Betriebswirtschaftslehre
Auf einem Portal wie Web.de tummeln sich monatlich mehr als 13 Millionen Besucher. Eine enorme Reichweite, die dieses Portal auch für Werbekunden und Kooperationspartner interessant macht. Euer Wissenschaftsmagazin economag.de hat sich bei Web.de in Karlsruhe umgeschaut und sprach mit Michael d'Aguiar über die Anfänge des Portals, das Geschäftsmodell und die Chancen der Zukunft.
Die Fragen stellte Rainer Berger
Bekannt sind wir vor allem für unsere Kommunikationsdienste, unter die das Versenden von E-Mails, SMS und Faxen fallen. Daneben bieten wir allerdings eine Fülle anderer Leistungen: Zum Beispiel ein Magazin mit redaktionellen Inhalten zu Themen wie Beruf, Finanzen, Gesundheit, Lifestyle und Sport.
Wir bieten auch zahlreiche weiterer Angebote: Bei uns können Musiktitel heruntergeladen und DVDs online ausgeliehen werden. Es gibt mittlerweile sogar eine Dating-Plattform. Auch Lotto spielen ist möglich. Selbstverständlich kann bei uns auch eingekauft und Preise blitzschnell online verglichen werden. Last but not least bieten wir eine Suchmaschine in Verbindung mit Google an.
Bei vielen der genannten Leistungen arbeiten wir eng mit Kooperationspartnern zusammen. Sie bieten auf Web.de letztendlich ihre Dienste an. Sind diese kostenpflichtig, arbeiten unsere Partner auf eigene Rechnung.
Ja, wenn einer unserer Besucher seinen Lottozettel über Web.de ausfüllt, erhalten wir von dem Anbieter dieser Leistung eine Provision - wir sprechen hier von einer „Fee". Schließlich profitierten diese Anbieter von unserer Reichweite und von unseren mehr als 13 Millionen Besuchern pro Monat. Wie hoch eine solche Fee ist, hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab.
Unter anderem. Wir finanzieren uns über drei Säulen. Die erste Säule ist klassische Werbung, die wir auf unserem Portal schalten. Hier bieten wir den Anzeigenkunden die Möglichkeit einer zielgenauen Ansprache: So werben in der Magazinrubrik Finanzen beispielsweise Banken, im Sportteil zum Beispiel Sportartikelhersteller.
Die zweite wichtige Säule sind die bereits angesprochenen Kooperationen, die wir unter anderem mit der DKB oder Comdirect eingegangen sind. Kooperationspartner bieten unseren Besuchern spezielle Leistungen an und das unter Umständen auch durchaus exklusiv. Wenn über Web.de zum Beispiel ein Konto eröffnet wird, kann es ein Goody in Form eines MP3-Players oder eines Tankgutscheins geben. Auch bei solchen Geschäften verdienen wir eine Fee, treten aber mit dem Kunden nicht selbst in Abrechnungsbeziehung.
Die dritte Säule stellen die digitalen Dienste dar, die wir selbst auf eigene Rechnung anbieten. Auch darüber verdienen wir Geld. So beispielsweise beim Versenden einer SMS über unser Portal oder mit dem Premium Mail-Dienst, dem Web.de Club.
Die größten Vorteile der Online-Werbung sind sicherlich in der punktgenauen, streuverlustreduzierten Zielgruppenansprache (Targeting) und der Interaktivität der Werbemittel zu sehen. Darüber hinaus hat Online-Werbung den Vorteil Zielgruppen zu erreichen, die über die klassischen Medien nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt erreichbar sind- beispielsweise junge Zielgruppen.
Das Online-Werbegeschäft wird im Wesentlich über große Mediaagenturen abgewickelt, zu denen wir sehr gute, langjährige Beziehungen haben. Gleiches gilt für Offline- und Kooperationspartner, zu denen ebenfalls langjährige Beziehungen bestehen. Kaltakquise betreiben nur in jungen, sich gerade entwickelnden Märkten wie zum Beispiel der Online-Regionalwerbung. Grundsätzlich begleiten wir unseren Vertrieb mit umfangreichen PR- und Marketingaktivitäten, zu denen zum Beispiel auch Roadshows und Messepräsenzen zählen.
Eine konkrete Durchschnittszahl gibt es da nicht - unsere Geschäftsbeziehungen sind grundsätzlich langfristig angelegt.
Hier gilt es zu unterscheiden: Im Portalbereich steht sicher T-Online mit uns im direkten Wettbewerb. Es bietet auf seinem Portal ein ähnliches Portfolio an Leistungen an wie wir - zum Beispiel Musik-Downloads und Spiele. Beim Portal ist der Wettbewerb eindeutig national.
Anders sieht das allerdings bei Free Mail aus. Hier ist die Konkurrenz international. Als Wettbewerber sind unter anderem Yahoo! und GMail zu nennen.
Je nachdem aus welcher Perspektive man auf unser Unternehmen schaut, ergeben sich ganz unterschiedliche Konkurrenzsituationen.
Diese Frage ist bei Free Mail deutlich leichter zu beantworten. Hier setzen wir einfach andere Schwerpunkte als unsere internationale Konkurrenz. Zum Beispiel in Punkto Datensicherheit. Sie ist insbesondere bei den Mitbewerbern aus den USA keine Kernkompetenz. Darin sind wir ohne Zweifel besser aufgestellt als unsere Wettbewerber. Datensicherheit ist durchaus ein relevanter Wettbewerbsvorteil, der auch vom Kunden als solcher wahrgenommen wird. Sie ist vielen Kunden sogar wichtiger als der verfügbare Speicherplatz, den wir bei FreeMail kostenfrei anbieten.
Im Portalbereich ist es hingegen nicht so einfach, im Vergleich zur Konkurrenz eine griffige USP zu schaffen. Hier setzen wir auf Familienfreundlichkeit. Bei uns können Eltern ihre Kinder sorgenfrei surfen lassen. Themen wie Gewalt und Erotik spielen bei uns keine Rolle. Geben Sie in unsere Suchmaschine das Wort „Sex" ein. Sie werden sicher nicht fündig. Daneben bieten wir auch einen Eltern-Kind-Vertrag, in welchem Eltern und Kinder konstruktiv ins Gespräch kommen und gemeinsam festlegen können, wie das Internet genutzt wird.
Was ist eine USP?
USP steht für unique selling proposition. Es handelt sich dabei um das Alleinstellungsmerkmal eines Produktes. Die Frage hinter der USP: Was unterscheidet dieses von anderen vergleichbaren Produkten, zum Beispiel in Bezug auf Preis, Funktionalität oder Qualität. Aus der USP leitet sich der komparative Konkurrenzvorteil ab.
Das war von Anfang an eines der zentralen Anliegen des Web.de-Gründer Matthias Greve.
Ganz klar: FreeMail. Zudem werden insbesondere die Angebote angeklickt, die auf der Homepage, also auf der Eingangsseite unserer Website, stehen. Die linke Navigationsleiste wird seltener genutzt. Ebenfalls stark frequentiert ist die Suche und als kleines Schmankerl auch die angebotenen Routenplaner.
Web.de wurde 1995 gegründet. Damals stand als zentrale Dienstleistung allerdings nicht FreeMail im Mittelpunkt. Web.de bot vielmehr das erste deutsche Verzeichnis von Websites an. Hierzu eine kleine Anekdote: Als die Brüder Greve Mitte der 1990er Jahre die Cebit besuchten, wollten sie Unternehmen vom Bau einer Website überzeugen. Die Unternehmen reagierten darauf allerdings zögerlich. Grund war die Befürchtung, dass eine Website von Kunden im World Wide Web ohnehin nicht gefunden wird. Das veranlasste die Brüder dazu, ihre Geschäftsidee zu überdenken und ein Web-Verzeichnis zu entwickeln, das taten Sie 1995 auch. Erst im Jahr 1998 kam FreeMail als Dienstleistung hinzu.
E-Mail wird auch in zehn Jahren eines der wichtigsten Kommunikationsinstrumente sein. Mehr noch: Es ist sogar anzunehmen, dass künftig immer mehr Aktivitäten über E-Mails abgewickelt werden. Die E-Mail wird vielen Menschen bei Vertragsabschlüssen und Behördengängen das Leben erleichtern. Das setzt allerdings voraus, dass via E-Mail übermittelte Daten sicher und entsprechend verschlüsselt sind und der Nutzer über eine digitale Signatur, die ihn eindeutig kennzeichnet, verfügt. Beides Themen, die wir bereits heute bei unserem FreeMail-Angebot sehr ernst nehmen.
Auf unserem Portal werden in zehn Jahren deutlich mehr bewegte Bilder zu sehen sein. Das Web wird dann auch semantisch sein. Das heißt, dass über die Suche konkrete Fragen beantwortet werden können, zum Beispiel in der Form „Wo erhalte ich 5.000 Schrauben in der Region Karlsruhe am günstigsten?". Auch hier sehen wir eine große Chance, die wir ergreifen werden.
Michael d'Aguiar ist Pressesprecher bei Web.de in Karlsruhe.