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Kommunikation ist ein wechselseitiges Instrument. Sprache kann man nicht nur zur Formulierung von einfachen Aussagen nutzen, sondern auch um sich rhetorische Vorteile in einer Argumentation zu verschaffen. Wie man den Gesprächspartner mit einem Schlag übertrumpfen kann, erklärt unser Experte zur Rhetorik aus Saarbrücken.
Von Professor Dr. Gustav Vogt, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Saarbrücken
Homo homini lupus (Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf), erkannte schon Thomas Hobbes oder wie es Wilhelm Busch ausdrückt: Denn der Mensch als Kreatur hat von Rücksicht keine Spur. Dass dies leider durchaus ein Teil der Wirklichkeit ist, zeigt die Praxis menschlichen Zusammenlebens in vielfältiger Weise. Nach dem Motto der Zweck heiligt die Mittel werden oftmals die elementarsten Anstandsregeln bei zwischenmenschlichen Beziehungen außer Acht gelassen. Das gilt ebenso für das kommunikative Verhalten. Eristische Finten, Schikanen und Kunstgriffe übersteigen die Grenzen des gebotenen Fairplays nicht selten bei weitem. Die menschliche Zunge wird zur Tatwaffe, mit welcher der unfaire Streiter seinen Kontrahenten zusetzt und mitunter schwere Wunden zufügt.
Zum Standardrepertoire des unfairen Strategen zählen Killerphrasen oder Totschlagargumente. Es handelt sich um pauschale, herabsetzende Bemerkungen mit dem Zweck, unerwünschte Vorgehensweisen zu blockieren und einen Diskussionsabbruch zu bewirken. Daher werden sie gerne von Bewahrern in der Auseinandersetzung mit Erneuerern benutzt oder von Älteren gegenüber Jüngeren.
Wie kann man auf solche Killerphrasen reagieren? Keinesfalls sollte man sich hiervon einschüchtern lassen. Wenn etwas Gewicht hat, dann nur Argumente mit Substanz. Daher ist es oft am besten Killerphrasen gar nicht zu beachten. Will man dennoch darauf eingehen, kann man auf folgende Standardbemerkungen zurückgreifen, wobei es sich empfiehlt, die Schärfe der Replik auf die jeweilige Situation abzustimmen:
Als Totschlagargumente können wir auch die Argumente der schiefen Ebene oder Dammbruchargumente ansehen. Argumente dieser Art werden häufig vorgebracht im Zusammenhang mit strittigen Themen der angewandten Ethik wie Sterbehilfe (Euthanasie), Abtreibung und Stammzellenforschung oder auch bei Fragen der Bioethik wie etwa Zulässigkeit von Gentechnologie. Die Verfechter warnen davor, bei bestimmten Vorhaben auch nur den ersten Schritt zu tun, da in der Folge ein Missbrauch nicht auszuschließen sei und man somit leicht auf die schiefe Bahn geraten könne. Ihr Motto lautet daher: Principiis obsta. Wehre den Anfängen.
Natürlich sollte man bei solch hochsensiblen Themenbereichen auch die Frage eines möglichen Missbrauchs erörtern. Wenn man aber die Zulässigkeit bestimmter Maßnahmen oder Entwicklungen allein davon abhängig macht, ob es irgendwann zu missbräuchlichen Anwendungen kommen kann, muss man im Grunde alles verbieten. Missbrauch ist im Prinzip immer möglich bei allen nur denkbaren Neuerungen. Mit einem Messer beispielsweise kann ich Brot schneiden, aber auch Menschen verletzen oder töten. Per Internet kann ich schnell und billig nützliche Informationen transportieren. Es kann aber auch eine Plattform zur Übermittlung Gewalt verherrlichender oder pornografischer Inhalte sein. Dammbruchargumente, die jegliche Diskussion im Keim ersticken, sind somit keine geeigneten Instrumente, um strittige Problemfragen zu beantworten. Stattdessen sollte man lieber offen sein für Neues und das Für und Wider vernünftig gegeneinander abwägen.
Professor Dr. Gustav Vogt lehrt an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Er hält Vorlesungen zu Volkswirtschaftslehre und Rhetorik.