Zum Oldenbourg Wissenschaftsverlag

Titelbild zum Beitrag: Quell des Lebens
.

Quell des Lebens

Im Fokus: Wasser

Wussten Sie, dass ein Mensch durchschnittlich 162 Liter Trinkwasser pro Tag verbraucht? Eine hohe Zahl, die besonders im Hinblick auf die begrenzten Süßwasservorkommen zum Nachdenken anregen sollte. Unser Finanzexperte aus Frankfurt berichtet mehr über den Quell des Lebens, der durchaus für geduldige Anleger auch ein gutes Investment sein kann.

Von Michael Bloss, Europäisches Institut für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD), Frankfurt am Main

 

.

PDFDiesen Beitrag als PDF.

.

Was für uns selbstverständlich ist, ist für viele Menschen auf der Welt purer Luxus - Trinkwasser. Und das, obwohl Wasser für alle Menschen lebensnotwendig ist.

Der menschliche Körper besteht zu rund 70 Prozent aus Wasser, folglich verwundert es nicht, dass ein durchschnittlich großer Mensch, im mittleren Alter, mit 70 kg Körpergewicht pro Tag 2,5 Liter Flüssigkeit (Wasser) benötigt, um nicht auszutrocknen.[1] Daneben verbraucht er durchschnittlich weitere 162 Liter Wasser pro Tag. Davon entfallen allein 32 Prozent auf die Toilettenspülung und weitere 30 Prozent auf das Baden und Duschen.[2]

Wasser hat hohe Relevanz

Die hohe Bedeutung des Wassers spiegelt sich im Christentum auch im Taufzeremoniell wider. Darin spielt Wasser eine überaus wichtige Rolle: Die Taufe, die Aufnahme des Menschen in die Gemeinschaft der Gläubigen, symbolisiert auch die Verbindung mit Christus und wird mit Wasser vollzogen. Denn für das Christentum stellt Wasser das Urelement des Lebens dar.

Aber auch industriell sind wir vom Wasser abhängig: In vielen Produktionen ist es enorm wichtig, in ausreichendem Maße sauberes Wasser zur Verfügung zu haben. Das gilt auch für die Landwirtschaft, ganz unabhängig davon, ob dort Ackerbau oder Viehzucht betrieben wird.

Künftig Wasserknappheit befürchtet

Seit dem Jahr 1900 hat sich der Wasserkonsum, bedingt durch die Industrialisierung, auf der Erde verneunfacht. Die Wassernachfrage nimmt folglich doppelt so schnell zu, wie die Weltbevölkerung wächst. Nach Hochrechnungen der Weltbank könnten 47 Prozent der Weltbevölkerung im Jahr 2025 unter Wassermangel leiden.

In Ländern mit erneuerbaren Wassermengen von unter 1700 m3 (pro Kopf/Jahr) herrscht bereits Wasserknappheit. Unter 1000 m3 besteht, nach heutiger Definition, eigentlicher Wassermangel. Von einem solchen Mangel werden 2025 besonders afrikanische Staaten, zum Beispiel Kenia und Burundi, sowie aber auch südamerikanischen Staaten, beispielsweise Peru, betroffen sein.[3]

Salzwasser schwer nutzbar zu machen

Ein Großteil der Erdoberfläche (71 Prozent) ist mit Wasser bedeckt. Jedoch entfällt ein Großteil dieses Wasserspeichers auf Salzwasser (96 Prozent). Salzwasser ist nicht nutzbar oder muss erst mühsam entsalzt werden, um eingesetzt werden zu können. Der Einsatz von Entsalzungsanlagen ist technisch zwar möglich, bringt jedoch nicht ausreichend Planungssicherheit, da die Kosten sehr hoch und die Technik anfällig ist.

In vielen Regionen, beispielsweise auf den Kanaren, wird diese Technik jedoch jeden Tag eingesetzt. Wer bereits einen Kaffee dort getrunken hat, wird den Unterschied schnell schmecken. Der mit entsalztem Meerwasser gekochte Kaffee schmeckt für Kontinentaleuropäer nämlich durchaus eigenartig.

Wasser als Investment

Wer bei Wasser nur an physische Wasservorkommen denkt, liegt falsch. Denn auch das Investment in Süßwasservorkommen ist eine wichtige Grundlage eines jeden Wasserinvestments. Dabei sollte zudem an Investments in anderen wassernahen Branchen gedacht werden. Hier ist vor allem Wasserver- und -entsorgung, Umweltdienste und die Wassertechnologie zu nennen. Eben diese Wassertechnologie ist außerordentlich spannend. Darunter fasst man etwa Produktion, Aufbereitung und Entsalzung sowie Abfüllung von Wasser zusammen.

Auch die Filtertechnik, die in den letzten Jahren einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht hat, ist hier angesiedelt. Denn nur wer in diese Branchen investiert, wird auch auf die Veränderungen reagieren können, welche auf uns zukommen.

 

Investoren brauchen Geduld

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Wasser ein sehr langfristiges Investment ist. Hier steht nicht der schnelle Profit im Vordergrund. Schließlich ist der Wasserzyklus ein langwieriger und komplexer Kreislauf, der mehrere Dekaden dauert. Die meisten Investoren werden folglich, vor allem die privaten, nicht die ausreichende Geduld dafür haben, auch wenn diese Geduld durchaus lohnend wäre.

Derzeit gibt es einige Möglichkeiten, in Wasser zu investieren. Neben dem physischen Kauf von Süßwasservorkommen ist das Investieren in Aktien, entweder von Produzenten oder von Unternehmen, die Halter von Wasservorkommen oder ähnlichem sind, möglich. Des Weiteren ist das Investieren in wassernahe Industrien denkbar.

Investitionsmöglichkeiten auf einen Blick

Dies ist entweder direkt über ein Einzelengagement in den jeweiligen Unternehmen umsetzbar oder über Fondslösungen. Auch Themenderivate (so genannte Basketlösungen) stehen zur Verfügung. Hierbei sollte auf eine unbegrenzte Laufzeit (wegen des Langfristzyklus) geachtet werden.

Ebenfalls darf das in diesen Investitionen beinhaltete Risiko nicht außer Acht gelassen werden.

Investitionsmöglichkeiten in Wasser lassen sich wie folgt darstellen:

  • Equity: Einzelaktien und Fonds
  • Derivatelösungen: Zertifikate und Baskets
  • Physische Investments: Seen und Wassereinrichtungen

Zukunft der Wasserinvestments

Es wäre durchaus wünschenswert, dass die Einführung von Wasserderivaten - beispielsweise Wasserfutures - an den Terminbörsen erfolgen würde. Dann wäre ein effektives, schnelles Handeln möglich, auch wenn dies das Risiko von Spekulationsgeschäften erhöht. Da der Markt diese jedoch selbst ausgleicht, sollte sich daraus kein ernstzunehmendes Problem ergeben.

 

Autor

Michael Bloss ist Abteilungsdirektor im Wealth Management der Commerzbank AG und Direktor des Europäischen Instituts für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD). Er lehrt als Associate Professor und Director for Derivatives am Lehrstuhl für "International Finance" der European School of Finance an der HfWU und unterrichtet als Lehrbeauftragter an weiteren namhaften Universitäten und Hochschulen.

 

 

 


 

 

[1] nach Gorgaß, Ahnefeld

[2] DWA

[3] Jahresbericht EAWG

.
.