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Titelbild zum Beitrag: Auf Socken zum Dinner
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Auf Socken zum Dinner

Facette des interkulturellen Managements: Ein geschäftliches Abendessen in den Golfstaaten

Geschäftsreisende sollten sich nicht wundern, wenn ihnen bei einem abendlichen Geschäftsessen Kamelfleisch serviert wird oder die weibliche Kollegin nicht mit am Tisch sitzt. Unser Experte verrät, welche interkulturellen Fettnäpfchen bei einem solchen Termin zu meiden sind und wie ein solches Abendessen im Restaurant, im privaten Kreis oder in der Wüste zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.

Von Professor Dr. Jürgen Rothlauf, Fachhochschule Stralsund und Université de Haut-Alsace in Mulhouse/Colmar

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Wer als deutscher Politiker oder Geschäftsreisender in den Golfstaaten tätig ist, wird mindestens einmal von seinem arabischen Partner zum Abendessen eingeladen. In der Regel wählt dieser hierfür ein exzellentes Restaurant oder führt in ein erstklassiges Hotel mit Restaurantbetrieb aus.

Eine solche Einladung findet immer nach dem letzten Gebet statt. Da sich die Gebetszeiten nach dem Sonnenauf- und Sonnenuntergang richten, unterliegt dieser Termin gewissen zeitlichen Schwankungen. Um mehr über die Gebetszeiten zu erfahren, genügt ein Blick in eine arabische Tageszeitung, die in englischer Sprache in jedem Hotel ausliegt. Konkret wird ein Abendessen demzufolge erst nach 20.30 Uhr stattfinden.

Wer bei einem Abendessen in den Golfstaaten auf ein Glas Wein oder andere alkoholische Getränke hofft, wird enttäuscht. Da der Koran derartige Getränke verbietet, werden sie nicht angeboten und es sollte folglich auch nicht danach gefragt werden. Diese Regel gilt auch bei der Gegeneinladung, selbst wenn diese beispielsweise in der deutschen Botschaft stattfindet.

Strikt getrennt: Frauen und Männer

In Saudi-Arabien - und nur für dieses Land gilt diese Beschränkung - bezieht sich eine Einladung zum Abendessen ausschließlich auf Männer. Weibliche Kolleginnen und Ehefrauen der Politiker oder Geschäftsreisenden sind dort davon ausgeschlossen.

Dies gilt auch für Ehefrauen hochkarätiger Politiker: Als der damalige Vizekanzler Möllemann mit seiner Ehefrau in Saudi-Arabien zu Besuch war, fanden sich die weiblichen Gäste nach der vierten Gebetszeit, also gegen 18.00 Uhr, zum inoffiziellen Abendessen ein. Dieses Dinner wurde vor Beginn der fünften Gebetszeit beendet. Für das offizielle Treffen der Männergesellschaft wurde der Termin auf 20.30 Uhr festgelegt.

Besonders wichtig für den deutschen Politiker oder Geschäftsreisenden ist, dass eine solche Einladung immer mit einer Gegeneinladung einhergeht, die sich selbstverständlich auch nach den Gebetszeiten richtet. Dass selbst Botschafter durchaus in interkulturelle Fettnäpfchen treten können, zeigt sich darin, dass arabische Gäste am 3. Oktober zum Tag der deutschen Einheit um 20.00 Uhr in die Botschaft eingeladen wurden, die Gäste aber letztendlich erst gegen 20.40 Uhr in der Botschaft eintrafen.

Hohe Wertschätzung: Abendessen im privaten Kreis

Eine besonders hohe Wertschätzung ist in den Golfstaaten mit einer privaten Einladung zum traditionellen Kapsaessen verbunden, wozu normalerweise vom Gastgeber ein Hammel geschlachtet wird. Eine derartige Einladung wird aber erst dann ausgesprochen, wenn man Vertrauen zueinander gefunden hat.

Bevor man in das Haus des Gastgebers eintritt, ist es obligatorisch, dass man seine Schuhe auszieht. Wer hier Überraschungen vermeiden möchte, sollte auf die Qualität und die Frische seiner Socken achten.

Wer im Übrigen mit hungrigem Magen auf sein Abendessen wartet, wird sich gedulden müssen. Zunächst wird einem Mineralwasser, Tee beziehungsweise Kaffee angeboten. Sollte dabei der Kaffee in einem Gefäß gereicht werden, das etwas kleiner als eine Mokkatasse ist, darf man daraus auf eine besondere Wertschätzung schließen.

Dieses leicht bitter schmeckende Getränk, das nicht dem Geschmack unseres Kaffees entspricht, gilt als sehr magenfreundlich und wird von den Bediensteten aus einer großen Kaffeekanne eingeschenkt. Dieses Ritual wiederholt sich mehrmals. Spätestens nach der dritten Tasse sollte man jedoch durch ein leichtes Schütteln der Tasse mit der rechten Hand anzeigen, dass man die Regeln der Höflichkeit gelernt hat und kein weiteres Einschenken mehr wünscht.

Zu den Getränken werden Datteln und Kekse gereicht. Die Gespräche gelten der Anreise, der Gesundheit aber auch sportlichen Ereignissen. Geschäftliche Themen sind hier tabu. Fragen, die auf den Islam abzielen, sollten ebenso vermieden werden, wie sich nach dem Wohlbefinden der Familie zu erkundigen. Unter Umständen ist der arabische Gastgeber mit vier Frauen verheiratet, was nach dem Koran zulässig ist, und hat 12 Kinder. Ein solcher Umstand erschwert die Antwort auf die Frage nach der Familie für den Gastgeber.

Nicht vergessen: Essen mit der reinen Hand

Beim Abendessen im privaten Kreis ist zudem Geduld gefragt. Oft wird erst gegen 22.00 Uhr der Raum gewechselt, verbunden mit der Bitte, sich zuvor die Hände zu waschen. Dies ist ein untrügliches Signal, dass die Vorbereitungen für das Abendessen abgeschlossen sind.

Dem Gast offenbart sich dann ein farbenprächtiges Bild: Auf einer Folienunterlage ausgebreitet findet sich ein frisch geschlachteter Hammel, gebettet auf Reis und flankiert von Tomaten und anderem Gemüse an den jeweiligen Ecken. Nachdem auf dem Fußboden Platz genommen wurde, gilt es mit der reinen rechten Hand sich die entsprechenden Bissen einzuverleiben.

Vor allem diejenigen mit großem Hunger sollten nicht allzu hastig sein. Wer sich gleich auf das Hammelfleisch stürzt, wird unter Schmerzen erkennen, dass das Fleisch direkt vom Grill kommt und folglich sehr heiß ist. Der deutsche Gast sollte deshalb zunächst mit dem Reis beginnen, den man als Bällchen geformt, zu sich nimmt.

Nach Besteck wird man übrigens vergeblich suchen. Lediglich für Servietten ist in ausreichender Zahl gesorgt. Mit dem Auftragen von Obst wird indirekt signalisiert, dass das Ende der Einladung gekommen ist.

Unvergessliches Erlebnis: Ein Wüstenschmaus

Nur wenigen ist es vergönnt, zu einem Abendessen in der Wüste eingeladen zu werden. Hier zeigt sich die arabische Gastfreundschaft in ihrer ganz besonderen Art: Unter freiem Himmel, auf einem eigens dafür ausgebreiteten Riesenteppich unterstützt von Liegekissen sitzend oder liegend, sieht man  Tausende von Sternen über sich und verspürt den feinsandigen Wüstenwind im Gesicht und erlebt bei Sonnenuntergang die Wüste im faszinierenden Farbenspiel.

Der besondere kulinarische Höhepunkt einer solchen Einladung besteht darin, dass in einem Erdloch unter Holzkohle junges Kamelfleisch, Hähnchen oder Hammelfleisch zubereitet wird, deren Geschmack unübertrefflich ist.

Mit einer derartigen Einladung wird aus dem normalen Abendessen nicht nur ein unvergesslicher Abend, es wird auch signalisiert, was es bedeutet, arabische Gastfreundschaft in seiner Reinform erleben zu dürfen.

 

Autor

Professor Dr. Jürgen Rothlauf lehrt Interkulturelles Management an der University of Applied Sciences in Stralsund und an der Université de Haut-Alsace in Mulhouse/Colmar.

 

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