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Titelbild zum Beitrag: Damit ein Schuh draus wird
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Damit ein Schuh draus wird

Ziele und Aufgaben des Entwicklungsmanagements

Innovativer, schneller und besser als die Konkurrenz. Dies zu gewährleisten, ist Aufgabe des Entwicklungsmanagements. Was genau dahinter steckt, haben wir bei einem Kenner des Fachs nachgefragt und stießen auf ein äußerst vielschichtiges Bild.  

Von Professor Dr. Walter Ruf, Hochschule Albstadt-Sigmaringen

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Die IT erobert die Welt

Die steigende Verbreitung und die zunehmende Abhängigkeit von funktionierenden Informationssystemen und den darauf aufbauenden Geschäftsprozessen führen bei den Unternehmen zu neuen Herausforderungen im Bereich der Informationsverarbeitung. Um neue Märkte zu erschließen und auch langfristigen Erfolg zu gewährleisten, ist es essentiell, diese Herausforderungen anzunehmen und sich den Trends nicht zu verschließen. Eine globale Unternehmensausrichtung mit  unternehmensübergreifenden Geschäftsprozessen und einer neuen Art der Unternehmenszusammenarbeit[1] rückt in greifbare Nähe, weil die Vorteile nicht wegzureden sind:

  • eine Wertsteigerung (IT als Enabler neuer Geschäftsmodelle zum Beispiel durch Produktvertrieb über einen Internetshop),
  • eine Leistungssteigerung (zum Beispiel durch bessere Geschäftsprozesse in Unternehmen und in der Lieferkette) oder
  • eine Kostensenkung (durch preiswertere Geschäftsprozesse).[2]


Kritischer Erfolgsfaktor

Die Informationsverarbeitung ist in vielen Bereichen längst zum kritischen Erfolgsfaktor geworden. Die Art und Qualität der Informationen sowie Qualität und Effizienz der Entscheidungsprozesse gilt es nun angemessen zu gestalten.[3] Für die Anpassung und die Entwicklung von Informationssystemen ist das Entwicklungsmanagement verantwortlich.


Große Verantwortung: der CIO

Die organisatorische Zuständigkeit für die Belange des Entwicklungsmanagements wird immer öfter in die Hände eines Chief Information Officers (CIO) gelegt. Hierbei handelt es sich um eine Position nach amerikanischem Vorbild, die im Topmanagement angesiedelt ist. Der CIO verfügt über IT-  und Businesskompetenz und ist im Gegensatz zu den traditionellen DV-Leitern kein technikorientierter Spezialist, sondern ein geschäftsprozessorientierter Generalist. Als ein Mitglied der Geschäftsleitung befasst er sich mit der Frage, wie durch den Einsatz von Informationssystemen die Unternehmensziele erreicht werden können.[4] Hauptverantwortlich soll er auf der einen Seite die Chancen und den Nutzen der Informationsverarbeitung und auf der anderen Seite die Gefahren im Unternehmen beurteilen und managen.

Von der Vision...

Im Rahmen des strategischen Managementprozesses (Abbildung 1) geht man von einer sehr langfristig angelegten Vision (Mission) aus, die sich auch als eine Art Unternehmensphilosophie verstehen lässt. Diese bildet die Basis für ein Unternehmensleitbild, das allgemeine Führungsgrundsätze enthält und darüber hinaus über viele Jahre hinweg Gültigkeit besitzt. Darauf aufbauend und anschließend werden für eine Planungsperiode konkrete Unternehmensziele beschrieben. Die Unternehmensstrategie legt also den Weg fest, in welcher Art und Weise die Unternehmensziele verfolgt werden sollen. An diesem Punkt tritt sehr häufig der CIO auf den Plan. In sein Aufgabengebiet fällt es dann auch aufzuzeigen, wie die Unternehmensziele durch den Einsatz von Informationssystemen erreicht oder effizienter erreicht werden können. Demzufolge leiten sich also aus der Unternehmensstrategie die Ziele des Informationsmanagements ab.

...zur Strategie

Im Rahmen einer Informationsstrategie, die auch als IuK[5]- oder Informatikstrategie bezeichnet wird, erfolgt anschließend die Festlegung, wie die Ziele des Informationsmanagements verfolgt werden sollen. Aus dieser Informationsstrategie ergeben sich unter anderem die Anforderungen an das Entwicklungsmanagement. Dieser strategische Planungsprozess ist nicht isoliert zu betrachten, sondern ist eigebettet in unternehmensinterne und unternehmensexterne Beziehungen. Durch die Integration der unternehmensexternen Beziehungen sollen die Unternehmensumwelt, der Markt der IuK-Techniken sowie gesetzliche oder auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen einbezogen werden. Die verwendete IuK-Systemarchitektur, die bestehenden Geschäftsprozesse oder auch das vorhandene Informationsangebot werden durch die explizite Betrachtung der unternehmensexternen Beziehungen berücksichtigt.[6]

Die Rolle des Entwicklungsmanagements

Die zentrale Aufgabe des Entwicklungsmanagements liegt nun in der Entwicklung und der Anpassung von Informationssystemen. Zu diesem vielfältigen Aufgabengebiet gehören u.a. folgende Teilaufgaben:

  • das Management von neuen IT-Projekten (Ganzheitliches IT-Projektmanagement),
  • Rahmenvorgaben für die Entwicklung von Informationssystemen und das
  • Lebenszyklusmanagement.

Ganzheitliches IT-Projektmanagement

Veränderungen bei Informationssystemen lassen sich nur im Rahmen von IT-Projekten durchführen. In diesem Aufgabengebiet sollen möglichst ganzheitliche Informationssysteme entstehen. Deren Besonderheit besteht darin, dass die Entwicklung das Managen vielfältiger Wirkungsbereiche von Informationen erfordert. So kann man durch den Produktionsfaktor Information zum Beispiel viel mehr beeinflussen als nur einen Geschäftsprozess mit Durchlaufzeiten oder Bearbeitungsaufwand. Information gestaltet nicht zuletzt die Beziehungen zwischen zwei Unternehmen oder zu Endkunden. Auch der arbeitende Mensch wird durch die Art und Weise tangiert, wie die Informationssysteme gestaltet werden. Es ist längst keine Frage mehr, ob uns Informationssysteme bei der Aufgabenerfüllung nützlich sind. Aber: Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass diese Systeme nicht fehlerfrei oder sogar umständlich, kompliziert oder stupide sein können, wie dies zum Beispiel bei einfachen Datenerfassungsaufgaben der Fall ist.

Informationssysteme haben Auswirkungen darauf, wie man mit Kunden/Lieferanten zusammenarbeitet. Informationen haben Wirkungen auf das Wissensmanagement im Unternehmen. Aus Informationen von abgeschlossenen Projekten lässt sich so zum Beispiel erschließen, welche Phasen wie geplant umgesetzt wurden oder wo Probleme aufgetreten sind. Das daraus abgeleitete Wissen kann bei neuen oder ähnlich gelagerten Projekten künftig genutzt werden. Gelingt es zum Beispiel einen ansprechenden Internetshop zu gestalten, so ist dieses Informationssystem wesentlich für den Verkaufserfolg und damit den Unternehmenserfolg verantwortlich.

Diese Wirkungsbereiche ergeben sich also aus der Analyse, wohin Informationen fließen (Abbildung 3).

Das Entwicklungsmanagement trägt die Verantwortung  für die Umsetzung von IT-Projekten. Für einzelne IT-Projekte ist wiederum das IT-Projektmanagement zuständig.[7] Die Projektleiter erhalten vom Entwicklungsmanagement die Vorgaben für die Umsetzung  (Leistungs-/Funktionalitätsvorgaben, Projektdauer, Qualität, Projektressourcen). Ein generelles Ziel des Entwicklungsmanagements lautet festzulegen, wie ganzheitliche Informationssysteme entwickelt werden müssen, damit die Anforderungen eines ganzheitlichen Informationsmanagements erreicht werden.[8] Nur das Entwicklungsmanagement kann vorgeben, welche Wirkungsbereiche bei der Entwicklung neuer Informationssysteme berücksichtigt werden sollen.

Ein Rahmen für Entwicklung

Das Entwicklungsmanagement gibt die Rahmenbedingungen vor, in denen neue Informationssysteme in einem Unternehmen entwickelt werden. Eine wesentliche Aufgabe besteht deshalb darin, eine problem- und unternehmensspezifische Auswahl der anzuwendenden Prinzipien, Methoden, Verfahren und Tools zu treffen. Diese Auswahl orientiert sich an den entwicklungsbezogenen Zielen, die sich unter anderem auf die geplanten Kosten, die Entwicklungszeit und die angestrebte Softwarequalität beziehen. Dabei sind durch das Entwicklungsmanagement folgende Rahmenbedingungen vorzugeben:

  • Berücksichtigung von vorhandenen IT-Anlagen und Peripherie,
  • vorgegebene Schnittstellen zu bestehenden Softwareprodukten,
  • vorgegebene Programmiersprachen,
  • Auswahl und Einsatz von Entwicklungstools,
  • Qualität und Erfahrung des Entwicklungsteams,
  • bereits geplante, jedoch erst später zu realisierende IT-Aufgaben,
  • Auswahl von gedanklichen Hilfsmitteln (wie Best Practice Ansätze[9]), die bei der Softwareentwicklung berücksichtigt werden sollen,
  • Entscheidung make or buy von Informationssystemen oder Entwicklungsaufgaben

Alles hat ein Ende: Lebenszyklusmanagement

Wie alle Produkte, so unterliegen auch Informationssysteme einem gewissen Verschleiß. Beim Lebenszyklusmanagement konzentriert man sich auf die Phase nach der Inbetriebnahme. Betrachtet man die Kosten, die während des gesamten Lebenszyklus von Informationssystemen entstehen, so muss man feststellen, dass der größte Kostenanteil nach der Inbetriebnahme anfällt.
Wartungs-, Sanierungs- oder Entsorgungsaufgaben werden gezielt in den Aufgabenbereich des Entwicklungsmanagements integriert.[10]

Ausblick

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Entwicklungsmanagement in vielen Teilen Überschneidungen mit dem Wissensgebiet Software-Engineering hat. Ein wesentlicher Unterschied liegt bei einem ganzheitlich orientierten Entwicklungsmanagement in der integralen Beziehung zum Informationsmanagement und damit zu den Unternehmenszielen und in der Berücksichtigung der vielfältigen Wirkungsmechanismen des Produktionsfaktors Information.

Heute sind in vielen Unternehmen die Aufgaben des Entwicklungsmanagements sehr unterschiedlich geregelt. Eine Standardisierung über Unternehmensgrenzen hinweg wäre ausgesprochen hilfreich. Man kann deshalb davon ausgehen, dass wesentliche Rationalisierungserfolge durch den Einsatz von Referenzmodellen (V-Modell XT, Cobit, Prince 2 oder auch ITIL) möglich sein werden.

 

Autor

Professor Dr. Walter Ruf lehrt an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen in den Studiengängen Wirtschaftsingenieurwesen, Bekleidungstechnik und Maschinenbau.

 


 

[1] Unternehmen innerhalb einer Lieferkette stimmen immer häufiger ihre Geschäftsprozesse aufeinander ab. Dadurch versucht man die Produktionsprozesse so auszurichten, dass zum Beispiel eine teure Lagerhaltung bei Lieferanten und Kunden vermieden oder zumindest reduziert wird.

[2] vgl. Buchta, Dirk; Eul, Marcus; Schulte-Croonenberg, Helmut: Strategisches IT-Management; 3. Auflage; Wiesbaden 2009; S. 14

[3] vgl. Biehthahn, J.; Mucksch, H.; Ruf, W.: Ganzheitliches Informationsmanagement, Band I: 6. Auflage; 2004; S. 49

[4] vgl. Ruf, W.: Ein ganzheitliches Informationsmanagement als Basis für erfolgreiche Electronic Businesslösungen; S. 260 f.

[5] Informations- und Kommunikationstechnologie

[6] vgl. Gabriel, R.; Beier, D.: Informationsmanagement in Organisationen; Stuttgart 2003; S. 95 f.

[7] Eine ausführliche Beschreibung, wie einzelne IT-Projekte nach diesem ganzheitlichen Ansatz umgesetzt werden, findet man in Ruf, W.: Ganzheitliches IT-Projektmanagement; 1. Auflage 2008

[8] vgl. Biethahn, J.; Mucksch, H.; Ruf, W.: Ganzheitliches Informationsmanagement; Band II: Entwicklungsmanagement; 4. Auflage 2007; S. 4

[9] Gerade durch den Einsatz von Referenzmodelle (V-Modell XT, ITIL, Cobit) haben sich in den letzten Jahren wesentliche Standardisierungen und Vereinheitlichungen ergeben.

[10] vgl. Heinrich, L.; Stelzer, D.: Informationsmanagement; 9. Auflage 2009; S. 271 f.

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