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Titelbild zum Beitrag: Der Sprung auf drei
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Der Sprung auf drei

Vom Web 2.0 zu Web 3.0

Im Web tummeln sich immer mehr Menschen. Sie stellen täglich eine unüberschaubare Flut von Inhalten ein. Leider von sehr unterschiedlicher Qualität. Bei der Suche nach etwas Bestimmten versinkt man deswegen immer öfter in endlos langen Ergebnislisten. Unser E-Marketing-Experte zeigt eine Lösung auf - das Web 3.0. Dieses verknüpft das bekannte Web 2.0 mit dem faszinierenden Semantic Web. Das könnte Suchenden künftig viel Zeit sparen.

Von Professor Dr. Volkhard Wolf, Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach

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Ich bin nächste Woche beruflich in Stuttgart und habe noch keine Übernachtung gebucht. Ich würde gerne in das Hotel, in dem ich vor vielen Jahren schon einmal gewohnt habe. Doch wie hieß es gleich? Ich erinnere mich nur an den wunderschönen Blick auf den Schlosspark und daran, dass das Hotel zentral gelegen war; wenige Schritte vom Hauptbahnhof und dem emsigen Treiben der Königsstraße entfernt. Aber der Name des Hotels will mir einfach nicht mehr einfallen.

Was ist in einer solchen Situation zu tun? Ganz klar: Googeln. Im Ergebnis spuckt die bekannte Suchmaschine eine endlos lange Ergebnisliste aus, durch die ich mich zeitintensiv arbeiten muss. Im Web 2.0 könnte man schneller fündig werden, denn dort gibt es eine soziale Interaktion zwischen den Nutzern - sie helfen und beraten sich, zum Beispiel in Online Foren oder einer Virtuellen Community. Aber in solchen Foren könnte meine Frage auch in plumpen Kommentaren untergehen.

Vielleicht stand Sir Tim Berners-Lee, der Vater des Web 3.0 genannt wird, vor einer ähnlichen Problematik. Jedenfalls muss ihn die Unübersichtlichkeit des Webs zu seinem Artikel im Scientific American animiert haben. Er stellt darin eine einfache Gleichung auf:

Web 3.0 = Web 2.0 + Semantic Web - n

Die Hilfe eines Agenten

In diesem neuen Web 3.0 erkennt ein Agent auf meinem Computer zunächst einmal, dass ich nach einem bestimmten Hotel suche. Er wird mithin auch nur Seiten, in denen es um Hotelübernachtungen geht, in Betracht ziehen. Außerdem erkennt der Agent, dass ich mit Stuttgarter Innenstadt und Schlosspark versuche, die Lage des Hotels einzugrenzen. Websites, die sich beispielsweise mit Parks in Stuttgart oder nur mit Shopping in der Innenstadt beschäftigen, werden deshalb nicht in der Ergebnisliste angezeigt.

Selbstverständlich ist dem Agent auch klar, dass Sie den Hotelnamen nicht aus sentimentalen Gründen brauchen - jedenfalls nicht ausschließlich -,  sondern um eine konkrete Übernachtung zu buchen. Es kommen folglich nur Seiten in Betracht, auf denen auch die Zimmerbestellung verbindlich abgewickelt werden kann.

Noch eine Vision

Eine herrliche Vorstellung: Die nicht selten frustrierende Suche in völlig ungeordneten Netzinhalten könnte der Vergangenheit angehören! Derzeit ist damit jedoch leider nur eine Vision umschrieben, aber an einer solchen klugen Lösung wird bereits getüftelt.

Schlagworte helfen beim Finden

Web-Inhalte können von hoher Qualität sein, leider auch nur Datenmüll darstellen. Es wird deswegen immer wichtiger im Web die Spreu vom Weizen zu trennen. Erste Ansätze dazu finden sich bereits im Web 2.0, wie die Fotobörse Flickr zeigt. Hier stellen die Nutzer nicht nur ihre eigenen Fotos ins Netz und werden somit interaktiv in das Fotoportal eingebunden. Sie tragen darüber hinaus mit einer Verschlagwortung dazu bei, dass ihre Inhalte von anderen Nutzern gefunden werden können.

Eine ausgezeichnete Idee, wie der Erfolg von Flickr zeigt. Der Fotograf stellt alle Begriffe, die aus seiner Sicht zu seinem Bild passen ins Netz und ordnet das Foto solchermaßen thematisch ein. Heute findet sich bei Flickr zu jedem Thema Bildmaterial in großer Fülle.

Leider hat die Sache noch einen Haken. Nehmen wir einmal an, Sie lieben Französische Bulldoggen und haben Ihren Welpen so gekonnt fotografiert, dass Sie die Bilder bei Flickr einstellen möchten. Welche Schlagworte ordnen Sie zu? Französische Bulldogge, das ist klar. Ein Engländer mit dem gleichen Hund wie Sie, vergibt das Tag French Bulldog. Bulldog ist aber auch die Bezeichnung für einen schweren Ackerschlepper. Wer mithin in Flickr Fotos dieser Hunderasse sucht, wird unter anderem auch Traktoren finden.

Eine Wolke voller Tags

Wer sich aber die Mühe macht, seine Bilder in einem Fotoportal zu veröffentlichen, will schließlich, dass sie auch gefunden werden. Bevor mithin Schlagworte leichtfertig und in Eigenregie vergeben werden, orientieren sich die Nutzer gerne daran, was andere mit gleichen Bildinhalten an Bezeichnungen gewählt haben. Bestimmte Schlüsselbegriffe setzen sich schließlich durch und so genannte Tag Clouds entstehen.

Das sind mehrere Begriffe, die zusammengenommen eine Wolke von Begrifflichkeiten bilden, die einen bestimmten Bildinhalt ziemlich genau bezeichnen. Die Wolke wird umso stabiler, je häufiger sie Verwendung findet. Ist dem Suchenden die Tag Cloud geläufig, wird er für sein Wissen belohnt und schnell auf das das Gesuchte stoßen. Der wissenschaftliche Begriff für die Wolke von Schlüsselbegriffen ist Taxonomie. Von Anwendern erstellte Taxonomien werden auch als Folksonomie bezeichnet.

Faszination Semantic Web

Die Bilddaten im Internet werden anhand der Taxonomie mit Zusatzinformationen versehen, so genannten Metadaten, die zusammengenommen eine Eins-zu-eins-Entsprechung des mentalen Bildes darstellen. So lässt sich in Begriffe fassen, was wirklich gesucht wird - ohne Doppeldeutigkeiten oder Verwechslungsmöglichkeit. Wie solche Metadaten aufgebaut und für beliebige Inhalte generiert werden können, ist Gegenstand der Forschung rund um das Semantic Web. Dort lässt sich in Zukunft genau notieren, dass beispielsweise auf einer Fotografie in Flickr eine Französische Bulldogge abgebildet ist. Alle Informationen, die gebraucht werden, um das in eindeutiger Art und Weise tun zu können, bilden zusammengenommen das Konzept der Französischen Bulldogge.

Um von einem Semantischen Netz sprechen zu können, werden natürlich eine ganze Reihe solcher Konzepte benötigt. Es werden ja nicht nur Französische Bulldoggen gesucht. Vielmehr werden so genannte Ontologien benötigt, das sind Konzeptnetze. Vergibt man an alle heute bekannten Hunderassen jeweils eine eindeutige Netzadresse und notiert dort den Namen der Rasse, die Größe der Hunde und eine Vielzahl weiterer Merkmale (Metadaten), die die Rasse charakterisieren und unverwechselbar machen, entsteht eine Web-Ontologie der Hunderassen. Unter der Web-Adresse der Französischen Bulldogge lassen sich nun auch entsprechende Fotografien abspeichern.

Die Bilder werden damit maschinenlesbar und Computer können sie im Internet jederzeit auffinden. Solche Ontologien lassen sich mit der Zeit verfeinern und es können mehr und mehr unterschiedliche Suchanfragen zielgerichtet beantwortet werden. So könnte in der Hunde-Ontologie vermerkt werden, dass die Französische Bulldogge, genau wie beispielsweise Chihuahua, Fledermausohren haben. Bilder von Hunden mit Fledermausohren werden damit auf Knopfdruck auffindbar, ohne dass jemals ein entsprechendes Tag vergeben wurde.

Das Chaos besiegen

Zusammen mit diesen semantischen Informationen wird aus dem Web 2.0 das neue Web 3.0, eine Kombination aus sozialen und semantischen Aspekten. Hier wird nicht nur gemeinschaftlich und interaktiv gesucht, sondern auch trennscharf gefunden. Das Web 3.0 stellt aufgrund seiner enormen Komplexität allerdings eine große Herausforderung dar. Es ist fraglich, ob es jemals in vollem Umfang realisiert sein wird. Vielleicht bringt uns die Forschung am Web 3.0 zumindest einen deutlichen Schritt auf dem Weg weiter, das Chaos im Internet zu besiegen und im Netz der Netze etwas mehr Ordnung zu schaffen.

 

Autor

Dr. Volkhard Wolf ist Professor für Informationsmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach.

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