Auf eine Tasse mit Michael Bloss
Trends spielen bei großen Investoren und Kleinanlegern gleichermaßen eine wichtige Rolle. Für beide ist es allerdings oft schwer, frühzeitig einen Anlagetrend zu erkennen und zum richtigen Zeitpunkt einzusteigen. Unser Börsenexperte berichtet über die Geburt eines Trends, das richtige Timing beim Einstieg und warum niemand entgangene Gewinne betrauern sollte.
Von Michael Bloss, Europäisches Institut für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD), Frankfurt am Main
Was heute alt ist, ist morgen neu.
Das Phänomen kennen wir alle und es ist keineswegs nur in der Mode zu beobachten. Auch bei Geldanlagen spielen so genannte Trends eine Rolle. Anlagetrends entwickeln sich aus den aktuellen Marktgegebenheiten. So geht in unsicheren Zeiten der Trend hin zu sicheren Häfen wie Gold und Immobilien. In Phasen der Sorglosigkeit sind hingegen Aktieninvestments gefragt. Die Mehrheit der Anleger ist dann risikoaffiner. Durch gezielte Geldanlagen in bestimmte Anlagenklassen kommt so oft ein Herdentrieb in Gang, der viele weitere Investoren nach sich zieht. Die Folge: Ein Trend ist geboren.
Auf diese erhöhte Nachfrage reagiert auch der Markt: Banken und Medien werden aufmerksam. Anlageprodukte werden auf das Trendthema und die Berichterstattung der Medien abgestimmt. Durch die mediale Begleitung verstärkt sich der Trend immer weiter und trägt sich irgendwann von selbst. Auch (Klein-)Anleger, die zu Beginn eines Trends in der Regel skeptisch sind, ändern nun ihre Meinung und springen hektisch auf den Zug auf. Denn genau sie plagt die Sorge, bei einem Trend nicht dabei zu sein.
Doch nichts währt ewig. In der Regel folgt auf diese Entwicklung ein abrupter Trendbruch. Ursache kann ein Terroranschlag (z.B. 9/11) oder eine geplatzte Blase auf dem Finanzmarkt sein (z.B. DOT COM Blase) Besonders das Platzen einer Blase bemerken vor allem die (Klein-)Anleger zu spät. Unter ihnen bricht dann in der Regel eine Panik aus und der oben beschriebene Prozess verkehrt sich ins Gegenteil - es kommt zu einem Crash.
Und was lernt der Anleger daraus? In der Regel möchte niemand einen Fehler zwei Mal begehen. Dennoch ist kein Anleger frei von Emotionen. Das Streben nach Gewinnen ist ebenso wie das Fliehen bei Gefahr tief in vielen Menschen verwurzelt, so dass besonders bei Anlagetrends durchaus ein Fehler von dem ein oder anderen mehrmals gemacht wird.
Doch wann sollte man einem Trend folgen? So früh wie möglich - das ist hier der beste Rat. Diesen Rat zu befolgen, ist aber alles andere als einfach. Denn nur aus wenigen Ideen des Marktes entsteht tatsächlich ein Trend. Selbst clevere Investoren erkennen deswegen einen Trend nicht sofort. Wer mit ihm Geld verdienen möchte, sollte im ersten Drittel des Trendzeitraums einsteigen. Das zweite Drittel wird benötigt, um Geld zu verdienen. Bereits zum Ende des zweiten Drittels sollte der Anleger an den Ausstieg denken, um diesen in der Hälfte des letzten Drittels umzusetzen. Der Ausstieg ist dabei für viele noch viel schwerer als der Einstieg - denn es könnte ja ein Gewinn entgehen.
Doch genau diese Sichtweise ist die falsche. Es gilt nicht, entgangene Gewinne zu betrauern, sondern greifbare Gewinne zu sichern. Daher ist es am Besten, bereits beim Einstieg einen Plan für den Ausstieg zu haben.[1]
Michael Bloss ist Abteilungsdirektor im Wealth Management der Commerzbank AG und Direktor des Europäischen Instituts für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD). Er lehrt als Associate Professor und Director for Derivatives am Lehrstuhl für International Finance der European School of Finance an der HfWU und unterrichtet als Lehrbeauftragter an weiteren namhaften Universitäten und Hochschulen.
[1] vgl. Aktionsplan: Bloss, Ernst, Häcker, Sörensen: Financial Engineering