Betriebswirtschaftslehre
Das freie Floating von Wechselkursen ist seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Abkommens in den 1970er Jahren Alltag. Besonders große und kleine Global Player müssen seither mit schwankenden Wechselkursen leben und sich gegebenenfalls auch dagegen absichern. Warum dies Sinn macht und welche Möglichkeiten sich dafür bieten, beleuchtet unser Finanzexperte auf economag.de.
Von Michael Bloss, Europäisches Institut für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD), Frankfurt am Main
König Krösus hätte um 650 v. Chr. nicht zu träumen gewagt, welche Früchte sein Einfall, Gold zu Geld zu prägen, heutzutage tragen würde.
Denn insbesondere seit den letzten Jahrzehnten dreht sich die Finanzwelt immer noch schneller: Aktien werden quer um den Erdball gehandelt und heimische Produkte und Dienstleistungen im Ausland angeboten - meist in der entsprechenden Landeswährung.
Aus diesem Grund ist der internationale Devisenmarkt, der auch Foreign Exchange Market[1] genannt wird, aus der globalisierten Welt nicht mehr wegzudenken. Auf ihm werden nahezu alle Währungen gehandelt und letztendlich auch die Wechselkurse über das Spiel von Angebot und Nachfrage bestimmt.
Warum muss ein Exporteur auf den Devisenmarkt achten?
Verkauft ein süddeutsches Unternehmen eine Maschine an einen Kunden in Buenos Aires, dann wird diese in der Regel nicht in Euro, sondern in argentinischen Pesos bezahlt. Unterliegt diese Währung zum Zeitpunkt der Bezahlung im Vergleich zum Euro starken Schwankungen, dann kann der Exporteur durchaus ein böses Erwachen erleben und unter Umständen deutlich weniger für seine Maschine in Euro erhalten, als ursprünglich gedacht.
Für global agierende Unternehmen macht es also Sinn Währungsrisiken abzusichern. Während in großen Konzernen solche Absicherungsgeschäfte bereits Gang und Gebe sind, sichern sich Mittelständler deutlich seltener ab.
Das Problem der frei schwankenden Wechselkurse gab es nicht immer. Nach dem zweiten Weltkrieg regelten 44 Staaten im Rahmen des Bretton-Woods-Abkommens ihr Währungssystem neu. Sie legten den damals noch mit Gold gesicherten US-Dollar als Leitwährung fest. Ihr Ziel war es, das internationale Währungssystem zu stabilisieren und den internationalen Handel dadurch zu begünstigen.
Bereits Anfang der 1970er Jahre brach das Bretton-Woods-System allerdings zusammen. Die meisten Währungen gingen in der Folge von ehemals fixen Wechselkursen wieder auf ein so genanntes „freies" Floating über.
Seit damals schwanken die Währungen der Industrienationen mehr oder weniger stark. Die Gründe dafür reichen von internationalen Handels- über Zinsungleichgewichten bis hin zu politischen Unsicherheiten. Stark schwankende Wechselkurse können aber auch Folge von Spekulationen auf dem Devisenmarkt sein.
Sobald ein Unternehmen seine Aktivitäten über die Grenzen des Heimatlandes ausweitet, sollte es die möglichen Währungsrisiken stets im Blick haben und auch aktiv managen. Sicherlich entstehen durch rege Import-Export-Tätigkeiten oder durch das Betreiben von Niederlassungen im Ausland natürliche Hedgingmöglichkeiten in Form von Kontoguthaben, Ein- und Ausgängen in den jeweiligen Währungen sowie eines Bodendeckungseffektes auf den Konten. Dennoch kommt es nicht selten vor, dass der Großteil der Geldmengenströme von einzelnen Unternehmen separat abgesichert werden sollte - beispielsweise über Devisentermingeschäfte, Devisenoptionen und SWAPS.
Neben der konkreten Abwicklung von realwirtschaftlichen Leistungen, sind allerdings noch weitere wichtige Aspekte für das Währungsrisiko entscheidend. Unter anderen sind dies mit Im- und Exporten verbundene Kreditbeziehungen, durchgeführte Finanztransaktionen ohne realwirtschaftlichen Hintergrund, wie zum Beispiel Finanzmarkttransaktionen, so genanntes Konzerntreasury oder aber internationale Finanzmittelanlagen. Auch auf sie können sich schwankende Wechselkurse negativ auswirken.
Die zunehmende Volatilität der Devisenmärkte zeigt, dass die derzeitige weltwirtschaftliche Lage hektischer geworden ist. Die diversen Zinssenkungen der US-amerikanischen Zentralbank FED, ausgelöst durch die Subprime-Krise und die geplatzte US-Immobilienblase, haben die Zinsdifferenz zwischen Europa und den USA deutlich verschärft, gleichzeitig keimen Rezessionsängste auf. All das wirkte auf den Wechselkurs zwischen dem Euro und dem US-Dollar. Die Folge war eine starke Aufwertung des Euro und in der Konsequenz eine deutliche Abwertung des US-Dollars.

Hat sich ein Unternehmen hierzulande gegen diese Aufwertung des Euros zum US-Dollar nicht frühzeitig eingestellt, so kann es - eigentlich unnötigerweise - Geld verlieren und seinen Gewinn schmälern.
Wie vollkommen ist der Devisenmarkt?
Ein klassischer Gütermarkt ist volkswirtschaftlich gesehen alles andere als vollkommen. Anders der Devisenmarkt: Angebot und Nachfrage treffen hier vergleichsweise schnell aufeinander. Die Transparenz auf dem Markt ist hoch und es gibt kaum Präferenzen der Marktteilnehmer. Gehandelt werden Devisen an Terminbörsen (zum Beispiel der Chicago Mercantile Exchange) und dem Interbankenmarkt. Auf letzterem wird Over the counter (OTC) gehandelt. Den Interbankenmarkt zeichnet einen extrem hohen Grad an Liquidität und Handelsaktivität aus.
Die an den Börsen gehandelten Devisenkontrakte sind standardisiert und eignen sich somit nur zur groben Absicherung (weil nicht individuell gestaltbar) oder aber zur aktiven Spekulation auf eine Preisbewegung. Hier ist beispielsweise ein Future-Kontrakt EURO/USD immer 125.000 Euro wert. Aufgrund der schnellen und preisgünstigen Abwicklung eignet sich dieses Instrument auch zum aktiven Spekulieren.
Börsengehandelte Termingeschäfte auf Devisen lassen sich in Call- und Put-Optionen (mit Wahlrecht des Käufers; bedingte Termingeschäfte) und in Futures (unbedingte Termingeschäfte) unterscheiden. Die Funktionsweise gleicht den Termingeschäften, welche man auch auf andere Handelsgegenstände abschließen kann.
Der OTC-Devisenmarkt ist nicht an einen einzigen Ort, beispielsweise eine Börse, gebunden. Er existiert im weltweiten Netz der Interbankenbeziehungen. Mit rund drei Billionen US-Dollar ist es der größte Finanzmarkt der Welt. Bei einem Devisengeschäft werden immer Kauf und Verkauf von zwei unterschiedlichen Währungen getätigt. Dadurch bilden sich die Wechselkurse als Preisdifferenzen zwischen den unterschiedlichen Währungen aus.
Neben den Zentralbanken treten auch wieder
auf. Es kann sowohl ein Kassahandel (T0+2 die Erfüllung des Geschäftes erfolgt folglich 2 Tage später) wie auch ein Terminhandel (T0+x die Erfüllung liegt in der Zukunft) dargestellt werden. Ebenfalls werden komplexe Konstrukte in diesem Zusammenhang gehandelt. Es handelt sich hierbei etwa um Swaps (bilaterale Tauschverträge) oder Kombinationen sowie synthetische Kombinationen auf Basis von Devisen.
Diese Geschäfte erfordern eine gewisse Erfahrung bei den vertragsschließenden Parteien, können jedoch zielgerichtet eingesetzt werden.
Die meistgehandelten Währungspaare sind: EUR/USD, EUR/CHF, EUR/JPY; EUR/GBP; USD/CHF; USD/JPY; GBP/USD. Wobei das größte Tagesvolumen mit fast 28 Prozent auf EUR/USD (Durchschnitt im Jahr 2007) gefolgt von USD/JPY mit 17 Prozent, entfällt[2].
Welche Absicherungsgeschäfte eignen sich für Mittelständler?
Der klassische Mittelständler kann sich sowohl mit Devisenoptionen, Devisenfutures wie auch mit individuell auf ihn zugeschnittenen Finanzlösungen wie SWAPS und individuelle Hedgingstrategien gegen Wechselkursrisiken absichern. Hierbei ist ausschlaggebend, welches Grundgeschäft (zum Beispiel welche Handelstransaktion) abgesichert werden soll. Die Devisenhandelsabteilungen der großen Banken können individuelle Absicherungsstrategien für jeden Klienten darstellen.
Durch die auch künftig zunehmende Globalisierung und die damit verbundene Verwobenheit der Finanz- und Währungssysteme werden die Transaktionen am Devisenmarkt weiter zunehmen.
In den nächsten Jahren wird sich der Anteil der aktiven Spekulanten am Devisenmarkt zudem erhöhen. Bis dato eher unbedeutende Währungen, wie etwa die der Emerging Markets, gewinnen auf dem Devisenmarkt an Aufmerksamkeit. Und: Neue Instrumente, wie exotische Swap-Varianten, werden künftig verstärkt ausgebaut.
Durch die zunehmende Volatilität in den Devisenmärkten wird ein gesteigertes Absicherungsbedürfnis bei den international agierenden Unternehmen nicht nur in den Industrienationen aufkommen.
Der Devisenmarkt ist Dreh- und Angelpunkt der globalen Weltwirtschaft. Auf ihm rücken Kontinente zusammen und werden jeden Tag Billionen von US-Dollar gehandelt. Die Globalisierung wird also insbesondere auf dem Devisenmarkt gelebt.
Michael Bloss ist Wertpapierspezialist und Prokurist der Commerzbank AG und Direktor des Europäischen Instituts für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD). Er lehrt als Associate Professor und Director for Derivatives im Masterstudiengang International Finance der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen und unterrichtet als Gastdozent an namhaften Universitäten und Hochschulen. Sein Fachgebiet sind terminbörsengehandelte Derivate sowie deren Strategien. Er ist Autor und Mitautor von diversen Publikationen zu terminbörsenrelevanten Themen. Herr Bloss ist Mitglied des Management Board des Masterstudienganges International Finance (IFMSc) der HfWU.
Michael Bloss, Dietmar Ernst, Joachim Häcker (2008): Derivatives. An authoritative guide to derivatives for financial intermediaries and investors, München.
Michael Bloss, Dietmar Ernst (2008): Derivate. Handbuch für Finanzintermediäre und Investoren, München.
[1] Kurz Forex oder FX-Market.
[2] Quelle: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich