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Titelbild zum Beitrag: Heute schon an morgen denken
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Heute schon an morgen denken

Private Altersvorsorge: Formen und goldene Regeln

Heute ist es mehr denn je wichtig, bereits an morgen zu denken. Denn die meisten Berufsanfänger können heutzutage nicht mehr im Alter auf eine satte staatliche Rente setzen. Um im Rentenalter nicht im Regen zu stehen, müssen sie bereits frühzeitig selbst vorsorgen. Dabei haben sie die Qual der Wahl. Ein Münchner Professor hilft dabei, im Dschungel von Riester- und Rüruprente sowie Aktien-, Renten- und Immobilienfonds nicht den Durchblick zu verlieren. Er zeigt auch auf, dass ein möglichst früher Beginn der privaten Altersvorsorge lohnt. 

Von Professor Dr. Josef Dinauer, Hochschule München

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Seminare über Private Altersvorsorge (PAV) werden von Studierenden im betriebswirtschaftlichen Hauptstudium an der Hochschule München gerne besucht. Offenbar besteht insbesondere bei angehenden Betriebswirten eine gewisse Sensibilität für die hohe Dringlichkeit dieses Themas. Zu Recht, denn gerade die Generation der gegenwärtigen Studienabgänger sollte sich frühzeitig mit der PAV auseinandersetzen.

Natürlich soll ein Studienabgänger darüber hinaus nicht das Leben vergessen. Es geht folglich in Ordnung, die ersten drei Gehälter nach dem Studium für mehr oder weniger Nützliches zu verprassen. Danach sollte allerdings ans Alter gedacht werden und konsequent Wert auf eine finanziellen Absicherung und Vorsorge im Alter gelegt werden. Vorurteilen, wie etwa

  • die PAV hat noch Zeit, da bis zum geplanten Renteneintritt noch 35, 40 oder mehr Jahre ins Land ziehen werden oder
  • vom Anfangsgehalt bei Berufseintritt kann sowieso nur ein (zu) kleiner Betrag für die PAV entbehrt werden, dass es nicht lohnt

sollte im Rahmen dessen nicht zu viel Gewicht gegeben werden. Denn beides sind klare Fehleinschätzungen und sollten keinesfalls das Nichtstun in Sachen PAV legitimieren. 

Umso früher, umso besser

Die folgende Tabelle 1 zeigt, wie ernst der Zeitfaktor beim Sparen fürs Alter zu nehmen ist und welches Vermögen selbst mit kleinen monatlichen Beträgen über einen Zeitraum von 20, 30 oder 40 Jahren erspart werden kann.

 

Die Tabelle zeigt eindrucksvoll, dass der Sparbeginn eines 25-Jährigen bei 4 Prozent Verzinsung zu einem Endkapital führt, das knapp vierfach höher ist als das Ergebnis eines Vorsorgesparers, dem nur die halbe Zeit zur Verfügung steht. Bei einer doppelt so hohen Rendite (8 Prozent) beträgt das Endkapital des Frühstarters fast sechsmal so viel wie das des spät berufenen privaten Rentenvorsorgers, dem lediglich 20 Jahre Zeit zum Sparen für das Alter bleiben.

Knackpunkt Rendite

Aber auch ein anderer Blickwinkel ist interessant: Um über einen gleich hohen Vermögenswert zu Beginn des Ruhestands mit 65 Jahren von beispielsweise 250.000 Euro zu verfügen, müssen bei alternativen Anlagezeiträumen und Renditen nachstehende Monatsbeiträge auf die hohe Kante gelegt werden:

 

Auch diese Berechnung zeigt eindringlich die Bedeutung des Faktors Zeit. Allein bei 4 Prozent Jahresrendite muss der Spätzünder monatlich mehr als dreimal so viel sparen wie derjenige, der eine doppelt so lange Anspardauer vorweisen kann. Käme noch die „richtige" Anlageform hinzu, die eine Rendite von 8 Prozent erzielt, müsste der junge Sparer nicht nur absolut weniger zur Seite legen als bei 4 Prozent Verzinsung (rund ein Drittel), sondern er würde im Vergleich zum Spätanleger nur rund ein Sechstel von dessen Sparleistung aufwenden.

Die Rente nie aus den Augen verlieren

Also auch mit kleinen Beiträgen kann über die Zeit gesehen durchaus viel erreicht werden. Oft wird verkannt, dass die PAV ein permanent revolvierender Prozess ist. Mindestens einmal jährlich sollte der Sparer eine Überprüfung der Vermögensanlage(n) im Sinne einer Inventur oder Inspektion vornehmen, die gegebenenfalls auch zu einer (Neu-)Ausrichtung der so genannten „Asset Allokation" führt.


Auto sticht Rente

Es mutet bedenklich an, dass ein deutscher Verbraucher durchschnittlich über 40 Stunden für den Kauf eines PKW aufwendet, er setzt allerdings für die Strukturierung seines Altersvermögens lediglich weniger als ein Viertel dieses Zeitaufwands ein.


Doch wie ist die PAV-Maßnahmenplanung nun konkret anzugehen? Im Rahmen eines Financial Planning-Ansatzes (umfassendes und ganzheitliches Beratungskonzept als Grundlage zur Planung und Sicherung der PAV) muss zu Beginn ein Vorsorgemanagement für die Erwerbsphase des Anlegers realisiert werden. Denn es nützt nichts, fürs Alter finanziell vorzusorgen und auf dem Weg dorthin Versorgungslücken zu riskieren, die den Eintritt in einen finanziell gesicherten Ruhestand verhindern. Ein solches Vorsorgemanagement für die aktive Erwerbsphase umfasst in erster Linie den Produktbereich der Assekuranz mit den Themen

  • Berufsunfähigkeit (BU),
  • Erwerbsunfähigkeit und
  • Dread-Disease-Schutz (Ergänzung zur BU, bei der Leistungen bei bestimmten, vorher definierten Erkrankungen erbracht werden) sowie
  • Privathaftpflichtversicherung (zum Schutz des Vermögens bei Regressansprüchen Dritter).

Erst das Leben, dann das Alter sichern

Ein Berufsstarter sollte rund 8 Prozent seines Bruttoeinkommens von Beginn an für Vorsorgemaßnahmen reservieren. Eine private BU-Versicherung leistet im Falle der Invalidität eine Grundversorgung bis zum 65. Lebensjahr. Diese ist mehr als notwendig, da sich der Staat für die nach dem 1. Januar 1961 Geborenen quasi aus der Rentenzahlung (BU-Rente oder Erwerbsunfähigkeitsrente) verabschiedet hat und nur noch Erwerbsminderungsrente bei voller Erwerbsminderung bezahlt. Diese ist erst dann gegeben, wenn der gesetzlich Rentenversicherte wegen Krankheit oder Behinderung am Tag nicht mehr als drei Stunden arbeiten kann.

Im Ergebnis leistet die volle Erwerbsminderungsrente nur rund 30 Prozent des Bruttoeinkommens des Betroffenen, was die Notwendigkeit der privaten, ergänzenden Vorsorgemaßnahme unterstreicht. Im Rahmen dessen eine wichtige Anmerkung für Berufseinsteiger: eine Wartezeit von mindestens 60 Beitragsmonaten in der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) muss erfüllt sein.

Vorsicht vor Kombi-Produkten

Aus Budgetgründen sowie sachlichen Überlegungen sollte der Berufsanfänger die BU-Versicherung als selbstständiges Versicherungsprodukt und nicht als Kombiprodukt mit einer Kapital bildenden oder Rentenversicherung abschließen, zumal Paketlösungen im Regelfall teurer sind als die einzelnen Bausteine.

Anders ist die Situation zu werten, wenn der Vorsorgesparer den Absicherungsvorgang für die Erwerbsphase mit dem für die Altersvorsorge kombiniert. In diesem Fall bietet sich eine klassische Rentenversicherung mit Beitragsbefreiung und Rente bei BU an (von der Empfehlung einer Basisrente mit entsprechenden Zusatzbausteinen wird Abstand genommen, da diese Variante bei Eintritt der BU mit steuerlichen Nachteilen verbunden ist[1]).

Neben der privaten Rentenversicherung stehen dem Vorsorgesparer - nachdem er die Erwerbsphase abgesichert hat - die verschiedenen Produkte des Finanzanlage- und Versicherungsmarkts zur Auswahl.


Relevanz der Unfallversicherung

Warum fehlt in dieser Auflistung die Unfallversicherung (UV)? Diese kommt nur für die Folgen eines Unfalls auf. Unfälle sind aber lediglich zu 11 Prozent im statistischen Durchschnitt ursächlich für eine daraus resultierende BU. Ein zweiter Grund für die Nichtberücksichtigung der UV ist die Begrenztheit der verfügbaren Mittel.


Die richtige Anlage fürs Alter

Als geeignete Produkte oder Assetklassen kommen für die PAV grundsätzlich die folgenden Anlagen in Betracht:

  • Aktien (Direktanlage über Selbststeuerung oder Vollmachtsdepot beziehungsweise indirekt über Fonds),
  • Festverzinsliche Wertpapiere (direkt oder über Rentenfonds)
  • Immobilien (physisch oder indirekt als Finanzprodukte wie Immobilienfonds, Immobilienaktien oder REITs) und
  • Kapital bildende Lebensversicherungen oder Rentenversicherungen

Wichtig ist dabei, auch kleine Einlagen lohnen. Allerdings sollten junge Berufseinsteiger, bevor sie tief in die Welt der Aktien- und Rentenfonds oder der Immobilien und Lebensversicherungen einsteigen, zunächst die staatlich begünstigen Riester- und Rürup-Produkte über Zulagen oder Steuerbegünstigungen voll ausschöpfen. Hier gelten die goldenen Regeln des Vermögensaufbaus, wonach die Eckpunkte der Anlage die Rendite, die Sicherheit und die Langfristigkeit sind. Anders sieht es bei den Gesetzmäßigkeiten einer Vermögensanlage von vorhandenem Vermögen aus, hier stehen die Kriterien Rendite, Sicherheit und Liquidität im Vordergrund.

Aktienfonds: langfristig gute Renditen

Auf dem langen Zeitstrahl kann der Investor mittels entsprechender Sparpläne die Volatilitäten des Kapitalmarkts auf Grund des so genannten Cost Averaging-Effekts auffangen und so einen ersten Altersvermögensbaustein legen. Je nach Mentalität oder Risikoneigung bieten sich reine Aktienfonds, Mischfonds oder Rentenfonds an. Wegen der empirisch nachweislich höheren Rendite sollte der Schwerpunkt jedoch auf klassische Aktienfondsanlagen gerichtet sein.

Gehaltserhöhungen, Beförderungen oder andere finanzielle Besserstellungen sollten dann zu einem Follow-Up in der Vermögensdisposition genutzt werden. Ab dieser Phase des weiteren Vermögensaufbaus stellt sich die Frage der Asset Allokation, die in einen Produktvergleich einmündet. Dieser erfordert eine ausgewogene Untersuchung nach unterschiedlichsten Kriterien wie Rentabilität und Sicherheit der Anlage, Flexibilität und Liquidität, Krisenresistenz nach Mega-Events, Rente für Hinterbliebene und Kapitalübergabe an Erben, steuerlicher Behandlung, Hartz IV-Schutz, etc. Auf diese Punkte kann allerdings in diesem Rahmen im Detail nicht weiter eingegangen werden.

Die goldenen Regeln für den Privaten Rentenvorsorger

Damit im Alter niemand im Regen steht, zum Schluss nochmals die wichtigsten Regeln für Berufseinsteiger: Der richtige Zeitpunkt zum Start in die PAV ist jetzt und sofort. Für den Beginn kommt es vor allem auf die Anlagehöhe und weniger auf die Anlageart an. Eine (Neu-)Festlegung der Asset Allokation erfolgt durch revolvierendes Vermögensmanagement. Kapitalmarktorientierte Vorsorgeprodukte sollen zur Risikomentalität und Verlusttoleranz des Anlegers passen. Und: Konsequente PAV-Planung endet nicht bei Rentenbeginn, sondern wird bis zum erwarteten Zeitpunkt des Ablebens durchgerechnet.[2]

 

Autor

Professor Dr. Josef Dinauer ist Lehrstuhlinhaber für Bank-, Finanz- und Versicherungswirtschaft an der Hochschule München.


 

[1] Details hierzu vgl. u. a. Loomann, V.: Teure Absicherung gegen Berufsunfähigkeit, in FAZ v. 10.5.2008.

[2] vgl. Dinauer, J.: Grundzüge des Finanzdienstleistungsmarkts. Allfinanz - Private Altersvorsorge - Financial Planning, München 2008, 2. Aufl. (der gesamte Beitrag knüpft an einige zentrale Thesen dieses Lehrbuchs an).

 

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