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Titelbild zum Beitrag: Wo Schatten ist, da ist auch Licht
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Wo Schatten ist, da ist auch Licht

Quo vadis 2009

Hiobsbotschaften gab es 2008 viele: Eine geplatzte Immobilienblase in den USA, ins Trudeln geratene Bankhäuser und explodierende Staatsverschuldungen diesseits und jenseits des Atlantiks. Doch was bringt 2009? Wird die Finanzkrise nun auch in der Realwirtschaft ankommen und die Arbeitslosenzahlen in die Höhe katapultieren? Oder kehrt vielleicht doch Ruhe auf den Märkten ein? Unsere Finanzexperte Michael Bloss wagt einen Blick in die Zukunft.

Von Michael Bloss, Europäisches Institut für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD), Frankfurt am Main

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„Rezession ist der vornehme Ausdruck für das brutale Wort „Wirtschaftskrise". Früher nannte man es schlicht und ergreifend schlechte Zeiten."

Dieses anonyme Zitat stelle ich an den Anfang meines Börsen- und Wirtschaftsjahresvorausblicks. Nicht weil ich in das Klagelied des wirtschaftlichen Abschwungs einstimmen möchte, sondern weil es in klaren Worten zeigt, wie es derzeit um die Weltwirtschaft steht - schlecht. Das zweite Halbjahr 2008 war von schweren und tief greifenden Verwerfungen an den Finanzmärkten geprägt, die sich auch in diesem Jahr noch deutlich auswirken werden. Doch was kann man vom Jahr 2009 nun wirklich erwarten?

An einer Tatsache lässt sich nichts deuteln: Die Industrieländer befinden sich in einer tiefen Rezession. Die deutsche Wirtschaft wird 2009 voraussichtlich so stark schrumpfen wie seit dem Ende des zweiten Weltkriegs nicht mehr. Analysten rechnen damit, dass selbst die Wachstumsprognosen der 30 DAX-Unternehmen in diesem Jahr um rund 40 Prozent nach unten korrigiert werden müssen.[1]

DAX unter Druck

Solche Aussagen fahren besonders Aktienhändlern durch Mark und Bein. Dieses Problem belastet in den ersten Monaten des Jahres deutlich die Märkte und zieht unter Umständen weitere Kurstiefs nach sich. Aber: Trotzdem oder gerade aufgrund dieser Turbulenzen besteht durchaus eine gute Chance, dass sich die Kurse im späteren Jahresverlauf - vor allem im dritten und vierten Quartal - erholen werden. Worauf diese Hoffnung beruht? Auf einem Blick in die Historie: Seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland vor 60 Jahren ist der DAX in allen Jahren, in denen die Wirtschaft geschrumpft ist, auch um zweistellige Prozentsätze gewachsen.[3]

Schlechter geht es (n)immer

Der Grund für diesen Zusammenhang ist eingängig: Ab einem gewissen Punkt ist die widrige Wirtschaftslage in den Kursen der Aktien eingepreist und die Hoffnung richtet sich auf eine Zukunft, in der eigentlich alles nur noch besser gehen kann. Die ersten Anzeichen, dass es auch 2009 einen solchen Effekt geben könnte, gibt der jüngste Anstieg des ZEW-Index.[5] Hier erwarten zwar nur wenige der befragten Finanzmarktakteure, dass die Rezession bald endet. Aber immer mehr sind der Meinung, dass die aktuelle wirtschaftliche Lage inzwischen als zu ungünstig bewertet wird.

Dies begrenzt früher oder später das Abwärtspotenzial am Aktienmarkt. Eine Stabilisierung oder gar eine Trendwende könnte folgen. Die hohe Inflation des letzten Jahres scheint im Griff. War sie doch vor allem Folge der rasant angestiegenen Rohstoffpreise, die sich gegenwärtig wieder normalisiert haben. Nun wird sogar über eine mögliche Deflation debattiert. Diese Gefahr scheint allerdings im Hinblick auf die staatlichen Konjunkturprogramme und den privaten Konsum[6] der vergangenen Monate in Deutschland und Europa eher unwahrscheinlich. Der Ausweis der Euro-Geldmenge M3 zeigte,[7] dass sogar im Krisenmonat Oktober 2008 die Geldmenge gestiegen ist.

Risiko Staatsanleihen

Die Diskussion über eine Deflation wird allerdings vor allem in den USA geführt. Aber auch jenseits des Atlantiks unternimmt die US-Notenbank alles Denkbare: Sie kauft Anleihen auf um bei einem Leitzins von annähernd 0 Prozent die Deflation zu bekämpfen. In einem Sitzungsprotokoll der FED ist sogar davon die Rede, dass die Notenbank die Vergabe von Steuerschecks direkt finanziert. Die geführte Debatte über die Deflation und die dagegen ergriffenen Maßnahmen sprechen allerdings auch dafür, dass sich die Renditen der Staatsanleihen nicht nur in den USA weiter reduzieren werden. Es drängt sich im Zuge dessen eine Frage auf: Hat sich auch auf dem Staatsanleihenmarkt eine spekulative Blase gebildet? Ob und wenn ja, wann diese platzt, ist schwer zu sagen. Sollte es dazu kommen, dann wird dies auch negative Auswirkungen auf die Rentenkurse haben.

Wirft man im Vergleich dazu einen Blick auf den so genannten Corporate-Bonds-Markt (Deutschland, USA), also den Markt für Unternehmensschuldverschreibungen, dann sind dort deutliche Renditeausschläge nach oben zu erkennen. So weisen selbst Papiere mit einem BBB-Rating mittlerweile einen Aufschlag von 600 Basispunkten[8] gegenüber einer vergleichbaren Bundesanleihe auf. Dieser Umstand sollte bei den Anlegern allerdings nicht in einer zu großen Euphorie münden, denn das Ausfallrisiko solcher Anleihen ist - aufgrund der Finanzmarktkrise - höher zu bewerten.

 

 

Rohstoffpreise steigen 2009 wieder an

Auch wenn die inflationären Tendenzen durch den Rückgang der Rohstoffpreise derzeit gebannt sind, so werden sich diese bei ersten Anzeichen einer Erholung der Weltkonjunktur wieder beleben. Genau dann treten erneut Probleme auf der Rohstoffangebotsseite auf. In der Folge werden die Preise wieder deutlich steigen. Ein Preis von 70 US-Dollar pro Barrel Rohöl[12]  rückt für Ende 2009 wieder in greifbare Nähe.

 

Bis dahin liegt für mindestens zwei Quartale ein sehr steiniger Weg vor uns. Die Europäische Zentralbank wird in diesem Zeitraum auf die schlechte konjunkturelle Lage in Europa mit einer deutlichen Zinssenkung reagieren - möglicherweise schrittweise. Im Zuge dessen wird sie den Leitzins gegebenenfalls sogar bis auf 100 Basispunkte senken. Die Folge werden deutliche Schwankungen beim Euro-US-Dollar-Kurs und anderen Wechselkursen sein.

Schwellenländer in Gefahr

Auch die Anleihen von Schwellenländern stehen vor einem schwierigen Jahr: Der globale Konjunkturabschwung sorgt für weniger Güter- und Dienstleistungsexporte aus den Schwellenländern. US-Dollar-Bestände wurden bereits aus risikoreichen Investments in Schwellenländern abgezogen und in liquideren Märkten neu investiert. Der unbegrenzte Zugang zu den Kapitalmärkten wurde durch die Finanzkrise zudem geschlossen. Folglich kommen Unternehmen aus Schwellenländern nur schwer an frisches Geld. Eine ernstzunehmende Bedrohung, selbst für gesunde Unternehmen.
Positiv ist jedoch zu werten, dass die Auslandsverschuldung (bezogen auf die wichtigsten weltweiten Schwellenländer) im Verhältnis zur Größe der einzelnen Volkswirtschaft auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren gesunken ist. Das deutet darauf hin, dass besonders asiatische Schwellenländer heute in einer deutlich besseren Verfassung sind als im letzten Jahrtausend.[14] Sollte jedoch die Konjunkturabkühlung stärker und länger sein als erwartet, so nimmt das Risiko einer staatlichen Zahlungsunfähigkeit für die Schwellenländer mit den schwächsten Fundamentaldaten deutlich zu.


Stimmung auf dem Immobilienmarkt weiterhin schlecht

Die Stimmung auf dem Immobilienmarkt ist auch 2009 gedrückt. Die Zahl der Zwangsvollstreckungen ist im vierten Quartal des letzten Jahres noch schneller gestiegen als die der Zahlungsausfälle. Nach Angaben des Verbands der US-Hypothekenbanken befanden sich knapp 7 Prozent aller ausstehenden Hausbaukredite, in den USA, im Zahlungsverzug.[15] Dadurch wird das auf dem Immobilienmarkt lastende Überangebot nicht abnehmen, obwohl nur noch wenige neue Häuser gebaut werden. Der Verfall der Immobilienpreise wird bis weit in das Jahr 2010 hinein anhalten, so vermuten erfahrene Analysten.[16]


Hedge Funds stehen vor Marktbereinigung

Auch Hedge Funds und Private-Equity-Gesellschaften stehen 2009 zahlreiche Veränderungen ins Haus: Der Markt für Hedge Funds wurde im vergangenen Jahr deutlich zu Recht gestutzt. Die Branche verzeichnete ihr schlechtestes Jahr seit 1990. Die Folge wird eine deutliche Marktbereinigung sein. Vor allem kleinere Kunden werden ihre restlichen Vermögen abziehen. Die Krise bringt jedoch auch Chancen: So ist es durchaus möglich, dass Private-Equity-Gesellschaften wieder stärker in den Mittelpunkt der Kreditverhandlungen treten werden. Durch die restriktiveren Kreditvergaberichtlinien wird der Weg für Wagniskapital wieder stärker in den Blickpunkt gerückt. Mezzanine Finanzierungen werden wieder stärkeres Interesse finden. Die Private-Equity-Branche steht noch vor einem deutlichen Umbruch, welcher bereits begonnen hat.[17]

Ausblick

Das Jahr 2009 wird auf jeden Fall spannend. Es bleibt zu hoffen, dass die Talfahrt an den Aktienmärkten ein Ende finden wird und der wirtschaftliche Abschwung an Intensität verliert. Die vorgestellten Fakten sprechen dafür, dass dies durchaus möglich ist. Vor der Frankfurter Börse stehen in Bronze gegossen ein Bär und ein Bulle als Zeichen für das ewige Auf und Ab an der Börse. Hoffen wir, dass der Bulle bald wieder das Zepter übernehmen wird.

 

Autor

Michael Bloss ist Abteilungsdirektor im Wealth Management der Commerzbank AG und Direktor des Europäischen Instituts für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD). Er lehrt als Associate Professor und Director for Derivatives im Masterstudiengang International Finance der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen und unterrichtet als Gastdozent an namhaften Universitäten und Hochschulen. Herr Bloss ist Mitglied des Management Board des Masterstudienganges International Finance (IFMSc) der HfWU.


[1] Quelle: Commerzbank AG ZCM Research

[2] Quelle: Markt-Daten.de

[3] Quelle: Commerzbank AG „Die Woche im Fokus" Was machen die Märkte 2009

[4] Quelle: Commerzbank AG ZCM Research

[5] Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

[6] Das Weihnachtsgeschäft 2008 liefr nach Angaben des Deutschen Einzelhandel Verbands zufrieden stellend.

[7] Quelle: EZB

[8] Quelle: Commerzbank AG ZCM Research

[9] Quelle: UBS, Bloomberg

[10] Quelle: UBS; JP Morgan, Merrill Lynch, Bloomberg

[11] Quelle: UBS, Merrill Lynch, Bloomberg

[12] Commerzbank AG ZCM Research

[13] Quelle: Bloomberg, CRB, OECD, UBS

[14] Quelle: UBS global outlook 2009

[15] Anm.: Zahlungsverzug länger als 30 Kalendertage

[16] Quelle: Commerzbank AG ZCM Research

[17] Vgl. Bloss, Ernst, Häcker, Eil: Von der Subprime-Krise zur Finanzkrise Oldenbourg Vlg.

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