Studium & Karriere
Wer steht eigentlich hinter der gebuchten Urlaubsreise? In den meisten Fällen ein modernes Dienstleistungsunternehmen. Genau dort werden Reisetrends erkannt, Urlaubsreisen entwickelt und letztendlich auch die dafür notwendigen Leistungen eingekauft. Touristikunternehmen verfügen selbstverständlich auch über ein Rechnungswesen, ein Controlling und eine Personalabteilung. Diese Bandbreite an Jobs und sicher auch das Produkt „Urlaub", machen diese Unternehmen zu attraktiven Arbeitgebern. Mit Bettina Gläser-Krahn, der Leiterin Ausbildung und Entwicklungsprogramme bei der TUI Deutschland, sprach economag.de über Einstiegschancen für Betriebswirte und die Vorzüge eines offenen Lächelns des Bewerbers.
Die Fragen stellte Rainer Berger
>> Frau Gläser-Krahn, was zeichnet die TUI als Arbeitgeber aus?
Die Tourismusbranche ist ein People's Business. Das gilt auch für die TUI. Wir verstehen uns als Dienstleister, der personenbezogene Dienstleistungen herstellt. Unsere Mitarbeiter sind uns folglich sehr wichtig. Kreativität, Trendbewusstsein und Fairness sind drei wichtige Schlagworte in unserem Unternehmen.
Und eins ist nicht zu vergessen, wir stellen eines der schönsten Produkte überhaupt her, nämlich Urlaub.
>> Welche Einstiegschancen haben Hochschulabsolventen bei Ihnen?
Wir bieten Studierenden bereits während des Studiums die Möglichkeit, in unserem Unternehmen über Praktika Praxisluft zu schnuppern. Einzelnen Studierenden bieten wir zudem die Chance, bei uns Bachelor-, Master- oder Diplomarbeit zu schreiben.
Nach dem Studium können Hochschulabsolventen direkt bei uns einsteigen oder sich für ein Traineeprogramm entscheiden. Gute Karten haben vor allem die Absolventen, die bereits vor oder während des Studiums erste Erfahrungen in der Tourismusbranche sammeln konnten und vielleicht auch während des Studiums im Ausland waren. Je nach Studienschwerpunkt bietet sich der Einstieg in Unternehmensbereiche wie Controlling, Marketing und Human Resources an. Denkbar ist sicher auch die Produktion. Dieser Bereich ist sehr vielseitig und umfasst unter anderem sowohl den Hoteleinkauf als auch die Katalogproduktion.
>> An einigen Hochschulen werden bereits touristische Studiengänge angeboten. Wie viel Wert legen Sie auf einen speziellen touristisch geprägten Studienabschluss oder anders gefragt, wie wichtig ist Ihnen die Fachrichtung bei einem Hochschulabsolventen?
Bei Absolventen liegt unser Fokus nicht ausschließlich auf touristischen Studiengängen. Klassische Betriebswirte sind bei uns genauso gerne gesehen. In einigen Bereichen arbeiten darüber hinaus auch Psychologen oder Juristen, ich denke hier zum Beispiel an den Bereich Human Resources. Unabhängig von der Fachrichtung ist uns wichtig, dass ein Absolvent unser Gefühl für unser Produkt Urlaub teilt und idealerweise vor seinem Einstieg die Tourismusbranche kennen gelernt hat.
>> Tourismusstudiengänge werden an immer mehr Hochschulen angeboten, sowohl an Fachhochschulen als auch an Universitäten. Wie stehen Sie zu dieser Form der Spezialisierung der Betriebswirtschaftslehre?
Es ist schön, dass es diese Studiengänge gibt, denn die Absolventen sind nah am Produkt und haben den Tourismus meist praktisch, analytisch und theoretisch erfasst. Bei einigen Positionen kann das durchaus von Vorteil sein. Ein engagierter Allrounder mit Praxiserfahrungen wird aber auch weiterhin die Möglichkeit haben, bei uns einzusteigen.
Eine noch stärkere Spezialisierung der Studiengänge wird von uns nicht gefordert. Ich denke, dass viele Hochschulen darin aber eine gute Option sehen, ihr Profil zu schärfen und sich von anderen Hochschulen abzuheben.
Anzeige
Lexikon und Kompendium zugleich in drei Bänden. Renommierte Autoren stellen die BWL in rund 5.000 Stichwörtern anschaulich dar. 200 Übersichtsbeiträge behandeln zudem wesentliche Themenfelder in komprimierter Form.
Du möchtest in diesem Buch blättern? Ein Klick genügt.
Siegfried G. Häberle (Hrsg.)
Das neue Lexikon der Betriebswirtschaftslehre - Kompendium und Nachschlagewerk - mit 200 Schwerpunktthemen, 6.000 Stichwörtern, 2.000 Literaturhinweisen sowie 1.300 Internetadressen
2008. XLIX, 1408 S., 3 Bände in Schuber , br., € 39,80, ISBN 978-3-486-58305-2
>> Seit kurzem gibt es Bachelorabschlüsse, haben Sie damit bereits erste Erfahrungen gesammelt?
Ja natürlich, wir stellen auch Absolventen mit Bachelorabschluss ein. Mehr noch, wir bilden sogar gemeinsam mit der Leibniz Akademie in Hannover sehr gute Abiturienten im Rahmen eines dualen Bachelorstudiengangs aus. Dual bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Studierenden Studien- und Praxisphasen haben, letztere bei der TUI. Nach erfolgreichem Studium schließen sie mit dem Bachelor of Arts, Fachrichtung Tourismus, ab. Den Top-Absolventen bieten wir außerdem die Möglichkeit eines Mastersstudiengangs.
>> Legen Sie großen Wert auf einen Master?
Ein Master ist sicher wichtig. Allerdings finden selbstverständlich auch Bachelorabsolventen bei uns den Einstieg in die Tourismusbranche. Ich bin der Meinung, dass nicht jeder Bachelor auch einen Masterstudiengang absolvieren muss. Letztendlich raten viele Hochschulen dazu, zwischen dem Bachelor und dem Master eine Praxispause einzulegen, um das Gelernte auch anzuwenden und sich dann zum Beispiel nach zwei Jahren für einen Masterstudiengang zu entscheiden.
Ein offenes Lächeln ist im Vorstellungsgespräch gerne gesehen
„Ein Bewerber sollte sich individuell vorstellen und konkret seine Wünsche äußern - und dies am Besten kurz und knapp. Standardlebensläufe und Rundumschläge beim Anschreiben in Bezug auf den Tätigkeitsbereich, in dem man letztendlich arbeiten möchte, sind nicht gerne gesehen. Ist die erste Hürde der Bewerbungsphase genommen, punktet ein Bewerber im persönlichen Gespräch besonders mit Aufgeschlossenheit. Ein offenes Lächeln beim ersten Kontakt wird auch immer positiv wahrgenommen. Ob ein Bewerber passt oder nicht, lässt sich manchmal bereits beim ersten Handschlag und dem Blick ins Gesicht erkennen", erklärt Bettina Gläser-Krahn.
>> Wie stehen Sie zu einer solchen zweijährigen Praxispause?
Ich begrüße das sehr. Denn wie bereits erwähnt, legen wir sehr großen Wert auf diese Praxiserfahrung. Schade ist für uns als Arbeitgeber nur, wenn wir nach einer solchen Praxispause einen geschätzten Mitarbeiter wieder an die Hochschule verlieren. Wir unterstützen deswegen die Bemühungen von Hochschulen die Masterstudiengänge so zu gestalten, dass den Studierenden weiterhin Zeit für das Arbeiten bleibt: beispielsweise an zwei Tagen in der Woche oder eben in den Semesterferien.
>> Wenn ein Bewerber nun den Einstieg bei Ihnen geschafft hat, welche Entwicklungsmöglichkeiten bieten Sie ihm dann bei der TUI?
Wir bieten klassische Weiterbildungen an, zum Beispiel in Bezug auf das nötige Know-how, also um fachliche Lücken zu schließen, oder aber das Führungsverhalten zu üben. Für Potentialträger gibt es spezielle Förderprogramme, die dann ganz gezielt auf eine Führungsposition vorbereiten.
>> Wie identifizieren Sie Potenzialträger?
In der Regel durch so genannte Assessment-Center. Aus den Ergebnissen ergeben sich dann Potentialeinschätzungen, die wir im Bereich Human Resources heranziehen, um genau die Menschen zu identifizieren, die wir weiter fördern möchten.
Daneben gibt es bei der TUI auch Beurteilungs- und Zielvereinbarungssysteme. Beide bieten uns auch die Möglichkeit, solche Potenzialträger schnell zu erkennen.
Was ist ein Assessment-Center?
Bei einem Assessment-Center (AC) handelt es sich um ein betriebliches Personalauswahlverfahren. Darin nehmen Vertreter aus der Fach- und Personalabteilung eines Unternehmens - nicht selten auch Psychologen - die Bewerber in verschiedenen Situationen des Arbeitsalltags unter die Lupe. Ziel ist es, die Stärken und Schwächen der Bewerber zu erkennen und diese dem Anforderungsprofil der Stellenbeschreibung gegenüberzustellen. Ein AC kann unter anderem einfache Rollenspiele, Präsentationen aber durchaus auch gespielte Konfliktgespräche beinhalten. Da es sich dabei um ein sehr aufwändiges Auswahlverfahren handelt, wird es in der Regel nur bei Hochschulabsolventen und Führungskräften eingesetzt.
>> Zum Abschluss noch eine letzte Frage: Erwarten Sie eine besondere Mobilität von Ihren Mitarbeitern?
Das lässt ein Tourismusunternehmen vermuten, diese Mobilität wird aber nur in bestimmten Funktionen von uns gefordert. Ein Hoteleinkäufer kann seinen Job nicht vom Schreibtisch aus erledigen. Er muss in die entsprechende Ferienregion fliegen oder fahren, und sich dort ein Bild über Hotels und Umgebung machen, um nur ein Beispiel zu nennen.
Bei einer Vielzahl von Positionen wird dies aber nicht gefordert. Wir unterscheiden uns hier also nicht von anderen Unternehmen. Allerdings sollten unsere Mitarbeiter durchaus Spaß daran haben, sich in unseren Zielgebieten aufzuhalten. Wenn Sie einen TUI-Mitarbeiter nach seinem liebsten Hobby fragen, antwortet er in der Regel mit: Reisen.
>> Frau Gläser-Krahn, ich danke Ihnen für das Gespräch.
Vorname: Bettina
Nachname: Gläser-Krahn
Alter: 42
Position: Leiterin Ausbildung und Entwicklungsprogramme
Unternehmen: TUI Deutschland GmbH
Ausbildung: Kaufmännische Berufsausbildung plus BWL-Studium
Motto: „Der beste Weg die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten"