Titelthema
Von so genannten Bad Banks ist derzeit sehr oft die Rede: Sie sollen Dutzende faule Kredite von ins Trudeln geratenen Geschäftsbanken übernehmen und deren Bilanzen spürbar entlasten. Nicht nur in Schweden agierte eine Bad Bank in der Vergangenheit durchaus erfolgreich. Ob dieses Modell auch aus der aktuellen Finanzkrise führen kann, wird derzeit nicht nur in Deutschland heftig diskutiert. Unser Finanzexperte beleuchtet diese „bösen" Banken genauer und wagt eine Einschätzung.
Von Michael Bloss, Europäisches Institut für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD), Frankfurt am Main
Der Ruf nach einer Bad Bank, quasi einer Sammelstelle für besonders Not leidende Kredite, wird auch hierzulande immer lauter. Auslagern, verschieben und die Banken operativ entlasten ist der Hintergrund dieser Denkübung. Verschieben und vielleicht sogar verbriefen? Geht damit das Spiel weiter, Subprime-Kredite einfach weiterzureichen?
Gewiss möchte sich jede Bank ihrer faulen Kredite am liebsten auf einen Streich entledigen. Käufer für solche toxischen Kreditpakete sind in Krisenzeiten allerdings nirgendwo zu finden. Den Banken bleibt folglich nur ein letzter und durchaus schmerzhafter Ausweg: die bilanzielle Wertberichtung. Könnte eine Bad Bank wirklich helfen?
Grundsätzlich wird für jeden Kredit, weil ihm das Risiko eines Ausfalls nun mal anhaftet, von der Kredit gebenden Bank Eigenkapital vorgehalten. Die Höhe des Eigenkapitals richtet sich nach den eingegangenen Kreditrisiken. Sie werden hierzulande mittels Basel II[1] oder früher dem so genannten Grundsatz I[2] beurteilt. Steigen diese Eigenkapitalanforderungen der Kredit gebenden Bank in nicht mehr zu erbringende Höhen, so muss die Bank eine Kapitalerhöhung durchführen.
Eine solche Kapitalerhöhung würde mit einem Vertrauensverlust der Anleger, etwa den Aktionären einer Bank, einhergehen. Da Banken aber von Vertrauen leben, kann ein solcher Schritt die Existenz bedrohen. Die Rekapitalisierung der Bank kann folglich auf der Kippe stehen.
Die Gründung einer Bad Bank würde es Bankhäusern ermöglichen, ihre faulen und damit toxischen Kredite im Paket an diese Bad Bank zum Nominalwert - gegebenenfalls abzüglich der erwarteten Verluste - zu verkaufen. Sie nimmt diese in den Bestand. Die ehemals Kredit gebende Bank ist damit aus der Haftung entlassen. Eigenkapital für diese Kredite muss sie nun auch nicht mehr vorhalten. Der durch die Transaktion entstandene Verlust wird von der Bank abgeschrieben. Kann sie dies nicht aus dem Eigenkapital tragen, muss sie auch in diesem Fall eine Kapitalerhöhung durchführen.
Und die Bad Bank: Sie bleibt keineswegs untätig. Sie versucht vielmehr die faulen Kredite abzuwickeln und eine Verwertung der Sicherheiten durchzuführen. Im Fokus hat sie eine möglichst rasche Klärung des Portfolios. Eine solche Kreditsanierung nimmt erfahrungsgemäß viel Zeit in Anspruch. Als reine Zweckgesellschaft ist die originäre Aufgabe der Bad Bank, Kreditportfolios zu bereinigen und zu klären. Ein weiteres operatives Geschäft hat sie nicht. Trotzdem muss auch ihr von außen Kapital zugeführt werden - etwa über staatliche Garantieaussagen und über Bürgschaften.
Die Idee einer Bad Bank ist nicht neu. In der schwedischen Bankenkrise wurde das Modell der Bad Bank bereits erfolgreich umgesetzt. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass im Zuge der Übernahme der faulen Kredite durch die Bad Bank die abgebenden Geschäftsbanken auch verstaatlicht wurden. In den USA wurde das Prinzip sowohl in der Weltwirtschaftskrise in den 1930er als auch in der Sparkassenkrise[3] der 1980er Jahre angewandt.
In allen dargestellten Fällen war die Gründung einer Bad Bank von Vorteil. Besonders in der Sparkassenkrise konnte die Bad Bank größeren Schaden gleichermaßen von den Kreditnehmern und den Banken abwenden. Die vom Staat damals gewährte Kreditsumme lag bei 400 Milliarden US-Dollar. Davon wurden allerdings nur 124 Milliarden US-Dollar in Anspruch genommen.
Die Gründung einer Bad Bank könnte einen schnellen und für die Banken zielgerichteten Weg aus der Krise ebnen. Für die Börsen wäre eine Bad Bank zudem ein Hoffnungsschimmer, der positiv in die Aktienkurse der Banken eingepreist werden könnte. Ob eine vorgeschaltete Verstaatlichung der die faulen Kredite emittierenden Bankhäuser notwendig ist, bleibt abzuwarten.
Der Gedanke, die Banken von ihren „Problemkindern" in der Bilanz freizustellen erscheint richtig. Erst dann könnten sie die freiwerdende Kapazität wieder für das operative Geschäft einsetzen. Politisch ist dieser Schritt jedoch derzeit nicht erwünscht. In Deutschland gehen die Überlegungen eher in Richtung Verstaatlichung von Geschäftsbanken und Bildung mehrerer dezentraler „kleiner" Bad Banks[4]. Diese wären dann nach Instituten geordnet und dezentral strukturiert. Auch die EU hat sich gegen eine Einheitslösung ausgesprochen.
Auch die US-Amerikaner denken über eine Bad Bank nach. Allerdings unter einem anderen Namen und mit anderer Ausgestaltung. Die US-Regierung möchte eine Treuhandgesellschaft für Finanzstabilität[5] ins Leben rufen. Von ihr könnten die Banken noch weiteres Mal frisches Kapital erhalten. Um diese Hilfe in Anspruch nehmen zu können, müssen sie sich allerdings einem Stress-Test unterziehen. Bei diesem Test stehen die Widerstandsfähigkeit und der weitere Kapitalbedarf der Banken unter der Annahme einer Verschärfung der Finanzkrise auf dem Prüfstand. Transparenz und Vertrauen sollen dadurch geschaffen werden.
Dem nicht genug: Die US-Regierung gründet außerdem eine Auffangbank, die den angeschlagenen Kreditinstituten faule und illiquide Wertpapiere abkauft. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um eine klassische Bad Bank, sondern um ein Institut, dass überwiegend mit privatem Kapital finanziert werden soll. Die US-Regierung achtet penibel darauf, dass in den Medien in diesem Fall nicht von einer Bad Bank, sondern von einem „Öffentlich-Privaten-Investitionsfonds" die Rede ist.
Der Fonds ist zunächst auf ein Volumen von 500 Milliarden Dollar angelegt, soll aber gegebenenfalls auf eine Billion Dollar anwachsen können. Mit der Einbeziehung privater Investoren und Manager möchte die Regierung vor allem eine marktwirtschaftliche Lösung für das zentrale Problem der Auffangbank finden.
Da sich die Preisfindung der faulen Kredit-Pakete schwierig gestaltet, ist nicht zu sagen, wo der faire Preis liegt. Dies zieht einerseits harsche Kritik von Marktteilnehmern bei zu preiswert erworbenen Paketen nach sich und bietet andererseits Streitpotenzial bei zu teuer gekauften. Hier wäre eine zu starke Subventionierung der Banken anzukreiden.
Eine Bad Bank ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung, da durch sie die Banken entlastet werden. Sie hilft den Banken zudem dabei, sich auf ihr operatives und auch volkswirtschaftlich wichtiges Geschäft zu konzentrieren. Aber auch mit einer Bad Bank wird der Weg aus der Krise noch lange Zeit in Anspruch nehmen und durchaus steinig sein.
Michael Bloss ist Abteilungsdirektor im Wealth Management der Commerzbank AG und Direktor des Europäischen Instituts für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD).
Er lehrt als Associate Professor und Director for Derivatives am „Chair of International Finance" der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen und unterrichtet als Gastdozent an namhaften Universitäten und Hochschulen. Herr Bloss ist Mitglied des Management Board des Masterstudienganges International Finance (IFMSc) der HfWU.
[1] BASEL II bezeichnet die Gesamtheit der Eigenkapitalvorschriften die vom Baseler-Ausschuss für Bankenaufsicht in den letzten Jahren festgelegt wurden.
[2] Grundsatz I hatte bis zum Dezember 2006 Bestand im Aufsichtsrecht der Banken. Seit Januar 2007 ist dieser durch die Solvabilitätsverordnung abgelöst worden.
[3] Saving and Loan Crises in den 1980er Jahren; über 1.000 Sparkassen brachen im Zuge dieser Krise in den USA zusammen. Die Auslagerung fand an die RTC (Resolution Trust Corporation) statt.
[4] Commerzbank hat eine eigene Bad Bank gegründet; das Modell orientiert sich an der 2002 in der Dresdner Bank gegründeten Bad-Bank-Lösung.
[5] Financial Stability Trust.