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Titelbild zum Beitrag: Urlaub im Sprachlabyrinth
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Urlaub im Sprachlabyrinth

Hohe Relevanz: Übersetzungen im Tourismus

In ausländischen Urlaubsregionen werden Speisekarten, Ausflugsangebote aber auch wichtige Informationen häufig mehrsprachig angeboten. Die Qualität der Übersetzungen lässt leider meist zu wünschen übrig. Unser Sprachexperte aus Mainz gibt Beispiele touristischen Kauderwelschs und sensibilisiert dafür, welcher ökonomische Schaden daraus resultieren kann.

Von Dr. Hans-Joachim Bopst, Johannes Gutenberg Universität, Mainz/Germersheim

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Man spricht deutsch - von wegen! Was deutsche Reisende in ihren Lieblingsreiseländern auf Speisekarten, Reisekatalogen oder Informationstafeln zu lesen bekommen, belegt eher die babylonische Sprachverwirrung. Hier nur einige Beispiele für das Touristen-Deutsch:

  • ...Es gibt keine Verkehrsampel, Zebrastreifen und Schutzmann mit dem Taschenbuch, keine Auto-Mopeds Betäubunglärm...
  • ...Durch geschütteltes Meer nicht überwachtes Baden. Bitte lassen Sie die Liegestuehlen unangetastet ! Herziehen Sie keinem Liegestuehl hinter sich!...
  • ...Es ist verboten, kulturelle Eigenschaften (Metallische Münzen, Ruinen Stücken und ähnliche Antiken) auszuführen. Übertretungen werden mit Gefangenschaft bestraft...

Solche sprachlichen Darbietungen kann man auf Reisen schmunzelnd hinnehmen, achselzuckend ignorieren oder ungläubig hinterfragen - täglichen Sprachquatsch kennt man ja auch von daheim.

Da sich die fremdsprachigen Gastgeber immerhin bemüht haben, wird man im Urlaub auch nicht dagegen angehen.

Auftraggeber tragen Verantwortung

Hoteliers, Restaurantbesitzer oder Reiseveranstalter in touristisch erschlossenen Regionen haben vermeintlich gute Gründe, sich keine weiteren Gedanken über ihre offenkundig misslungenen Texte zu machen: Korrekte, professionelle Übersetzungen - so bekommt man vielerorts zu hören - könne man sich ohnehin nicht leisten. Und: Die Broschüren und Hinweise würden kaum gelesen. Unklarheiten könne man notfalls durch die korrekte englische Übersetzung ausräumen - gemeint ist in diesem Zusammenhang wohl BSE, also bad and simple English.

Übersetzungen dieser Art stammen sehr oft von Bekannten, von einer Schulklasse oder von bemühten, aber nicht wirklich sprach- und übersetzungskompetenten Praktikanten. Für die Qualität der so entstandenen touristischen Texte fühlen sich die Auftraggeber nicht wirklich verantwortlich, geschweige denn haftbar.

Die genannten Beispiele verdeutlichen, wie Touristen im Ausland in ein verwirrendes sprachliches Labyrinth geschickt werden. Dies ist zuallererst kulturell bedenklich. Touristen-Deutsch fördert die Primitivisierung der touristischen Kultur - des Reisenden und des Bereisten:

  • Überall in der Welt werden auf diese Weise groteske Zerrbilder von regionalen Traditionen geboten; oder ein schmaler, auch zu Hause verfügbarer, internationaler Mainstream-Ausschnitt der einheimischen Kultur. Die Gelegenheit zu tieferem Eindringen in die Gastgeberkultur vor Ort ist eingeschränkt.
  • Unsinn auf Touristen-Deutsch erweckt den Eindruck von geringer touristischer Professionalität und Sprachkultur der Gastgeber und fördert Abschätzigkeit und Herabsehen.
  • Letztlich bleiben die Anbieter auch weit hinter den Erwartungen und Ansprüchen heutiger erfahrener Reisender zurück, die auf Reisen non-konformistisch und experimentierfreudig, für das schöne Neue aufgeschlossen und einer Kultur des Reisens immer mehr zugewandt sind - auch einer Sprachkultur.

Zu jeder fremden (Reise-)Welt hat man durch das Eingangstor Sprache Zugang. Diese Sprache darf durchaus etwas von der auf Reisen gesuchten Exotik (U. Ammon) enthalten. Sie sollte zudem auf eine andere Umgebung, ein anderes Denken neugierig machen, also exotisch sein. Sie darf aber nicht chaotisch sein. Texte in guter deutscher Sprache helfen dabei, den Zusammenprall der Kulturen zu vermeiden und wirken der Primitivisierung der touristischen Kultur entgegen.

Touristische Sprache in mangelhafter Qualität kann auch wirtschaftlichen Schaden anrichten: Reisende wählen ein anderes Hotel, ziehen die amerikanische Fastfood-Kette dem kleinen einheimischen Restaurant vor oder bringen im schlimmsten Fall sich oder andere aus Unverständnis in Gefahr.

Sprachliches Entgegenkommen in Form von Verständlichkeit und einem zweckmäßigen Sprachstil ist deswegen auch aus ökonomischen Überlegungen geboten. Ein ansehnliches Design der Kommunikation in deutscher Sprache stellt folglich eine profitable Investition dar. Das gilt besonders dort, wo Deutsche das Gros der Feriengäste ausmachen und ihre sprichwörtliche Ausgabefreudigkeit - Stichwort: die deutschen Reiseweltmeister - nicht leichtfertig verspielt werden sollte.

Der Übersetzer als Kulturmanager

Übersetzen ist perhaps one of the most complexe human activities. Übersetzer und Dolmetscher sind ausgewiesene Fachleute, die im Regelfall an Hochschulen ausgebildet werden. Für ihre spezifische Leistung sind gute Sprachkenntnisse eine notwendige, aber keineswegs hinreichende Voraussetzung. Hinzu kommen textrelevantes Sachwissen sowie die Fähigkeit, zwischen unterschiedlichen Zielgruppen zu unterscheiden und zu vermitteln. Übersetzer sind also Kommunikations-Designer und genau genommen Sprachexperten, Informationsbroker und Kulturmanager.

Was Übersetzer im Tourismus leisten können, sei an einem kleinen Beispiel demonstriert. Auf der viersprachigen Speisekarte eines Restaurants auf Elba findet sich unter den Fischgerichten der Eintrag:

ital. Triglie alla Livornese - frz. Rougets à la Livornese - engl. Red Mullets in the Livornese Way - dts. Livornesenseebarben.

Die professionelle Übersetzung lautet Seebarben Livorneser Art. Da touristische Texte nicht nur informativ, sondern auch werbend sein sollten, hätte ein Übersetzer geraten zu: Seebarben Livorneser Art, kurz gebraten und in pikantem Tomaten-Sellerie-Sud geschmort. Bei dieser Übersetzung läuft sicher auch Ihnen das Wasser im Mund zusammen?

Übrigens: Für die hier erbrachte Leistung hätte ein Übersetzer ein bis zwei Euro in Rechnung gestellt.

 

Autor

Dr. Hans-Joachim Bopst ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK) der Johannes Gutenberg Universität Mainz in Germersheim und hat dort einen Ausbildungszweig Tourismus in die Übersetzerausbildung eingeführt.

 

 

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