauben wir jemandem so etwas zu tun.
  13. Wir tätigen gemeinsam größere Investitionen, um höhere Einkommen zu erzielen.
  14. Wir sind jederzeit bereit, uns gegenseitig zu helfen. Wenn jemand in Schwierigkeiten ist, helfen wir alle.
  15. Wenn wir von einem Bruch der Disziplin in irgendeinem Zentrum erfahren, gehen wir alle dort hin und helfen, die Disziplin wieder herzustellen.
  16. Wir nehmen an allen sozialen Aktivitäten gemeinsam teil.

Grameen ist nicht nur eine Bank

Im Jahr 1989 begann die Grameen Bank mit zusätzlichen Kreditprogrammen zur Finanzierung von Toiletten, Sickergruben und Wasserversorgung. Des Weiteren gründete die Grameen Bank eine Reihe von überwiegend genossenschaftlich organisierten Non-Profit-Unternehmen, die sich mit einer Vielzahl von Aktivitäten für Arme engagieren: Diese Unternehmen sind mittlerweile bekannt als die "Grameen Familie" (vgl. [www Grameen Family 02/2007]). Zu den wichtigsten zählen die folgenden:

  • Grameen Fonds: Der Grameen Fonds wurde im Januar 1994 als eine nicht-profitorientierte Gesellschaft ins Leben gerufen und nahm seine Geschäftstätigkeit am 1. Februar 1994 auf. Sein Geschäftsziel ist die Bereitstellung von Wagniskapital für Investitionen, die aufgrund ihrer Risikobehaftung, Technologieorientierung oder aus anderen Gründen von herkömmlichen Finanzinstitutionen von der Kreditvergabe ausgeschlossen sind.
  • Grameen Communications/IT: Grameen Communications ist ein Technologie-Unternehmen im Geschäftsfeld der Gründungsunterstützung und der Bereitstellung von Computern und Internetzugängen. Das Unternehmen arbeitet als Teil der Grameen Familie ebenfalls nicht gewinnmaximierend. Über den Internetzugang sollen sich Dorfbewohner die Geschehnisse der Welt ins Haus holen und am grenzüberschreitenden Wirtschaftsverkehr teilnehmen. Das Unternehmen bietet seit seiner Gründung im Jahr 1997 komplette Systemlösungen über eigene Softwareentwicklung inklusive Software- sowie Internet-, Hardware- und Netzwerkservice an und ist auch im Bereich der IT-Ausbildung tätig. Die dahinter stehende Idee ist, über die Erwirtschaftung von Devisen die wirtschaftliche Entwicklung des ganzen Landes zu beschleunigen.
  • Grameen Shakti/Energie: Grameen Shakti ist ein nicht gewinnorientiertes Unternehmen der ländlichen Energieerzeugung mit der Zielsetzung, noch nicht an das Stromnetz angeschlossene Dörfer in Bangladesch mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Grameen Shakti will nicht nur regenerativen Strom anbieten, sondern hofft hierdurch auch zu einem Anstieg der Beschäftigung in den ländlichen Bereichen beizutragen und so verbesserte Einkommensmöglichkeiten zu schaffen.
  • Grameen Shikkha/ Bildung: Gegründet 1997, liegen die Hauptziele von Grameen Shikkha in der Förderung der Breitenbildung in ländlichen Gebieten, der Bereitstellung finanzieller Hilfen in Form von Ausbildungskrediten und Stipendien zum Zwecke der besseren Bildung, der Nutzung von Informationstechnologien zum Abbau des Analphabetentums und der Weiterentwicklung im Bildungsbereich, der Förderung neuer Technologien und innovativer Ideen wie generell von Methoden der Weiterentwicklung von Bildungskonzepten etc. Grameen Shikkha hat bereits lebensnahe Bildungsprojekte, Vorschul- und Kindergartenprogramme wie auch Aktivitäten zur Linderung von Arsenvergiftungen in verschiedenen Distrikten von Bangladesch durchgeführt.
  • Grameen Telecom und GrameenPhone: Yunus kooperiert seit 1996 mit der norwegischen Telefongesellschaft Telenor, die ihm Mobiltelefone zur Verteilung in den Dörfern zur Verfügung stellte. Diese werden vorrangig dazu genutzt, um Notrufe zu tätigen, Bestellungen aufzugeben und den Postweg zu verkürzen. Grameen Telecom plant bis 2010 den GSM 900/1100 Mobilfunk-Standard 100 Millionen Landbewohnern in 68.000 Dörfern bereitzustellen; zum einen über Finanzhilfen an 60.000 Mitglieder der Grameen Bank zum Aufbau von dörflichen Pay-phone Diensten und zum anderen durch die Bereitstellung eigener Telefone an potentielle Nutzer. Mit Stand Januar 2007 existieren 283.000 Dorftelefone. Grameen Telecom hält 38 Prozent der ebenfalls gemeinnützigen GrameenPhone Ltd., die im März 1997 gegründet wurde; der Gesellschaft wurde die landesweite Lizenz für den GSM 900 Service zugeteilt. Sie ist ein Gemeinschaftsunternehmen mit Telenor (62 Prozent). GrameenPhone ist mit Stand November 2006 der führende Telekommunikationsanbieter im Land mit mehr als 10 Millionen Kunden. Gegenwärtig gibt es über 15 Millionen Telefonnutzer im Land, von denen etwas über eine Million Festnetzkunden und der Rest Handy-Nutzer sind.
  • Grameen Knitwear Limited: Das Unternehmen mit Sitz in der Exportsonderwirtschaftszone Savar in der Nähe von Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, ist ein zu 100 Prozent exportorientierter Verbund-Strickwarenhersteller. Das Unternehmen verfügt über Produktionsstätten für Strickwaren sowie Textilien einschließlich eigener Färberei und bietet eine Vielzahl überdurchschnittlich gut bezahlter Arbeitsplätze in der Region. Der überwiegende Teil der Produktion geht nach Europa und bringt so dringend benötigte Devisen ins Land.
  • Grameen Cybernet Ltd: Grameen Cybernet ist seit Gründung der Firma im Juli 1996 Bangladeschs führender Anbieter in der Bereitstellung von Internet Dienstleistungen.

Das gesamte Projekt der Kleinstkredite der Grameen Bank wird mittlerweile von der Zentralbank gesponsert und bekommt Unterstützung von den staatlichen Geschäftsbanken.

Im Oktober 1983 wurde das Grameen Banken Projekt durch ein Gesetz der Regierung in eine unabhängige Bank umgewandelt. Im Gegensatz zur Situation bei konventionellen Banken zahlen 98 Prozent der Kreditnehmer der Grameen Bank ihr Geld pünktlich zurück. 

Die Erfolgsgeschichte im Überblick

Alles begann mit 42 Familien im Jahre 1974. Im Januar 2007 hatte die Grameen Bank 6,95 Millionen Darlehensnehmer, 97 Prozent von ihnen sind Frauen. Mit 2.343 Zweigstellen bietet sie ihre Dienste in 75.359 Dörfern an und deckt damit mehr als 90 Prozent der Dörfer in Bangladesch ab; 2.120 der 2.343 Zweigstellen arbeiten bereits mit Computern. Die Grameen Bank verzeichnet landesweit ein beständiges Wachstum ihrer Kundenzahl.

Seit ihrer Gründung bis Januar 2007 kann die Grameen Bank kumulierte Auszahlungen von 6,009 Milliarden US-Dollar vorweisen, wovon eine Gesamtsumme von 5,344 Milliarden zurückgezahlt wurde; das entspricht einer Rückzahlungsquote von 98,48 Prozent der fälligen Kreditbeträge. [Daten aus [www Grameen Bank 02/2007b].

Die gesamten Einnahmen der Grameen Bank betrugen im Jahr 2005 112,40 Millionen US-Dollar.

Die Gesamtsumme der Ausgaben lag bei 97,19 Mio. US-Dollar. Verbindlichkeiten aus Krediten von 34,74 Mio. US-$ waren der größte Posten der Ausgaben (36 Prozent). Gehälter, Wertberichtigungen und Pensionen summierten sich auf 25,37 Mio. US-Dollar als zweitgrößten Ausgabeposten (26 Prozent). Im Jahr 2005 erwirtschaftete die Grameen Bank einen Gewinn von 15,21 Millionen US-Dollar.

Der Gewinn wird vollständig in einen Rehabilitationsfonds eingezahlt, der für die Katastrophenhilfe eingerichtet wurde. Dies geschieht in Erfüllung eines Vertrages mit der Regierung, die im Gegenzug die Grameen Bank von der Zahlung der Körperschaftssteuer frei stellt (vgl. [www Grameen Bank 02/2007]).

Der Beitrag der Grameen Bank zum BIP Bangladeschs beläuft sich mittlerweile auf mehr als 1,1 Prozent (vgl. [www Grameen Bank 12/2007]). Das Einkommen der Kunden der Grameen Bank liegt schätzungsweise mehr als 50 Prozent über dem von Vergleichsgruppen in nicht unterstützten Dörfern. Die Landlosen haben von den Kleinstkreditprogrammen am meisten profitiert, gefolgt von denjenigen mit kleinem Landbesitz. Dies hat zur Folge, dass die Zahl von Mitgliedern der Grameen Bank, die unter der Armutsgrenze leben, auf rund 20 Prozent gesunken ist.

Es fand ebenfalls eine Verschiebung vom Ackerbau hin zum Kleinhandel mit einer hohen Rate von Selbständigen statt. Diese Verschiebungen im Beschäftigungsverhalten haben auch einen indirekten positiven Effekt auf die Beschäftigung und Bezahlung anderer landwirtschaftlich beschäftigter Arbeiter. Was als innovative örtliche Initiative begann, ist an einen Punkt gelangt, an dem die Armutsbekämpfung auf nationaler Ebene positiv beeinflusst wird, wie auch Abbildung 2 nahelegt:

Grameen Bank hat Vorbildfunktion

Dieser große Erfolg der Grameen Bank in der Entwicklung Bangladeschs war und ist Vorbild für eine Vielzahl anderer Institute und sogar für die Weltbank, die sich - wenn auch betragsmäßig noch eher symbolisch - seit 1999 im „World Bank Group's Microfinance Institutional Action Plan" in der Mikrokreditvergabe engagiert:

Ziel dieses Aktionsplanes ist es, den institutionellen Aufbau eines dauerhaft belastungsfähigen Mikrokredit-Finanzierungssektors zu fördern und bestehende Strukturen der Kleinstkreditvergabe weiter zu stärken, um ihr Portfolio und ihren Wirkungskreis ausdehnen zu können.

An weiteren privaten Organisationen im Bereich der Kleinstkreditvergabe sind neben der Grameen Bank vor allem zu nennen:

  • Accion International, die parallel zur Grameen Bank zu den Pionieren auf dem Gebiet der Mikrofinanzierungen gehört, mit einem ausgezahlten Kleinstkreditvolumen von 12,3 Mrd. US-Dollar bei 5 Millionen Kreditkunden (kumuliert 1996-2006), von denen 65 Prozent Frauen sind; die Rückzahlungsquote liegt bei 97 Prozent. Accion ist tätig in 25 Ländern Lateinamerikas, der Karibik, der Subsahara und in den USA (vgl. [www ACCION 01/2008]) und im Ranking gemessen an der Kundenzahl nach der Grameen Bank die zweitgrößte Mikrokreditinstitution der Welt,
  • FINCA, mit gegenwärtig über 120.000 Kunden in 17 Ländern auf fünf Kontinenten. Der Schwerpunkt ihrer Mikrokreditfinanzierungen liegt in Lateinamerika, zunehmend aber auch in den GUS-Staaten der ehemaligen Sowjetunion,
  • die Foundation for Local Development and Partnership (FONDEP), die in Marokko über 45.000 Arme mit günstigen Kleinstkrediten versorgt,
  • die Aga Khan Microfinance Agency, die primär in Zentral- und Südasien, Ägypten, Syrien und Teilen Afrikas aktiv ist und über ein Netzwerk von 25.000 Kreditnehmern bei einem Kreditvergabevolumen von 35 Millionen US-Dollar verfügt,
  • die gemeinnützige Stiftung Opportunity International, die Spendengelder für den Aufbau von Mikrofinanzinstitutionen verwendet,
  • die ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oicocredit, die 50 Prozent ihrer Kredite an Mikrofinanzinstitute vergibt und last but not least
  • der weltweit ausgerichtete Soros Economic Development Fonds (SEDF).

Entwicklungspolitische Relevanz

Aktuell können weltweit in über 60 Ländern über 130 Millionen völlig verarmte Menschen bei Mikrokreditbanken Kleinstkredite in Anspruch nehmen und sich dadurch mit einfachen Tätigkeiten selbständig machen.

Die folgende Abbildung veranschaulicht abschließend den starken Anstieg der Bedeutung des entwicklungspolitischen Instruments der Mikrokreditvergabe:

 

Die englische Version dieses Beitrags könnt ihr in der nächsten Februar-Ausgabe von economag.de lesen.

 

Autoren

Professor Dr. Wolfgang Eibner lehrt Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik an der Fachhochschule Jena im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen sowie an einer Reihe privater Hochschulen.

Diplom-Wirtschaftsingenieur Michael Anding war langjähriger Mitarbeiter von Professor Dr. Eibner und ist aktuell Portfoliomanager bei der E.ON Sales & Trading GmbH in München.

 

Quellenverzeichnis

Udo RETTBERG, 2007: Kleinstkredite neu verpackt. Banken legen Fonds, Anleihen und Zertifikate auf, in: Handelsblatt, Nr. 44 vom 2./3./4.3.2007, S. 34

Muhammad YUNUS/ Alan JOLIS, 2003: Banker to the Poor: Micro-Lending and the Battle against World Poverty, New York 2003

 

Internetquellenverzeichnis

[www ACCION 01/2008]:
http://www.accion.org/NETCOMMUNITY/Page.aspx?pid=492&srcid=254,  Zugriff am 9.1.2008

[www Grameen Bank 01/2007]:
http://www.grameen-info.org/bank/hist2005$.html,  Zugriff am 16.1.2007

[www Grameen Bank 02/2007]:
http://www.grameen-info.org/bank/GBGlance.htm,  Zugriff am 19.2.2007

[www Grameen Bank 12/2007]:
http://www.grameen-info.org/bank/contribu.html,  Zugriff am 31.12.2007

[www Grameen Bank 01/2008a]:
http://www.grameen-info.org/bank/Statement1US$.htm,  Zugriff am 9.1.2008

[www Grameen Bank 01/2008b]:
http://www.grameen-info.org/bank/the16.html,  Zugriff am 9.1.2008

[www Grameen Family 01/2008]:
http://www.grameen-info.org/gfamily.html,  Zugriff am 9.1.2008

[www D. Murphy 11/2004]:
Dave MURPHY: Covey describes 8th habit, San Francisco Chronicle vom 13. November 2004, in:

http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?file=/chronicle/archive/2004/11/13/ BUGLD9QLT81.DTL,  Zugriff am 19.02.2007

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