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Titelbild zum Beitrag: Von wegen Klemme
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Von wegen Klemme

Diskussion: Kredit- versus Bonitätsklemme

Vergeben Banken einfach keine Kredite mehr oder sind Kreditnehmer nicht mehr solvent genug? Dieser Frage geht unser Finanzexperte im April nach. Er verrät, warum Unternehmen besonders in der Phase des Aufschwungs in die Insolvenz gehen und was ein gesundes Unternehmen wirklich ausmacht.

Von Michael Bloss, Europäisches Institut für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD), Frankfurt am Main

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Das Wort Kredit leitet sich von dem lateinischen Wort Credo - also ich glaube - ab. Doch was hat Glauben mit einem Kredit zu tun?

Es ist der Glaube des Kreditgebers an den solventen -nehmer, der hinter dem Ursprung dieses Wortes steckt. Er ist ursächlich dafür, dass überhaupt Geld verliehen wird. Dennoch birgt ein solches Geschäft für den Kreditgeber immerzu ein Risiko.

Dieses Risiko geht ein Kreditgeber nur dann ein, wenn er für einen Kredit Zinsen erhält. Der Zinssatz bildet sich aus einer so genannten Zinsmarge (Gewinn des Kreditgebers) und einer Risikokomponente (Standardrisikokosten). Aus letzterer folgt: Je bonitätsschwächer ein Kreditnehmer, desto höher die Kreditzinsen.

Hohe Abschreibungen belasten Bilanzen

Bedingt durch die Finanzkrise prüfen Banken das Ausfallrisiko eines Kredits sehr genau. Schließlich mussten sie in den letzten Monaten verstärkt ausgefallene Kredite abschreiben und damit ihre Bilanzen allzu sehr belasten. Das allein ist allerdings kein abschließendes Indiz für eine Kreditklemme.

Denn von einer Kreditklemme (Credit Crunch) kann nur dann die Rede sein, wenn Banken mit der Vergabe von Krediten auffällig zurückhaltend sind und selbst Unternehmen mit guter Bonität kein Geld mehr leihen.

Keine Anzeichen für eine Kreditklemme

Das aktuell vom deutschen Mittelstand formulierte Problem einer Kreditklemme ist allerdings vor allem auf eine Bonitätsverschlechterung der Kreditnehmer zurückzuführen und demnach auch kein Zeichen einer Kreditklemme.

Richtig wäre folglich, nicht von einer Kredit-, sondern von einer Bonitätsklemme zu sprechen. Diese Bonitätsklemme resultiert in der Regel aus Sondersituationen wie beispielsweise Börsencrashs, Wirtschafts- oder Finanzkrisen.

Eigenkapital ist ausreichend

Eine klassische Kreditklemme liegt nur dann vor, wenn Banken nicht mehr in ausreichendem Maße auf Refinanzierungsquellen zurückgreifen können oder ein Problem mit ihrer Eigenkapitalquote haben.

Bei letztgenanntem Fall wird die Bank zwingend Maßnahmen ergreifen, um Eigenkapital aufzubauen - beispielsweise durch eine Kapitalerhöhung, durch den Abbau oder das Steuern von so genannten Risikoaktiva, also alle mit Eigenkapital zu unterlegenden, risikobehafteten Bankgeschäfte.

Insolvenzen im Aufschwung

Die meisten Unternehmen gehen nicht im Abschwung, sondern im Aufschwung in die Insolvenz. Warum? Viele Unternehmen zehren im Abschwung und in der Rezession ihre liquiden Mittel auf. Im Aufschwung sind dann keine Rücklagen mehr vorhanden, die als Kreditsicherung dienen können.

Getrübtes Rating

Die in der Folge bilanziell schlechte Lage trübt auch das Rating eines Unternehmens und erschwert massiv den Erhalt eines Kredits. Bricht in einer Aufschwungphase auf dem Markt ein Preiskampf aus, kann dies ein Unternehmen endgültig in die Knie oder gar in die Insolvenz zwingen. Das ist besonders im produzierenden Gewerbe der Fall.

Nur jedes Unternehmen, das seine Kreditfähigkeit in und nach einer Wirtschaftskrise weiterhin glaubwürdig darstellen kann, ist ein solides Unternehmen. Die viel diskutierte Kreditklemme, die genau genommen eine Bonitätsklemme ist, stellt in der Wirtschaft ein den Markt bereinigendes Element dar, durch das durchaus auch namhafte Unternehmen für immer vom Markt verschwinden können.

 

Autor

Michael Bloss ist Abteilungsdirektor im Wealth Management der Commerzbank AG und Direktor des Europäischen Instituts für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD). Er lehrt als Associate Professor und Director for Derivatives am Lehrstuhl für "International Finance" der European School of Finance an der HfWU und unterrichtet als Lehrbeauftragter an weiteren namhaften Universitäten und Hochschulen.

 

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