Zum Oldenbourg Wissenschaftsverlag

Titelbild zum Beitrag: Pöbeleien am Arbeitsplatz
.

Pöbeleien am Arbeitsplatz

Kurz erklärt: Mobbing

Mobbing gehört in vielen Unternehmen zum Alltag. Leidtragende sind neben den Opfern auch die Unternehmen und, da Mobbing häufig zu Krankheit führt, das Sozialversicherungssystem. Erfahrt mehr über Pöbeleien am Arbeitsplatz und die vielfältigen Folgen.

Von Professor Dr. Hans Jung, Hochschule Lausitz

.

PDFDiesen Beitrag als PDF.

.

Der schwedische Arbeitspsychologe und Betriebswirt Leymann führte den Begriff Mobbing als erster in der Betriebswirtschaftslehre ein. Sprachlich lässt sich Mobbing von dem englischen Verb to mob ableiten, was soviel bedeutet wie jemanden bedrängen, anpöbeln oder angreifen. Der Begriff Mobbing beschreibt nach Leymann negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren) und die sehr oft oder über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehungen zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.[1]

Folgende Mobbing-Handlungen lassen sich im Allgemeinen unterscheiden: Angriffe auf die Mitteilungsmöglichkeiten der Mitarbeiter, Angriffe auf die sozialen Beziehungen der Belegschaft, Attacken auf das soziale Ansehen einer Persönlichkeit, Beschränkungen der Qualität der Berufs- und Lebenssituation und Angriffe auf die Gesundheit einer Person.[2] Mobbing hat damit einen negativen Einfluss auf das Betriebsklima. Sind Mitarbeiter anhaltenden Attacken ihrer Kollegen oder Vorgesetzten ausgesetzt, führt das zu einem Rückgang der betrieblichen Mitarbeit, das Betriebsergebnis wird dadurch für den einzelnen uninteressant.


Mobbing und Bullying

Einmalige und kurzfristige Interaktions- und Kommunikationsprobleme werden mit dem Begriff Bullying beschrieben.


Für Gemobbte bleibt die innere Kündigung als Abwehrmittel oft unausweichlich. Schätzungen gehen davon aus, dass fast jeder sechste Arbeitsnehmer in Deutschland gemobbt wird und dabei gesundheitliche Schäden davonträgt. Die Behandlungskosten, die das Sozialversicherungssystem und die Unternehmen zu tragen haben, werden jährlich auf 500 Millionen Euro geschätzt.[3] Darüber hinaus werden die Betriebsergebnisse der Unternehmen auf unnötige Fehl- und Krankenzeiten beeinträchtigt, so dass Mobbing auch Gewinneinbußen verursacht.

Mobbing stellt daher anhaltende Interaktions- und Kommunikationsstörungen zwischen Arbeitsnehmer einer oder mehrerer Hierarchiestufen dar, die anhaltend das allgemeine Betriebsklima beeinträchtigen und den unternehmerischen Gewinn negativ beeinflussen. Es ist daher eine zentrale Aufgabe des betrieblichen Personalmanagements Gegenstrategien zum betrieblichen Mobbing zu entwickeln.

 

Autor

Professor Dr. rer. pol. Hans Jung lehrt an der Hochschule Lausitz Betriebswirtschaftslehre und Personalmanagement.

 


 

[1] Leymann, H.: Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann, Reineck bei Hamburg 1993, S. 21.; Vgl. Esser, A./Wolmerath, M.: Mobbing. Der Ratgeber für Betroffene

und ihre Interessenvertretung, 5. Aufl., Franfurt/Main 2003.

[2] Vgl. Industriegesellschaft Metall (Hrsg.): Mobbing - Wo andere leiden, hört der Spaß auf, Frankfurt/

Main 1997, S.3 ff.

[3] 51 Vgl. Hesse, J./Schrader, H. C.: Krieg im Büro - Konflikte am Arbeitsplatz und wie man sie löst, Frankfurt/

Main 1995, S. 28.; Vgl. Kolodej, C.: Mobbing - Psychoterrror am Arbeitsplatz und seine Bewältigung,

Wien 1999, S. 107.

 

.
.