In seiner gemäßigten Form geht der Konstruktivismus zwar davon aus, dass eine externe Welt existiert, diese kann aber nicht in einer einzigen, absoluten und objektiven Weise wahrgenommen werden. Unsere Sinneswahrnehmungen sind keine Abbildungen der Wirklichkeit, sondern individuelle Konstruktionen. Individuen sind autonom und strukturdeterminiert, d.h. sie spezifizieren ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten. Damit gibt es keine Ursache-Wirkungs-Relation zwischen Reizen in der Umwelt und menschlichem Verhalten. Die empirische Forschung steht nun vor dem Problem, dass sie die Welt, die sie untersuchen will, immer nur in denjenigen Versionen antrifft, die von den interagierenden Subjekten konstruiert werden. Somit ist es auch nicht möglich, Repräsentationen auf ihre Richtigkeit hin am "Original" zu überprüfen, es können nur verschiedene Vorstellungen oder Konstruktionen miteinander verglichen werden.
Mayer, Horst Otto: Interview und schriftliche Befragung, 199 Seiten, 2008
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