Studium & Karriere
Einen Vortrag vor Kommilitonen und Professoren zu halten, stellt für viele Studierende eine eher unangenehme Pflichtübung dar, die vor allem beim ersten Mal häufig mit Lampenfieber einhergehen kann. Mit etwas Vorbereitung ist Angst vor der freien Rede allerdings unbegründet. Zwei Experten geben hilfreiche Tipps für einen gelungenen Vortrag.
Von Universitätsprofessor Dr. Hans Corsten, Universität Kaiserslautern und Dr. Joachim Deppe, Grevenbroich
Irgendwann muss jeder im Studium einen Vortrag halten. Aber nicht nur dort ist dies eine obligatorische Übung. Der Vortrag gehört auch im späteren Berufsleben auf der Managementebene zum Alltag. Es ist folglich von essentieller Bedeutung, frühzeitig die Möglichkeit zu ergreifen, etwas vor einem Auditorium zu präsentieren (zu Regeln für eine Präsentation vgl. Corsten/Deppe 2008, S. 123 f.).
Jeder Studierende kennt aus eigener Erfahrung aus den Lehrveranstaltungen seines Studiums den Unterschied zwischen "guten" und "weniger guten" Vortragenden und weiß, dass der Wissenstransfer entsprechend einfacher oder schwieriger abläuft. Was also macht einen gelungenen Vortrag aus?
Zunächst ist eine gründliche Vorbereitung des Vortrags eine unumgängliche Voraussetzung für das Gelingen. Dies hilft Redeängsten und Redehemmungen zu begegnen, die einen anspruchsgerechten Vortrag unmöglich machen können. Es ist daher zwischen Vorbereitung und Durchführung eines Vortrages zu unterscheiden (vgl. Abbildung 1).

Die einzelnen Blöcke sollen im Folgenden näher beleuchtet werden.
Die Hausarbeit ist eine schriftlich fixierte Auseinandersetzung mit einem wissenschaftlichen Thema und bildet die inhaltliche Grundlage für den Vortrag. Diese Hausarbeit aber Wort für Wort vorzulesen oder gar auswendig zu lernen, genügt keinesfalls. Dies ist sogar eine Todsünde des Redners, der dann nur als „Vorleser" auftritt.
Tipp
Das Redemanuskript ist nicht identisch mit der geschriebenen Hausarbeit!
Das Redemanuskript dient vielmehr dazu, die Planung des Vortrages und des Hilfsmitteleinsatzes schriftlich festzuhalten. Es wird also die Durchführung des Vortrages schriftlich vorweggenommen. Die Gedankenführung wird damit festgelegt und das Redemanuskript dient als Wegweiser für den Vortrag. Zudem dient es als Drehbuch, um „Regieanweisungen" an sich selbst (zum Beispiel „Abbildung zeigen" oder „Wiederholung der Aussage"; zu Hinweisen zur Gestaltung von Abbildungen vgl. Corsten/Deppe 2008, S. 123) festzuhalten.
Tipp
Das Redemanuskript ist eine sehr persönliche Unterlage, die im Gegensatz zu schriftlichen Ausarbeitungen (Seminararbeit, Hausarbeit etc.) keinen Formvorschriften zu genügen hat und die von der schriftlichen Arbeit abweichen kann und soll (beispielsweise zusätzliches Beispiel anführen, das aus Platzgründen in der Hausarbeit fehlt).
Der Einsatz visueller Hilfsmittel in einem Vortrag ist eine Selbstverständlichkeit. Sie helfen dem Redner und dem Zuhörer gleichermaßen. Dem Zuhörer erleichtern sie das Verfolgen der Gedankengänge und den Redner zwingen sie, seine Aussagen in strukturierter Form darzubieten. Bei der Planung des Hilfsmitteleinsatzes muss der Referent zunächst klären, welche Hilfsmittel ihm überhaupt zur Verfügung stehen (zum Beispiel Beamer und/oder Flipchart). Selbstverständlich schließen sich einzelne Hilfsmittel dabei nicht gegenseitig aus, sondern häufig ist ein sogenannter Medienmix zweckmäßig. Zielführend für die Wissensvermittlung ist es auch, Unterlagen mit den Zuhörern interaktiv zu entwickeln, anstatt sie ihnen nur passiv zu präsentieren.
Tipp
Der Einsatz der Hilfsmittel ist an den entsprechenden Stellen im Redemanuskript zu vermerken.
Mit dem Manuskript ist eine freie Rede vorzubereiten. Hierdurch wird ein interessanter und lebhafter Vortrag möglich. Letztlich wird das Ziel der Wissensvermittlung mit einer freien Rede am besten erreicht. Also: keine Angst vor der freien Rede. Gut vorbereitet, ist sie für jeden Redner machbar und je öfter die Chance dazu genutzt wird, desto mehr stellt sich auch ein Übungseffekt mit entsprechenden Verbesserungen ein. Ein Redemanuskript ist dabei nichts anderes als ein Sicherheitsnetz.

Da der freien Rede das Konzept des Sprechdenkens zugrunde liegt, werden im Redemanuskript nur Stichworte verwendet. Dieses Konzept besagt, dass während der Rede die enge, jederzeitige Verknüpfung von Sprechen und Denken dazu führt, dass Stichworte als Gedankenstütze genügen, um Denkimpulse zu geben, die dann verbal umgesetzt werden. Im Kopf des Vortragenden ist letztlich immer mehr abrufbares und damit verbalisierbares Wissen zu dem vorzutragenden Sachverhalt vorhanden als auf dem Manuskriptpapier steht. Die Angst, mit den Stichworten nicht auszukommen, ist unbegründet.
Tipp
Die logisch aufeinander aufgebauten Stichworte bilden den „roten Faden" des Vortrages und sind damit ein „Reizwortskelett", das der Redner bei seinem Vortrag nutzen und beliebig anreichern kann.
Ausnahmen von der Grundregel, sich auf Stichworte zu beschränken, bilden Definitionen, Zitate und Kernsätze, die bewusst wörtlich wiedergegeben werden.
Unterstützt wird der Wissenstransfer durch eine aufgelockerte Vortragsart. Dabei helfen Beispiele, rhetorische Fragen und eventuell auch gekonnt eingebrachte „Schmunzelerreger", die jedoch sparsam zu dosieren sind. So kann zum Beispiel in einem Vortrag über Bilanzanalyse durchaus die „Bilanzdefinition" von Tucholsky (Gesammelte Werke, Bd. III, Reinbek bei Hamburg 1960, S. 939) eingebaut werden:
„Diejenigen Ausreden, in denen gesagt wird, warum die AG keine Steuern bezahlen kann, werden in einer sogenannten ‚Bilanz‘ zusammengestellt."
Formal ist es hilfreich, sich ein Rednermanuskript zu erstellen, das einseitig mit etwa einem Drittel Rand auf der linken Seite beschrieben ist. Der freie Platz dient den Regieanweisungen für den Vortrag (zum Beispiel Abbildung 1 zeigen). Auch können unterschiedliche Schriftfarben, Abkürzungen und Textstrukturierungen hilfreich sein. Ein unbedingtes „Muss" im Redemanuskript ist die Zeitplanung, mit der das vorgegebene Zeitbudget (beispielsweise 45 Minuten) auf die einzelnen Abschnitte aufgeteilt wird (zum Beispiel Teil A = 10, Teil B = 25, Teil C = 10 Minuten).
Für den ungeübten Redner ist ein „Probelauf" etwa vor Freunden hilfreich, um Inhalt, Verständnis, Hilfsmitteleinsatz und Zeitbudget zu testen und zu prüfen, ob die gewünschten Botschaften bei den Zuhörern „ankommen" und an welchen Stellen noch Nachbesserungsbedarf besteht. Der Vortrag kann mit der Kamera aufgenommen werden, um anschließend die Gestik, Mimik und Aussprache zu analysieren, um den Vortragsstil zu verbessern.
So vorbereitet, steht einem Vortrag in freier Rede nichts mehr im Wege. Aber: auch geübte Redner kennen das Problem des „Lampenfiebers" als Zeichen für Redehemmungen. Dieses macht sich individuell sehr unterschiedlich bemerkbar (etwa Magendrücken, Herzklopfen). In diesem Fall kann die Technik der paradoxen Intention helfen, die besagt, dass der Vortragende sich vor Beginn seines Vortrages auf sein konkretes Gefühl des Unwohlseins konzentrieren soll, mit der Absicht, dies noch zu verstärken. Im Ergebnis tritt der gegenteilige Effekt ein: Das Gefühl der Nervosität lässt nach.

Für den Erfolg des Vortrags ist es wichtig, sich klarzumachen, dass die Rede keinesfalls ein Monolog mit den Zuhörern als rein passivem Teil ist. Vielmehr gilt: Im Gedächtnis der Zuhörer bleibt nicht der Vortrag, den der Referent gehalten hat, sondern immer der, den der Zuhörer aufgenommen hat. Es geht also darum, die Rolle der Zuhörer richtig einzuschätzen und sich des permanenten Interaktionsprozesses während des Vortrages bewusst zu sein.
Tipp
Kleine „Hänger" in einem Vortrag (zum Beispiel nicht zu Ende geführte Sätze, Suche nach einem Wort) sind normal und werden von den Zuhörern toleriert. Sich seiner eigenen Wirkung bei den Zuhörern bewusst zu sein, ist eine Grundlage für den Erfolg des Vortrages.
Beim Einsatz der vorbereiteten Hilfsmittel mit entsprechenden Medien (zum Beispiel Powerpoint-Präsentation per Beamer) sind einige Grundregeln zu beachten (vgl. Corsten/Deppe 2008, S. 118). So ist ein Mehr an präsentiertem Material nicht unbedingt gleichbedeutend mit einem Besser - manchmal kann weniger auch mehr und zielführender sein. Überfüllte und für den Zuhörer nicht oder kaum lesbare Folien sind ein Tabu. Ebenso gilt: Qualität geht vor Quantität und Relevanz vor Eleganz. Animierte Präsentationen mit „herunterfallenden Buchstaben" oder mit akkustischer Unterstützung dürften nicht den Schwerpunkt des Vortrages bilden. Einen Vidioclip einzubauen, kann zwar auflockern, aber nur dann, wenn dieser auch inhaltlich zum Thema passt. Abbildung 2 fasst wichtige Hinweise für die Technik des Referierens überblicksartig zusammen.

Universitätsprofessor Dr. habil. Hans Corsten ist seit 1995 Inhaber des Lehrstuhls für Produktionswirtschaft an der Universität Kaiserslautern.
Dr. Joachim Deppe ist Vice President Human Resources & Organisation in einem internationalen Industriekonzern und Lehrbeauftragter für Personalmanagement an der Fachhochschule Köln.
Corsten, H.; Deppe, J.: Technik des wissenschaftlichen Arbeitens, 3. Aufl., München/Wien 2008.