Auf eine Tasse mit Michael Bloss
Seit 60 Jahren leistet die KfW gute Arbeit. Die Bankengruppe fördert nicht nur mittelständische Unternehmen und Häuslebauer, sondern finanziert auch Exporte und unterstützt Entwicklungs- und Reformländer weltweit. Ein breites Leistungsspektrum, das unser Frankfurter Finanzmarktprofi vorstellt.
Von Michael Bloss, Europäisches Institut für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD), Frankfurt am Main
Die KfW wurde 1948 als Kreditanstalt für Wiederaufbau gegründet. Aus diesem Namen leitet sich bereits die Aufgabe dieser Bank ab: Die Förderung des Wiederaufbaus der deutschen Wirtschaft nach dem Krieg. Für diesen Zweck wurden Gelder aus dem European Recovery Program (ERP) und damit im Rahmen des Marshallplans zur Verfügung gestellt. Die Inhaber der KfW-Bankengruppe sind zu vier Fünftel der Bund und zu einem Fünftel die Bundesländer. Besonders durch die Wiedervereinigung ergaben sich für diese Bank auch im Osten von Deutschland neue Aufgabenfelder. Sie ist die neuntgrößte Bank hierzulande.[1]
Zu den Aufgaben der KfW zählt heute vornehmlich die Förderung des Mittelstands sowie die Betreuung und Verwirklichung von Existenzgründungen. Deutscher Mittelstand und Existenzgründer werden mit klassischen Förderkrediten unterstützt. Gebündelt werden diese Aktivitäten in der KfW Mittelstandsbank, welche im Zuge der Fusion mit der Deutsche Ausgleichsbank (DtA) 2003 entstanden ist. Ebenfalls gewährt die KfW Globaldarlehen an Partnerbanken in Europa zur Bereitstellung mittel- und langfristiger Kredite an kleine und mittlere Unternehmen.
Die KfW-Förderbank bietet ein vielschichtiges Spektrum im Bereich Bauen, Wohnen, Renovieren und Energiesparen an. Förderzwecke sind die Schaffung von Wohneigentum. Seit Jahren werden diese Projekte von der Bundesregierung gefördert. Obendrein bietet sie im kommunalen und öffentlichen Bereich ebenfalls Programme für Städte und Gemeinden an, welche Infrastrukturprojektfinanzierungen beinhalten. In der Aus- und Weiterbildungsfinanzierung ist die KfW-Förderbank zudem tätig.
Export- und Projektfinanzierungen werden unter dem Dach der KfW IPEX-Bank gebündelt. Hier laufen große Exportfinanzierungen sowie große Finanzierungen von deutschen und europäischen Interesse, welche weltweit eingesetzt werden können, zusammen. Die KfW Entwicklungsbank unterstützt hingegen Entwicklungs- und Reformländer und ist für die finanzielle Zusammenarbeit der staatlichen Institutionen zuständig.

Die Finanzkrise hat auch die KfW stark getroffen. Sie wurde im Fall der IKB Deutsche Industriebank AG zum Feuerlöscher umfunktioniert und erhöhte Anfang 2008 ihren Anteil an der beinahe zahlungsunfähigen Bank auf über 90 Prozent. Seit Oktober 2008, wird dieser Anteil nun wieder von Lone Star gehalten. Viel politischen Wirbel gab es zudem um eine Fehlbuchung. Am Tag des Insolvenzantrages von Lehman Brothers überwies die KfW 300 Millionen Euro an die kollabierte US-Investmentbank. Dem nicht genug: Auch aus direktem Fördergeschäft musste die KfW deutliche und schmerzhafte Abschreibungen verbuchen, beispielsweise auf Förderungen in Island. Bis heute ist nicht abzusehen, wie vor allem der Verbriefungsmarkt für Kredite reagieren wird.
Die Förderung des Mittelstandes wird in den kommenden Jahren weiterhin ein wichtiges, vielleicht sogar das wichtigste wirtschaftliche Instrument für Deutschland sein. Gerade durch die Finanzkrise, die nun zu einer Realwirschaftskrise erwuchs, ist ein zielgerichtetes Fördern der Wirtschaft aber auch des privaten Konsums und Wohnungsbaus unbedingt notwendig. Nur durch eine gezielte Kreditförderpolitik können viele Projekte noch umgesetzt werden, das gilt zum Beispiel für Programme wie Wohnraum Modernisierung oder das KfW-Wohneigentumsprogramm.
KfW-Kredite werden allerdings nicht unmittelbar an den Kreditnehmer gewährt, sondern nur an ein weiterleitendes Bankinstitut. Dieses Institut muss auch den Antrag für den Kreditnehmer bei der KfW einreichen. Meist fließen diese Gelder als Teilfinanzierung in eine Hauptfinanzierung ein. So werden zum Beispiel beim Wohneigentumsprogramm maximal 30 Prozent der Gesamtkosten (Kredithöchtsbetrag: 100.000 Euro) finanziert. Die Finanzierungskondititionen sind meist auch noch mit längeren Konditionsbindungen wie bei den Geschäftsbanken und/oder Tilgungsvariablen ausgestattet.[2]
Wenn ein Euro Kredit einem Euro Wertschöpfung entspricht, so kann die KfW durch zielgerichtetes Fördern des Mittelstands und der privaten Haushalte durchaus viel bewegen. Auch große Unternehmen dürfen in diesem Kontext nicht vergessen werden, besonders dann, wenn sie innovative Produkte herstellen.
Deutschland hat die Möglichkeit auch mit Hilfe der KfW die Wirtschaftskrise zu bewältigen. Wichtig ist dabei antizyklisches investieren. Wie effektiv dies sein kann, hat die KfW in ihrer nunmehr 60-jährigen Geschichte schon mehrere Male unter Beweis gestellt.
Michael Bloss ist Abteilungsdirektor im Wealth Management der Commerzbank AG und Direktor des Europäischen Instituts für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD). Er lehrt als Associate Professor und Director for Derivatives am Lehrstuhl für "International Finance" der European School of Finance an der HfWU und unterrichtet als Lehrbeauftragter an weiteren namhaften Universitäten und Hochschulen.
[1] Quelle: Zeitschrift DIE BANK - Die 100 größten Banken in Deutschland
[2] z.B. Tilgung erst ab dem 5. Laufzeitjahr.