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Titelbild zum Beitrag: Einfach vernünftig handeln
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Einfach vernünftig handeln

Das ökonomische Prinzip

Der Homo oeconomicus tut es. Er handelt vernünftig. Er setzt seine knappen Mittel so ein, dass unter dem Strich sein Nutzen maximal ist. Zwei Volkswirte aus Nordrhein-Westfalen erläutern, was genau hinter Maximal- und Minimalprinzip steckt und sie verraten zudem, in welchen Fällen eine einfache Maximierung oder Minimierung nicht funktioniert.

Von Professor Dr. Johann Walter und Professor Dr. Ricarda Kampmann, Fachhochschule Gelsenkirchen

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Das ökonomische Prinzip - auch Wirtschaftlichkeits- oder Rationalprinzip genannt - ist eine Optimierungsvorschrift beziehungsweise ein Optimalkriterium, nach welchem sich das wirtschaftliche Verhalten von Unternehmen und Haushalten, unter Umständen sogar von ganzen Volkswirtschaften beurteilen lässt.

Es stellt dar, wie knappe Ressourcen rational auf die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten verteilt werden sollen. Es löst also das Allokationsproblem. Die Grundidee lautet:

Da Produktionsmittel und produzierte Güter im Verhältnis zu den tendenziell unbegrenzten Bedürfnissen meist knapp sind, ist Verschwendung zu vermeiden. Dann ist es rational, den Einsatz knapper Mittel und das angestrebte Ergebnis des Mitteleinsatzes in ein möglichst günstiges Verhältnis zu bringen, um das Spannungsverhältnis zwischen der Knappheit von Ressourcen und der Vielzahl von Bedürfnissen bestmöglich zu lösen.

Mittel messen und Ziele formulieren

Der Mitteleinsatz oder Input lässt sich dabei

  • mengenmäßig (zum Beispiel Zahl der Arbeitsstunden) und/oder
  • wertmäßig messen (zum Beispiel Lohnkosten).

Auch das Ziel lässt sich

  • mengenbezogen (zum Beispiel produzierte oder abgesetzte Gütermenge) oder
  • wertbezogen (zum Beispiel Produktionswert)

formulieren. Das Ziel kann sich auch auf - nicht quantifizierbare - Nutzengrößen beziehen. Im Bezug auf die Wirtschaftlichkeit kann ferner das Ziel-Mittel-Verhältnis oder die Input-Output-Relation von Interesse sein, beispielsweise die Produktivität (Produktionsmenge bezogen auf den mengenmäßigen Faktoreinsatz).

Nutzen maximieren oder Kosten minimieren?

Das ökonomische Prinzip kann auf verschiedene Arten angestrebt werden:

  1. Sind die Mittel zur Zielerreichung gegeben, so sollen sie so eingesetzt werden, dass der näher zu beschreibende Erfolg oder der Nutzen maximal wird. Diese Variante wird als Maximalprinzip bezeichnet. So sollten beispielsweise Haushalte versuchen, ein gegebenes (Monats-)Einkommen so für verschiedene Zwecke auszugeben, dass der Haushaltsnutzen maximal wird. Unternehmen sollten vorhandene Belegschaften so einsetzen, dass mit dem gegebenen Personaleinsatz (gemessen in Arbeitsstunden) eine Zielgröße maximiert wird, etwa die maximal mögliche Produktionsmenge erreicht wird. Bei der Beurteilung des rationalen Mitteleinsatzes kommt es auf die genaue Zielformulierung an. Volkswirtschaften sollten eine gegebene Ressourcenausstattung so einsetzen, dass die Wohlfahrt maximal wird. Bei Vollauslastung der Ressourcen lassen sich aber verschiedene Güterberge produzieren. Nur bei Existenz und Kenntnis einer gesellschaftlichen Wohlfahrtsfunktion (in welche im Übrigen auch Verteilungsaspekte einfließen können) ließe sich theoretisch ein optimaler, das heißt nutzenmaximierender Güterberg identifizieren. Wird dieser mit den gegebenen knappen Ressourcen realisiert, so ist in der betrachteten Volkswirtschaft das ökonomische Prinzip erfüllt.
  2. Ist ein bestimmtes Ziel gegeben, so sollte angestrebt werden, es mit dem geringst möglichen Mitteleinsatz zu realisieren. Diese Variante heißt Minimalprinzip. Demnach sollten zum Beispiel Berufstätige versuchen, den Weg zur Arbeit mit möglichst wenig Einsatz von Zeit, Benzin und/oder Geld zurückzulegen. Erneut kommt es bei der Beurteilung auf die genaue Zielformulierung an. Unternehmen sollten versuchen, eine bestimmte angestrebte Produktion mit minimalem Ressourceneinsatz zu realisieren, wobei im Fall mehrerer Einsatzfaktoren häufig die kostenminimale Einsatzkombination gesucht wird. Bei Volkswirtschaften, die nach Vollbeschäftigung und Wachstum streben, spielt das Minimalprinzip eine nachrangige Rolle. Die effiziente Produktion einer gegebenen Gütermenge kann Unterbeschäftigung der Faktoren bedeuten. Meist geht es (daher) nicht um ein vorgegebenes Produktionsziel, sondern um die Steigerung der Produktion.

Optimales Verhältnis suchen

Sind weder das zu erreichende Ziel noch die verfügbaren Mittel fest vorgegeben, so ist das ökonomische Prinzip im beschriebenen Sinne nicht anwendbar, weil man nicht gleichzeitig die Zielerreichung maximieren und den Mitteleinsatz minimieren kann.

Allerdings kann ein günstiges Ziel-Mittel-Verhältnis gesucht werden. Ein Haushalt, der einen PKW-Kauf plant, könnte beispielsweise - statt bei gegebenem Preis einen PKW mit maximaler Leistung (Maximalprinzip) oder einen PKW mit gegebener Leistung zum günstigsten Preis zu suchen (Minimalprinzip) - einen PKW mit optimalem Preis-Leistungsverhältnis suchen.

Ein Unternehmen könnte bei der Erschließung eines neuen Absatzmarktes eine möglichst günstige Kombination von Markterschließungskosten und Umsatzzuwachs anstreben, ohne sich vorher ein konkretes Kostenlimit oder ein Umsatzziel vorgegeben zu haben. In diesen Fällen wird ein bestimmter Ziel-Mittel-Indikator maximal, allerdings nur in Bezug auf das im Einzelnen betrachtete Konsum- oder Produktionsprojekt.

Ökonomisch aber nicht immer rational

Das ökonomische Prinzip eignet sich als Beurteilungsmaßstab bei gegebenen Umfeldbedingungen. Wird eine Verbesserung dagegen auch durch neue Produktionstechniken oder neue Konsummuster angestrebt, ist das ökonomische Prinzip zur Beurteilung eines rationalen Verhaltens unter Umständen nicht geeignet. Unklar ist zum Beispiel, wie viele Ressourcen in Forschung und Entwicklung neuer Güter und Produktionsverfahren investiert werden sollten, wenn die Forschungsproduktionsfunktion unbekannt ist.

 

Autoren

Professor Dr. Johann Walter und Professor Dr. Ricarda Kampmann lehren Volkswirtschaftslehre am Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Gelsenkirchen.

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