Titelthema
Unternehmen entwickeln neue Produkte, erschließen neue Vertriebswege oder wagen sich auf einen neuen Markt. Damit dieses Engagement von Erfolg gekrönt ist, muss auch das IT-Umfeld stimmen. Meist sind die IT-Strukturen in Unternehmen allerdings über viele Jahre gewachsen und daher träge. Dies kann Neues bremsen oder sogar blockieren. Um genau das zu verhindern, arbeiten IT-Consultants vor Ort Hand in Hand mit IT- und Fachabteilungen zusammen. Sie entwickeln ganzheitliche Lösungen, brechen alte Denkstrukturen auf und stellen sich dem Abteilungsegoismus in Unternehmen. Mit Stephanie Hirschberger, Senior IT-Consultant bei IBM, sprach economag.de über ihre Arbeit.
Die Fragen stellte Rainer Berger
Kurz gesagt nutzt ein IT-Consultant sein Strategie-, Prozess- und Technologiewissen, um gemeinsam mit Kunden für dessen Herausforderungen in der IT sowie im Zusammenspiel der IT mit den Geschäftsbereichen Lösungen zu entwickeln.
Hier lassen sich zwei Gruppen von Fähigkeiten unterscheiden. Auf der einen Seite sind das fachliche Fähigkeiten. Wie diese genau aussehen, hängt in hohem Maße von der Spezialisierung des IT-Consultants ab, die zum Beispiel von der IT-nahen Modellierung eines Geschäftsprozesses über den IT-Organisationsaufbau bis hin zur IT-Sicherheit oder der IT-Governance reichen kann. Neben diesem Spezialwissen ist ein grundlegendes wirtschaftswissenschaftliches Wissen unumgänglich.
Auch hier gibt es eine ganze Palette wichtiger Fähigkeiten und Eigenschaften. Hierzu zählt analytisches Denken, aber auch soziale Kompetenz, klare Team- und Serviceorientierung sowie rhetorische Fähigkeiten. Ebenso spielt das Beherrschen von Präsentationstechniken eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die zuletzt genannten Fähigkeiten sind auch deswegen wichtig, weil ein IT-Consultant oft an der Schnittstelle zwischen IT und Business agiert und sehr häufig zwischen diesen beiden Welten vermitteln muss. Daraus leitet sich ab, dass auch Moderationsfähigkeiten unumgänglich sind. Da Projekte immer öfter international sind, ist auch eine interkulturelle Kompetenz durchaus von Vorteil.
Welche Ausbildung bietet sich für einen IT-Consultant an?
Letztendlich ist der Einstieg in diesen Job über viele Wege möglich. Ein Wirtschaftsinformatikstudium ist dabei nicht zwingende Voraussetzung. Ein Wirtschafts- oder ein Informatikstudium sind durchaus denkbar. Wichtig ist jeweils das Interesse an IT sowie an wirtschaftlichen Zusammenhängen und die Bereitschaft, sich fehlendes Wissen schnell anzueignen.
In Bezug auf die persönlichen Fähigkeiten sind die Unterschiede sehr gering. Auch die grundlegenden Methoden wie zum Beispiel Projektmanagement, Vorgehen zur Analyse von Problemen und der Identifikation von passenden Lösungen, verwenden wir in der Strategie- ebenso wie in der IT-Beratung. Was sich unterscheidet, ist die fachliche Kompetenz. Während ein M&A-Berater einen Unternehmenskauf beratend begleitet oder ein Strategieberater eine neue strategische Unternehmensausrichtung entwickelt, beschäftigt sich der IT-Consultant mit den IT-Aspekten der Fragestellungen im Unternehmen, greift dabei auf seine IT-Kenntnisse zurück und berücksichtigt auch die betriebswirtschaftlichen Aspekte. Neben diesen fachlichen Unterschieden sind oft auch die Laufzeiten unserer Projekte im Vergleich zu denen unserer Kollegen in der Strategieberatung unterschiedlich. Ein IT-Projekt dauert in der Regel länger als ein Strategieprojekt.
In erster Linie arbeiten wir in unseren Projekten vor Ort beim Kunden. Wie diese fachliche Arbeit konkret aussieht, ist von der jeweiligen Spezialisierung des IT-Consultants und auch von dem konkreten Projekt abhängig. Neben dieser Projektarbeit bilden wir uns fachlich und persönlich weiter, wir besuchen Veranstaltungen und Seminare oder wichtige Messen, wie beispielsweise die CeBIT in Hannover oder die Systems in München. Daneben gehört auch das Arbeiten in virtuellen Communities zu unserer Arbeit. Das heißt wir diskutieren in einer virtuellen Gruppe Fachthemen und tauschen Erfahrungen aus. Zu guter Letzt verfassen wir gelegentlich Fachbeiträge oder betreuen Praktikanten und Diplomanden.
Ja, definitiv. Gerade dann, wenn wir individuelle Lösungen für einen Kunden erarbeiten, sind wir auf den ständigen Kontakt mit der IT- und der Fachabteilung des Kunden angewiesen. Nur wenn dies gewährleistet ist, können wir die Anforderungen, die an eine neue Organisation der IT-Abteilungen oder ein neues IT-System von Seiten der Abteilungen, der IT und letztendlich auch dem Markt an das Unternehmen gestellt werden, im Detail verstehen.
Unsere Ansprechpartner sitzen meist organisatorisch in der IT-Abteilung. Wir arbeiten aber auch immer eng mit den jeweiligen Fachbereichen zusammen. Je nach Fragestellung kann durchaus auch die Geschäftsführung zu unseren Projektansprechpartnern gehören.
Mit Abteilungsegoismus richtig umgehen
Häufig ist die IT mit einem Abteilungsegoismus konfrontiert. Fachabteilungen suchen oft nur nach lokalen Optima und nicht zwangsläufig nach dem Optimum für das Unternehmen. Die Aufgabe der IT ist es dann, Lösungen zu finden, die nicht nur einer einzelnen Abteilung gerecht werden, sondern dem gesamten Unternehmen.
Die größte Hürde ist genau genommen ein Graben. Dieser liegt in vielen Unternehmen zwischen der IT und den Fachabteilungen. Ein Grund für diesen Graben sind unterschiedliche Denkweisen. Zudem sehen die Fachabteilungen die IT häufig nur als Cost Center und nicht als vollwertigen Partner. Hier vermitteln wir als IT-Consultants und versuchen, die Probleme und Anforderungen beider Seiten im Detail zu verstehen.
Kürzlich haben wir diese Frage im Rahmen unserer „CEO Studie" an rund 1.100 CEOs aus Industrie und öffentlicher Verwaltung weltweit gestellt. Die Befragten identifizierten fünf Charakteristika, die ein Unternehmen der Zukunft erfüllen muss, um nachhaltig erfolgreich zu sein:
Erstens: Veränderung. Das Unternehmen der Zukunft muss in der Lage sein, sich schnell und erfolgreich zu verändern. Es darf nicht nur auf Trends reagieren, es muss diese aktiv mitgestalten und Veränderungen des Marktes als Chance betrachten, sich von den Wettbewerbern abzuheben.
Zweitens: Innovation. Das Unternehmen der Zukunft muss innovativer sein als von Kundenseite erwartet. Die immer anspruchsvoller werdenden Kunden müssen dank intensiver und interaktiver Beziehungen überrascht werden mit innovativen Ideen und Lösungen.
Drittens: Global integriert. Das Unternehmen der Zukunft setzt auch auf Integration. Es ist global integriert und nutzt dadurch genau die Chancen, die ihm eine vernetzte Wirtschaft bieten. Auf notwendiges Wissen und andere Assets kann es überall auf der Welt schnell zugreifen.
Viertens: Von Natur aus revolutionär. Das Unternehmen der Zukunft stellt sein Geschäftsmodell immer wieder in Frage und erfindet sich ständig neu. Genau dadurch differenziert es sich im Wettbewerb.
Fünftens: Engagiert und nicht nur regelkonform. Das Unternehmen der Zukunft hält nicht nur Regeln und Gesetze ein, sondern ergreift auch Engagement für die Gesellschaft. Dieses Engagement zahlt sich für Unternehmen aus.
Letztendlich nahezu an jedem Punkt. Die IT-Umgebung kann beispielsweise dabei helfen, Innovationen schneller zu entwickeln und oder auf Wissen in global integrierten Unternehmen weltweit schnell und von überall zuzugreifen.
Aber vor allem der erste Punkt fällt mir ins Auge: Die angesprochene Fähigkeit eines Unternehmens schnell auf Veränderungen zu reagieren. Denn genau das ist nur dann möglich, wenn sich auch die IT-Umgebung schnell an neue Anforderungen anpassen kann.
Verändert sich beispielsweise ein Geschäftsmodell oder ein Geschäftsprozess, dann muss sich auch die IT-Anwendung, die diese unterstützt, verändern. Genau hier stoßen viele IT-Umgebungen regelmäßig an ihre Grenzen. Die IT wird dann zur Veränderungsbremse.
Stephanie Hirschberger ist Senior IT-Consultant bei IBM.