Titelthema
Ein Geschäftsführer kann nur mit Hilfe des Controllings die wirtschaftliche Lage seines Unternehmens zutreffend beurteilen. Der Controller ist für ihn daher ein unverzichtbarer Informationslieferant. Er hilft einerseits dabei, Informationsasymmetrien zwischen Abteilungen und Management abzubauen und andererseits Entscheidungen der Geschäftsführung sinnvoll vorzubereiten. Unser Controlling-Profi aus Osnabrück erklärt im Detail, welche Servicefunktion das Controlling innehat.
Von Professor Dr. Wolfgang Ossadnik, Universität Osnabrück
Das Controlling hat Koordinations- und Serviceaufgaben im Bereich segmentierter Führungssysteme zu erfüllen. Koordinationsaufgaben ergeben sich aufgrund vielfältiger Interdependenzen zwischen dezentralen Einheiten eines Unternehmens mit abgegrenzten Entscheidungsfreiräumen.[1]
Servicefunktionen[2] erfüllt das Controlling demgegenüber dadurch, dass es dem Management Methoden der Entscheidungsfindung sowie die zu ihrer Anwendung notwendigen Informationen bereitstellt und damit eine Entscheidungsunterstützungs- und eine Informationsversorgungsaufgabe (vgl. Abb. 1) wahrnimmt.[3]

Die Entscheidungsunterstützungsaufgabe verlangt im Wesentlichen die Bereitstellung eines adäquaten Entscheidungsmodells sowie dessen Versorgung mit den notwendigen Informationen mit Hilfe eines geeigneten implementierten entscheidungsorientierten Informationsversorgungssystems (vgl. Abb. 2).[4] Auf dieser Basis können Ergebniskonsequenzen von Handlungsalternativen präferenzgerecht repräsentiert und bewertet werden.

Demgegenüber verlangt die Informationsversorgungsaufgabe des Controllings, dass dieses Standards für die Entwicklung eines Informationsversorgungssystems vorgibt und dessen Weiterentwicklung nach Implementierung anregt.[5]
Unter Informationsversorgungssystemen sind Beziehungsgefüge zu verstehen, die die Zwecksetzungen der Informationsversorgung, die Aktionsträger der Informationsprozesse, den Dateninput, die Informationsprozesse und den Informationsoutput in eine geeignete Beziehung zueinander bringen.[6]
Dabei müssen Daten sowie informationsverarbeitende technische Anlagen und Methoden so miteinander verknüpft sein, dass der Informationsbedarf der Benutzer gedeckt wird.[7]
Das Informationsversorgungssystem soll die Asymmetrie der Informationsverteilungen in dezentralen Organisationsstrukturen zugunsten der Unternehmensleitung abmildern. Mit Hilfe eines solchen Systems hat das Controlling dem Management die von ihm benötigten führungsrelevanten Informationen am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt in zweckspezifischer Verdichtung bereitzustellen.
Aus strategischer Sicht sind zum Beispiel in Kenntnis der kritischen Erfolgsfaktoren eines Unternehmens Frühwarninformationen von Bedeutung, die strategisch bedeutsame Veränderungen in der Umwelt und im Unternehmen mit zeitlichem Vorlauf signalisieren.
Auf operativer Ebene sind dagegen einperiodige Systeme der Unternehmensrechnung der Hauptlieferant von Führungsinformationen.
Die Schnittstelle zwischen dem Informationsversorgungssystem und den anderen Führungsteilsystemen bildet das Berichtswesen. Hierbei wird sinnvoller Weise zwischen einem Berichtswesen im engeren und im weiteren Sinne unterschieden. Das Berichtswesen im weiteren Sinne umfasst das gesamte Informationssystem des Unternehmens.[8]
Unter dem Berichtswesen im engeren Sinne wird dagegen lediglich die Weiterleitung führungsrelevanter Informationen innerhalb des Unternehmens zur Unterstützung der ergebniszielorientierten Planung und Kontrolle verstanden[9] (vgl. Abb. 3)[10].

Bei der Erstellung der Berichte sind die relevanten Informationen auszuwählen und in geeigneter Form zu verdichten sowie darzustellen. Hierbei stellt eine an den Bedürfnissen der Empfänger ausgerichtete Verdichtung der Daten das Hauptproblem dar.[11] Dabei sollten den Ist-Werten Plan-Werte, Werte der Vergangenheit, Abweichungen, Trends und Prognosen sowie Kennzahlen gegenübergestellt werden.
Professor Dr. Wolfgang Ossadnik ist Leiter des Fachgebiets Rechnungswesen und Controlling (Managerial Accounting) an der Universität Osnabrück.
Berthel, J. (1975): Betriebliche Informationssysteme, Stuttgart.
Blohm, H. (1982): Berichtswesen betriebliches, in: Management-Enzyklopädie, Bd. 1, 2. Aufl., München, S. 866-876.
Erbslöh, D./Heyd, R. (2000): Berichtswesen und Informationsmanagement einschließlich angewandter Datenverarbeitung, in: Steinmüller, H. (Hrsg.): Die neue Schule des Controllers, Bd. 3, Stuttgart, S. 237-435.
Horváth, P. (2006): Controlling, 10. Aufl., München.
Koreimann, D. (1976): Methoden der Informationsbedarfsanalyse, Berlin u.a.
Ossadnik, W. (2009): Controlling, 4. Aufl., München
Wall, F. (2007): Organisation und IT-Unterstützung von Controllingprozessen, in: Controlling, Jg. 19, S. 483-490.
Weber, J./Schäffer, U. (2006): Einführung in das Controlling, 11. Aufl., Stuttgart.
[1] Vgl. dazu Ossadnik (2009), S. 43-45.
[2] Vgl. Ossadnik (2009), S. 42.
[3] Vgl. zum Nachfolgenden Ossadnik (2009), S. 42-51.
[4] Ossadnik (2009), S. 42.
[5] Vgl. Wall (2007), S. 483-487.
[6] Vgl. Berthel (1975), S. 17.
[7] Vgl. dazu Koreimann (1976).
[8] Vgl. Blohm (1982), S. 866.
[9] Vgl. Horváth (2006), S. 583; Weber/Schäffer (2006), S. 211.
[10] Ossadnik (2009), S. 47
[11] Vgl. dazu auch Erbslöh/Heyd (2000), S. 380-397.