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Zentrales dezentral

Selbstcontrolling: Vor- und Nachteile

Das Controlling ist häufig in einer eigenen organistorischen Einheit angesiedelt. In diesem Fall erhalten die Führungskräfte eines Unternehmens von dort regelmäßig Berichte und Kennzahlen, die beim Steuern, Planen und Entscheiden hilfreich sind. Sinnvoll kann allerdings auch sein, Controllingaufgaben auf die Führungskraft auszulagern. Unser Controlling-Profi aus Baden-Württemberg zeigt Vor- und Nachteile des so genannten Selbstcontrollings auf.

Von Professor Dr. Thomas Barth, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen

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Selbstcontrolling bedeutet die teilweise bis vollständige Übernahme der Controllingfunktion durch die jeweilige Führungskraft und die eigenverantwortliche Ausübung innerhalb des jeweiligen Verantwortungsbereichs - unter Einhaltung der für die Unternehmung gültigen organisatorischen und ökonomischen Richtlinien.[1]

Peemöller sieht im Selbstcontrolling den Ausfluss der Grundgedanken des Lean-Managements bezüglich der Arbeitsorganisation verwirklicht.[2] Die Dezentralisierung als wesentlicher Grundgedanke im Lean-Management-Ansatz führt zu einer höheren Kompetenz und Verantwortung der einzelnen Mitarbeiter. Des Weiteren führt das Selbstcontrolling zu einer Minimierung der Schnittstellen im Vergleich zum institutionalisierten Controlling.

Zusammenfassend umfasst das Selbstcontrolling somit eine Reintegration von Controlleraufgaben ins Management sowie eine Verlagerung der Steuerungs- und Koordinationsaufgaben auf die dezentrale Ebene.[3]

Das Verständnis schärfen...

Als Vorteile eines vollständigen Selbstcontrollings können die folgenden angeführt werden:[4]

  • Controlling-Verständnis und -Denken sind auf mehrere Personen verteilt. Es existieren somit keine controllingfreien Bereiche. Hierdurch wird erreicht, dass das Controlling in die Köpfe der Mitarbeiter verlagert wird.
  • Die Controllingaufgabe wird von Mitarbeitern ausgeübt, die direkt im Wertschöpfungsprozess tätig sind. Hierdurch wird die Organisation von unnötigen Abteilungen und Stellen bereinigt.
  • Für das Selbstcontrolling sind keine umfassenden und komplexen Erfassungs- sowie Informationssysteme notwendig. Der jeweilige Entscheidungsträger muss nur über die für ihn relevanten Daten verfügen. Eine zentrale Aufbereitung von Daten durch ein institutionalisiertes Controlling ist damit überflüssig.
  • Das Selbstcontrolling bietet durch die Dezentralisierung hohe Potenziale für die Weiterentwicklung des Controllings sowie eine große Flexibilität bei der Anpassung an neue oder veränderte Anforderungen. In diesem Zusammenhang lassen sich auch Einsparungen durch den Verzicht auf die institutionalisierte Controllingabteilung realisieren.

...aber das Operative nicht vernachlässigen

Dennoch wird eine Übernahme aller Controllingaufgaben durch die Entscheidungsträger weder als möglich noch als wünschenswert angesehen. Dies ist auf die folgenden Nachteile des Selbstcontrollings zurückzuführen:[5]

  • Es besteht die Gefahr, dass sich die Kontroll- und Steuerungsprozesse bei einer vollständigen Aufgabe der Fremdgestaltung verselbständigen. Durch die individuellen und subjektiven Vorstellungen können die Unterschiede zwischen den jeweiligen Planungs-, Kontroll- und Informationssystemen zu groß werden. Dies würde die Fokussierung auf übergeordnete Zielsetzungen behindern und somit die Neutralität und Objektivität beeinflussen.
  • Des Weiteren liegt der Fokus der einzelnen Mitarbeiter auf den operativen Problemstellungen. Es fehlt an einer ganzheitlichen strategischen Betrachtungsweise. So könnten beispielsweise die operative und strategische Planung nur sehr ungenügend miteinander verzahnt werden.
  • Probleme der Gesamtsteuerung werden aufgrund der dezentralen Informationserfassung, -verarbeitung und -weitergabe unter Umständen nicht mehr erkannt.
  • Es bestehen erhöhte Konfliktpotenziale und Abstimmungsschwierigkeiten zwischen den Subsystemen. Es besteht die Gefahr von opportunistischem Verhalten der einzelnen Mitarbeiter, wodurch das Gesamtunternehmensziel unter Umständen nicht erreicht wird.
  • Nicht jeder Mitarbeiter ist gleichermaßen für die Selbststeuerung qualifiziert. Bei der Besetzung der Stelle dominiert die fachliche Anforderung und nicht die mögliche Eignung für das Controlling.

Resümee

Die obige Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile eines Selbstcontrollings macht deutlich, dass es nicht das institutionalisierte Controlling ablöst, sondern dass nach dem richtigen Verhältnis zwischen Fremd- und Selbst-Controlling zu fragen ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jedes Unternehmen selbst die Potenziale und Probleme der Selbstkoordination und Selbststrukturierung gegenüberstellen muss, um zu einer Entscheidung über das sinnvolle Ausmaß des Selbstcontrollings zu gelangen.

 

Autor

Professor Dr. Thomas Barth leitet das Fachgebiet Controlling und Rechnungswesen an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen.

 

 

 


 

 

[1] Vgl. Gruber, Controlling, 1995, S. 103.

[2] Vgl. Peemöller, Controlling, 2005, S. 105.

[3] Vgl. Horváth, Controlling, 2006, S. 840.

[4] Vgl. Peemöller, Controlling, 2005, S. 106 f.

[5] Vgl. Peemöller, Controlling, 2005, S. 107 f.

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