Spekulative Investments: Wie sollten Anleger mit dem Risiko umgehen? Bildquelle: @ 89stocker/shutterstock.com
Finanzen & Börse

Spekulative Investments: Wie viel Risiko ist erlaubt?

Investitionen und Geldanlage sind Themen, mit denen sich im Laufe des Lebens nahezu jeder Mensch auseinandersetzen muss. Schließlich geht es darum, dass das eigene Kapital nicht nur untätig herumliegt, sondern seinerseits wiederum Renditen erzielt. Wer dabei allzu sehr auf Sicherheit geht, kann aktuell nur magere Renditen erzielen, die nicht einmal die Inflation ausgleichen.

Ein gewisses Maß an Risiko gehört zu einem guten Investment einfach dazu. Ab einem gewissen Grad spricht man jedoch von spekulativen Investments, die sehr risikobehaftet sind. Doch wie lässt sich das Risiko bemessen und welche Investments lassen sich als spekulativ bezeichnen?

Glücksspiel: Wenn alles beliebig ist

In der Rangliste der hochspekulativen Investments lässt sich das Glücksspiel quasi als den Pol bezeichnen. Der Spieler investiert Geld und hat wenig bis gar keinen Einfluss darauf, ob und wie viel er am Ende zurückbekommt. Dies ist vor allem bei Spielen wie Roulette der Fall, die sich dem Einfluss des Spielers voll und ganz entziehen.

Ebenso sieht es auch beim Lotto aus: Die Spieler tippen zahlen und hoffen, dass diese gezogen werden. Da die Wahrscheinlichkeit für alle Zahlen vor der Ziehung gleich hoch ist, entscheidet allein der Zufall. Beim Eurojackpot etwa lassen sich die Gewinnchancen allenfalls dadurch erhöhen, dass mehr Reihen getippt werden. Eine Erhöhung des Einsatzes erhöht am Ende die Gewinnchance. Trotzdem sind Verluste bis hin zum Totalverlust in den meisten Fällen die wahrscheinlichere Option. Dies zeigt das Wesen eines maximal spekulativen Investments auf:

  • Die Gefahr von Verlusten liegt sehr hoch
  • Ein Totalverlust ist jederzeit möglich
  • Eine Vorhersage der Ergebnisse ist unmöglich
  • Gewinne sind eher unwahrscheinlich
  • Im Fall eines Hauptgewinns fällt dieser jedoch sehr hoch aus

Typische spekulative Geldanlagen sind zum Beispiel CFDs. Hier wird relativ kurzfristig auf den Kursverlauf eines Aktienkurses, eines Währungspaares oder eines Indizes spekuliert. Dabei sind durch die Hebelmöglichkeiten zum einen sehr hohe Gewinne möglich, zum anderen ergibt sich jedoch die Gefahr eines Totalverlustes. Zumal die Vorhersage eines Kurses zwar grob möglich, jedoch existiert ein hohes Risiko für Fehleinschätzungen.

Die Steigerung sind sogenannte binäre Optionen. Sie waren längere Zeit eine sehr beliebte Form des Investments, bei dem es nur zwei Möglichkeiten gab: Ein Kurs steigt oder fällt innerhalb eines festgelegten Zeitraums (2 Minuten bis 1 Tag). Bei so kurzen Zeiträumen und Hebelmöglichkeiten glich das Ganze jedoch eher einem Glücksspiel.

Der Gegenpol: Ein Festgeldkonto

In punkto Geldanlage wird der Gegenpol zum reinen Zocken am besten durch ein Festgeldkonto verkörpert. Dieses funktioniert folgendermaßen:

  1. Der Anleger entscheidet sich für einen Anbieter
  2. Er legt eine vorher festgelegte Summe auf dem Festgeldkonto an
  3. Das Festgeld verbleibt für einen fixen Zeitraum auf dem Konto
  4. Die Zinsen pro Jahr werden vorher vertraglich vereinbart

Hier zeigt sich der Gegensatz zur reinen Zockerei:

  • Die Gewinne lassen sich fest einplanen
  • Die Höhe des möglichen Gewinns steht bereits vorher fest
  • Die Laufzeit ist fix

In punkto Sicherheit bieten die meisten Festgeldkonten zudem ein doppeltes Sicherheitsnetz. Zum einen gilt für Anbieter innerhalb der EU die gesetzliche Einlagensicherung in Höhe von 100.000 Euro pro Anleger. Wer also bis zu 100.000 Euro anlegt, erhält diese im Fall einer Anbieterinsolvenz sicher zurückerstattet. Dies schließt auch die Zinsen mit ein. Darüber hinaus sind gerade in Deutschland viele Finanzdienstleister in zusätzlichen Sicherungseinrichtungen:

  • Geschäftsbanken: Viele Banken sind Mitglieder im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Hier werden Einlagen mit bis zu 750.000 Euro pro Kunde abgesichert – maximal jedoch 15% des Eigenkapitals der Bank.
  • Sparkassen und Genossenschaftsbanken: Hier greift die sogenannte Institutssicherung. Das bedeutet: Droht einer Sparkasse oder Genossenschaftsbank die Insolvenz, springen alle anderen ein, um dies zu verhindern. Theoretisch wären Einlagen damit in nahezu unbegrenzter Höhe abgesichert.

Ein Festgeldkonto bietet also maximale Sicherheit. Dafür müssen Anleger im Gegenzug auf Rendite verzichten: Gerade in Niedrigzinsphasen bieten Festgeldkonten auch bei längeren Laufzeiten nur Zinssätze zwischen 0,5 und 2% pro Jahr. Darüber hinaus steht das Kapital über die gesamte Laufzeit hinweg nicht zur Verfügung und kann so lange auch nicht für anderweitige Investitionen genutzt werden.

Zwei bekannte Geldanlagen und ihr Risikoprofil

Damit Anleger das Risiko einer Investition besser einschätzen können, werden nun zwei bekannte Anlageformen in Bezug auf ihr Risiko genauer unter die Lupe genommen:

  • 1. Aktien: Es kommt stark auf den Einzelfall an

Ein Investment in Aktien lässt sich nicht generell betrachten, denn hier hängt das Risikoprofil stark vom jeweiligen Wertpapier ab. Aktien enthalten jedoch zwei generelle Risiken:

a) Kursrisiko

Der Kurs einer Aktie wird täglich neu festgelegt und setzt sich aus Angebot und Nachfrage zusammen. Somit können gerade kurzfristig Kursschwankungen auftreten, die sich im Vorhinein nur schwer kalkulieren lassen. So haben sich beispielsweise Kryptowährungen als sehr volatil herausgestellt.

b) Insolvenzrisiko

Muss eine Aktiengesellschaft Insolvenz anmelden und es kommt zur Liquidierung, sieht es für Aktionäre nicht immer gut aus. Diese werden als Eigenkapitalgeber nämlich erst nach den Fremdkapitalgebern (Banken und Inhaber von Unternehmensanleihen sowie andere Gläubiger) bedacht. Ein Totalverlust ist damit nicht auszuschließen.

So lässt sich das Risiko bei Aktien eindämmen

Es existieren heute verschiedene Möglichkeiten, das Risiko bei Aktien einzudämmen:

  • Risikostreuung durch den Kauf verschiedener Aktien (Streuung nach Branchen, Märkten)
  • Investment langfristig betrachten (Kursschwankungen gleichen sich im längeren Zeitverlauf aus, der Langfrist-Trend bei Aktien zeigt nach oben)
  • Unternehmen vorher checken (gerade Kennzahlen zur Verschuldung geben hier Aufschluss, gering verschuldete Unternehmen können Schwierigkeiten besser überstehen)

Tipp: Ein Investment in ETFs streut das Risiko sehr weit, da immer alle Aktien aus dem jeweiligen Aktienindex gekauft werden. Diese Risikostreuung „bezahlen“ Anleger damit, dass die mit einem ETF zwar den Markt abbilden, aber eigentlich kaum schlagen können.

  • 2. Immobilien: Solides Fundament und versteckte Risiken

Immobilien wirken auf den ersten Blick grundsolide: Der Käufer investiert in ein Asset, welches einen Wert an sich besitzt. Dies ist grundsätzlich richtig, denn bei einer Immobilie besteht immer die Option, darin zu wohnen. Trotzdem kommt es auch hier auf den Einzelfall an, wie die folgenden Beispiele zeigen:

  • Falsche Lage: Wer seine Immobilie in einem Wohnviertel kauft, welches sich auf dem ansteigenden Ast befindet, muss eventuell mit ansehen, wie die Immobilie über die Jahre deutlich an Wert verliert. Dies zeigt, wie wichtig die Einschätzung der Lage ist.
  • Schlechter Zustand: Sollten größere Schäden an der Immobilie beim Kauf nicht erkannt werden und auch der Verkäufer hatte keine Kenntnis davon, kann dies den Wert der Immobilie erheblich schmälern.

Es ist also durchaus auch möglich, mit dem Kauf einer Immobilie Geld zu verbrennen.

Wer Risiken annimmt und dann durch eine gute Recherche minimiert, dem stehen gute Renditemöglichkeiten offen. Bildquelle: @ Micheile Henderson / Unsplash.com

Spekulative Investments: Stets die wichtigsten Faktoren im Blick behalten

Das Thema Geldanlage löst gerade bei risikoaversen Menschen oft Bauchschmerzen aus. Doch ist es heute unerlässlich, ein gewisses Maß an Risiko einzugehen, um ansehnliche Renditen zu erzielen. Dies darf allerdings nicht mit Zockerei verwechselt werden. Wer jedoch auf Basis fundierter Informationen eine Anlageentscheidung (z.B. Aktienkauf) hat das Risiko bereits eingeschätzt und handelt nicht einfach aus dem Bauch heraus.

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