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Zerstörerisch oder einfach nur genial

Im Fokus: Hedgefonds

In der momentanen Finanzkrise ist es um Hedgefonds stiller geworden. Vor wenigen Jahren war das allerdings anders: Einige Politiker bezeichneten sie als Heuschrecken. Andere zollten ihnen Respekt. Für die breite Öffentlichkeit stellen Hedgefonds noch heute eine Black Box dar. Der Grund: die Anlagestrategien sind durchaus komplex und die Anlageform steht nur gut situierten institutionellen Investoren offen. Unser Finanzmarktexperte bringt Licht ins Dunkel.

Von Michael Bloss, Europäisches Institut für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD), Frankfurt am Main

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Hedgefonds sind Heuschrecken, Leichenfledderer und Zerstörer der alten Deutschland AG. Davon war in der Vergangenheit nicht nur an Stammtischen die Rede. Bei genauer Nachfrage wissen allerdings die wenigsten, was genau hinter einem Hedgefonds steckt und warum einige Politiker schon allein beim Gedanken an dieses komplexe, alternative Investment Magenschmerzen bekommen.

In dem Begriff Hedgefonds stecken gleich zwei ökonomische Vokabeln: Zum einen das Hedging, das für absichern steht, und zum anderen der Fonds, der salopp ausgedrückt eine Geldsammelstelle für anlagewillige Investoren ist und unter der Zielsetzung agiert, positive Renditen zu erwirtschaften.

Viele Hedgefonds sind als Offshore-Gesellschaften in steuergünstigen und wenig regulierten Gebieten - zum Beispiel den auf den Bahamas - beheimatet. Schon allein dieser Umstand lässt viele Menschen etwas Geheimnisvolles und Halbseidenes vermuten. Er schürt aber auch den Mythos um diese Fonds.

Ein findiger Investor

Der erste Hedgefonds wurde 1949 vom amerikanischen Investor Alfred Winslow Jones (1900-1989) gegründet. Seine Strategie: Aktien attraktiver Unternehmen aufkaufen und Aktien weniger attraktiver Unternehmen verkaufen - ohne diese tatsächlich zu besitzen (so genannte Leerkäufe). Der findige Jones lieh sich also Aktien und kaufte sie später, wenn sie an Wert verloren hatten, günstiger zurück. Durch diesen parallelen Kauf und Verkauf minimierte er sein Risiko und sicherte sich außerdem gegen Marktschwankungen ab. Auch heute gehören solche so genannten Short-Strategien noch zum Basisrepertoire eines Hedgefonds-Managers.

Der breiten Öffentlichkeit wurden Hedgefonds jedoch erst Ende der 1990er Jahre bekannt, mit den Fehlspekulationen des Long Term Capital Management Hedgefonds (LTCM). Diese Fehlspekulation mündete um ein Haar in einem Kollaps des internationalen Finanzsystems.

Aber auch in den vergangenen Jahren war es alles andere als ruhig um diese Fonds und deren Manager. Zum Beispiel als sie die alte Deutschland AG ins Visier nahmen. Genau zu diesem Zeitpunkt erkor besonders die Politik die Hedgefonds zum Prügelknaben.

Komplex und hoch lukrativ

Doch wie konnte es eigentlich soweit kommen? Ein Grund mag in der Komplexität dieser Fonds liegen. Die Strategien, die ein Hedgefonds-Manager einsetzen kann, sind sehr vielschichtig und für den Laien nicht immer einfach nachzuvollziehen. Gängig sind so genannte

  • Equity-Strategien,
  • Relative-Value-Strategien,
  • Event-Driven-Strategien und
  • Global-Macro-Strategien.

Equity-Strategien: Bei Long-/Short-Strategien werden Aktien ge- oder verkauft. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass der Fonds auch Aktien verkaufen kann, die er nicht besitzt. Dieses „Short Selling" gibt ihm die Möglichkeit aktiv, auf fallende Kurse zu spekulieren. Gleichzeitig kann er durch den Einsatz von Derivaten (Optionen und Futures, vgl. „Besser als das Original" economag.de Ausgabe 3/2008) zurückgreifen und diese aktiv in die Strategie einbeziehen. Die eingesetzten Derivate können entweder zur Grundstrategiegenerierung genutzt werden oder auch Marktrisiken aus einer solchen Grundstrategie absichern. Long und Short Equity Strategien setzen eine akute und fundierte Analyse des Spekulationsobjekts (Underlying) voraus.

 

Relative-Value-Strategien: Die klassische Arbitragestrategie ist keine Risikostrategie, da lediglich bestehende Marktungleichgewichte beziehungsweise unterschiedliche Marktpreise an unterschiedlichen Orten (aus)genutzt werden. Im einfachsten Fall wird am Börsenplatz A günstig gekauft und am Börsenplatz B teurer verkauft. Im Rahmen einer Arbitrage werden also stets zwei Geschäfte nahezu gleichzeitig getätigt. Der Gewinn besteht immer aus der Differenz beider Geschäfte zueinander.

 

Event-Driven-Strategien: Bei diesen Strategien machen sich die Manager besondere Sachverhalte, zum Beispiel Fusionen, Übernahmen, Management Buy Outs oder Joint Ventures, zu Nutze. Es bedarf folglich immer einer besonderen Situation, um eine „Event Driven Strategy" aufsetzen zu können.

Global-Macro-Strategien: Bei diesen Strategien setzen die Manager darauf, makroökonomische Marktentwicklungen frühzeitig zu erkennen und gewinnbringend zu nutzen. Diese Strategien setzen die oben genannten Strategien in einem gesamtwirtschaftlichen Kontext ein. Es bedarf folglich einer vorherigen qualitativ hochwertigen Einschätzung der Marktgegebenheiten. Erst nach dieser Einschätzung kann der Manager die Strategien richtig auswählen und lukrativ einsetzen. Gleichzeitig definiert er Ein- und Ausstiegszeitpunkte und Gewinn- und Verlustschwellen und sichert sich gegebenenfalls ab.


Ein positives Alpha

Wenn ein Hedgefonds-Manager von einem positiven Alpha seines Fonds spricht (Jensen Alpha), so hat der er mit einer Strategie oder einer Kombination der oben beschriebenen Strategien, einen Mehrertrag im Vergleich zum Benchmark geschaffen.


Nichts für jedermann

Welche Strategie ist die Richtige? Die Beantwortung dieser Frage ist nicht einfach. Daher gibt es auch so genannter Multi Strategy Fonds. Sie beinhalten eine Vielzahl von Strategien in einem Fonds. Sie versuchen stets, mit den lukrativsten Strategien Geld zu verdienen.

Bis zum Jahr 2004 war ein Investment in Hedgefonds für private Investoren nicht möglich. Grund: Diese Fonds sind nicht generell zum öffentlichen Vertrieb zugelassen. Seit der Zulassung von „Sondervermögen mit besonderen Risikoeigenschaften" durch die Aufsichtsbehörden ist dies nun möglich - allerdings unter erschwerten Bedingungen. So werden Fonds, die aktiv auf Short Selling setzen, in Deutschland nur über Private Placements, also nicht öffentlich oder unter Ausschluss der Börse, vertrieben und richten sich meist ausschließlich an institutionelle Anleger, die in der Regel über große Investitionsvolumina verfügen. Für Privatanleger wurde das Anlagevehikel mittels eines Dachfondskonstrukts geöffnet. Durch verschiedene Regulierungen sind diese Fonds jedoch besten Falls als Light Versions zu deklarieren. Will ein Investor einen solchen Fonds abschließen, so wird er umfassend und ausgiebig auf alle Risiken hingewiesen.

Jede Medaille hat zwei Seiten

Immer wieder wird aus den ganz unterschiedlichsten Kreisen harsche Kritik an den Hedgefonds geübt. Argumentiert wird dabei allzu oft sehr emotional - etwa aus den Ängsten heraus - oder aber aus einer politischen Stimmung heraus. Das Positive an Hedgefonds wird dabei meist ausgeblendet. Zum Beispiel, dass sie

  • zur absoluten Liquidität an den Märkten,
  • zur fairen Preisbildung wie auch
  • zur besseren Stabilität der Finanzmärkte

beitragen. Selbstverständlich können Schieflagen eines Hedgefonds auch negativ auf einen Markt wirken. Das ist aber letztendlich bei allen großen Finanzmarkttransaktionen der Fall. Hedgefonds haben auf dem Finanzmarkt Gewicht und sind hoch komplex, dennoch sollten sie nicht pauschal verteufelt werden.

 

Autor

Michael Bloss ist Abteilungsdirektor im Wealth Management der Commerzbank AG und Direktor des Europäischen Instituts für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD). 
Er lehrt als Associate Professor und Director for Derivatives am „Chair of International Finance" der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen und unterrichtet als Gastdozent an namhaften Universitäten und Hochschulen. Herr Bloss ist Mitglied des Management Board des Masterstudienganges International Finance (IFMSc) der HfWU. 

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