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Titelbild zum Beitrag: Das ökologische Gewissen
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Das ökologische Gewissen

Die Recyclingquote richtig bestimmen und interpretieren

Ressourcen sind knapp. Der sparsame und nachhaltige Umgang damit wird immer wichtiger. Im Controlling haben sich deswegen bereits verschiedene Kenngrößen durchgesetzt, die besonders auf die Nachhaltigkeit und damit auch den Schutz der Umwelt abzielen - und zwar im Sinne einer gezielten Rückführung von Materialien und Energie aus Produktions- und Konsumprozessen. Die Recyclingquote ist eine solche Kennzahl. Über ihre Bestimmung und ihren Aussagegehalt gibt ein Berliner Kennzahlen-Profi Auskunft.

Von Professor Dr. Hans-Ulrich Krause, Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

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Fragestellung

Wie groß ist der Anteil der in den betrieblichen Produktionskreislauf zurückgeführten Stoffe oder Energien? Jeweils sinnvoll differenziert nach den einzelnen Objekten zum Beispiel bestimmten Rohmaterialien, so genannten Sekundärrohstoffen.

Definition

Die Kennzahl „Recyclingquote" wird in der Dimension „%" angegeben

Ermittlung

Die erforderlichen Informationen sind im Wesentlichen aus den Betriebsdatenerfassungssystemen (BDE) zu entnehmen, die der Kosten- und Leistungsrechnung vorgelagert sind - und gegebenenfalls nach Stoffen und Produktionsstufen gegliedert - den Entscheidern zur Verfügung zu stellen.

Betriebswirtschaftlicher Aussagewert und Größenordnung

Die Kennzahl „Recyclingquote" gewinnt angesichts eines gesamt- wie einzelwirtschaftlich zunehmenden ökologischen Handlungsbedarfs auch auf unternehmerischer Ebene spürbar an Bedeutung. Sie gilt als ein Indikator für nachhaltiges Wirtschaften im Sinne einer gezielten Rückführung von Materialien und Energie aus Produktions- und Konsumprozessen wieder in die Produktion. Im Allgemeinen stehen zunächst ausgewählte (gegebenenfalls teure oder knappe) Primär-Werkstoffarten oder Produkte mit entsprechend hoher Werthaltigkeit oder Sortenreinheit im Vordergrund der Analysen.

Die Höhe der erreichten oder anzustrebenden konkreten Recyclingquote unterscheidet sich - aus zahlreichen (technisch-physikalischen und ökonomischen) Gründen - meist erheblich zwischen einzelnen Branchen und Unternehmen. Als Orientierungen zur Größenordnung dieser Kennzahlenwerte können neben den üblichen unternehmensinternen Vergleichsmöglichkeiten (zwischen organisatorischen Teilbereichen oder als Soll-Ist-Relation) unternehmensextern - soweit zugänglich - Branchendurchschnittswerte oder „Best-Practice-Werte" herangezogen werden.

Handlungsanregungen

Die einzelwirtschaftlichen Ansatzpunkte für ein Recycling können innerbetrieblichen Charakter aufweisen, zum Beispiel die Vermeidung der Entsorgung unerwünschter Nebenprodukte der Produktion, so genannter Kondukte, durch Wiedereinsatz als Sekundärrohstoff oder durch unternehmensübergreifende Formen einer Zusammenarbeit geprägt sein, etwa den Aufbau und die gemeinschaftliche Nutzung von Retrodistributionssystemen, koordinierte Wiederaufarbeitung der festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffe.

Im Einzelnen können weitere Aufgliederungen der Kennzahl vorgenommen werden, um zu betriebswirtschaftlich sinnvollen Erkenntnissen zu gelangen, beispielsweise in Form der

  • Produktrecyclingquote: Variante „Wiederverwendung": Das Produkt dient auch beim erneuten Gebrauch dem gleichen Verwendungszweck wie bei der Erstnutzung - zum Beispiel Pfandflasche;
    Variante „Weiterverwendung": Das Produkt dient beim erneuten Gebrauch einem anderen Verwendungszweck als bei der Erstnutzung - zum Beispiel Eisenbahnschwellen als massive Gartenzaunlatten
  • Materialrecyclingquote: Variante: „Wiederverwertung": Das Material wird erneut in bereits früher durchlaufenen (gleichen) Erzeugungsprozessen eingesetzt, wobei jedoch die Form des Materials teilweise oder vollständig aufgelöst oder verändert wird - zum Beispiel Altglasrecycling; Variante „Weiterverwertung": Das Material wird in anderen Erzeugungsprozessen zur Gewinnung neuer Stoffe oder Produkte eingesetzt - zum Beispiel Kunststoffsitze in Sportstadien aus früheren Getränkeverpackungen; vielfach auch mit dem Begriff des „Downcycling" oder „Upcycling" belegt

In zunehmendem Maße werden die unternehmerischen Aktionsspielräume durch nationale und internationale Vorschriften (Gesetze und Verordnungen) beeinflusst.

Verwandte Kennzahlen/Zusätzliche Anmerkungen

Als Synonym für die „Recyclingquote" ist unter anderem gebräuchlich:

  • Wiedereinsatzquote
  • Sekundärrohstoffquote

Neben mengenmäßigen Größen sind im Bereich des Ökologie-Controllings auch wertmäßige Kennzahlen in erheblichem Umfang sinnvoll einsetzbar, beispielsweise zur Beurteilung der Kosten des Recyclings, der Einsparungseffekte beim Einsatz von Sekundärrohstoffen oder der Erträge aus dem Verkauf recycelter Materialien.

 

Autor

Professor Dr. Hans-Ulrich Krause ist Inhaber einer Professur für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt „Controlling/Rechnungswesen" an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.

 

Weiterführende Literaturempfehlung

Krause, Hans-Ulrich /Arora, Dayanand: Controlling-Kennzahlen - Key Performance Indicators. Zweisprachiges Handbuch Deutsch/Englisch. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2008.

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