Betriebswirtschaftslehre
Vom EBIT hat sicher jeder schon einmal gehört. Doch was steckt genau hinter der so genannten EBIT-Marge, wie lässt sie sich richtig interpretieren und letztendlich auch beeinflussen. Eine Frage, die sich nicht nur Wirtschaftsstudierende stellen. Auch Manager müssen mit dieser Größe und einer Vielzahl anderer Kennzahlen täglich umgehen, sie interpretieren und mit ihrer Hilfe ein Unternehmen führen. Zwei Berliner Professoren beleuchten daher das Thema betriebswirtschaftliche Kennzahlen genauer und zeigen am Beispiel der EBIT-Marge in deutscher und englischer Sprache, wie speziell mit dieser Kennzahl im betrieblichen Alltag umzugehen ist.
Von Professor Dr. Hans-Ulrich Krause und Professor Dr. Dayanand Arora, Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Die Betriebswirtschaftslehre ist eine angewandte Wissenschaft. Sie zeichnet sich durch drei typische Aktionsfelder aus: "Beschreiben", "Erklären" und "Gestalten". Zur Bewältigung dieser Aufgaben ist im Laufe der Jahre ein umfassendes Instrumentarium entwickelt worden, zu dem auch der Einsatz von Kennzahlen zählt. Sie sollen wesentliche Sachverhalte des Unternehmens abbilden ("Beschreiben"), in komprimierter Form Aussagen über komplexe Zusammenhänge liefern ("Erklären") und gezielte unternehmerische Maßnahmen anregen ("Gestalten").
Die Verwendung von Kennzahlen als Instrument zur Führung von Unternehmen besitzt eine lange Tradition. Dennoch: Es ergibt sich im praktischen Einsatz immer wieder Innovationsbedarf. Dies ist Ergebnis des steten wirtschaftlichen, technischen, sozialen, politischen und ökologischen Wandels, aus dem Unternehmen bewusst eigene Wettbewerbsvorteile generieren möchten.
Daher ist dauerhaft eine Nachfrage nach wirksamen Werkzeugen zur erfolgreichen Planung, Steuerung und Kontrolle von Unternehmen aller Größenklassen gegeben. Während über viele Jahrzehnte hinweg in Pyramidenform aufgebaute, durch finanzielle Größen geprägte Kennzahlensysteme dominierten, zum Beispiel in Anlehnung an das DuPont-System, gewinnt der Balanced-Scorecard-Ansatz in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung.
In ihm kann mit Hilfe von Ursache-Wirkungs-Ketten eine Verknüpfung von geeigneten finanziellen und nicht-finanziellen Kennzahlen erfolgen, sodass ein ausgewogeneres Controlling-System zum Beispiel mit einer
für das zielorientierte Management von Unternehmen entsteht.
Bei gleichzeitiger Dezentralisierung von Verantwortlichkeiten erweitert sich die Zahl der Führungskräfte erheblich, die die Kenngrößen nicht nur verstehen, sondern auch gezielt beeinflussen sollen. Dieses Anforderungsprofil erstreckt sich entsprechend nicht nur auf betriebswirtschaftlich Vorgebildete, sondern auch verstärkt auf Ingenieure, Naturwissenschaftler, Juristen und Geisteswissenschaftler, die in den Unternehmen im Laufe der Zeit in Management-Aufgaben hineingewachsen sind.
Zunehmend wird auch frühzeitig im Ausbildungsbereich an Hochschulen sowie berufsbegleitend im Weiterbildungsbereich besonderer Wert auf fundierte Kenntnisse moderner Management-Instrumente unter Einsatz ausgewählter Kennzahlen gelegt. Im Zusammenhang mit der Internationalisierung von Unternehmen und dem Aufbau vielfach weltweit ausgerichteter Beschaffungs-, Produktions- und Vertriebsnetze nimmt in besonderem Maße die Bedeutung der Kommunikation in englischer Sprache zu. Auch dieser Herausforderung müssen sich wachstumsorientierte Unternehmen und folglich auch ihre Manager stellen.
Grundsätzlich sind im Prozess des Suchens geeigneter Kennzahlen, ihrer Erhebung und ihres sinnvollen Einsatzes folgende Fragen zu beantworten:
Dieser aus Manager-Sicht entwickelte Anforderungskatalog wird nachfolgend beispielhaft auf die Darstellung der Kennzahl „EBIT-Marge" zuerst in deutscher und daran anschließend in englischer Sprache angewandt.
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Fragestellung:
Wie viel Prozent vom Umsatz verbleiben dem Unternehmen als Gewinn - als Ergebnis vor Zinsen und Steuern?
Über diese enge Begriffsfassung des EBT hinaus werden nach deutschem Verständnis auf Grundlage des Handelsgesetzbuches (HGB) in Wissenschaft und Praxis vielfach die Bereinigungen auf außerordentliche Erträge (-) und Aufwendungen (+) ausgedehnt, so dass dann als Konsequenz die Kenngröße EBT dem „Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit" entspricht. Die Rechnungslegung nach IAS/IFRS verbietet dagegen eine explizite Abgrenzung eines außerordentlichen Ergebnisses, stattdessen verlangt sie die Angabe eines Ergebnisses aus nicht fortgeführten Geschäftsbereichen - analog in Form von Erträgen (-) und Aufwendungen (+).
Die EBIT-Marge wird in der Dimension „%" angegeben.
Ermittlung/Herleitung:
Die Daten können von externen Informationsinteressenten der Gewinn- und Verlustrechnung innerhalb der Jahres- oder Quartalsberichterstattung entnommen werden. Zu internen Auswertungszwecken kann diese Kennzahl ggf. auch in kürzeren Zeitabständen bestimmt werden.
Betriebswirtschaftlicher Aussagewert und Größenordnung:
Die EBIT-Marge zählt zu den umsatzbasierten Rentabilitätskennzahlen. Sie ist ein relatives Maß für die operative Ertrags- und Selbstfinanzierungskraft des Unternehmens. Im Vergleich zur so genannten Umsatzrentabilität (als bilanzielles Jahresergebnis/Umsatz) handelt es sich bei der EBIT-Marge um eine Vor-Steuer-Größe - unabhängig von der Kapitalstruktur (Finanzierungseffekte in Form der Fremdkapitalzinsen werden durch die Gegenrechnung „neutralisiert"). Sie eignet sich daher auch für Rentabilitätsvergleiche von Unternehmen (als ganzes oder für einzelne Bereiche/Profit Center/Segmente) und dient nicht selten als ein Beurteilungskriterium der Kreditwürdigkeit.
Die konkrete Größenordnung der EBIT-Marge ist stark branchenabhängig. Je höher ihr Wert, desto besser ist die auf den Umsatzprozess zurückzuführende Ergebnissituation zu beurteilen. Für die absolute Höhe der Kennzahl EBIT-Marge gibt es keine generalisierbare Vorgabe. Beim regelmäßigen Zeitvergleich - ggf. auch mit den wichtigsten Wettbewerbern - besitzt die Form der Entwicklung (kontinuierlich steigend oder sinkend, stark schwankend usw.) eine bedeutsame Aussagekraft.
Handlungsanregungen:
Veränderungen dieser relativen Kennzahl können durch über- oder unterproportionale Entwicklung des in Beziehung gesetzten EBIT (im Zähler) und des Umsatzes (im Nenner) erreicht werden. Das Spektrum denkbarer Aktionen zur Steigerung des EBIT erstreckt sich auf alle preis- und mengenorientierten Beeinflussungsmöglichkeiten auf der Einzahlungs-(Umsatz-)seite (zum Beispiel Preisanhebungen und/oder Mengensteigerungen, Forcierung ertragsstarker Produkte und Verzicht auf verlustbringende oder ertragsschwache Produkte). Ebenso sind alle preis- und mengenorientierten Beeinflussungsmöglichkeiten auf der (auszahlungsgleichen) Kostenseite zu prüfen (zum Beispiel preisgünstigerer Einkauf und/oder mengenmäßige Einsparungen beim Ressourcenverbrauch wie Material oder Energie).
Verwandte Kennzahlen/Zusätzliche Anmerkungen:
Zu den verwandten Kennzahlen zählen: Umsatzrentabilität; EBITDA-Marge; Cash Flow-Umsatzrentabilität.
Mitunter wird im Nenner als Bezugsgröße nicht der Umsatz, sondern die Gesamtleistung verwendet. Die grundsätzlichen Aussagen dieser Kennzahl ändern sich dadurch aber nicht. Nur bei überbetrieblichen Vergleichen muss entsprechend jeweils auf die Konsistenz der herangezogenen Daten geachtet werden.
Eine ausdrückliche Ermittlung eines Ergebnisses vor der Berücksichtigung von Ertragsteuern bietet sich vor allem für rechtsform- und/oder steuersystemübergreifende Vergleiche - nicht zuletzt im internationalen Umfeld - an. Bei der Gegenrechnung der Steuern ist auf die alleinige Berücksichtigung der „Steuern vom Einkommen und Ertrag" zu achten. Die sonstigen (Kosten-)Steuern sollten nicht hinzugenommen werden.
Hat ein Unternehmen in der Betrachtungsperiode einen Verlust (ein negatives EBIT) auszuweisen, so trägt der entsprechende Quotient die Bezeichnung „Burn Rate", also den Verlust bezogen auf eine Geldeinheit Umsatz (z.B. 0,08 pro 1 €, d.h. 8 %).
Analytical Question:
What percentage of the turnover remains with the enterprise as profit (as profit before interest and taxes)?

About the narrow definition of EBT, it needs to be mentioned that, in the German academic and business world, another adjustment is made for extraordinary incomes and expenditures, so that the indicator EBT corresponds to the "results from normal (or operating) business". By contrast, financial reporting under IAS/IFRS rules prohibits explicit demarcation of extraordinary results. Instead IAS/IFRS rules require a declaration of the "Results from Discontinued Operations".
The EBIT-Turnover-Yield is expressed as a percentage.
Calculation / Derivation:
The external parties can obtain the data for the purpose from the income statement contained in the annual or quarterly reports. The internal decision-makers can compute this ratio at shorter intervals within a year.
Interpretation and Typical Range:
The EBIT-Turnover-Yield is part of sales-based profitability ratios. It is a relative measure of the operative earnings capacity and the self-financing power of the enterprise. By comparison with the so-called "Return on Sales" (defined as operating profit/sales), EBIT-turnover-yield is a pre-tax measure, which is independent of the capital structure (implying financing effects, such as the interest on borrowed funds). Therefore, the ratio is considered appropriate for comparing profitability between/amongst enterprises and business segments/divisions/profit centers. It is also used for judging the creditworthiness of enterprises.
The typical range of EBIT-turnover yield varies widely amongst different industrial branches and sectors. Therefore, it is difficult to recommend a target range. However, the higher the return, the better is the sales-related earning capacity of the enterprise. It is useful to compare a firm's EBIT-turnover yield over time (or comparison with main competitors) to make a trend analysis; an increasing, decreasing or stagnating trend over time provides more useful information about the operating performance of the enterprise.
Useful Suggestions:
A change in this ratio could be triggered by a disproportionate increase or decrease in the EBIT (as numerator) and sales (as denominator). There are numerous possibilities for improving the EBIT. On the (sales-related) revenue side, the EBIT could be improved by a better price or volume strategy (for example, through price-raise and/or quantity increase, encouraging more profitable products and sacrificing loss-making or weaker products). On the expense (payment) side, EBIT could be improved by a more efficient cost management (for example, through cheaper procurement and/or reduced consumption of resources, such as material or energy).
Related Ratios / Additional Notes:
Important ratios related to EBIT-Turnover-Yield are: Return on Sales, EBITDA-Margin and Cash Flow-to-Sales Ratio.
Sometimes, instead of sales, total output (comprising of sales revenue, inventory changes and capitalization of internally-produced assets) is taken as the basis for calculation; this, however, does not change the interpretation of the ratio. When comparing this ratio with other enterprises, consistency of data should be ensured.
A calculation of return on sales, with earnings before tax, is recommended in all those cases, where a comparison is drawn amongst different forms of organizations and, more so, for comparisons amongst enterprises in different taxation systems (such as enterprises from foreign countries). For setting-off of taxes, one should consider only the taxes on income and profits. The other forms of taxes should not be set-off.
If a firm has made a loss in a particular period (example: a negative EBIT), the calculated ratio is called "Burn Rate", implying the loss per currency unit of sales. For example, a negative EBIT of 0.08 cents per € of sales would mean a burn rate of 8%.
Professor Dr. Hans-Ulrich Krause ist Inhaber einer Professur für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt „Controlling/Rechnungswesen" und Professor Dr. Dayanand Arora ist Inhaber einer Professur für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt „Finanz- und Rechnungswesen". Beide lehren an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.
Krause, Hans-Ulrich und Arora, Dayanand (2008): Controlling-Kennzahlen - Key Performance Indicators, Oldenbourg, München.