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Titelbild zum Beitrag: Ohne Grenzen
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Ohne Grenzen

Besonderheiten der internationalen Logistik

Autos aus Fernost, Computerchips aus den USA und Steaks aus Argentinien. Produkte wie diese sind aus dem Leben vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Doch wie kommen sie eigentlich zu uns nach Deutschland? Sie werden über das Meer, die Luft und die Straße transportiert. Das klingt einfach, ist allerdings durchaus komplex. Der richtige Verkehrsträger muss gefunden, die Fracht vor Wind und Wetter geschützt und verschiedene ausländische Gesetze berücksichtigt werden. Auf die vielfältigen Besonderheiten der internationalen Logistik geht ein Experte genauer ein.

Von Dr. Arno Schieck, Technische Universität München

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Nach dem 2. Weltkrieg hat die Internationalisierung der Wirtschaft stark zugenommen. Der Welthandel wuchs dabei stärker als die Weltproduktion, aber auch die Gütererzeugung selbst, die zuvor in hohem Maße national war, gestaltete sich mehr und mehr grenzüberschreitend. Als Konsequenz daraus hat sich auch die Anzahl international tätiger Unternehmen seit 1945 vervielfacht.

Doch wo liegen die Gründe für diese Internationalisierung? Sie können vor allem in zwei Kategorien eingeordnet werden, die sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. 

Niedrige Transportkosten begünstigen Logistik

Die erste Kategorie umfasst die Veränderungen des weltpolitischen, wirtschaftlichen und technologischen Rahmens, wie zum Beispiel

  • die Öffnung Osteuropas und Chinas,
  • die weltweite Homogenisierung der Nachfrage durch die Konvergenz der marktlichen Anforderungen an Investitionsgüter, langlebige Konsumgüter und Luxusartikel,
  • die zunehmende Deregulierung außenwirtschaftlicher Aktivitäten vor allem durch das Wirken von GATT und WTO, eng verbunden mit der Liberalisierung der Geld- und Kapitalströme durch den Internationalen Währungsfonds,
  • die Bildung übernationaler Wirtschaftsgemeinschaften sowie
  • den technologischen Fortschritt, der in den vergangenen Jahrzehnten zu einer drastischen Senkung der Transport- und Kommunikationskosten geführt hat. 

Für internationale Arbeitsteilung unabdingbar

Die zweite Kategorie geht auf die internen Motive der Unternehmen selbst zurück. Hierzu zählen das Streben nach

  • der Ausdehnung von Absatz und Umsatz durch den Eintritt in ausländische Märkte,
  • der Verbesserung der eigenen Kostenposition, beispielsweise durch die Nutzung der mit der Ausweitung der Absatz- und Produktionszahlen verbundenen Größenvorteile oder durch Verlagerung von Produktionsaufgaben in Länder mit günstigeren Faktorkosten, sowie
  • der Ausnutzung oder Umgehung behördlicher Auflagen, etwa durch Gründung von Tochterunternehmen im Ausland.

Zusammengenommen haben die genannten Punkte zu einem Anschwellen der grenzüberschreitenden Ströme von Rohstoffen, Halb- und Fertigfabrikaten, Investitions- und Konsumgütern geführt. Diese Ströme werden von der internationalen Logistik getragen. Ohne die internationale Logistik wäre die Globalisierung nicht möglich. Sie ist nichts anderes als der physische Vollzug der Internationalisierung.

Der Weg ins Ausland für Unternehmen

Die Logistik macht unterschiedliche Einsatzfaktoren auf jeder Wertschöpfungsstufe verfügbar und ermöglicht so überhaupt erst den Betriebsprozess. Zugleich sichert sie diesen mit Lagerhaltungsaktivitäten ab, zum Beispiel durch Ausgleichs-, Akquisitions-, Spekulations- und Sicherungsfunktionen. Die Ergebnisse des Betriebsprozesses, also die Endprodukte der Unternehmen, stellt die Logistik den Abnehmern auf den unterschiedlichen Märkten bereit. Folglich sind logistische Fähigkeiten für ein Unternehmen unabdingbar, wenn es seine Sachziele erreichen will. 


Auswirkungen auf die Bilanz

Der Einsatz von Logistik verursacht Kosten. Er bindet sowohl im Anlage- als auch im Umlaufvermögen Kapital. Diese grundsätzlichen Sachverhalte gelten in nationaler wie internationaler Perspektive.


Eine besondere Bedeutung gewinnt die Fähigkeit, internationale logistische Ströme zu gestalten und zu aktivieren, wenn sich ein Unternehmen aus den oben dargestellten Gründen dazu entscheidet, in ausländische Beschaffungs- oder Absatzmärkte einzutreten. Dieser Markteintritt kann ganz unterschiedliche Formen annehmen - angefangen bei einfachen Importen und Exporten bis hin zur Errichtung selbstständiger Tochtergesellschaften im Ausland.

Mit den meisten dieser Markteintrittsformen sind grenzüberschreitende Objektflüsse verbunden. Die Fähigkeiten des Unternehmens auf dem Gebiet der internationalen Logistik sind daher von hoher Bedeutung, wenn die Vorteile der Globalisierung für den Bestand und das Wachstum des Betriebs gesichert werden sollen. 

Logistik und Globalisierung

Die internationale Logistik hat nicht nur für die Unternehmen hohe Relevanz - sondern auch für die nationalen Volkswirtschaften. Importe ermöglichen es, Produkte aus dem Ausland einzuführen, die im Inland selbst nicht  - oder nicht wirtschaftlich - hergestellt werden können, um so den Bedarf der Unternehmen und Haushalte zu decken. Die internationale Logistik erlaubt zudem die für alle Akteure vorteilhafte internationale arbeitsteilige Spezialisierung. Das Beispiel Deutschland zeigt sehr deutlich, dass der Export auch substantiell Arbeitsplätze schafft, sichert und die Zahlungsbilanz eines Landes trotz hoher Importe ausgleichen kann.

Der Welthandel lässt sich unterscheiden in Grundformen (Export, Import und Transithandel) sowie in Sonderformen. Unter diese Sonderformen werden Veredelungsverkehre, Lizenzfertigungen oder Kompensationsgeschäfte gezählt. Die Planung und Abwicklung all dieser Aktivitäten setzt wie auf den einzelwirtschaftlichen Ebenen auch auf den Makroebenen der Volkswirtschaften effiziente internationale logistische Systeme voraus. Die zu Beginn angesprochene starke Ausdehnung des Welthandels nach dem 2. Weltkrieg wurde durch die entsprechenden Fähigkeiten der verschiedenen Volkswirtschaften überhaupt erst ermöglicht. 


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Arno Schieck
Internationale Logistik
Objekte, Prozesse und Infrastrukturen grenzüberschreitender Güterströme
2008, 467 S., gb., € 39,80, ISBN 978-3-486-58325-0 


Komplex: Transaktion, Transformation und Information

Abstrakt gesehen bestehen zwischen nationaler und internationaler Logistik zunächst keine Unterschiede. Die Handlungsziele sind in beiden Fällen gleich:

  • die art- und mengenmäßige Ordnung von Gütern und deren räumliche und
  • zeitliche Transformation, und folgend
  • die Gewährleistung von Verfügbarkeiten oder logistischen Servicegraden auf allen Wertschöpfungsstufen des Betriebsprozesses.

Dennoch: Konkret fallen bei der Betrachtung internationaler logistischer Aktivitäten bestimmte, sich immer wiederholende Merkmale ins Auge. Hierzu zählen unter anderem, dass politische Grenzen überschritten werden, die durchschnittlichen Transportentfernungen größer sind als bei inländischem Warenverkehr und dass Lager deutlich häufiger als Sammel- und Verzweigungspunkte sowie als Standorte nicht-logistischer Wertschöpfung dienen.

Dem nicht genug, denn weitere Unterschiede zeigen sich bei näherer Betrachtung: Die Internationalisierung erhöht generell die Komplexitäten der Transaktions-, Transformations- und Informationsprozesse. Genau diese Prozesse sind erforderlich und unabdingbar, um einen grenzüberschreitenden Güterstrom überhaupt zu planen, zu initiieren und zu kontrollieren. Auch die Komplexität der in diesen Strömen bewegten logistischen Objekte nimmt zu. 

Anspruchsvolle Fracht

Mit dem Schritt in die Internationalisierung steigt die Verschiedenartigkeit der Objekte, die die Unternehmen beschaffen, bearbeiten und absetzen. Sie kann sich zum einen daraus ergeben, dass die Unternehmen ihre Produkte an die Präferenzen ihrer verschiedenen ausländischen Endabnehmer anpassen. Eine Produktdifferenzierung kann zum anderen auch unfreiwillig erfolgen, wenn die Einfuhrbestimmungen der jeweiligen Nation bestimmte chemische, physikalische oder andere Forderungen an das Produkt stellen, die die Unternehmen erfüllen müssen, um in den entsprechenden ausländischen Markt eintreten zu dürfen.


Schwankende Werte im Frachtraum

Es ist kennzeichnend, dass sich der Wert der transportierten Objekte, auf dem Weg durch einen international angelegten Betriebsprozess, unterwegs nicht nur aufgrund von Wertschöpfungsaktivitäten, sondern auch aufgrund von schwankenden Währungsparitäten verändert und somit von Ort und Zeit beeinflusst wird.


Darüber hinaus müssen bei logistisch wichtigen Maßen, etwa dem Gewicht und Volumen, die Akteure genau prüfen, ob sie von einer im In- und Ausland in gleicher Weise verstandenen Messbasis ausgehen.

Wer finanziert und versichert?

In den Transaktionsprozessen der internationalen Logistik treffen Absender und Empfänger Vereinbarungen darüber, welche Objekte nach Art und Menge an welchem Ort zu erwerben und an welchen Ort zu liefern sind. Auch über die Logistik unterstützenden Aktivitäten wird gesprochen. Hierzu zählen Themen rund um die Versicherung und Finanzierung. Eine wichtige Frage in diesem Kontext ist, wer diese auszuführen hat und wer die Kosten dafür trägt.

Die genaue Betrachtung der Transaktionsprozesse ist für das Verständnis internationaler Güterströme wichtig, da es ohne die grundsätzliche Einigung zwischen Absender und Empfänger keine logistischen Flüsse geben würde und diese Flüsse selbst in den Transaktionsprozessen vorstrukturiert, meist sogar im Detail festgelegt, werden

Kulturelle Besonderheiten beachten

Grenzüberschreitende logistische Aktivitäten werden daher auch vom Kontext der Transaktion geprägt. Dazu gehören:

  • die unterschiedlichen rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen,
  • die unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere unterschiedliche Währungen, Paritätsschwankungen, Gepflogenheiten im Zahlungsverkehr und Handelsbräuche,
  • die tarifären und nichttarifären Handelshemmnisse und last but not least
  • kulturelle, besonders auch sprachliche, Hemmnisse, die sich besonders in den Verhandlungen auswirken, die die Transaktionsprozesse in der Praxis kennzeichnen.

Transport zur See und in der Luft

In den Transformationsprozessen werden die physischen Aufgaben der Logistik - wie etwa Transport, Umschlag und Lagerung - vollzogen.

Grenzüberschreitende Transporte sind im Vergleich zu nationalen Güterbewegungen durch längere Prozesszeiten gekennzeichnet. Diese ergeben sich aus den in der Regel größeren Entfernungen. Sie können die Gewährleistung nachfragegerechter logistischer Servicegrade erschweren und zu höheren Fehlmengenkosten und höheren Sicherheitsbeständen in den Lagern führen.

Grenzüberschreitende Güterbewegungen sind zudem meist „multimodaler" als nationale Transportketten. Sie binden häufiger den Seegüter- oder den Luftfrachtverkehr mit ihren spezifischen Eigenarten ein als in der nationalen Logistik.

Schutz vor Wind und Wetter

In der internationalen logistischen Transformation treten Aktivitäten des Umschlags, der Lagerung, der art- und mengenmäßigen Ordnung häufiger auf als in rein nationalen Abläufen. Verpackungsfragen werden wichtiger, weil sich aus den größeren Transportentfernungen und dem damit meist verbundenen Wechsel von Wetter und Klima sowie auch aus der Eigenart der gewählten Verkehrsträger besondere Anforderungen an den Schutz der Fracht ergeben. Die Varianten der Prozessgestaltung - von den geographischen Strukturen der Transportketten bis zur Wahl der einzubindenden logistischen Dienstleistungsbetriebe - nehmen zu.


Was versteht man unter der geographischen Struktur von Transportketten?

Ein Unternehmen, das Fracht beispielsweise von München nach Chicago versenden möchte, kann dazu verschiedene - geograpische - Wege wählen, etwa per Luftfracht über Frankfurt oder per Seegüterverkehr über Hamburg oder Bremen zu einem Flughafen bzw. Seehafen an der US-Ostküste. Die genaue Routenwahl ist also mit der Wahl der Verkehrsträger und anderen Faktoren verknüpft. Sie beeinflusst Kosten, Transportrisiken und Transportzeiten.


Auch nicht-logistische Wertschöpfungsaktivitäten werden häufiger in die transformatorischen Flüsse eingebunden als in der nationalen Logistik, wie zum Beispiel die planmäßige Nachreifung von Südfrüchten während ihres Transports zu ihren Absatzmärkten oder die technische „Europäisierung" importierter Pkws bei deren Umschlag im Ankunftshafen. 

Viele Akteure koordinieren

Grenzüberschreitende Güterflüsse sind nicht nur durch größere Distanzen, längere Prozesszeiten und komplexere physische und normative Kontextfaktoren gekennzeichnet, sie erfordern auch die Einbindung von weit mehr Akteuren für Transaktion und Transformation als nationale Güterflüsse. Hieraus ergibt sich in Transaktions- wie Transformationsprozessen ein erhöhter Koordinationsbedarf, sowohl bei der Planung und Auslösung als auch bei der Kontrolle initiierter Güterflüsse.

Informationen richtig managen

In den Informationsprozessen werden die zwischen den Akteuren getroffenen Entscheidungen und Vereinbarungen dokumentiert und ferner Daten zur Planung, Auslösung und Kontrolle der Transaktions- und Transformationsprozesse bereitgestellt. Die Aktivitäten in den Informationsprozessen überlagern die Aktivitäten in den Transaktions- und Transformationsprozessen. Die Folge: Sie bilden auch deren im Vergleich zur nationalen Logistik höheren Komplexitäten ab. Noch mehr Daten fließen in den Informationsprozess und müssen verarbeitet werden. Die beteiligten Akteure fangen die daraus resultierenden höheren Risiken durch häufigere Statusabfragen, Soll-Ist-Vergleiche und Korrekturimpulse auf. Die Bedeutung von Informations- und Kommunikationssystemen nimmt daher bei der internationalen Logistik - im Vergleich zur nationalen - deutlich zu. Dies gilt insbesondere für die Handhabung der Dokumente.

Systemkonfiguration erfordert Wissen und Erfahrung

Grenzüberschreitende Güterbewegungen zu gestalten ist keine leichte Aufgabe. Sie setzt die Fähigkeit des Logistikers voraus, internationale Aktivitäten des Transports, des Umschlags, der Lagerung zu verstehen und zu bewerten sowie diese richtig in das physische, technische, institutionelle und normative Umfeld einzuordnen.

Im Gestaltungsfeld „Transport und Umschlag" muss zum Beispiel über die geographische Struktur der Transportketten, die Art der einzusetzenden Verkehrsträger sowie die Größe und Frequenz der einzelnen Sendungen entschieden werden. Diese verschiedenen Elemente beeinflussen einander.

Im Gestaltungsfeld „Lageraktivitäten" ist über Arten und Standorte der Lager sowie über ihre Beziehung zueinander zu bestimmen. Mit der Festlegung der Bestellpolitiken ist dieses Gestaltungsfeld mit der Planung von Transport und Umschlag verknüpft. Diese gegenseitige Vernetzung unterstreicht den Systemcharakter der Logistik.

Die Abhängigkeiten ebenso wie die Handlungsmöglichkeiten in den logistischen Systemen werden durch die Internationalisierung der Wirtschaft erhöht.

Autor

Dr. Arno Schieck ist Lehrbeauftragter der Technischen Universität München und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

 

Literatur

Arno Schieck (2008): Internationale Logistik. Objekte, Prozesse und Infrastrukturen grenzüberschreitender Güterströme, München.

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