Volkswirtschaftslehre
Immer wieder wird über die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen im Zusammenhang mit Lohn- und Gehaltsforderungen der abhängig Beschäftigten und ihren Gewerkschaften polemisiert. Zu hohe Arbeitskosten seien Gift für Wachstum und Beschäftigung und sie würden dem Wirtschaftsstandort Deutschland und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit nur schaden. Kann man seriöserweise so einseitig argumentieren?
Die Antwort gibt Professor Dr. rer. pol. Heinz-J. Bontrup, Fachhochschule Gelsenkirchen
Welche Bedeutung haben eigentlich Arbeitskosten? Die Antwort auf diese Frage fällt je nach Befragtem ganz unterschiedlich aus: Aus Sicht des Unternehmers mindern Arbeitkosten den Gewinn. Er möchte sie deshalb minimieren. Für den Beschäftigten stellen sie hingegen Einkommen und Lebensgrundlage zugleich dar.
Senkt ein Unternehmer die Löhne, dann hat dies Auswirkungen auf die Lebenssituation des Beschäftigten. Volkswirtschaftlich gesehen erhält er dann - ceteris paribus - von der arbeitsteilig generierten Wertschöpfung in Relation zum Mehrwert, zum Beispiel in Form des Gewinns, weniger. Er kann in der Folge weniger konsumieren, was wiederum auch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage mindert. Im Gegenzug steigt der Mehrwert für den Unternehmer: Dieser kann mehr investieren.
Das ist zumindest die Denkweise der Neoklassiker und der Neoliberalen unter den Ökonomen. Dabei lassen sie allerdings eine Frage unbeantwortet: Warum soll ein Unternehmer mehr investieren und von seinem „Investitionsmonopol" (Erich Preiser) Gebrauch machen, wenn er letztendlich weniger verkaufen kann?
Richtig und ökonomisch rationaler wäre es doch, wenn die realen Arbeitseinkommen und der Mehrwert im Gleichschritt mit der Produktivität wachsen. Dann läge in einer Volkswirtschaft eine produktivitätsorientierte und eine verteilungsneutrale Lohnpolitik vor.
Die aufgrund der erhöhten Investitionstätigkeit mehr geschaffenen Produkte würden - bei einer unterstellten gesamtwirtschaftlichen marginalen Sparquote von Null - vollständig absorbiert und entweder durch das zusätzliche Arbeitseinkommen konsumiert oder durch den zusätzlichen Mehrwert investiert.
Arbeitskosten[1] haben im Lohn- und Gewinnverhältnis einen Doppelcharakter. Dahinter verbirgt sich aber nicht nur die Einkommensfrage des abhängig Beschäftigen und damit die Verteilungsfrage. Hinter Arbeitskosten steht mehr, nämlich Leistung und letztendlich auch Produktivität.
Die absoluten Arbeitskosten sind also in Form von Lohnstückkosten[2] zu relativieren. Wer dagegen absolute Arbeitskosten oder auch Arbeitskosten pro Stunde oder je Arbeitnehmer ohne die Bezugsgröße Leistung (Produktivität) vergleicht, macht lediglich eine ökonomische „Leeraussage" ohne jede Bedeutung. Soll außerdem die Leistung (Produktivität) der abhängig Beschäftigten maximiert werden, so müssen die Beschäftigten auf Grund des ökonomisch immer unvollkommenen Arbeitsvertrages motiviert werden.
Hier ist besonders das Arbeitsentgelt bei sich wiederholender, also repetitiver Arbeit ein bedeutender extrinsischer Faktor. Lohnkürzungen finden hier ihre natürliche ökonomische Grenze.
Mit den Lohnstückkosten wird der Zusammenhang zu den Stückgewinnen und damit zu den Preisen deutlich. Dies wird geflissentlich von Vertretern der neoliberalen Denkweise übersehen, um von der wahren Ursache von Preissteigerungen und eine damit womöglich verbundene schlechtere internationale Wettbewerbsfähigkeit abzulenken. So könnten sogar sinkende Preise mit steigenden Lohnstückkosten einhergehen. Dazu müssten dann nur die Stückgewinne abnehmen. Die Stückgewinne entstammen nämlich der nominalen, das heißt der mit Preisen versehenen, Produktion.
Steigen die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen schneller als die mengenmäßige Produktion, dann sind die Stückgewinne entweder deshalb gestiegen, weil die Preise erhöht wurden oder weil die nominalen Lohnstückkosten gesunken sind und nicht die Preise entsprechend fielen. Deshalb muss immer, will man Erkenntnisse über die Einkommensverteilung erhalten, die Entwicklung von Reallohn zur Produktivität (reale Lohnstückkosten) in Beziehung gesetzt werden.
Die Preise werden aber ausschließlich von den Unternehmern gesetzt. Dies geschieht insbesondere in Märken oligopolistischer und monopolistischer Konkurrenz. Durch Lohnpolitik kann so kaum eine Eindämmung der Gewinnmargen (Stückgewinne) und damit eine Einkommensumverteilung für die Beschäftigten erreicht werden. Vielmehr erhöhen die Unternehmer die Preise und damit ihre Stückgewinne zu Lasten der Produktionsmengen und der Beschäftigung.
Die Folge: Rekordgewinne bei gleichzeitigem Produktions- und Beschäftigungsrückgang.
Letztlich ein Ergebnis immer mehr konzentrierter und mit Unternehmensmacht ausgestatteter Märkte. Empirisch lässt sich zeigen, dass in Deutschland von 1980 bis 2006 die Stückgewinne um 125,5 v.H. deutlich stärker gestiegen sind als die Lohnstückkosten um 40,9 v.H. In der Konsequenz haben die Stückgewinnsteigerungen wesentlich mehr zu den Preissteigerungen beigetragen als die Lohnstückkosten.
Deshalb kann sich auch das gesamtwirtschaftliche Lohnstückosten-Niveau in Deutschland im Kontext einer internationalen Wettbewerbsfähigkeit durchaus sehen lassen, wie die Tabelle 1 zeigt. Die großen Weltmarktkonkurrenten USA, Japan, Frankreich, Großbritannien und der Durchschnitt der EU15-Länder haben im Vergleich ein höheres Niveau. Nur Italien liegt vom Lohnstückkostenniveau unterhalb von Deutschland. Bei den Steigerungsraten der realen Lohnstückkosten, die die Verteilung der Wertschöpfung zwischen Kapital und Arbeit zeigen, liegen Großbritannien, die EU15 im Durchschnitt und das Deflationsland Japan vor Deutschland. Hier zeigt sich, dass es in allen Ländern eine Umverteilung zu Lasten der abhängig Beschäftigten gegeben hat. Sinken nämlich die realen Lohnstückkosten, dann ist auch die reale Einkommensentwicklung der abhängig Beschäftigten hinter der Produktivität zurückgeblieben. Diese Umverteilung führte insbesondere in Deutschland zur Schwäche der Binnennachfrage.
Bedeutung der Wechselkurse
„Wenn die Wechselkurse nicht mehr die wirtschaftlichen Niveaus verschiedener Länder ausgleichen, dann erhalten die Lohn- und anderen Arbeitskosten eine Art ‘Schleusenfunktion'. Die Gewerkschaften werden in die Rolle eines ‘Schleusenwärters' gedrängt, (mit) verantwortlich nicht nur für das ‘wirtschaftliche Wohlergehen' im nationalen Raum, sondern auch für das reibungslose Funktionieren des europäischen Binnenmarktprojekts. (...) Europaweite, ja globale Mobilität des Geldkapitals der Unternehmen und Banken, Unterschiede der Produktivitätsniveaus und Standortkonkurrenz mit Lohnkosten - das kann im ökonomischen Modell funktionieren, nicht aber in der europäischen Realität. Die Vorstellungen zur Lohnflexibilisierung, um Produktivitätsniveaus auszugleichen, nachdem Wechselkursbewegungen neutralisiert worden sind, untergraben einen in Jahrzehnten entstandenen industrie- und sozialpolitischen Konsens" (Altvater, E., Mahnkopf, B., Tarifautonomie gegen ökonomische Sachzwänge im vereinigten Europa, in: WSI-Mitteilungen Heft 8/1993, S. 506).
Zweifelsohne sind die Lohnstückkosten und deren absolute Höhe sowie die Veränderungen wichtige ökonomische Größen. Genauso wichtig im internationalen Wettbewerb ist aber in Ergänzung die Auf- oder Abwertung des Wechselkurses. Diese unterliegt grundsätzlich drei Wirkungsmechanismen. Erstens der Inflation. Zweitens dem Zinsniveau und drittens der Produktivität. Die Inflation bestimmt den realen Wechselkurs. Dieser Tatbestand wird in der Wirtschaftswissenschaft durch die so genannte Kaufkraftparitätentheorie beschrieben.
Diese besagt, dass sich der reale Wechselkurs genau um die Inflationsratendifferenz zweier Länder verändert. Steigt das Preisniveau des Auslandes, so nimmt auch der reale Wechselkurs ceteris paribus - bei Konstanz des inländischen Preisniveaus - zu. Kommt es zu einer solchen Erhöhung des realen Wechselkurses durch eine Inflationsratenerhöhung im Ausland, zum Beispiel in den USA, und damit zu einer Aufwertung der ausländischen Währung (USD) gegenüber dem Euro, so sinkt die Wettbewerbsfähigkeit des Auslandes (USA) gegenüber dem Inland (zum Beispiel Deutschland als Mitglied der Europäischen Union).
Die Exportfähigkeit des Inlandes wird dadurch gesteigert. Auf der anderen Seite verteuern sich durch die Aufwertung der Auslandswährung die Importe, wobei die Veränderung des Importwertes (Menge mal Preis) zusätzlich von der Elastizität der inländischen Importnachfrage abhängig ist. Hierdurch entsteht die Gefahr einer importierten Inflation im Inland. Um durch die Aufwertung des USD den Wettbewerbsnachteil der USA auszugleichen, der u.a. zu Lasten amerikanischer Arbeitsplätze geht, kann die USA aufgrund einer eigenen Währung diese gegenüber der stabileren Währung, hier dem Euro, abwerten. Ähnlich wie bei der Kaufkraftparität verhält es sich bei der Zinsparität. Diese besagt, dass der Wechselkurs auch durch Zinsdifferenzen zwischen zwei Ländern determiniert wird. Kommt es zu Zinssatzsteigerungen im Ausland gegenüber dem Inland, dann fließt Kapital ins Ausland ab und es kommt zu einer Abwertung der heimischen Währung, d.h. der Wechselkurs sinkt, was den Export fördert und den Import hemmt. Im umgekehrten Fall von Zinssenkungen kommt es zu einer Aufwertung und der Wechselkurs steigt. Hier sind entsprechend negative Wirkungen auf den Export, aber auch positive auf den Import, zu erwarten.
Von Auf- oder Abwertungen ist in der Vergangenheit in erheblichem Umfang Gebrauch gemacht worden. Dies zeigt ein Vergleich der Entwicklung der Lohnstückkosten in nationaler Währung mit der auf Euro beziehungsweise ECU-Basis. In den achtziger Jahren (und Subperioden) wird die Streuung der Lohnstückkostenentwicklung zwischen den Ländern der Europäischen Gemeinschaft durch Wechselkursänderungen nahezu halbiert. Die Länder mit den stärksten Wechselkursanpassungen im Sinne einer Abwertung ihrer Währung gegenüber dem ECU waren Griechenland und Portugal, gefolgt - allerdings mit sehr großem Abstand - von Italien und Spanien. Dies zeugte insgesamt von einer großen realökonomischen Divergenz der Länder. Das währungspolitische Kompensationsinstrument der Ab- oder Aufwertung ist in der Europäischen Währungsunion nach Einführung des Euros aber nicht mehr vorhanden. Dadurch werden die Länder mit hohen Preissteigerungsraten zu einer Kosten- und letztlich Lohndisziplin gezwungen.
Genau dies ist im Rückblick eingetreten. Die Neutralisierung der Wechselkurse hat in Verbindung mit der Europäischen Wirtschaftsunion - mit der Öffnung der Märkte - die direkte Wettbewerbsintensität in Form eines Preis- und Lohnwettbewerbs in Europa erhöht. Die „Produktivitätspeitsche" wirkte. Am bedrohlichsten wurde oder ist die Abschaffung der eigenen Währung für die Länder in einer Wirtschafts- und Währungsunion, die nur über geringe Innovations- und Produktivitätspotenziale verfügen. In solchen Ländern liegen in der Regel bei der Produktion von Gütern hohe Stückkosten vor, die in entsprechenden Preisen an der Wettbewerbsfähigkeit kratzen. Länder mit einem hohen Forschungs- und Innovationspotential - wie Deutschland - müssen sich dagegen diese Sorgen nicht machen. Deutsche Unternehmen liefern eine hohe Produktqualität. Außerdem spielen im internationalen Wettbewerb die Lieferzuverlässigkeit sowie die Finanzierungsmöglichkeiten beim Kauf der Produkte eine wesentliche Rolle. Darüber hinaus ist wichtig, ob die Exporteure in den Importländern im Markt insgesamt penetriert sind und beispielsweise eigene Produktionsstätten unterhalten.
Wie erfolgreich Deutschland hier im internationalen Wettbewerb ist, zeigen überdeutlich die außenwirtschaftlichen Erfolge. Kein anderes Land der Erde erzielt absolut und relativ (bezogen auf die Bevölkerungszahl) einen so großen Außenbeitrag[3]. Im Jahr 2007 lag dieser bei 168,1 Mrd. EUR. Mittlerweise liegt der Anteil der Exporte am deutschen Bruttoinlandprodukt bei 47 v.H. Im Jahr 1960 lag der Anteil noch bei 19 v.H. Die andauernden Exportüberschüsse sind jedoch andererseits einer der Gründe für das Entstehen globaler wirtschaftlicher Ungleichgewichte. Exportüberschüsse ziehen Defizite in anderen Ländern nach sich, allen voran in den USA. Der sinkende Dollarkurs ist unter anderem darauf zurückzuführen. Und die Außenhandelsüberschüsse werden um den Preis einer in den Ländern vollzogenen Umverteilung zu Gunsten des Kapitals, insbesondere der hier exportierenden Unternehmen, und einer daraus folgenden stagnierenden Binnennachfrage teuer erkauft. Die gesamtwirtschaftlichen Lohnquoten gingen in allen Europäischen-Euro-Ländern mehr oder weniger zurück, aber auch in den USA und Japan. In Deutschland stürzte die Lohnquote zwischen 2000 und 2007 von 72,2 v.H. auf 64,6 v.H. geradezu ab.
Die Arbeitseinkommen gingen auch real zurück. Hingegen boomen der Niedriglohnsektor und Leiharbeit. Statt Vollbeschäftigung ist immer mehr prekäre Beschäftigung in den Nationalstaaten zu beklagen. So entsteht schließlich kontraproduktives Lohndumping, noch angeheizt durch die Politik, die alles daran setzt, um die so genannten gesetzlichen Lohnnebenkosten zu senken. Man will dadurch die heimischen Unternehmen im Kampf um Weltmarktanteile unterstützen. Da aber auf der anderen Seite durch die Umverteilung von unten nach oben immer mehr Binnennachfrage ausfällt - auch durch eine nicht für nötig erachtete konsequente Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit - zum Beispiel durch eine kollektive Arbeitszeitverkürzung - und zusätzlich noch in vielen Bereichen relative Marktsättigungstendenzen auftreten, können selbst die großen Unternehmen ohne aggressive Außenexpansion ihre maximalen Profitraten nicht realisieren. Außerdem wollen die marktmächtigen Unternehmen - haben sie einmal den Wettbewerb durch Konzentrationen und Fusionen weitgehend ausgeschaltet - zur Stützung der Binnennachfrage nicht die Produktivitätsgewinne durch Preissenkungen an die Nachfrager weitergeben. Jörg Huffschmid bringt diesen Zusammenhang auf den Punkt, wenn er schreibt:
„Unternehmen versuchen ihre Gewinne durch Produktivitätssteigerungen und Lohn- und Sozialkostensenkungen zu erhöhen, die sie nicht in Preissenkungen weitergeben. Dies gelingt ihnen umso eher, je größer ihre Marktmacht ist. Bei steigender Oligopolisierung und Vermachtung der inländischen Märkte entsteht auf diese Weise jedoch ein Nachfrageproblem, das die Umsetzung sinkender Kosten in steigende Profite gefährdet: Die aus den - zurückbleibenden - Löhnen finanzierte Endnachfrage reicht nicht aus, die gestiegene Produktionsmenge zu unveränderten Preisen zu kaufen. Wenn die staatliche Nachfrage nicht steigt - ohne über Steuern aus den Löhnen finanziert zu werden -, entsteht eine binnenwirtschaftliche Endnachfragelücke, die nur begrenzt und zeitweise durch Verkäufe zwischen Unternehmen überbrückt werden kann. Die Lösung für dieses Problem liegt in der internationalen Expansion, also im Verkauf der Waren im Ausland, für die im Inland nicht genügend Nachfrage vorhanden ist. Das ist die Grundlage für die Internationalisierungsstrategie der Unternehmen. Die Lösung hat eine gewisse Eleganz für sich, denn sie bringt zwei sich im Inland widersprechende Ziele - Kostensenkung und Nachfragesteigerung - miteinander in Einklang. Produktivitätssteigerungen sowie Abbau von Löhnen und Sozialleistungen führen zu Kostensenkungen und potentieller Erhöhung der Profitspannen. Der durch die gleichen Maßnahmen bewirkte Ausfall an inländischer Endnachfrage wird durch die zusätzliche Auslandsnachfrage ausgeglichen. Das führt dazu, daß die durch die Kostensenkungen möglich gewordenen Profite auch tatsächlich erzielt werden. Der Doppelcharakter der Löhne als Kostenfaktor (der möglichst gering gehalten werden muß) und als wichtigstes Nachfrageaggregat (das möglichst groß sein soll) wird aufgelöst. Für das exportierende Unternehmen sind Löhne nur noch Kosten, die mit allen Mitteln zu drücken sind" (Huffschmid, J., Kein Ausweg aus der Weltmarktfalle?, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 6/1994, S. 734f).
In dieser Unternehmenspolitik ist aber ein nicht unbeträchtliches ökonomisches und auch politisches Gefährdungspotential enthalten. Der bekannte Soziologe und Philosoph Jürgen Habermas schreibt deshalb zu Recht im Hinblick auf Globalisierung und Liberalisierung, die zu einer „Verdrängung der Politik durch den Markt" und damit zu einer Unternehmerdominanz geführt hat, dass auch der Nationalstaat in seiner Fähigkeit, Steuerressourcen auszuschöpfen, Wachstum zu stimulieren und damit wesentliche Grundlagen seiner Legitimität zu sichern, geschwächt wurde. „Für diese Defizite entstehen auch auf supranationaler Ebene (wie zum Beispiel der EU, d.V.) zunächst keine funktionalen Äquivalente. Vielmehr lassen sich die nationalen Regierungen in einen kostensenkenden Deregulierungswettlauf verstricken, der zu obszönen Gewinnspannen und drastischen Einkommensdisparitäten, zu steigender Arbeitslosigkeit und zur sozialen Marginalisierung einer wachsenden Armutsbevölkerung führt" (Habermas, J., Die postnationale Konstellation und die Zukunft der Demokratie, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 7/1998, S. 811).
Betrachtet man die Daten der volkswirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland stellt man fest, dass exakt diese negativen Ergebnisse einer unheilvollen neoliberal intendierten Globalisierung eingetreten sind. Die herrschende Politik hat dies zu verantworten. Sie hat diese Art der Globalisierung eingeleitet und betreibt sie munter weiter.
Prof. Dr. Heinz-J. Bontrup, Dipl.-Ökonom, Dipl.-Betriebswirt ist Professor an der FH Gelsenkirchen, Abteilung Recklinghausen, Fachbereich Wirtschaftsrecht. Sein Lehrgebiet ist Betriebswirtschaftslehre mit volkswirtschaftlichen Bezügen, insbesondere Arbeitsökonomik.
[1] Arbeitskosten beinhalten das direkte Arbeitsentgelt und die so genannten gesetzlichen, tariflichen und freiwillig von Unternehmern gewährten Lohnnebenkosten. Die neusten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen hier: Unter den 27 EU-Ländern belegte Deutschland bei den Lohnnebenkosten im Jahr 2007 lediglich den Rang 14. Auf 100 € Bruttolohn kamen 32 € Lohnnebenkosten. Der Durchschnitt aller EU-Länder lag bei 36 €.
[2] Arbeitskosten je Arbeitnehmer(stunde) dividiert durch die Produktion je Arbeitnehmer(stunde).
[3] Exporte abzüglich Importe.