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Titelbild zum Beitrag: Teurer Diesel
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Teurer Diesel

Zwei Absicherungsstrategien von Dieselkraftstoffkosten für Logistikunternehmen mittels Derivate

Logistiker, die auf LKWs setzen, haben es heute alles andere als leicht. Sie kämpfen mit steigenden Preisen und Steuern auf Dieselkraftstoffe. Erstere schwanken im Zeitverlauf sehr stark. Dies macht es nahezu unmöglich, die Kraftstoffpreise richtig in der Kalkulation und letztendlich auch im Preis der Transportleistung abzubilden. Eine Lösung dieses Problems stellen Derivate dar. Ein Branchenkenner zeigt zwei Strategien auf, wie sich steigende Kraftstoffpreise bändigen lassen. 

Von Michael Bloss, Europäisches Institut für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD), Frankfurt am Main

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Die Wirtschaft ist global vernetzt. Dies stellt immer neue Anforderungen an die Logistik. Deutschland kommt aufgrund der zentralen geographischen Lage in Europa sowie seiner gut ausgebauten Infrastruktur in diesem Kontext eine wichtige Rolle zu. Dennoch - oder gerade deswegen - stehen die deutschen Logistikdienstleister unter einem starken und vor allem anhaltenden Wettbewerbsdruck. Dieser herrscht besonders im klassischen LKW-Güterverkehr, denn dort ist die Konkurrenz aus osteuropäischen Ländern am größten.

Für deutsche LKW-Logistiker stellen besonders die immer höheren Dieselpreise ein Problem dar. Vor allem die kleineren und mittleren Unternehmen können die steigenden Dieselzuschläge nur bedingt durch Weitergabe an den Kunden, also höhere Transportpreise, durchsetzen. Die Kraftstoffpreise stellen ohnehin bereits den größten Kostenblock, neben den Fahrpersonalkosten, dar. Im Fernbereich liegen die Kraftstoffkosten bei rund 21,4 Prozent, im Regionalbereich hingegen bei zirka 13 Prozent der Bruttoertragssummen (Zahlengrundlage: 03/2007). Aber: Logistikdienstleister können sich mittels Derivate gegen steigende Kraftstoffkosten absichern. Doch wie geht das genau? 

Absichern durch ein Swap-Geschäft

Ausgangslage: Ein Logistiker benötigt regelmäßig Dieselkraftstoff für seine Fahrzeugflotte. Die Kraftstoffpreise sind sehr volatil. Der Logistiker kann sie also nicht sicher planen. Er kann sie außerdem nicht vollständig über den Preis seiner Transportleistung abdecken.

Das Ziel des Logistikers ist es, in Bezug auf die Dieselkraftstoffpreise eine feste Kalkulationsbasis für die nächsten Jahre zu schaffen sowie sich gleichzeitig gegen weitere Preissteigerungen abzusichern. Diese Absicherung soll in Euro erfolgen, der Vertragsabschluss keine Kosten verursachen.

Lösungsansatz: Der Logistiker kann ein Swap-Geschäft auf Dieselkraftstoff abschließen. Dabei werden lediglich Zahlungsströme zwischen den vertragsschließenden Parteien ausgetauscht. Ein Austausch von Dieselkraftstoff erfolgt hingegen nicht. Der Spediteur bezahlt an die Gegenpartei, eine Bank, einen Festpreis und erhält im Gegenzug eine variable Zahlung zur Abdeckung der Kraftstoffkosten. 

Durch diese Art der Absicherung wird allerdings nur eine Teilperfektion erreicht: Der Einstandspreis für Diesel wird am Rotterdammer Markt abgesichert. Beispielsweise steuerliche Komponenten sowie Lieferantenmargen sind nicht im Sicherungsgeschäft enthalten. Die Umrechnung der Währungskomponenten US-Dollar in Euro erfolgt zum Mittelwert des Fixings. Es wäre hier jedoch auch möglich, auf die Umrechnung zu verzichten und die Zahlungsströme direkt in USD auszutauschen. 


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Dieses Buch ist auch in englischer Sprache erschienen:

Michael Bloss, Dietmar Ernst, Joachim Häcker
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Absichern durch einen asiatischen Long Call auf Diesel

Dies ist allerdings nicht die einzige Möglichkeit sich abzusichern. Logistiker können alternativ dazu einen so genannten asiatischen Long Call auf Diesel abschließen. Diese Strategie sichert nicht nur teilweise, sondern tatsächlich die Position ab und tauscht außerdem nicht nur Zahlungsströme aus, sondern könnte auch direkt mit dem Kraftstoff beliefert werden. In der Praxis ist dies jedoch seltener der Fall. Hier wird meist ein Cash-Settlement (Bargeldabwicklung) vereinbart.

Ausgangslage: Die Ausgangslage gestaltet sich wie oben beschrieben. In den nächsten Monaten steht allerdings die Zahlung einer Dieselkraftstoffrechnung an. Auch hier geht der Logistiker davon aus, dass der Dieselpreis künftig steigen wird. Um sich abzusichern, ist der Logistiker mit einer Prämienzahlung einverstanden. Er hat somit einen Nettoaufwand! 

Ziel: Die in der Zukunft liegende Zahlung der Rechnung soll abgesichert werden. Es soll eine feste Kalkulationsbasis entstehen. Auch hier soll die Absicherung in Euro erfolgen.

Lösungsansatz: Der Logistiker erwirbt gegen eine einmalige Prämienzahlung einen asiatischen Long Call auf Diesel, dabei handelt es sich um ein so genanntes OTC-Termingeschäft.[1] Die Bank bezahlt am jeweiligen Feststellungstag durchschnittlich die Differenz zwischen variablem Preis und Basispreis, wobei der variable Kraftstoffpreis größer als der Basispreis ist. 

Im Detail: Der Käufer erwirbt gegen Zahlung einer Prämie (Optionsprämie) das Recht, eine bestimmte Menge an Diesel zu einem im Voraus festgelegten Preis (Basispreis) am Ende der Laufzeit zu kaufen. Er erhält jedoch keine physische Lieferung der Ware, sondern einen Barausgleich.

Somit hat er eine absolute Absicherung gegen steigende Dieselpreise erreicht. Sein Maximalrisiko ist auf die zu bezahlende Prämie begrenzt. Der variable Preis ergibt sich aus dem Durchschnitt der täglichen Preisfeststellungen während der Laufzeit der Option. Es findet eine Konvertierung von US-Dollar in Euro statt. Der Käufer der Option wird diese ausüben, wenn der Dieselpreis über dem Basispreis der Option notiert.


Und was verdient die Bank bei diesen Geschäften?

Natürlich will auch die Bank an solchen Geschäften etwas verdienen. Entweder sie verlangt ein so genanntes Strukturierungsentgeld, welches der Logistiker einmalig zu bezahlen hat und/oder die Bank zieht sich durch eine so genannte Innenmarge eine Provision aus dem Deal. Diese Marge wird direkt in das Termingeschäft eingerechnet.


Logistiker haben also die Möglichkeit, sich gegen steigende Dieselkraftstoffpreise abzusichern. Je nach Ausgangslage bietet sich die eine oder andere der vorgestellten Möglichkeit an. Durch sie erhält der Logistikdienstleister die Möglichkeit, die steigenden und volatilen Kraftstoffpreise genauer in seine Kalkulation abzubilden. Die erste vorgestellte Strategie ist ohne Liquiditätsaufwand realisierbar (hier werden nur Zahlungsströme ausgetaucht), jedoch werden nicht alle Kosten vollständig abgedeckt, die zweite geht mit einem Kapitalaufwand in Höhe der Optionsprämie einher, sichert allerdings alle Kosten ab.

 

Autor

Michael Bloss ist Wertpapierspezialist und Prokurist der Commerzbank AG und Direktor des Europäischen Instituts für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD). Gleichzeitig ist er Lehrbeauftragter im Masterstudiengang International Finance der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen. Sein Fachgebiet sind terminbörsengehandelte Derivate sowie deren Strategien. Er ist zudem Autor und Mitautor von diversen Publikationen zu terminbörsenrelevanten Themen.

 

Literatur

Michael Bloss, Dietmar Ernst, Joachim Häcker (2008): Derivatives. An authoritative guide to derivatives for financial intermediaries and investors, München.

Michael Bloss, Dietmar Ernst (2008): Derivate. Handbuch für Finanzintermediäre und Investoren, München.

 

Institut 

 
 

 

 


 

 

[1] OTC steht als Abkürzung für „over the counter" - also über den Tresen. Der OTC-Handel ist ein außerbörslicher Handel über Telefon oder elektronische Systeme. Auch wenn der OTC-Handel heute überwiegend über elektronische Systeme abgewickelt wird, wird im deutschen in diesem Zusammenhang auch oft synonym der Begriff Telefonhandel verwendet.

 

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