Titelthema
Was verbirgt sich eigentlich hinter einem Controller? Kurz gesagt: eine ganze Menge. Sie sind nicht nur präzise Analytiker von Zahlen und Fakten. Sie nehmen im Unternehmen auch eine wichtige Schlüsselstellung als Moderatoren ein, zum Beispiel zwischen einzelnen Abteilungen und der Geschäftsleitung. Universitäre Fachkenntnisse sind beinahe schon obligatorisch. Einen Controller qualifizieren heute vor allem persönliche Eigenschaften. Der BWL Professor Dr. Hans Jung analysiert das Berufsbild und stellt auf Basis einer empirischen Untersuchung die Fähigkeiten und Eigenschaften vor, die Unternehmen von Controllern heutzutage erwarten.
Von Professor Dr. Hans Jung, Fachhochschule Lausitz
Im Zeitalter der Globalisierung gilt auch für das Berufsbild und das Anforderungsprofil des Controllers der Grundsatz, dass nichts beständiger ist als der Wandel. Vielfach haben sich die Controller zu sehr an reinen Kosten- und Finanzdaten orientiert - und dies auch noch aus der Vergangenheit - anstatt auf Signale aus dem Markt und Wettbewerb zu achten.
Entscheidend ist daher nicht die immer genauere Analyse der Kosten- und Leistungsdaten und auch nicht die buchhalterisch genaue Abstimmung der Kosten- und Leistungsrechnung mit der Gewinn- und Verlustrechnung. Vielmehr gilt der alte unternehmerische Grundsatz „Lieber (schnell) ungefähr richtig als haargenau falsch" als Prinzip für eine dynamische, erfolgreiche Controller-Arbeit.
Bei dem Vergleich zweier früherer empirischer Erhebungen mit einem Zeitunterschied von sieben Jahren wird bereits die These untermauert, dass sich das Berufsbild des Controllers umfassend gewandelt hat und sich noch immer im Wandel befindet. Abgesehen von Kontrollaufgaben haben alle anderen Tätigkeitsfelder deutlich an Gewicht zugenommen, was aus der Abb. 1 ersichtlich ist.[1]

Interessant dabei ist, dass am stärksten der Zuwachs in der Servicefunktion für die Geschäftsführung und die Fachabteilungen sowie in der Beratung und Betreuung liegt.
Vor dem Hintergrund des turbulenten wirtschaftlichen Umfeldes, den damit gestiegenen Herausforderungen sowie dem neuen Rollenverständnis des Controllers, steht er vor folgenden neuen Aufgaben:
Aus dieser Rollenvielfalt ergibt sich eine Rollendivergenz, die den Controller neu fordert.[2]

Der Controller ist damit zugleich interner (Unternehmens-)Berater und Business Partner (Beratung und Mitentscheidung an der Strategiebildung), Kontrolleur, Lotse und Betreuer des Management (Soll-Ziele), Change Agent (Überprüfung von verabschiedeten Handlungsentwürfen auf deren Zielerreichungsgrad). Nicht zuletzt ist er auch Informationsspezialist für die Leistungsindikatoren des Unternehmens (Sicherung der Informationsversorgung).
Ein Controller soll die komplexe Realität beobachten und daraus entsprechende Informationen gewinnen, die die Unternehmensführung bei weiteren Handlungen unterstützen. Die verschiedenen Bereiche des Unternehmens werden mit Hilfe der Informationen koordiniert und integriert.
In Deutschland gibt es allerdings kein einheitliches Anforderungsprofil für einen Controller. Die Rolle eines Controllers muss folglich immer unternehmensintern gesehen werden. Die Ausübung der Controllingfunktion stellt dabei an den Stelleninhaber hohe fachliche, aber auch durchaus besondere persönliche Anforderungen.
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Das Buch gibt einen kompletten und kompetenten Überblick über den Stand, die Teilgebiete und den Anwendungsbereich des Controllings. Dabei kommt auch der Blick auf die Person des Controllers nicht zu kurz.
Das für das Controlling notwendige Fachwissen kann durch ein betriebswirtschaftliches Studium und/oder durch die Teilnahme an speziellen Fortbildungsveranstaltungen erworben werden. Eine akademische Ausbildung, besonders bei Neueinstellungen, ist durchaus gewünscht. Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere Englisch, sind unentbehrlich: Fremdsprachige Texte müssen oft gelesen und verstanden werden. Zudem sollte der Controller bei multinationalen Unternehmen auch auf den Einsatz in Tochtergesellschaften, deren Verkehrssprache Englisch ist, vorbereitet sein.[3] Aber: Die zunehmende internationale Verflechtung von Unternehmen lässt auch Kenntnisse anderer Sprachen wie Französisch und Spanisch immer wichtiger werden.
Kenntnisse im internen Rechnungswesen und Controlling werden weitgehend vorausgesetzt oder bei Stellenausschreibungen nicht mehr gesondert ausgewiesen. Die Arbeitgeber eines Controllers erwarten die Beherrschung der Controllinginstrumente, der Planung, der Budgetierung sowie des Finanz-, Rechnungs- und Berichtswesen.
Ein Bewerber sollte bereits Analyse- und Kontrolltätigkeiten ausgeführt sowie Erfahrungen in der Pflege und Entwicklung von Informationssystemen gesammelt haben. Er sollte Kenntnisse im Projektmanagement, in der Investitionsrechnung und Internen Revision oder der Wirtschaftsprüfung aufweisen. Umfangreiche Kenntnisse im Umgang mit einem PC und entsprechender Software (zum Beispiel SAP R/3 und MS Project), dem täglichen Handwerkszeug eines Controllers, sind unentbehrlich.[5]
Fachliche Kenntnisse allein reichen heute nicht mehr aus, um Controller zu sein. Auch an die Persönlichkeit werden heute klare Anforderungen gestellt. Begründet wird die Stärkung der persönlichen Anforderungen mit der Wandlung des statischen Controllings zu einer Abteilung mit einer Service- und Dienstleistungsfunktion. Kurz gesagt: „Beim Controller soll es sich um einen zur selbstständigen Arbeit fähigen, engagiert auftretenden, kooperationsbereiten Mitarbeiter handeln, der sowohl analytische Fähigkeiten als auch Durchsetzungsstärke aufweist. Er soll eine überzeugende, kontaktstarke Persönlichkeit besitzen, die sich durch einen qualifizierten Arbeitsstil auszeichnet."[6]
Weitere persönliche Anforderungen sind komplexes Denken, Kommunikationsfähigkeit, Engagement, aber auch emotionale Selbstkontrolle und Verschwiegenheit.
Wie neuere Untersuchungen zeigen, treten neben die traditionellen Fähigkeiten des Controllers wie analytisches Denkvermögen und die Begabung, komplexe Probleme anschaulich darzustellen, weitere Anforderungen künftig verstärkt in den Vordergrund: Der Controller muss moderieren können und teamfähig sein. Er muss zudem in strategischen Dimensionen denken und auch als Coach fungieren, also Trainerqualitäten besitzen. Auch wenn der Controller nicht direkt mit den Stakeholdern des Unternehmens (zum Beispiel Kunden und Lieferanten) zu tun hat, muss er doch ihre Denkweise verstehen. Auch Veränderungsbereitschaft, Lernfähigkeit sowie eine Konflikt- und Konsensfähigkeit müssen bei einem Controller sehr ausgeprägt sein.
Eine Auswertung von 500 ausgewählten Stellenanzeigen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung" während des ersten Halbjahres 2007 bestätigt diesen Trend. Folgende Eigenschaften und Fähigkeiten (fachlich und persönlich) wurden von einem Controller erwartet:

Doch welche Konsequenzen hat das für das Arbeitsfeld des Controllers? Er muss von der ihm vorgegebenen Zielsetzung ausgehen und sich an diesen Zielen orientieren. Im Detail heißt dies:
Welche Fähigkeiten sollte ein Controller besser nicht haben?
Ähnlich wie bei anderen Berufen, sollte ein Controller keine destruktive Grundeinstellung haben. Auch Pessimismus und Risikoscheu, aber auch Überheblichkeit und Arroganz sind menschliche Eigenschaften, die nicht zu einem Controller passen. Zu einem großen Problem im Alltag eines Controllers können eine Kontakt-, Überzeugungs- und Willensschwäche sowie Ziellosigkeit und Unbeständigkeit werden. Ebenso stellen Ungeduld und Intoleranz einen Controller in seiner täglichen Arbeit sicher vor große Probleme.
Zunehmend ergibt sich eine Integration von Controlling und Controller[8]
Fragt man nach dem Zukunftsbild des Controllers, nach der Vision des Controlling, so kann eine Entwicklung vom operativen über das strategische zu einem systemintegrierten Controlling festgestellt werden. Zukunftscontrolling bedeutet für den Controller ganzheitliches, sich weitestgehend selbststeuerndes integriertes Controlling im Rahmen von Vertrauensmanagment.
Die Einsicht, dass der Wert eines Unternehmens sich nicht nur aus seinen materiellen Wertgegenständen bemisst, sondern vielmehr durch seine immateriellen, führte zu einem neuen Aufgabengebiet des Controllers der Steuerung von Intangibles. In Zukunft wird eine wichtige Aufgabe darin bestehen, ein Instrumentarium bereitzustellen, das es erlaubt, den Wert von Intangibles zu messen und damit steuerbar zu machen.
Das Controlling und die Corporate Governance
Von hoher Aktualität sind auch die Entwicklungen auf dem Gebiet der Corporate Governance.[9] Unter dem Stichwort Corporate Governance werden Fragen der Unternehmensführung und -kontrolle diskutiert. Die Gestaltung der Corporate Governance deutscher Unternehmen wird vom deutschen Aktien-, Mitbestimmungs- und Kapitalmarktrecht sowie von internationalen Kapitalmarktgesetzen und Börsenzulassungsregeln bestimmt.
Im Rahmen der Informationsversorgung unternehmensexterner Empfänger durch das Rechnungswesen verpflichtet die EU-Verordnung 1606/2002 seit dem 01.01.2005 europäische Unternehmen, die an der Börse notiert sind, ihre Konzernabschlüsse konform zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) zu erstellen. Das International Accounting Standards Board (IASB) mit Sitz in London erarbeitet und aktualisiert diese Bilanzierungsrichtlinien regelmäßig.
IFRS - International Financial Reporting Standards sind ein Regelwerk von Standards und Interpretationen zur externen Rechnungslegung und Berichterstattung von Unternehmen, die von einem unabhängigen privaten Gremium, dem International Accounting Standards Board (IASB), entwickelt werden.
Neben den IFRS sind auf internationaler Ebene die United States Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) für Unternehmen, die an amerikanischen Börsen notiert sind, von Bedeutung.
Im Berichtswesen sind insbesondere im Rahmen der Segmentberichterstattung (IAS 14) Informationen zur Reportingstruktur auf Unternehmensleitungsebene für die IFRS-Bilanzierung maßgeblich. Der Controller übernimmt damit die zusätzliche Funktion eines Informationsdienstleisters für Bilanzierungszwecke.
Im Aktionsfeld der Organisation des Controllingbereichs muss insbesondere das Vorhandensein hinreichender IFRS-Kenntnisse gewährleistet werden. Controller, welche mit der Beschaffung der im Rahmen der IFRS-Rechnungslegung angeforderten Informationen betraut sind, müssen über entsprechendes IFRS-Know-how verfügen.[10]
Auch in den staatlichen Verwaltungen wird effizientes und wirtschaftliches Handeln immer wichtiger. Unter der Bezeichnung Verwaltungsreform gelangen zunehmend betriebswirtschaftliche Instrumente und Methoden in den Verwaltungen und öffentlichen Unternehmen zur Anwendung.
Die öffentliche Betriebswirtschaftslehre greift unter dem Begriff „Public Management" diesen Trend auf. Besondere Belange und Ausprägungen der Verwaltungen stellen hohe Anforderungen an ein Controlling. Das Öffentliche Recht und die Grundsätze des Berufsbeamtentums sowie der Auftrag der Gemeinwohloptimierung schränken betriebswirtschaftliche Methoden zunächst ein. Der Controller hat daher die genauen Umstände des Verwaltungstyps und dessen Aufgabe zu analysieren, bevor Controlling zur Anwendung gelangt.[11]
Folgende Anwendungsbereiche sind zu unterscheiden:
Professor Dr. rer. pol. Hans Jung lehrt an der Fachhochschule Lausitz Betriebswirtschaftslehre und Personalmanagement.
[1] Vgl. Steinle, C./Bruch, H./Michels, T.: Zukunftsgerichtetes Controlling, 2. Auflage, Wiesbaden 1996, S. 387.
[2] Vgl. Guldin, A.: Everbody´s Darling or Nobody´s Friend, S.77. In Horvath, P.: Innovative Controlling-Tools, 1998, S. 69 ff. Der Controller der Zukunft. In Controller Magazin 2/2000, S. 129 f.
[3] Vgl. Ziegenbein, K.: Controlling, 6. Auflage, Ludwigshafen (Rhein) 1998, S. 104.
[4] Vgl. Küpper, H.-U.: Controller-Anforderungsprofil. In: Handbuch Controlling, Stuttgart 1999, S. 337.
[5] Vgl. Peemöller, V. H.: Controlling: Grundlagen und Einsatzgebiete, 5. Auflage, Herne/Berlin 2005, S. 80 ff.
[6] Vgl. Peemöller, V. H.: Controlling, a.a.O., S. 78 ff.
[7] Vgl. Küpper, H.-U.: Controller-Anforderungsprofil. In: Handbuch Controlling, Stuttgart 1999, S. 337.
[8] Vgl. Hahn, D.: Unternehmensziele im Wandel, in: Controlling: Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung, Heft 6, 1995, S. 336 f.
[9] Vgl. Horváth, P.: Controlling, 10. Auflage, München 2006, S. 66 und S. 790 ff.
[10] Vgl. Horváth, P.: Controlling, a.a.O., S. 443.
[11] Vgl. Müller, U.: Verwaltungscontrolling, in: Voigt, R./Walkenhaus, R.: Handwörterbuch zur Verwaltungsreform , Wiesbaden, 2006, S. 62 ff.