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Titelbild zum Beitrag: Besser Skalpell als Gieskanne
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Besser Skalpell als Gieskanne

Euro(pa) in der Krise

Was rettet den Euro? Diese Frage beschäftigt Politiker, Ökonomen und Wirtschaftsbosse rund um den Erdball. Da weder der Euro Bond noch der weit aufgespannte Rettungsschirm für systemrelevante Banken eine langfristige und nachhaltige Lösung bieten, gibt unser Finanzexperte eine provokante Antwort.

Von Michael Bloss, Europäisches Institut für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD), Frankfurt am Main

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Am 1. Januar 2002 war der Jubel in Europa groß, denn an diesem Tag wurde die gemeinsame Währung - der Euro - eingeführt.

Dadurch entstand einer der weltweit größten Währungs- und Wirtschaftsräume und damit auch ein synthetischer Zins- und Risikoraum. Die Ländern der Eurozone sind seitdem eng miteinander verwoben, allerdings ohne beispielsweise auch eine konsequente gemeinsame Wirtschaftspolitik zu betreiben.

Nachdem nun gleich mehrere Euro-Ländern enorme Schulden angehäuft und miese Ratings erhalten haben, steigt nicht nur der Druck auf diese Sorgenkinder (zum Beispiel Griechenland, Portugal, Spanien und Irland), sondern auch auf alle anderen Euro-Staaten. Doch steht der Euro damit bereits am Scheideweg?

Szenario:
zurück zur DM

Ein Auseinanderbrechen des Euro kann sich Europa nicht leisten. Die Rückkehr zur Drachmen, DM & Co. wäre nämlich mit einer Vielzahl von Problemen verbunden. Ein Beispiel: Würde Deutschland wieder die Deutsche Mark einführen, so würden viele Anleger rund um den Erdball die deutsche Währung als sicheren Hafen ansehen und DM kaufen. Die DM würde im Vergleich zur griechischen Drachme massiv aufwerten. Die Schulden der Griechen in Deutschland würden dadurch explodieren und das Land noch näher an den Rand des Ruins drängen. Und: Im Gegenzug würden die Vermögen der Deutschen in Griechenland massiv zusammenschrumpfen. Zudem würden auch die deutschen Exporteure leiden, da sich Ihre Produkte auf dem Weltmarkt - bedingt durch die starke DM - massiv verteuern würden.

Keine Lösung:
der Euro Bond

Ob ein so genannter Euro Bond die aktuellen Probleme lösen kann, wird heiß diskutiert. Es ist allerdings anzunehmen, dass ein gemeinsamer Bond der Eurostaaten vorerst nicht angeboten wird. Durch einen solchen Bond würde man nämlich den Weg zu einer vollständigen Transferunion öffnen. Dies wäre vergleichbar mit dem deutschen System des Länderfinanzausgleichs auf europäischer Ebene. Die Refinanzierungsbedingungen für die bonitätsstarken Euroländer würde sich zudem verschlechtern und selbst diese gesunden Staaten in die Klemme zwingen. Daher sind die Staats- und Regierungschefs in der Eurozone gut beraten, diese Büchse der Pandora nicht zu öffnen.

Der Rettungsschirm:
nur systemrelevante Banken stützen

Ob ein warmer Geldregen über den angeschlagenen europäischen Banken den Euro langfristig stützt, ist auch ungewiss. Vielmehr sollte man sich hier nochmals die Frage kritisch stellen, welche Banken tatsächlich systemrelevant sind. Die Staats- und Regieruckschefs der Eurozone wären folglich gut beraten, besser mit dem Skalpell, als mit der Gießkanne zu arbeiten und eben nicht jedem Institut unter die Arme zu greifen - da dies unter Kosten-nutzen-Überlegungen alles andere als ratsam wäre.

Provokante Lösung:
gemeinsame Wirtschafts- und Sozialpolitik

Europa steht vor der historisch einmaligen Gelegenheit, sozusagen aus der Not geboren, eine politische Einheit in Europa herbeizuführen. Denn nur durch eine gemeinsame Wirtschafts- und Sozialpolitik kann ein einheitlicher Währungsraum langfristig und nachhaltig bestehen. Als Vorbild könnten hier die Vereinigten Staaten von Amerika dienen.

Diese Forderung ist sicher provokant, denn auch gesellschaftlich heiße Eisen müssten dann in Europa gemeinsam angefasst werden: zum Beispiel das Renteneintrittsalter. Die in Deutschland geltende Regelung für den Renteneintritt mit 67 Jahren könnte dann Modellcharakter auch für die Staaten haben, die viele Ihrer Arbeitnehmer bereits mit 62 Jahren in die Rente entlassen. Es lässt sich erahnen, wie viel Überzeugungsarbeit besonders dort geleistet werden müsste und welche Gefahr von flächenweiten Protesten über die Grenzen von Nationalstaaten hinweg entstehen könnten.

Der Weg ist nicht einfach, Europa muss allerdings künftig den Weg der Vernunft und der Einheit gehen. Auch wenn er steinig ist - der Euro und die Einheit Europas hängt davon ab.

 

Autor

Michael Bloss ist Direktor der Commerzbank AG Wealth Management und Direktor des Europäischen Instituts für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD). Er lehrt als Associate Professor am Lehrstuhl für International Finance der European School of Finance der HfWU und ist Lehrbeauftragter an weiteren Hochschulen. Er ist Certified Financial Engineer (CFE).

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