Betriebswirtschaftslehre
Input, Throughput, Output: Sie charakterisieren jede Produktion. Der Input wird ge- beziehungsweise verbraucht. Im Throughput wird der Input kombiniert und der Output stellt das Ergebnis dar. Er kann sowohl ein Auto als auch eine juristische Beratungsleistung sein. Ein Kaiserslauterer Professor erklärt fachkundig, was sich hinter diesen Begriffen im Detail verbirgt. Er thematisiert dabei auch die Frage, wie sich der Output von Dienstleistungen messen lässt.
Von Universitätsprofessor Dr. habil. Hans Corsten, Universität Kaiserslautern
Das Produktionssystem ist ein Subsystem der Unternehmung. Es weist eine spezifische Systemstruktur auf, die durch Art und Anzahl der in ihm enthaltenen Elemente und deren Beziehungen charakterisiert ist.
Das Subsystem „Produktion" steht dann mit anderen Subsystemen einer Unternehmung (beispielsweise Beschaffungs-, Absatz-, Personal-, Finanz- und Technologiesystem) sowie mit seiner relevanten Umwelt - über andere Subsysteme - das heißt indirekt, in vielfältigen Austauschbeziehungen.
So obliegt etwa der Beschaffung die Aufgabe, die für die Produktion erforderlichen Produktionsfaktoren zum richtigen Zeitpunkt in den erforderlichen Mengen und der entsprechenden Qualität zu geringen Kosten zu beschaffen. Die von der Produktion erstellten Güter werden dann durch das Subsystem Absatz am Absatzmarkt veräußert, wodurch der Unternehmung Finanzmittel zufließen. Auch wenn das Subsystem Produktion keine unmittelbaren Beziehungen zum Umfeld der Unternehmung hat, haben Veränderungen im Unternehmungsumfeld dennoch Auswirkungen auf dieses System. Dies lässt sich beispielhaft erläutern:
Beispiel 1: Kürzer werdende Produktlebenszyklen gehen etwa mit einem häufigeren Produktwechsel einher, die wiederum entsprechende Veränderungen im Produktionssystem bewirken können und die Zeit zur Produktionsoptimierung verkürzen.
Beispiel 2: Eine Nachfragedifferenzierung, die sich im Wunsch nach größerer Typen- und Variantenvielfalt zeigt, induziert zum Beispiel häufige Rüstvorgänge und einen höheren Planungs- und Steuerungsaufwand des Produktionssystems.
Beispiel 3: Technologische Entwicklungen wie etwa eine flexible Automatisierung, mit der eine lange Zeit existierende konfliktäre Beziehung zwischen Automatisierung und Flexibilität abgemildert wird, können nicht nur Auswirkungen auf das Spektrum der realisierbaren Produktionsaufgaben haben, sondern beeinflussen auch den Einsatz des Produktionsfaktors menschliche Arbeitsleistungen in der Produktion.
Generell lässt sich ein Produktionssystem durch die drei Elemente Input, Throughput und Output erfassen.
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Dieses Standardwerk beantwortet produktionswirtschaftliche Fragestellungen und führt in das industrielle Produktionsmanagement ein.
Hans Corsten
Produktionswirtschaft
Einführung in das industrielle Produktionsmanagement
11. Aufl., 2007, 647 S., gb., € 39,80, ISBN 978-3-486-58298-7
Reihe: Lehr- und Handbücher der Betriebswirtschaftslehre
Den Input eines Produktionssystems bilden die Produktionsfaktoren, worunter Güter zu verstehen sind, die im Produktionsprozess kombiniert werden, um andere Güter zu erstellen. Sie können im Rahmen ihrer Nutzung sowohl gebraucht (Potentialfaktoren) als auch verbraucht (Repetierfaktoren) werden. Eine Faktorsystematik, die für die Betriebswirtschaftslehre von zentraler Bedeutung ist, ist der Ansatz von Gutenberg (1979, S. 2 ff.), der die folgende Systematisierung vorschlägt:
Dieser Ansatz wurde im Laufe der Zeit vielfältigen Ergänzungen und Modifikationen unterzogen, wobei sich cum grano salis die drei folgenden Schwerpunkte herausstellen lassen:
Der Throughput oder Leistungserstellungs- oder Produktionsprozess kann als eine eindeutige Kombination von Produktionsfaktoren mit dem Ziel der Leistungserstellung verstanden werden, wobei sich die Prozesse wiederum in einzelne Arbeitsgänge zerlegen lassen. Abstrakt lässt sich eine Produktion durch den Vektor
beschreiben, der die Produktionsfaktoren (ri) mit den durch die einzelnen Aktivitäten bestimmten Ausbringungen (xi) zusammenfasst. Jeder Produktionsprozess basiert dabei auf einer Technologie (= Menge aller technisch möglichen Aktivitäten), deren effizienter Rand die Produktionsfunktion ist, die einen eindeutigen funktionalen Zusammenhang zwischen den erstellten Outputmengen xi und den eingesetzten Inputmengen ri erfasst und in impliziter Form lautet:
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In expliziter Form lassen sich dann unter Beachtung unterschiedlicher Aggregationsstufen spezielle Produktionsfunktionen formulieren:
Einer Produktionsfunktion liegt immer die Prämisse zugrunde, dass mit gegebener Inputmenge ein maximal möglicher Output oder mit gegebener Outputmenge ein minimaler Input verbunden ist, das heißt, die Produktionsfunktion erfasst die Menge aller effizienten Produktionspunkte.
Hinweis:
Der Begriff der Produktionsfunktion wurde bereits 1929 von Pareto verwendet.
Eine für die Betriebswirtschaftslehre zentrale Funktion ist die Produktionsfunktion vom Typ B nach Gutenberg (1979), die mittelbare und unmittelbare Input-Output-Beziehungen berücksichtigt:
Der Gesamtverbrauch für den Faktor i ergibt sich dann aus:

Aus produktionswirtschaftlicher Sicht kann der Output, das heißt das zu erstellende Produkt, als die final angestrebte Ausbringungsgröße der Produktion definiert werden. Werden absatzwirtschaftliche Überlegungen mit aufgenommen, dann kann das Produkt als Ausbringungsgut gekennzeichnet werden, das zur Bedürfnisbefriedigung Dritter geeignet ist. Dabei können Produkte sowohl materieller als auch immaterieller Natur sein oder als Mischform materielle und immaterielle Elemente umfassen. Während materielle Produkte durch Zählen, Messen etc. erfassbar sind, ist dies bei immateriellen Produkten, also Dienstleistungen, schwieriger.
Dies zeigt sich deutlich, wenn der Output eines Mediziners, eines Rechtsanwaltes oder eines Ausbilders gemessen werden soll. Derartige Leistungen lassen sich als Problemlösungen interpretieren. Auf dieser Basis lässt sich der Output dann wie in Abbildung 1 für eine (kardinalskalierte) Eigenschaft z visualisieren.
Während auf der Abszisse der Ist-Zustand der Eigenschaft z erfasst wird, gibt die Ordinate den Soll-Zustand wieder. Die 45°-Gerade bildet die vollkommene Lösung (Ist- = Soll-Zustand) ab. Mit dem TOLz-Bereich wird erfasst, dass der Nachfrager alle Lösungen akzeptiert, die in diesem Toleranzbereich liegen. Ein Problem P lässt sich dann durch einen Punkt mit den Koordinaten
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erfassen. Zur 45°-Linie besteht damit eine Diskrepanz wz, die außerhalb des Toleranzbereichs liegt. Durch die Erbringung einer Dienstleistung wird das ursprüngliche Problem P in ein modifiziertes Problem P' transformiert, das durch veränderte Ist- und/oder Soll-Zustände charakterisiert ist. P' ist dann eine Problemlösung, wenn die Diskrepanz wz innerhalb vom TOLz des Nachfragers liegt.
Die reale Veränderung und der Wunsch des Nachfragers
Änderungen des Ist-Zustandes zeigen sich dann in einer Änderung des realen Zustandes des externen Produktionsfaktors (zum Beispiel Behebung eines Defektes) oder der Wirkungen realer dienstleistungsexogener Prozesse (zum Beispiel Verzögerung von Alterungsprozessen).
Demgegenüber beziehen sich Änderungen des Soll-Zustandes auf Wunschvorstellungen des Nachfragers (zum Beispiel Änderungen unrealistischer Vorstellungen über einen anzustrebenden Gesundheitszustand oder über den zeitlichen Verlauf eines Gesundungsprozesses).
Auf dieser Grundlage kann der eigenschaftsbezogene Output oz durch einen Vergleich von ursprünglichem und modifiziertem Problem angegeben werden. Wird darüber hinaus zwischen intendierten und nichtintendierten Eigenschaftsänderungen unterschieden, dann kann der eigenschaftsbezogene Output
sein. Der Dienstleistungsoutput O ergibt sich dann aus der Gesamtbetrachtung der einzelnen eigenschaftsbezogenen Outputs.
Während Gutenberg und auch andere Vertreter der produktionstheoretischen Forschung ihre Aussagen auf die Sachgüterproduktion beschränkten und bei Dienstleistungen von Bereitstellungsleistungen sprach(en), kann es aktuell als herrschende Meinung gesehen werden, dass sich die Produktion sowohl auf materielle als auch auf immaterielle Güter bezieht. Vor diesem Hintergrund gibt es dann auch Bestrebungen, eine Erweiterung der Produktionstheorie zu formulieren, wobei die angeführten drei Elemente eines Produktionssystems zu berücksichtigen sind.
Dabei ist zunächst zu beachten, dass der Nachfrager als Koproduzent an der Erstellung beteiligt ist (externer Produktionsfaktor). Darüber hinaus sind Umweltwirkungen in ein allgemeines Modell zu integrieren. Damit ist die Grundaussage der Produktionstheorie, dass eine Produktion durch Gütereinsatz und -ausbringung Änderungen von Güterknappheiten in der Unternehmung bewirkt, in folgende Richtungen zu verallgemeinern:
Universitätsprofessor Dr. habil. Hans Corsten ist Inhaber des Lehrstuhls für Produktionswirtschaft an der Universität Kaiserslautern.
Beuermann, G.: Produktionsfaktoren, in: Handwörterbuch der Produktionswirtschaft, hrsg. v. W. Kern, H.-H. Schröder und J. Weber, 2. Aufl., Stuttgart 1996, Sp. 1494-1505
Corsten, H.: Produktionswirtschaft. Einführung in das industrielle Produktionsmanagement, 11. Aufl., München/Wien 2007
Corsten, H.; Gössinger, R.: Dienstleistungsmanagement, 5. Aufl., München/Wien 2007
Dyckhoff, H.: Grundzüge der Produktionswirtschaft. Einführung in die Theorie betrieblicher Wertschöpfung, 4. Aufl., Berlin et al. 2003
Gutenberg, E.: Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Bd. 1: Die Produktion, 23. Aufl., Berlin/Heidelberg/New York 1979
Kern, W.: Industrielle Produktionswirtschaft, 3. Aufl., Stuttgart 1980 (aktuell 5. Aufl., Stuttgart 1992)
Kilger, W.: Produktionsfaktor, in: Handwörterbuch der Betriebswirtschaft, hrsg. v. E. Grochla und W. Wittmann, 4. Aufl., Stuttgart 1974, Sp. 3097-3101
Vormbaum, H.: Die Produktionsfunktion in betriebswirtschaftlicher Sicht, in: Industrielle Produktion, hrsg. v. K. Agthe et al., Baden-Baden/Bad Homburg v.d.H. 1967, S. 53-63
Wittmann, W.: Betriebswirtschaftslehre, in: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften, hrsg. v. W. Albers et al., Bd. 1, Stuttgart et al. 1977, S. 584-609
Wöhe, G.: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 11. Aufl., München 1973 (aktuell 23. Aufl., München 2008)