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Titelbild zum Beitrag: Windige Gebrauchtwagenhändler
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Windige Gebrauchtwagenhändler

Asymmetrische Informationen und Prinzipal Agent Theorie

Bei Gebrauchtwagen ist der Käufer regelmäßig schlechter informiert als der Verkäufer. Er weiß nicht, ob es sich bei dem auf Hochglanz polierten Wagen um einen Montagswagen handelt oder ob das gute Stück bereits seine besten Zeiten hinter sich hat. Aus dieser Informationsasymmetrie ergeben sich nicht nur Probleme für den Käufer, sondern auch für den gesamten Markt. Unser Fachmann von der Saar erklärt, wie sich dieses Phänomen in der Volkswirtschaftslehre gut erklären lässt.

Von Professor Dr. Gustav Vogt, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Saarbrücken

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Im Modell des Vollkommenen Marktes sind alle Beteiligten vollständig informiert. Jeder kennt zum Beispiel genau die Produkteigenschaften oder die jeweiligen Handlungen und Absichten der Vertragspartner. Fehlen Informationen, lassen sich diese leicht beschaffen, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.

Genau das ist in der Praxis meist nicht der Fall. Es liegt vielmehr eine beschränkte Rationalität vor. Oft weiß einer der Beteiligten mehr als der andere oder aber die Informationsbeschaffung ist mit prohibitiv hohen Kosten verbunden. Diesen Sachverhalt bezeichnen die Mikroökonomen als asymmetrische Information. Informationsgefälle treten in verschiedenen Formen auf. Häufig kann einer der Vertragspartner die Qualität eines Produkts nicht zutreffend beurteilen. Dann wird von versteckten Eigenschaften (hidden characteristics) gesprochen. Oder die Handlungen eines Akteurs lassen sich nicht genau beobachten. Es kommt zu versteckten Handlungen (hidden actions). Schließlich gibt es auch noch die Möglichkeit der versteckten Absichten (hidden intentions). Alle drei Fälle sind häufig mit volkswirtschaftlich nachteiligen Folgewirkungen verbunden.

Die Prinzipal-Agent-Theorie ist ein allgemeiner Erklärungsansatz für eine solche asymmetrischer Informationsverteilung und der daraus resultierenden Probleme.

Die Prinzipal-Agent-Beziehung beinhaltet ein Vertragsverhältnis zwischen dem Prinzipal (Auftraggeber) und dem Agenten (Vertreter). Der Prinzipal beauftragt einen Agenten, die Ziele des Prinzipals zu verfolgen und zahlt ihm dafür ein Entgelt. Charakteristisch für die Agency-Beziehung ist ein Informationsgefälle: Dem Prinzipal fehlen Informationen über mögliche versteckte Eigenschaften, versteckte Handlungen oder versteckte Absichten. Der Agent kann die Unkenntnis des Prinzipals nutzen, um gegen dessen Interessen zu handeln.

Schnäppchen oder Montagswagen?

Betrachten wir als erstes den Fall der versteckten Eigenschaften am Beispiel des Gebrauchtwagenhandels. Auf dem Markt für Gebrauchtwagen ist der Käufer der Prinzipal. Er beauftragt den Verkäufer als seinen Agenten, ihm ein Auto zu liefern - mit einem gewünschten Qualitätsstandard. Dafür zahlt er einen Kaufpreis, wobei er sich am beobachtbaren Zustand des Wagens orientiert. Der Prinzipal weiß aber nicht, ob die Ware einen versteckten Mangel aufweist.

Er tut daher gut daran, bei seiner individuellen Qualitätseinschätzung die Messlatte etwas niedriger zu legen. Sinnvollerweise orientiert er sich an einem durchschnittlichen Erwartungswert und passt seine Preisvorstellungen nach unten an. Der Käufer ist also nur bereit, einen mittleren Preis zu zahlen. Das wiederum beeinflusst das Verhalten der Verkäufer, das heißt der Agenten, die über die Produktqualität besser Bescheid wissen. Die Anbieter der guten Ware ziehen sich zurück, da sie bei diesem mittleren Preis kein Geschäft machen. Die Anbieter der minderwertigen Produkte versuchen von der Unkenntnis der Käufer zu profitieren und drängen verstärkt in den Markt. Ergebnis: Der Anteil der Nieten im Warensortiment nimmt zu. Damit aber nicht genug: Die schlechtere Qualität spricht sich allmählich herum. Die Verkäufer mäßigen ihre Preiserwartungen noch mehr. Der Prozess wiederholt sich mit fatalen Folgen. Es kommt zu einer negativen Auslese. Die schlechte Qualität verdrängt die gute und der Markt versagt.

Achtsamer oder fahrlässiger Kunde?

Auch das Problem der versteckten Handlungen kann aus der Sicht der Prinzipal-Agent-Beziehung interpretiert werden. Dies lässt sich am Beispiel eines typischen Versicherungsabschlusses, zum Beispiel in Form einer Haftpflicht- oder Hausratversicherung, zeigen. Die Versicherungsgesellschaft ist der Prinzipal, der Versicherte der Agent. Ziel des Prinzipals ist es, einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Dafür muss er eine Gegenleistung bieten: die Übernahme bestimmter Risiken. Die Höhe des Risikos hängt dabei entscheidend vom Verhalten des Agenten ab. Letzteres kann der Prinzipal gar nicht direkt beobachten. Woher soll er wissen, ob der Agent bei einem Schadensfall fahrlässig gehandelt hat oder nicht? Diese Unkenntnis bedingt das Moral-Hazard-Dilemma. Moral Hazard heißt soviel wie moralische Versuchung oder moralisches Risiko. Der besser Informierte, also der Agent, könnte animiert sein, nach dem Abschluss des Versicherungsvertrages einen Schadensfall durch sorgloses Verhalten oder gar absichtlich herbeizuführen.

Drückeberger oder Leistungsträger?

Und wie gestaltet sich das Problem bei versteckten Absichten? Hierfür ist das Drückebergerverhalten von Arbeitnehmern ein wunderbares Beispiel. Wenn ein Unternehmen einen neuen Mitarbeiter einstellt, schließen beide einen Vertrag ab. Darin gehen sie eine zweiseitige Verpflichtung ein, die Verpflichtung zu Leistung und Gegenleistung. Aus der Sicht der Prinzipal Agent-Theorie ist der Arbeitgeber der Prinzipal. Bei Vertragsabschluss kennt er nicht die versteckten Absichten des Arbeitnehmers, seines Agenten. Wird sich dieser voll einsetzen oder ist er weniger strebsam? Handelt es sich gar um einen Drückeberger, der nur Dienst nach Vorschrift macht? Es besteht immer die Gefahr eines opportunistischen Verhaltens des Agenten. Der Grund liegt im Informationsdefizit des Prinzipals. Er kann den Agenten nicht lückenlos beobachten und kontrollieren. Erschwerend hinzu kommt die Cleverness des Drückebergers. Er wird seine Arbeit nach außen hin, das heißt formal korrekt erledigen, zum Beispiel die Arbeitszeiten einhalten, um sich so gegen eine mögliche Kündigung abzusichern.

Quintessenz

Die Prinzipal Agent Theorie ist ein geeigneter Denkansatz, um häufig anzutreffende Fälle von Marktversagen infolge asymmetrischer Information zu beschreiben und zu erklären. Sie stellt daher eine Bereicherung der traditionellen Mikroökonomie dar, die diesen Aspekt weitgehend vernachlässigt hat.

 

Autor

Professor Dr. Gustav Vogt lehrt an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Er hält Vorlesungen zu Volkswirtschaftslehre, Wirtschafts- und Währungspolitik und Rhetorik.

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