Betriebswirtschaftslehre
Eine der beliebtesten aktuellen Programmiersprachen ist Visual Basic .NET von Microsoft. Es handelt sich dabei um ein ereignisgesteuertes Programmiermodell, das sehr leicht zu handhaben ist. Wer schon immer einmal in diese Programmiersprache hineinschnuppern wollte, sollte sich eine halbe Stunde Zeit nehmen und mit Hilfe eines Mönchengladbacher Professors erste Erfahrungen als Programmierer sammeln.
Von Professor Dr. Klaus Werner Wirtz, Hochschule Niederrhein, Abteilung Mönchengladbach
Visual Basic .NET ist eine leicht zu erlernende Programmiersprache, mit der vor allem Windows-Anwendungen mit der typischen grafischen Oberfläche einfach und schnell entwickelt werden können. Dies und die Tatsache, dass eine Entwicklungsumgebung für Visual Basic .NET kostenlos von Microsoft zur Verfügung gestellt wird, ermöglichen einen Einstieg in die Entwicklung eigener Programme mit wenig Aufwand. Der vorliegende Beitrag stellt diese Aspekte in den Vordergrund und verzichtet bewusst auf jeden theoretischen Hintergrund. Wenn Sie Spaß an der Sache bekommen und mehr wissen wollen, können Sie immer noch eins der vielen verfügbaren Bücher zu Visual Basic .NET lesen.
Um das hier vorgestellte Programmierprojekt nachzuvollziehen, brauchen Sie einen PC mit Windows XP oder Vista. Auf diesem installieren Sie die Visual Basic 2008 Express Edition (deutsch), die Sie von folgender Web-Seite herunterladen können:
http://www.microsoft.com/germany/express/download/
Nach dem Start von Visual Basic .NET erscheint eine Startseite, die Online-Ressourcen anbietet. Mit dem Menübefehl Datei > Neues Projekt erhält man ein Fenster, in dem man für ein neues Programmierprojekt eine Projektvorlage wählen kann. Diese Vorlagen enthalten bereits geeignete Voreinstellungen und Ressourcen, die man dann nicht mühsam selbst zusammenstellen muss. Windows-Anwendungen mit grafischer Oberfläche heißen hier Windows Forms-Anwendungen. Wählen Sie also diese Vorlage aus und nennen Sie das Projekt Hallo (Abb. 1).

Klicken Sie auf OK; so kommen Sie ins Hauptfenster der Visual Basic .NET-Entwicklungsumgebung (Abb. 2). In der Mitte sehen Sie ein leeres Fenster namens Form1; dies ist die Entwurfsansicht Ihres Programms, die wir gleich bearbeiten werden.
Im Eigenschaften-Fenster rechts unten können Sie die Eigenschaften ausgewählter Elemente Ihres Programms festlegen. Im Bild ist die Eigenschaft Text des Fensters Form1 hervorgehoben; sie hat den Wert Form1 - das ist der Text in der Titelleiste des Fensters.
Der Projektmappen-Explorer im oberen rechten Fenster zeigt die Bestandteile Ihres Programms an, die unter dem Projektnamen gruppiert werden. Die Datei Form1.vb enthält Ihr Programm.
Die Toolbox links ist eine Sammlung von Elementen, die Sie in Ihre Anwendung einbauen können und von denen die meisten zur Interaktion mit dem Benutzer Ihres Programms dienen. Wenn Sie schon einmal mit Windows-Anwendungen zu tun hatten, kennen Sie viele davon schon, wie zum Beispiel das Textfeld (TextBox) zur Eingabe und Anzeige von Text, die Schaltfläche (Button), die der Benutzer anklicken kann, um eine Funktion auszuführen, oder die Liste (ListBox), aus deren Elementen der Benutzer wählen kann.
Menüs und Symbolleisten am oberen Rand des Hauptfensters enthalten die Funktionen der Entwicklungsumgebung.

Unser "Hallo Welt"-Programm soll den Benutzer begrüßen. Der Benutzer kann seinen Namen eingeben und einen mit OK beschrifteten Knopf drücken, dann erscheint in einem eigenen Fenster ein persönlicher Begrüßungstext. Gibt er keinen Namen ein, erscheint der allgemeine Text "Hallo Welt!". Das kann beliebig oft wiederholt werden; mit einem Klick auf einen Beenden-Knopf beendet der Benutzer das Programm. Abb. 3 zeigt, wie das Fenster aussehen soll.

Um das leere Anwendungsfenster aus Abb. 2 in das Fenster von Abb. 3 zu verwandeln, tun Sie bitte Folgendes:
Damit ist die Oberfläche unseres Programms fertig. Sie können diesen Teil des Programms auch schon ausprobieren: drücken Sie die Taste F5, dann wird Ihr Programm übersetzt und gestartet. Sie können nun in das Textfeld etwas eingeben und die Knöpfe drücken - es passiert aber nichts, weil der Code noch fehlt. Beenden Sie das Programm durch Drücken des Schließfelds ganz rechts in der Titelleiste des Fensters. Sie sind nun wieder in der Entwicklungsumgebung.
Visual Basic .NET verfolgt ein so genanntes ereignisgesteuertes Programmiermodell. In Kürze bedeutet das, dass ein Visual Basic .NET-Programm darauf wartet, dass ein Ereignis eintritt, um dann darauf zu reagieren. In unserem Beispiel wartet das Programm darauf, dass der Benutzer etwas tut und dadurch Ereignisse auslöst, genauer:
Es müssen also zwei kleine Stücke Visual Basic .NET-Code an die Ereignisse "Benutzer hat den OK-Knopf gedrückt" oder "Benutzer hat den Beenden-Knopf gedrückt" angehängt werden. Wenn Sie in der Entwurfsansicht auf den entsprechenden Knopf doppelklicken, wird ein weiteres Fenster - die Codeansicht - geöffnet, ein Rahmen für Ihren Code generiert und der Cursor so positioniert, dass Sie Ihren Code direkt eingeben können. Abb. 4 zeigt die Entwicklungsumgebung nach einem Doppelklick auf den Beenden-Button. Der Rahmen stellt eine Prozedur dar (Sub wie Subroutine in Zeile 2 bis End Sub), die das Ereignis Button2.Click behandelt (Handles Button2.Click). Geben Sie an der Cursorposition die Zeile
Me.Close
ein, die besagt, dass das Fenster (Me) und damit die ganze Anwendung geschlossen (Close) werden soll.

Doppelklicken Sie anschließend auf den OK-Knopf und fügen Sie folgenden Code ein:
If TextBox1.Text = "" Then
MessageBox.Show("Hallo Welt!")
Else
MessageBox.Show("Hallo " & TextBox1.Text & "!")
End If
Dieses Stück Code unterscheidet zwei Fälle:
Beachten Sie, dass die Entwicklungsumgebung stets versucht, Ihnen beim Schreiben des Codes zu helfen. Sobald Sie zum Beispiel die Zeile
If TextBox1.Text = "" Then
eingegeben und die Eingabetaste gedrückt haben, wird die Zeile
End If
automatisch erzeugt (weil jedes If mit End If abgeschlossen werden muss) und der Cursor eingerückt. Dies ist am Anfang möglicherweise störend; nach einer kurzen Gewöhnungszeit ist das aber eine sehr hilfreiche Funktion, die einem viel Schreibarbeit abnimmt.
Der komplette Code-Teil ist in Abb. 5 dargestellt.

Um das Programm auszuprobieren, drücken Sie wieder F5. Die Oberfläche erscheint; Sie können Ihren Namen in das Textfeld eingeben oder nicht. Wenn Sie auf OK klicken, sollte dann das Fenster mit der Begrüßung erscheinen (Abb. 6). Das können Sie beliebig oft wiederholen. Klicken Sie auf Beenden, um das Programm zu beenden.
Wenn Sie abschließend die Entwicklungsumgebung beenden, werden Sie noch gefragt, ob und wo Sie das Projekt Hallo speichern wollen.

Soweit die kurze Tour durch Visual Basic .NET und die zugehörige Entwicklungsumgebung, die zu einem kleinen, aber funktionsfähigen Programm geführt hat, das einige der guten und einfach anzuwendenden Ideen von Visual Basic .NET illustriert. Wenn Sie mehr lernen wollen, können Sie einiges durch Ausprobieren herausfinden; wahrscheinlich werden Sie aber irgendwann zu einem Visual Basic .NET-Buch greifen.
Professor Dr. Klaus Werner Wirtz lehrt Wirtschaftsinformatik im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Niederrhein, Abteilung Mönchengladbach.
Wirtz, Klaus Werner: Objektorientierte Programmentwicklung mit Visual Basic .NET - Grundlagen, München, Wien: Oldenbourg 2008