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Titelbild zum Beitrag: Das Gute am Spekulanten
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Das Gute am Spekulanten

Unter der Lupe: Devisenmarktspekulation

Devisenspekulanten sind bedenkenlose Geschäftemacher, die ganze Volkswirtschaften durch ihr Handeln ins Wanken bringen. In vielen Köpfen hat sich dieses Bild geradezu eingebrannt. Dabei sind die findigen Akteure auf dem Devisenmarkt weitaus besser als der Ruf, der ihnen vorauseilt. Warum Spekulanten aus einer funktionierenden Weltwirtschaft nicht wegzudenken sind und weshalb auch feste Wechselkurse Devisenspekulationen nicht eindämmen, verrät unser Außenwirtschaftsexperte aus Göttingen.

Von Universitätsprofessor Dr. Gerhard Rübel, Universität Göttingen

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Vor dem Hintergrund krisenhafter Entwicklungen auf den Weltfinanzmärkten werden immer wieder Devisenmarktspekulanten als Mitschuldige verantwortlich gemacht. Es handele sich um Zocker, denen der eigene Profit wichtiger sei als die Stabilität der Märkte und das Gemeinwohl. Aber sind es wirklich Spekulanten, die für krisenhafte Entwicklungen sorgen oder sind es letztlich nur die Boten, die eine schlechte Nachricht überbringen oder falsche Entwicklungen erst aufdecken und damit vor noch schlimmeren Folgen schützen?

Devisenmarktspekulanten beobachten die Realität, bilden sich daraus Erwartungen über die zukünftige Entwicklung von Wechselkursen und vergleichen diese mit den aktuellen Kassa- und Terminkursen. Entdecken sie dabei eine Differenz, so werden sie Devisengeschäfte tätigen, um daraus Gewinne zu erzielen. Damit erfüllen Sie eine wichtige Funktion. Zum einen sorgen sie dafür, dass sich bestimmte wirtschaftliche Entwicklungen in den Wechselkursen niederschlagen, zum anderen können sie mit ihrem Verhalten sogar zu einer Stabilisierung der Kursentwicklung beitragen.

Aktuelle Wechselkurse beeinflussen

Besteht etwa in einem System flexibler Wechselkurse seitens eines Spekulanten aufgrund der ihm zugänglichen Informationen die Erwartung, dass in 6 Monaten ein Dollar 0,7 Euro wert sein wird und liegt der aktuelle Terminkurs für diesen Zeitpunkt bei 0,9 Euro für einen Dollar, so wird er heute am Terminmarkt Dollar verkaufen. War seine Erwartung richtig, so kann er sich in 6 Monaten am Kassamarkt Dollar für 0,7 Euro kaufen um sein Geschäft zu erfüllen. Er macht damit an jedem Dollar einen Gewinn von 0,2 Euro. Durch die Dollarverkäufe am Terminmarkt wird der Dollar so lange abwerten, bis der Terminkurs dem erwarteten Kassakurs entspricht. Durch die Terminkursänderung wird aber für einen risikoscheuen Kapitalanleger, der seine Anlagen am Terminmarkt absichert, eine Anlage in den USA weniger lohnend, da er für seine Dollaranlagen ceteris paribus weniger Euro zurückbekommt. Damit sinkt auch die aktuelle Dollarnachfrage der Kapitalanleger und damit wird der Dollar auch am heutigen Kassamarkt an Wert verlieren. Die vom Spekulanten erwartete zukünftige Abwertung des Dollar macht sich also bereits in den heutigen Termin- und Kassakursen bemerkbar.

Durch Spekulationen stabilisieren...

Wenn ein Land - etwa wegen einer Missernte - vorübergehend mehr Güter importieren muss, so wertet die Inlandswährung während dieser Zeit ab. Die Abwertung betrage 20 Prozent. Wenn Devisenmarktspekulanten vorhersehen, dass die Abwertung nur vorübergehender Natur ist und wieder mit einer Aufwertung auf das ursprüngliche Niveau rechnen, so werden sie Inlandswährung kaufen, sobald sie an den Devisenmärkten billiger geworden ist. Wenn der Importbedarf wegfällt und die Inlandswährung wieder an Wert gewinnt, so können die Spekulanten gewinnbringend verkaufen. Durch den Kauf der Inlandswährung wird diese aber temporär nicht 20 Prozent, sondern zum Beispiel nur 10 Prozent abwerten. Das Verhalten der Spekulanten stabilisiert also die Wechselkursentwicklung.

 

Ein ähnlicher Fall tritt auf, wenn die Inlandswährung wegen eines dauerhaften zusätzlichen Importbedarfs abwertet. Die Abwertung führt auch zu zusätzlichen wechselkursinduzierten Exporten (Devisenangebot), so dass die Inlandswährung langfristig um 10 Prozent abwerte. Der Einfluss der Wechselkursänderung auf die Exporte ist jedoch (etwa wegen laufender Lieferverträge) mit einer zeitlichen Verzögerung verbunden, so dass das Devisenangebot kurzfristig konstant bleibt. Dadurch wird die Inlandswährung aber kurzfristig um mehr als 10 Prozent abwerten. Wenn die Spekulanten die langfristige Wechselkursentwicklung richtig prognostizieren, so werden sie Inlandswährung kaufen, sobald die Abwertung mehr als 10 Prozent beträgt. Auch in diesem Fall ist die Devisenmarktspekulation gewinnbringend und stabilisiert die Kursentwicklung.

...oder destabilisieren.

Selbstverständlich kann Devisenmarktspekulation die Kursentwicklung auch destabilisieren. Liegt etwa ökonomisch kein Grund für eine Kursänderung vor und kauft ein Spekulant Devisen, so führt dies zu einer Abwertung der Inlandswährung. Handelt es sich um einen einflussreichen Marktteilnehmer, so kann es aufgrund von Herdenverhalten dazu kommen, dass auch andere Spekulanten Devisenkäufe tätigen und der Kurs sich weiter von seinem Fundamentalwert entfernt. Die Käufe werden getätigt, obwohl keine gesicherten ökonomischen Erkenntnisse vorliegen, weil es sich bei dem ersten Käufer um eine Benchmark handelt, dem eine bessere Informationsbeschaffung unterstellt wird und dessen Verhalten ohne genaue Überprüfung nachvollzogen wird. Durch ein solches Herdenverhalten kann es zur Bildung einer spekulativen Blase kommen. Dabei ist es sogar rational weiter zu kaufen, auch wenn mittlerweile bekannt ist, dass es sich um eine Blase handelt, solange davon ausgegangen werden kann, dass es weiterhin zu Nettokäufen kommt. In diesem Beispiel kann die Gesamtheit der Devisenmarktspekulanten keine Gewinne erzielen, da nach dem Platzen der Blase die Devisen zu einem niedrigeren Wert wieder verkauft werden müssen. Es kann aber durchaus einer Gruppe von Spekulanten gelingen, Gewinne zu erzielen, wenn sie rechtzeitig aussteigen und zu einem höheren Wert verkaufen als sie gekauft haben.

Keine geeignete Medizin gegen Spekulationen: Feste Wechselkurse

Oft wird gefordert, zur Eindämmung von Devisenmarktspekulation ein System fester Wechselkurse einzurichten. Die Annahme, in einem solchen System käme es nicht zu Spekulation ist allerdings ein Irrtum. Im Gegenteil ist es gerade in einem System fester Wechselkurse relativ risikolos auf eine Veränderung der Kursparitäten zu spekulieren. Nähert sich ein Wechselkurs in einem Festkurssystem mit Bandbreiten seinem oberen oder unteren Interventionspunkt, und wird diese Entwicklung als kein vorübergehendes Phänomen angesehen, so setzen Spekulationen über eine bevorstehende Paritätsänderung ein. Durch solche Spekulationen wird der Druck auf den Wechselkurs aber weiter erhöht, und der Rückkehr zum Gleichgewichtskurs entgegengewirkt. Bestes Beispiel eines solchen Phänomens ist die Krise des Europäischen Währungssystems von 1992/93. Aufgrund verschiedener Ursachen, unter anderem wegen der ungleichen realen Entwicklung in den europäischen Ländern, geriet neben anderen Währungen auch der französische Franc gegenüber der D-Mark unter Abwertungsdruck.

Die herrschende Parität wurde allgemein als ökonomisch nicht haltbar angesehen, dennoch weigerte sich die französische Regierung aus Prestigegründen den Franc abzuwerten. In dieser Situation ist eine Spekulation gegen den Franc relativ risikolos. Entweder die französische Regierung gibt nach und der Franc wird abgewertet, dann können Gewinne realisiert werden. Wenn die Parität dagegen durch Stützungskäufe der Notenbanken gehalten wird, so werden zwar keine Gewinne, aber auch keine Verluste gemacht. Aus diesem Grund kam es 1992/93 zu regelrechten Spekulationswellen, die Notenbanken mussten teilweise mit Milliardenbeträgen pro Tag am Devisenmarkt intervenieren.

Resümee

Das Beispiel des Europäischen Währungssystems macht deutlich, dass nicht die Spekulanten die Ursache für die krisenhafte Zuspitzung waren, sondern die Weigerung der Politik, die Kurse den ökonomischen Notwendigkeiten anzupassen. Insofern kommt den Devisenmarktspekulanten das Verdienst zu, auf unhaltbare Situationen aufmerksam zu machen und die Politik letztlich dazu zu zwingen, ökonomisch fundiert zu handeln. Dies sollte man bedenken, wenn man fordert, die Handlungsmöglichkeiten von Devisenmarktspekulanten einzuschränken. Das Setzen von allgemeinen Rahmenbedingungen ist sicher sinnvoll und vertrauensbildend. Beim Versuch, konkrete Handlungsmöglichkeiten, etwa Leerverkäufe, einzuschränken, sollte aber bedacht werden, dass dadurch auch die marktwirtschaftlichen Funktionen von Spekulanten eingeschränkt werden und es sogar zu größeren Instabilitäten kommen kann.

 

Autor

Dr. Gerhard Rübel ist Professor für Volkswirtschaftstheorie, Internationale und Monetäre Ökonomik an der Universität Göttingen.

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